Eine Säure (lat. acidum, Mz.: acida) kann einer oder mehreren der folgenden Definitionen entsprechen. Dabei ist die Frage nach Falsch oder Richtig einer Säure-Base-Theorie nicht zutreffend, denn solche Theorien sind (wie beinahe alle Vorstellungen in den Naturwissenschaften) problemorientiert zu betrachten. Ganz allgemein ist eine Säure das Gegenstück zu einer Base.
Das Maß für den Säuregehalt (Konzentration) ist der pH-Wert. Das Maß für die Säurestärke ist der pKs-Wert.
Eigenschaften einer Säure:
Svante Arrhenius (1859-1927) sah 1878 das charakteristische Merkmal einer Säure in der Tatsache, dass sie in wässriger Lösung zu freibeweglichen, positiv geladenen Wasserstoffionen (H+-Ionen) und freibeweglichen, negativ geladenen Säurerestionen dissoziiert. Im Gegensatz dazu dissoziierte eine Base nach Arrhenius zu Kationen und OH--Ionen.
Arrhenius sagte jedoch noch nicht aus, dass die frei beweglichen Wasserstoffionen mit Wasser weiterreagieren und Oxoniumionen bilden.
In dieser Definition sind Säuren (und Basen) auf Wasser als Lösungsmittel beschränkt.
Saure und basische (z. B. Pyridin) Reaktionen von Substanzen, die keine OH--Ionen oder Protonen abgeben können bleiben daher außen vor.
Beispiel für eine Säure nach Arrhenius:
Formelbeispiele für die Reaktion nach Brønsted:
Dissoziation von Chlorwasserstoffsäure in Wasser
Daraus ergibt sich:
H2o_hcl.png
Dissoziation von Schwefelsäure in Wasser
Daraus ergibt sich:
H2o_h2so4.png
Man bezeichnet die Teilchen, welche die Protonen abgeben somit als Säuren, oder Protonendonator.
Teilchen, welche Protonen aufnehmen werden als Basen und demzufolge als Protonenakzeptoren bezeichnet.
Damit entspricht jeder Säure eine bestimmte Base, die durch Abgabe eines Protons aus dieser entstehen kann. Solche (reversiblen) protolytischen Systeme werden als Säure-Base-Paar bezeichnet.
Demzufolge hat die stärkste (Brønstedt)-Säure die schwächste korrespondierende Base (und umgekehrt).
Kann ein chemischer Stoff sowohl Protonen aufnehmen (Base) als auch abgeben (Säure), spricht man von einem Ampholyt oder der Eigenschaft amphoter. Der bekannteste Ampholyt ist Wasser.
Deshalb wird hier nach Neutralsäuren (z. B. HCl), Kationensäuren (z. B. NH4+) und Anionensäuren (z. B. HSO4-) unterschieden.
NaOH (als Feststoff) ist (nach Brønstedt) also ein Salz und keine Base (im Gegensatz zu OH-).
Der Säurebegriff von Brønsted und Lowry erklärt im Gegensatz zu Arrhenius auch die Säure-Base-Reaktion von Wasserstoffchlorid (HCl)- und Ammoniak (NH3)-Gas zu Ammoniumchlorid (NH4Cl) trotz Fehlen von Wasser.
Gilbert Newton Lewis veröffentlichte 1938/1939 seine Abhandlung über die Säure-Base-Theorie.
Demnach ist eine Säure ein elektrophiler Elektronenpaarakzeptor, eine Lewis-Base ein Elektronenpaardonator.
Zu den Lewis-Säuren zählen
Im Mittelpunkt des 1939 von Lux aufgestellten und von Flood 1947 erweiterten Konzepts stehen statt Protonen die Oxidionen im Vordergrund. Dieses wurde aufgestellt, um Säure-Base-Reaktionen auch in protonenfreien Systemen beschreiben zu können, wie es in anorganischen Schmelzen vorkommt.
Nach Lux und Flood sind Säuren Oxidionen-Akzeptoren, Basen Oxidionen-Donatoren. Man betrachtet dabei Nichtmetalloxide (beispielsweise SO2, CO2) als Säureanhydride, da sie in wässriger Lösung sauer reagieren, entsprechend sind Metalloxide (beispielsweise MgO, Fe2O3) Basenanhydride, da sie in wässriger Lösung Hydroxidionen bilden.
1939 stellte der russische Wissenschaftler Usanovich folgende Definition des Säure-Base-Begriffs auf:
Eine Säure ist jede chemische Verbindung, die mit Basen reagiert, Kationen abgibt oder Anionen beziehungsweise Elektronen aufnimmt. Entsprechend ist eine Base jede Verbindung, die mit Säuren reagiert, Anionen oder Elektronen abgibt oder sich mit Kationen vereinigt.
Diese Begriffsdefinition umfasst die Reaktionen nach dem Lewis-Konzept, erweitert selbiges dadurch, dass die Aufnahme beziehungsweise Abgabe von Elektronen nicht auf gemeinsame Paare beschränkt ist, und umfasst alle Redoxreaktionen, bei denen ein vollständiger Elektronenübergang beteiligt ist.
Ein Kritikpunkt dieser wenig gebräuchlichen Theorie ist, dass sie zu allgemeingültig ist, und der Begriff Säure-Basen-Reaktion auf beinahe jede Art von Reaktion anwendbar ist.
1963 entwickelte Ralph G. Pearson das Konzept der harten und weichen Säuren und Basen. Es lautet:
Betrachtet wird hierbei die Elektronegativität und die Polarisierbarkeit des betrachteten Teilchens. Es gilt:
Harte Säuren haben:
Harte Basen haben:
Weiche Säuren haben:
Weiche Basen haben:
Beispiele:
Das Konzept gibt Tendenzen wieder, es gibt wenige absolut "harte" oder "weiche" Teilchen. Es hilft jedoch bei der Abschätzung über die Stabilität von Verbindungen.
So kommt z.B. das weichere Fe2+ in der Natur als Sulfid vor, während das härtere Fe3+ als Hydroxid oder Oxid vorliegt.
Bei einer Säure-Base-Reaktion nimmt der Reaktionspartner (die Base) das von der Säure abgegebene Proton auf. Dies ist abzugrenzen von den Redoxreaktionen, bei denen Elektronenübergänge stattfinden. Jede Säure besitzt bei einer solchen Reaktion eine korrespondierende Base:
Beispiele:
SI BII SII BIIn diesem Fall ist Salzsäure die erste Säure, da sie Wasserstoffionen abgibt, an die Base Wasser. Diese ist nach der Reaktion, als Oxoniumion selbst zu einer Säure geworden, könnte also dem Chloridion seinerseits Protonen überlassen.
Säuren sind Stoffe, die H+-Ionen abgeben können. Die allgemeine Reaktion einer Säure HA lautet also:
Der Stoff A- ist die konjugierte Base zu HA.
Die Säuren unterscheiden sich in ihrer Tendenz, H+-Ionen abzugeben. Diese wird als Säurestärke KS bezeichnet und gibt die Gleichgewichtskonstante (Säurekonstante) der Säurereaktion an.
Säuren mit großem KS-Wert (kleinem pKS) sind stark. Liegt der pH-Wert zwei Einheiten unter pKS, werden nur noch ein Hundertstel der H+-Ionen freigesetzt.
Siehe hierzu auch: Nivellierender Effekt des Wassers
Säuren, die mehrere Protonen abspalten können, nennt man mehrprotonige Säuren. H2SO4 ist eine zweiprotonige Säure, H3PO4 eine dreiprotonige Säure.
Für die einzelnen Protonen ist das Bestreben zur Abgabe (die Säurekonstante Ks) verschieden groß.
Für die einzelnen Protolyseschritte (Abgabe der Protonen H+-Ionen) gilt im Allgemeinen: Ks(I)>Ks(II)>Ks(III) (bzw. pKs(I)
Wichtige Säuren sind:
Auch Salze mehrprotoniger Säuren können als Säuren wirken ("saure Salze"), beispielsweise
Stoffgruppe | Chemikaliengruppe
Киселина | Àcid | Kyselina | Syre | Acid | Acido | Ácido | Hape | Happo | Acide | Ácido | חומצה | Kiseline | Sav | Asam | Acido | Acido | 酸と塩基 | 산 (화학) | Rūgštis | Skābe | Киселина | Süür | Zuur (chemie) | Syre | Syre | Kwas | Ácido | Acid | Кислота | Acid | Kyselina | Kislina | Киселина | Syra | அமிலம் | กรด | Asido | كىسلاتا | Кислота | Axít | 酸