Denderah_cour.jpg Eine Säule ist eine lotrechte Stütze aus Holz, Stein oder Metall mit rundem oder polygonalem Querschnitt. Säulen können ein Gewölbe, Arkaden oder das Dach eines Gebäudes stützen und dabei teilweise oder ganz die Wände ersetzen. Im Unterschied zu einem tragenden Pfeiler können sie jedoch auch der Dekoration dienen oder sogar als Monument allein stehen. Halb in die Wand eingebaut bezeichnet man sie als Blendsäule (Halbsäule).
Säulen gibt oder gab es in allen Architekturstilen und allen historischen Epochen.
Als Säulenordnung werden die Systeme von Formen und Proportionen bei Säulen und Gebälk bezeichnet. Sie waren auch für weite Teile der Architektur von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert verbindlich (kanonisch).
Die Aufteilung der Basis beginnt in den klassischen Säulenordnungen unten mit der quadratischen oder rechteckigen Plinthe. Sie verteilt die Last der Säule auf eine größere Grundfläche. Die Plinthe ist in seltenen Fällen mit Ornamenten oder Blattmotiven verziert. Auf ihr können weitere horizontale Platten ruhen, die der optischen Gliederung der Basis dienen. Ihr Querschnitt ist rund; das Profil variiert zwischen konkaven Hohlkehlen und konvexen Wulsten.
Bei der im Bild dargestellten griechischen Tempelform steht die Basis auf einem treppenförmigen Unterbau, dem Stereobat oder Krepis'. Die oberste Stufe wird Stylobat genannt. Ein keilförmiges Ausgleichselement (Scamillus) auf der geneigten Oberfläche des Stylobats sorgt dafür, dass die Plinthe auf einer waagrechten Fläche aufliegt.
Säulen können auch auf einem meist rechteckigen Sockel stehen. Eine erhöhter Sockel kommt oft bei Pilastern oder Kolossalordnungen zum Einsatz, wenn die Säule in der vollen Größe zu wuchtig wirken würde.
Der Schaft einer Säule kann monolithisch aus einem Teil gearbeitet sein, ist bei größeren Säulen aber meist aus mehreren so genannten Säulentrommeln zusammengesetzt. Fast überall werden Schaftformen eingesetzt, die sich nach oben verjüngen. Bei den klassischen Säulenordnungen ist eine leichte Wölbung des Schaftes üblich, so dass er auf etwa einem Drittel seiner Höhe den größten Umfang (Entasis) erreicht. Dies unterscheidet die Säule vom Rundpfeiler, der keine Entasis aufweist.
Der einzige Schmuck des Schaftes ist in der dorischen, ionischen und korinthischen Ordnung die Kannelierung. Toskanische Säulenschäfte sind vollkommen schmucklos. Andere Stilrichtungen betreiben gerade am Schaft üppigste Dekoration. Säulen der byzantinischen, romanischen und gotischen Architektur, aber auch der deutschen Renaissance sind oft mit geometrischen oder organischen Ornamenten überzogen.
Bei Pilastern gibt es oft keine Verjüngung nach oben. Häufig werden sie dadurch gegliedert, dass die Kannelierung erst auf einem Drittel der Schafthöhe beginnt.
Zwischen Schaft und Gebälk liegt der Säulenkopf, das sogenannte Kapitell. Die antike Architektur kennt drei Grundformen des Kapitells: das dorische, ionische und korinthische Kapitell.
Zwischen Kapitell und Schaft liegt der Säulenhals, meist durch eine Platte oder ein Plättchen gebildet, das zwischen den Bauteilen optisch vermittelt und mit Eierstab-Ornamenten verziert sein kann.
Oberhalb des eigentlichen Kapitells trennt eine quadratische, ornamental verzierte Platte, der Abakus, den Säulenkopf vom Gebälk. Wenn die Säule kein Gebälk trägt, sondern einen Bogen oder ein Gewölbe, kann auf dem Abakus ein weiteres, trapezförmig auskragendes Bauteil liegen, der Kämpfer. Er hat auch statische Funktion, weil er den Druck des Gewölbes auf die Mitte der Säule überleitet und so die Ecken des Kapitells schont.
Es werden drei Arten von Säulen unterschieden: Lotossäulen, deren Kapitell einer stilisierten Lotosblüte ähnelt; Papyrussäulen, die mit Streifen von Papyrus umwickelt zu sein scheinen; sowie Palmensäulen, deren Kapitelle Palmblättern gleichen. Hals und Kapitell imitieren umgürtete Bündel von Zweigen oder Schilfrohren. Das Kapitell ist entweder knospenartig geschlossen und verjüngt sich nach oben (geschlossenes Kapitell) oder verbreitert sich kelchförmig (offenes Kapitell). Auch mit den Gesichtern von Göttern verzierte Würfelkapitelle wurden eingesetzt.
Die Proportionierung, Bauform und Ornamentierung von klassischen Säulen einschließlich des Gebälks wird Säulenordnung genannt. Nach diesen Ordnungen richteten sich vor allem in der Baukunst des Antiken Griechenlands und des Römischen Reiches Tempel und Repräsentationsbauten. Zunächst wurden zwei Säulenordnungen unterschieden, seit Vitruv drei Hauptordnungen und einige Nebenordnungen, die aus ihnen hervorgingen. Für die Geschichte der europäischen Architektur sind die klassischen Säulenordnungen prägend. In der Architekturgeschichte sind die Renaissance und der Klassizismus des 19. Jahrhunderts die wichtigsten Phasen, in denen die Architektur durch eine Rückkehr zum antiken Kanon erneuerte.
Die dorische Ordnung ist die älteste der griechischen Säulenordnungen, entstanden im 7. Jahrhundert v. Chr. auf dem Peloponnes. Sie hat vergleichsweise gedrungene, sich nach oben deutlich verjüngende Säulen mit deutlicher Schwellung (Entasis) und meist 20 flachen, scharf aneinanderstoßenden Längsfurchen (Kanneluren) am Säulenschaft. Die Säule steht ohne Basis direkt auf dem Unterbau (Stylobat). Der Schaft trägt am oberen Ende mindestens eine waagerecht umlaufende Einkerbung und trägt ein dreigeteiltes Kapitell, bestehend aus dem unauffälligen, ebenfalls kannelierten Hals (Hypotrachelion), dem Echinus, einem wulstförmigen Kissen und dem Abakus, der abschließenden quadratischen Deckplatte, auf der das Gebälk ruht. Das Gebälk ist seinerseits im wesentlichen zweifach geteilt in Architrav oder Epistyl aus glatten Steinbalken und einen Fries, der mit Triglyphen (stilisierten Enden hölzerner Deckenbalken) und Metopen (medaillonförmigen Reliefs) verziert ist. Darüber liegt der Giebel mit dem Tympanon, dem Giebeldreieck. Vitruv, der die Säulen nach dem menschlichen Maß charakterisiert, sieht in der dorischen Säule die Stärke und Anmut des männlichen Körpers. Leon Battista Alberti wiederum beschreibt sie als Proportion von 7:1, also als Verhältnis der Höhe zur Schaftbreite. Die ionische Ordnung hat schlankere Säulen, die sich nur leicht verjüngen. Die 20 bis 24 von Stegen getrennten Kanneluren sind tiefer und enden kurz vor Säulenfuß und -kopf in einer Rundung. Sie stehen auf einer Basis, bestehend aus der Plinthe, einer quadratischen Bodenplatte, und einer Folge von waagerechten Wulsten und Hohlkehlen (Tori und Trochili). Das Kapitell ist komplexer als das dorische: Der Echinus ist zierlicher und als Eierstab gebildet, darunter liegt noch ein schmaler Perlstab. Oberhalb des Echinus liegt das typische Pulvinium mit seitlichen Voluten, ein Polster, das seitlich zu Schnecken eingerollt ist. Der Abakus ist flach und kleiner als das Pulvinium. Das Gebälk ist zweigeteilt in den Epistyl mit drei leicht vorkragenden Stufen (Fasciae) und ein Gesims mit Zahnschnitt oder einen Fries mit Reliefs. Vitruv sieht in der ionischen Säule die frauliche Schlankheit. Alberti beschreibt sie als Proportion von 8:1.
Die korinthische Ordnung ist eine hellenistische Ableitung aus der ionischen Ordnung. Die Säulen sind noch schlanker und höher, unter den floralen Voluten des Kapitells befindet sich zusätzlich ein Kranz von Akanthus-Blättern. (Das römische Kompositkapitell ist noch reicher verziert und hat größere Voluten.) Das Gebälk ist dreigeteilt in Epistyl, Relieffries und Zahnschnitt. Vitruv sieht in der korinthischen Säule die jungfräuliche/mädchenhafte Zartheit. Alberti beschreibt sie als Proportion von 9:1.
Die toskanische Ordnung ist eine etruskische Variante der dorischen Ordnung mit meist unkanneliertem Säulenschaft und einer Basis. Das Gebälk war anfangs aus Holz und nicht aus Stein.
Als Kompositordnung bezeichnet man sowohl die korinthische Ordnung bei Verwendung des Kompositkapitells (eine Kombination aus korinthischem und ionischem Kapitell) als auch auch eine Fassadengestaltung dreistöckiger Gebäude mit vorgeblendeten Säulen, Halbsäulen oder Pilastern, die im Erdgeschoss der dorischen, im ersten Stock der ionischen und im zweiten Stock der korithischen Ordnung folgt. Dieses Fassadenprogramm wurde in der römischen Architektur entwickelt und in der italienischen Renaissance wieder aufgegriffen.
Die Vitruvsche Säulenordnung geht auf Marcus Vitruvius Pollio zurück.
Siehe auch: Griechische Architektur, Römische Architektur
In romanischen Säulenreihen wird oft Wert darauf gelegt, dass jede Säule und jedes Kapitell individuell gestaltet ist. Das Kapitell romanischer Säulen ist wie die Basis würfelförmig, wobei die unteren Kanten abgerundet sind, um an den kreisförmigen Querschnitt der Säule anzuschließen. Romanische Kapitelle sind oft mit Figuren oder Blattwerk geschmückt.
Romanische Kreuzgänge oder Kolonnaden haben oft Doppelreihen von Säulen.
Der Abstand zwischen den Säulenachsen in einer Säulenreihe wird als Achsweite, die lichte Weite zwischen den Außenkanten der Säulen an ihrem unteren Durchmesser Interkolumnium bezeichnet.
Eine Fassadengliederung mit Säulen, die sich über mehrere Geschosse eines Gebäudes erstrecken, wird als Kolossalordnung bezeichnet und dient vor allem der optischen Strukturierung der Fassade.
Neben der frei stehenden Säule gibt es die nur teilweise hervortretende Blendsäule (Halbsäule, Dreiviertelsäule). Sie können zu Bündeln zusammengefasst werden, die insbesondere in der mittelalterlichen Architektur zu finden sind. Hier spricht man auch von Diensten, Bündeln von Halb- oder Dreiviertelsäulen, die einem Pfeiler vorgelagert sind und die die Last des Gewölbes zumindest teilweise tragen.
Säulen, die als flaches Wandrelief gestaltet sind, werden als Pilaster bezeichnet. Pilaster können auch gestaffelt werden, um eine plastische Wandgestaltung zu erreichen, was in der Architektur des Barock häufig anzutreffen ist. Erstrecken sie sich über mehrere Stockwerke, spricht man von Kolossalpilastern.
Bauformen, bei denen Säulen bevorzugt eingesetzt werden, sind: Säulenhalle, Kolonnade, Arkade, Portal.
Eine interessante Variante, die zeigt dass die verwendeten Stilelmente auch anders eingesetzt werden können, ist dabei der Münchner Friedensengel, der zwar die Generäle des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 sowie deren Sieg positiv darstellt, anders als frühere Siegessäulen jedoch dem darauffolgenden Frieden gewidmet ist.
Nicht in jedem Falle handelt es sich bei einer freistehenden Säule um ein Denkmal. Es gibt sie auch mit nahezu funktionaler Bedeutung. Dazu zählt die sogenannte Litfaßsäule.
Weitere Monumente, die aus freistehenden Säulen bestehen:
Neustadt Sachsen Postmeilensäule.JPG in Neustadt (Sachsen); baulich handelt es sich jedoch nicht um eine Säule, sondern um einen Obelisken]] Teilweise werden auch alleinstehende Bauelemente aufgrund ihrer vertikalen Form als Säule bezeichnet, auch wenn ihnen Basis und Kapitell fehlen:
Columna | Column | Columna (Arquitectura) | Pilier | 柱 | Zuil (bouwkunde) | Søyle | Kolumna (architektura) | Coluna (arquitetura) | Kolonn