| Karte | ||||
|---|---|---|---|---|
| Lage des Ruhrgebiets.png | ||||
| Basisdaten Ruhrgebiet | ||||
| Bundesland: | Nordrhein-Westfalen | |||
| Landschaftsverbände: | Rheinland, Westfalen | |||
| Regierungsbezirke: | Arnsberg, Münster, Düsseldorf | |||
| Körperschaft: | Regionalverband Ruhr | |||
| Fläche: | 4435 km² | |||
| Einwohner: | 5.317.565 (1. Oktober 2004) | |||
| Bevölkerungsdichte: | 1199 Einwohner/km² | |||
| Höchster Punkt: | 420 m ü. NN (Breckerfeld) | |||
| Niedrigster Punkt: | 14 m ü. NN (Xanten) | |||
| Nord-Süd-Ausdehnung: | 67 km | |||
| West-Ost-Ausdehnung: | 116 km | |||
| Geografische Lage: | 51° 12' - 51° 49' n. Br. 6° 22' - 7° 59' ö. L. | |||
| Kfz-Kennzeichen: | BO, DO, DU, E, GE, HA, HAM, HER, BOT, MH, OB, EN, RE, UN, WES (auslaufend: CAS, GLA, MO, WAN, WAT, WIT) | |||
| Gliederung des Ruhrgebiets: | 11 kreisfreie Städte, 4 Kreise | |||
| Website: | www.ruhrgebiet.de | - | Politik | |
| RVR-Verbandsdirektor: | Heinz-Dieter Klink (SPD) | |||
| Bevölkerung | ||||
| Arbeitslosenquote: | 13,2 % (4. Januar 2005) | |||
Im Allgemeinen versteht man unter dem Begriff Ruhrgebiet heutzutage das Gebiet des Regionalverbands Ruhr (RVR). Zum RVR gehören die kreisfreien Städte Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen sowie die Kreise Recklinghausen, Unna, Wesel und der Ennepe-Ruhr-Kreis. Die Daten im Folgenden beziehen sich daher auf dieses Verwaltungsgebiet. Da der Begriff „Ruhrgebiet“ jedoch keine offizielle Verwaltungsbezeichnung darstellt, sind die genauen Grenzen interpretationsabhängig.
Das Ruhrgebiet ist kein einheitlicher Naturraum. Die Städtelandschaft liegt im Schnittpunkt der Westfälischen Tieflandebene, der Niederrheinischen Ebene und des Rheinischen Schiefergebirges. Nördlich der Lippe geht es in die Münsterländische Bucht über. Südlich der Ruhr reicht es ins Bergische und Märkische Hügelland. Nördlich der Ruhr schließen sich die Lößebenen der Westenhellwegs an. Zwischen Lippe und Westenhellweg liegt die Emscherniederung. Die Emscher trennt die Westfälische Bucht vom Rheinischen Schiefergebirge. Eckpunkte sind Nordwesten Wesel (Kreis Wesel), im Südwesten Duisburg, im Südosten Hagen und im Nordosten Hamm. Die West-Ost-Ausdehnung von Sonsbeck bis Hamm beträgt 116 km, die Nord-Süd-Ausdehnung von Haltern am See bis Breckerfeld 67 km.
Den Angaben des Regionalverband Ruhr (RVR) zufolge sind 37,6 % der Fläche des Ruhrgebiets bebaut. 40,7 % der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt. Der Waldanteil beträgt 17,6 %. Die übrigen Anteile entfallen auf Wasserflächen und sonstige Flächen. Der für eine Industrieregion relativ hohe Anteil an Wald- und Landwirtschaftsflächen erklärt sich zunächst durch die, ebenfalls zum RVR gehörigen vier überwiegend ländlich geprägten Kreise. Außerdem besitzen vielfach auch die kreisfreien Städte des Ruhrgebiets in ihren Außenbezirken ländlichen Charakter.
Auf einer Karte betrachtet (vgl. Geodatenserver RVR) könnte man das Ruhrgebiet für eine einzige Großstadt halten, da es teilweise keine erkennbaren Grenzen zwischen den einzelnen Städten gibt. So ist das Ruhrgebiet als eine polyzentrische Städtelandschaft zu bezeichnen.
Das Ruhrgebiet ist jedoch aufgrund seiner Geschichte gänzlich anders strukturiert als monozentrisch besiedelte Gebiete wie beispielsweise Berlin oder Paris, die durch rasches Zusammenwachsen kleinerer Orte und Städte mit einer Kernstadt entstanden sind. Die einzelnen Städte und Stadtteile des Ruhrgebiets sind jedoch während der Industrialisierung unabhängig voneinander gewachsen. Während typische Metropolen hohe Bevölkerungskonzentrationen aufweisen, ist die Bevölkerungsdichte der Kernzone des Ruhrgebiets mit knapp 2100 Einwohnern je qkm auch gegenüber andere deutsche Metropolen als äußerst gering anzusehen.
Die Übergänge zwischen den Städten sind oft durch eine lockere Vorortbebauung und teilweise sogar durch landwirtschaftlich genutzte oder gänzlich unbebaute Gebiete geprägt. Teilweise sind die Stadtgrenzen in der Kernzone des Ruhrgebiets aber auch nur schwer zu erkennen, da die Grenze quer durch dichte Besiedlung verläuft.
Das Ruhrgebiet und seine Entwicklung vom ursprünglichen Naturraum zum Standort der Montanindustrie und rasanten Besiedlung während der Industrialisierung ist ein häufig gewählter Forschungsgegenstand der Anthropogeographie. So wird beispielsweise die Siedlungsgeschichte des Ruhrgebiets in Bezug auf das klassische System der Zentralen Orte untersucht.
Im Zuge der Rekultivierung von Industriebrachen entstehen neue Parklandschaften und Naherholungsgebiete wie zum Beispiel der Landschaftspark Emscherbruch im nördlichen Ruhrgebiet. Entlang der teilweise renaturierten Emscher bildet der Emscher Landschaftspark, der die in den 1920er Jahren entstanden Revierparks verbindet, einen Grüngürtel zwischen den Städten.
In Höhe der Lippe liegen die Flöze in einer Tiefe von 600 bis 800 m. Die Mächtigkeit der Schichten liegt durchschnittlich bei einem bis drei Metern. Die Geologie des Untergrundes war entscheidend für die Entwicklung des Kohlebergbaus im Ruhrgebiet.
Lange Zeit wurden verschiedene Namen für die Region benutzt: „Rheinisch-Westfälischer Industriebezirk“, „Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet“, „Niederrheinisch-Westfälisches Industriegebiet“ oder „Ruhrrevier“ – während das Wort „Ruhrgebiet“ zunächst nur den Einzugsbereich des Flusses „Ruhr“ benannte. Die Bezeichnungen finden heute jedoch in der Form kaum noch Verwendung. Der besondere Eigenwert und der Begriff des Ruhrgebiets wurden erst während der 1920er Jahre geprägt. Als Name für die Industrieregion – wie im heutigen Sinn – bürgerte sich die Bezeichnung „Ruhrgebiet“ erst um 1930 ein. Zuvor sprach man noch vom Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet und schloss damit auch Gebiete ein, die nicht zum Ruhrgebiet zählen wie beispielsweise das industriell geprägte Gebiet um Wuppertal und Düsseldorf. Im eigentlichen Sinne müsste die Kernregion des Ballungszentrums aufgrund ihrer geografischen Lage jedoch eher Emschergebiet heißen, benannt nach dem hier verlaufenden Fluss Emscher, der jedoch mit dem Bau des Rhein-Herne-Kanals und mit der einhergehenden Umnutzung zum Abwassertransport an Bedeutung verloren hat. Heute wird die Emscher durch die Emschergenossenschaft schrittweise wieder renaturiert.
Zu dem Verband gehören die kreisfreien Städte Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen sowie der Ennepe-Ruhr-Kreis und die Kreise Unna, Recklinghausen und Wesel.
Das Verbandsgebiet verteilt sich über die Landschaftsverbände Rheinland (4 kreisfreie Städte, 1 Kreis) und Westfalen-Lippe (7 kreisfreie Städte, 3 Kreise) sowie über Regierungsbezirke Arnsberg, Düsseldorf und Münster, deren Verwaltungsstädte jedoch alle außerhalb des Ruhrgebiets liegen.
Geschichtlich wie auch landschaftlich und historisch-politische ist das Ruhrgebiet keine Einheit. Die verwaltungsrechtliche Teilung des Ruhrgebiets ist zurückzuführen auf die Preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen, die nach Beschlüssen des Wiener Kongress von 1815 gegründet wurden. So führte bereits die Grenze zwischen Franken (Niederfranken) und Sachsen (Westfalen) mitten durch das heutige Ruhrgebiet. Das heutige Ruhrgebiet gehörte zu den folgenden Herrschaftsbereichen: Vest Recklinghausen, Fürstbistum Münster, Grafschaft Limburg, Grafschaft Mark, Herzogtum Berg, Herzogtum Kleve, Reichsstadt Dortmund, Reichsstift Essen und Reichsabtei Werden und zur Herrschaft Styrum. An diesen Grenzen orientieren sich die Gebiete der noch aus preußischer Zeit übernommenen Regierungsbezirke. Vom Deutschen Kaiserreich bis ins Dritte Reich war es offen erklärte Politik, das Ruhrgebiet geteilt zu halten um es politisch nicht zu stark werden zu lassen.
Nach den Plänen der Landesregierung soll diese alte Struktur in einer Verwaltungsreform bis 2012 aufgehoben werden. Die Bezirksregierungen sollen durch neue Regionalpräsidien, von denen eines das Ruhrgebiet umfassen soll, ersetzt werden.
Frühe Kerne der Industrialisierung bildeten einzelne Eisenhütten (St.-Antony-Hütte ab 1758 in Oberhausen-Osterfeld; Gutehoffnungshütte ab 1782 in Oberhausen-Sterkrade und Eisenhütte Neu-Essen ab 1791 in Oberhausen-Lirich). Hier entstanden wichtige frühe Technologien der Eisenerzeugung und Maschinen, die den wirtschaftlichen Abbau der Kohle förderten.
Zeche-zollern-2004.jpg]] Kohle wurde zwar schon im 13. Jahrhundert abgebaut – ein Ausgangspunkt des Ruhrbergbaus war das Muttental bei Witten – jedoch kann man dabei nicht von Bergbau, sondern eher von Kohlengräberei sprechen. Mit dem wirtschaftlichen Abbau der Kohle ab Anfang des 19. Jahrhunderts entlang der Ruhr gewann die Industrialisierung für das Ruhrgebiet an Fahrt.
Innerhalb weniger Jahre entstanden über 220 Zechen, bis 1850 waren es fast 300. Aus der Kohle wurde vor allem in Kokereien Koks gewonnen, welches in den Hochöfen der angesiedelten Eisen- und Stahlhütten zur Roheisen- und Stahlerzeugung benötigt wurde. Noch bevor die Kohlevorkommen entlang der Ruhr erschöpft waren, entstanden weiter nördlich neue Zechen. Der Ruhrbergbau wanderte, den Flözen in die Tiefe folgend, von Süden nach Norden, von der Ruhr an die Emscher und schließlich zur Lippe. Laut Veröffentlichungen von Prof. Dr. Roland Günter hat es insgesamt etwa 3200 einzelne Zechen im Ruhrrevier gegeben.
Die Erschließung des Ruhrgebiets als Lieferanten für Kohle und Stahl für die aufstrebende Industrie förderte die Gründung vieler Eisenbahngesellschaften. Siehe hierzu: Liste der ersten Eisenbahnen in Nordrhein-Westfalen bis 1930
Aufgrund der wirtschaftlichen Expansion wurden Arbeitskräfte angeworben. Die Bevölkerungszahlen stiegen explosionsartig. Die alten Städte am Hellweg erwachten zu neuer Blüte. Vormalige Dörfer entlang der Emscher entwickelten sich zu Großstädten. Qualifizierte Facharbeiter der Bergwerke wurden vielfach in Arbeitersiedlungen, sogenannten Zechenkolonien, untergebracht. Der Ruhrkohlenbezirk wuchs zum größten industriellen Ballungszentrum Europas an.
Bergbau findet heute vor allem in den Randzonen des Ruhrgebiets statt. Der Abbau hat in seiner Nordwanderung die Lippe erreicht. Auch westlich des Rheins am Niederrhein, der noch zum Ruhrgebiet gezählt wird, wird noch Kohle gefördert. In der Ruhr- und Emscherzone der Region sind die Zechen inzwischen stillgelegt. Zwischen 1980 und 2002 gingen etwa die Hälfte der 1 Million Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe verloren, während etwa 300.000 Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor geschaffen wurden.
Oberhausen Centro.JPG]] Während dessen sind jüngere Industrien wie der Fahrzeug- und Maschinenbau, die Elektrotechnik, Feinmechanik und die Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie nichtindustrielle Branchen wie der Dienstleistungssektor noch nicht ausreichend nachgewachsen. Insgesamt verzeichnete das Dienstleistungsgewerbe den größten Aufschwung. Seit Beginn der neunziger Jahre sind bereits über 50 Prozent der Beschäftigten des Ruhrgebiets in der Dienstleistung tätig.
Das Ruhrgebiet und insbesondere Dortmund ist für seine Brauereien bekannt. Zu den bekanntesten Brauereien zählt Brau & Brunnen, die Dortmunder Actien-Brauerei, die Privatbrauerei Moritz Fiege in Bochum und die König-Brauerei in Duisburg-Beeck.
Einige Großkonzerne setzten auch neue Schwerpunkte, vor allem im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik sowie der Umweltsicherung. Einige Unternehmen bauten ihre Aktivitäten im Ruhrgebiet ab, so der einstige Stahlerzeuger und -verarbeiter Mannesmann und konzentrierten sich auf neue Geschäftsfelder. Der Konzern baute Anfang der 1990er Jahre mit Mannesmann Mobilfunk ein Mobilfunknetz (D2). Um an die erfolgreiche, deutsche Mobilfunksparte zu gelangen, kaufte die englische Vodafone Gruppe den kompletten Mannesmann Konzern auf und verkaufte einzelne Bereiche des Stahlgeschäfts im Ruhrgebiet und in Düsseldorf.
Ein wichtiger Schritt vom Produktions- zum Forschungsstandort waren die Gründungen der Universitäten Bochum, Dortmund und die Gesamthochschulen Essen und Duisburg, die zur Universität Duisburg-Essen fusionierten. Hilfreich für den Zuwachs im tertiären Sektor waren auch die Gründungen von Gesamthochschulen, Technologiezentren und Beratungseinrichtungen.
Als Beispiel des Strukturwandels kann man den Bau der drei Automobilwerke des Autoherstellers Opel 1962 in Bochum bezeichnen. Die Werke boten den unter Tage ausgebildeten Schlossern, Elektrikern etc. einen Arbeitsplatz in einer anderen Branche. Allerdings hat mittlerweile auch die Automobilindustrie mit Strukturproblemen zu kämpfen und steht in der Gefahr, zu den „alten Industrien“ zu zählen.
Auch die einst angesiedelte Elektroindustrie ist heute ein Problemfall. Blaupunkt in Herne hat bereits 1989 wieder geschlossen, Siemens in Witten wurde 1999 verkauft, das Werk steht ebenfalls vor der Schließung. Auch bei Nokia in Bochum kam es 2004 zu Stellenabbau.
Ein Großprojekt, das oft als Zeichen des Strukturwandels angesehen wird, ist die Neue Mitte Oberhausen mitsamt dem Einkaufszentrum CentrO, welche auf dem Gelände der stillgelegten Gutehoffnungshütte Mitte der 1990er Jahre erbaut wurde.
Heute leidet das Ruhrgebiet in weit größerem Rahmen unter der schlechten konjunkturellen Situation, die seit mehr als 20 Jahren anhält.
Die Internationale Bauausstellung Emscher Park (IBA) war von 1989 bis 1999 im Ruhrgebiet tätig und versuchte den Strukturwandel zu begleiten. In ihrem Rahmen wurden etwa zweieinhalb Milliarden Euro in die Region investiert und Industriebrachen von stillgelegten Bergwerken, Kokereien und Stahlwerken als Industriedenkmäler erhalten und neue Nutzungsmöglichkeiten entwickelt: Emscher Landschaftspark. So ist ehemalige Hütte Duisburg-Meiderich heute als Landschaftspark Duisburg-Nord bekannt, der stillgelegte Gasometer Oberhausen wurde zur Ausstellungshalle umfunktioniert. Weitere Beispiele für neue Nutzungen sind der Nordsternpark in Gelsenkirchen, der Bottroper Tetraeder, die Essener Halde Schurenbach, der Duisburger Innenhafen, die Jahrhunderthalle in Bochum und der Phoenix-See in Dortmund. Die Zeche und Kokerei Zollverein in Essen wurde 2001 von der UNESCO sogar zum Weltkulturerbe erklärt. Essen wird 2010 stellvertretend für die Region europäische Kulturhauptstadt sein.
Seit Mitte der 1990er Jahre wird die Emscher, lange der kanalisierte Abwasserkanal des Ruhrgebiets, renaturiert.
Der Dienstleistungssektor ist mit den Konzernzentralen von Energie- und Wasserversorgern wie der RWE und E.ON Ruhrgas und Handelskonzernen wie der Aldi-Gruppe, KarstadtQuelle oder der Tengelmann-Unternehmensgruppe ebenfalls stark vertreten. Außerdem gibt es in den häufig als Fußgängerzonen ausgewiesenen Innenstädten und den Einkaufszentren Ruhr-Park, Uni-Center, RheinRuhrZentrum und CentrO zahllose Einzelhändler.
Auch zahlreiche Unternehmen der Logistikbranche haben ihren Sitz oder Standorte wegen der guten infrastrukturellen Anbindung im Ruhrgebiet.
Nach wie vor gilt das Ruhrgebiet als eine strukturschwache Region. Die Gesamtarbeitslosenquote des Ruhrgebiets liegt bei etwa 15,5% und ist damit unter den regionalen Großräumen die höchste der westdeutschen Bundesländer. Auch die Arbeitslosenquoten einzelner Städte in der Kernzone des Ruhrgebiet gehören zu den höchsten der „alten“ Bundesländer: In Duisburg und Dortmund beträgt die Arbeitslosenquote etwa 18%, in Essen etwa 16,5% und in Bochum etwa 16%. In Gelsenkirchen sind über 19 % arbeitslos gemeldet.
Das Adolf Grimme Institut mit Sitz in Marl vergibt jährlich die renommierte Fernsehauszeichnung Adolf-Grimme-Preis.
Im Ruhrgebiet befinden sich zahlreiche Technik- und Industriemuseen wie das Deutsche Bergbaumuseum in Bochum, das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg, das Umspannwerk Recklinghausen, die Deutsche Arbeitsschutzausstellung in Dortmund und die dezentralen Museen Westfälisches Industriemuseum und Rheinisches Industriemuseum. Außerdem gibt es auch im Ruhrgebiet mehrere Kunstmuseen wie das Museum Folkwang in Essen, das Lehmbruck-Museum in Duisburg, die Ludwig-Galerie im Schloss Oberhausen oder das Museum am Ostwall in Dortmund.
Ähnlich vielfältig ist die Theaterlandschaft im Ruhrgebiet. Zu den bekanntesten Theatern gehört das Grillo-Theater in Essen und das Schauspielhaus Bochum. Auch das Musiktheater ist zahlreich im Ruhrgebiet vertreten, so das das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen, die Deutsche Oper am Rhein in Duisburg, das Aalto-Theater in Essen und das Dortmunder Opernhaus.
Die RuhrTriennale, die Ruhrfestspiele, die Extraschicht und ähnliche Großveranstaltungen zeugen von einer lebendigen Kulturszene im Ruhrgebiet.
Aufgrund der hohen Dichte kultureller Einrichtungen bewarb sich das Ruhrgebiet unter Führung der Stadt Essen erfolgreich als Kulturhauptstadt Europas 2010. Der Beschluss muss im Herbst von den Kulturministern der 25 EU-Staaten bestätigt werden.
Auch im Ruhrgebiet wird Karneval gefeiert. Umzüge finden in zahlreichen Städten statt, Altweiberfastnacht ist für viele der wesentliche "Feiertag". Im Archiv der Stadt Duisburg befindet sich die erste überhaupt in deutsch geschriebene Stadtrechnung aus dem Jahre 1377, aus der hervorgeht, dass die Ratsherren und die Bürgerschaft ausgiebig Fastabend ("Vastavent") feierten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden in Duisburg die ersten Karnevalsgesellschaften gegründet. Den ersten Anlauf zur Etablierung eines Rosenmontagszuges in Duisburg geht auf das Jahr 1928 zurück. Duisburg ist Sitz des Landesverbands Rechter Niederrhein im Bund Deutscher Karneval e. V.
Die erste Hochschule des Ruhrgebiets, die Ruhr-Universität Bochum, wurde jedoch erst 1962 gegründet. Zu den bekanntesten Hochschulen zählen weiter die fusionierte Universität Duisburg-Essen, die Universität Dortmund, die private Universität Witten/Herdecke, die FernUniversität in Hagen und die Folkwang Hochschule im Ruhrgebiet mit den Schwerpunkten Musik und Darstellende Künste.
Eng verbunden mit den Hochschulen sind die Forschungsinstitute. Drei Max-Planck-Institute (MPI) haben ihren Sitz im Ruhrgebiet: das MPI für molekulare Physiologie in Dortmund, das MPI für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr und das MPI für bioanorganische Chemie ebenfalls in Mülheim. Vier Fraunhofer-Institute (FI) befinden sich im Ruhrgebiet: das UMSICHT genannte Oberhausener FI für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik, das FI für Materialfluss und Logistik und das FI für Software- und Systemtechnik in Dortmund sowie das FI für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme, Duisburg. Zu den bekannten Forschungsinstituten gehören auch Einrichtungen der Sozial- und Geisteswissenschaften wie das Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), das Zentrum für Türkeistudien (ZfT) und das Kulturwissenschaftliches Institut (KWI), die alle ihren Sitz in Essen haben; des Weiteren das Landesinstitut Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs) sowie das Institut Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen, das Landesspracheninstitut NRW (LSI) in Bochum und das DMT-Forschungsinstitut für Montangeschichte in Bochum.
Technologieparks und Gründerzentren bilden das Bindeglied zwischen den Hochschulen und der Wirtschaft. Im TechnologieZentrum Dortmund (TZDO) siedelten sich beispielsweise seit 1988 mehr als 225 Firmen mit über 8500 Mitarbeitern an. Dabei haben Unternehmen der Mikrotechnikbranche einen besonders hohen Anteil. Mit dem Wissenschaftspark entstand in Gelsenkirchen ein auf erneuerbare Energien spezialisiertes Gründerzentrum. Wissenstransfer zwischen mittelständischen Unternehmen die keine eigene Forschung betreiben und Hochschulen und Instituten bietet das Mülheimer Zentrum für Innovation und Technik (ZENIT) an.
Historisch gehörte die Region an Rhein, Ruhr, Emscher und Lippe zum Niederfränkischen-Niedersächsischen Sprachgebiet. Doch ist die Zahl der Sprecher des Plattdeutschen inzwischen sehr gering. Heute wird im Ruhrgebiet vor allem Hochdeutsch gesprochen, mit leichtem westfälischen oder niederrheinischen Akzent. Die übliche vulgärwissenschaftliche Denkweise, Dialekte nur als geographische Varianten zu betrachten und die kollektive Wahrnehmung des Ruhrgebiets als eine industriell geprägte Einheit führte auch dazu, dass immer wieder versucht wird, die Sprache der dort lebenden Menschen einheitliches Ruhrdeutsch zu bezeichnen. Die Verhältnisse sind allerdings komplexer. Der alte Name der Ruhrgebiets, Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet ist hierbei außerordentlich hilfreich. In dem Rheinischen Städten des Ruhrgebiets wird in der Regel kein Ruhrdeutsch gesprochen. Besonders abweichend vom Ruhrdeutschen ist das Mölmsch, gesprochen in Mülheim an der Ruhr.
Einen Fußballverband Ruhrgebiet gibt es jedoch nicht. Die Vereine der Ruhrgebiet sind in den entsprechenden Verbänden Fußballverband Niederrhein mit Sitz in Duisburg oder Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen in Kamen eingegliedert. Folglich werden Derbys zwischen Borussia Dortmund und Bielefeld als Westfalenderby und zwischen MSV Duisburg und Mönchengladbach als Niederrheinderby bezeichnet.
Die drei Autobahnen A 2 und A 42 und A 40 bilden jeweils in Ost-West-Richtung die drei Hauptachsen des Kraftfahrzeugverkehrs, von Nord nach Süd verlaufen A 3, A 43, A 45 und A 59. Insbesondere der regional so genannte „Ruhrschnellweg“, die A 40, (teilweise auch als B 1 geführt) ist für seinen Beinamen „Ruhrschleichweg“ bekannt, da er eine der Straßen mit dem bundesweit höchsten Verkehrsaufkommen ist und durch tägliche Verkehrsstaus geprägt ist.
Zu beachten ist auch der Auspendlerstrom über die ehemalige Bundesstraße 1 zur Landeshauptstadt Düsseldorf.
In Witten betreibt die Deutsche Bahn das Eisenbahnausbesserungswerk in der Nähe des Hauptbahnhofes. Hier ist für 2005 eine neue Produktionshalle geplant.
In den 1960er Jahren entstand der Plan, die überwiegend meterspurigen Straßenbahnstrecken durch ein normalspuriges Stadtbahnnetz Rhein-Ruhr zu ersetzen, das jedoch nur in Ansätzen besteht und ein Torso geblieben ist- Heute besteht dieses Stadtbahnnetz im Ruhrgebiet aus vier nicht miteinander verbundenen U-Bahnnetzen in Dortmund, Bochum (mit unterirdischer Verbindung zur Innenstadt von Herne), Essen (mit oberirdischer Stadtbahnverbindung auf dem Mittelstreifen der Bundesautobahn A40 zum U-Bahnnetz von Mülheim an der Ruhr) und Duisburg sowie deren Nachbarstädten.
Neben Straßen- und Stadtbahnen sind Omnibusse die wichtigsten Verkehrsmittel des öffentlichen Personennahverkehrs im Ruhrgebiet.
Verglichen mit dem Nahverkehr anderer Metropolen ist das Netz im Ruhrgebiet als unzureichend zu bezeichnen. Die Ausgaben für den Nahverkehr bleiben hinter denen anderer Ballungsgebiete weit zurück. Während im Ballungsraum München mit seinen 1,6 Millionen Einwohnern das S-Bahn-Netz fast 450 km umfasst, verfügt die S-Bahn Rhein-Ruhr auf einem Gebiet, in dem fast 7 Millionen Menschen leben, nur über ein Streckennetz von lediglich etwa 650 km.
In Datteln kreuzen sich vier Kanäle, Rhein-Herne-Kanal (RHK), Wesel-Datteln-Kanal (WDK), Datteln-Hamm-Kanal (DHK) und Dortmund-Ems-Kanal (DEK) die damit den größten europäischen Knotenpunkt für die Binnenschifffahrt bilden.Eine Sehenswürdigkeit ist das Schiffshebewerk Henrichenburg. Der Ruhrschifffahrtskanal verbindet außerdem den Rhein (Duisburger Hafen) mit dem Mülheimer Rhein-Ruhr-Hafen. Der Gesamtumschlag an den Kanälen des Ruhrgebiets beträgt etwa 25 Mio. Tonnen.
Sowohl der größte Binnenhafen als auch der größte Kanalhafen Europas befinden sich im Ruhrgebiet. Der Duisburger Hafen „duisport“, der vom Rhein, von der Ruhr und vom Rhein-Herne-Kanal zu erreichen ist, gilt als Verkehrsdrehscheibe der deutschen Binnenschifffahrt. Er hat einen jährlichen Umschlag von etwa 70 Mio. Tonnen. Im Gegensatz dazu hat der Dortmunder Kanalhafen trotz seiner Größe in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Rückgang der Stahlerzeugung erheblich an Bedeutung verloren.
DTMTerminalInside.jpg]] Der einzige internationale Verkehrsflughafen im Ruhrgebiet ist der Flughafen Dortmund, auf dem jährlich über 1,7 Mio. Passagiere abgefertigt werden. Für die Region bedeutender sind jedoch die Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn, die für Passagiere aus dem Ruhrgebiet gut erreichbar sind. Der Düsseldorfer und der Kölner Flughafen sind über das Schienennetz der deutschen Bahn und zahlreiche Autobahnen in kurzer Zeit aus dem Ruhrgebiet erreichbar.
Privatflugverkehr findet außerdem auf dem Verkehrslandeplätzen Flughafen Essen/Mülheim und Marl/Loemühle statt.
Darüber hinaus existieren an der Peripherie des Ruhrgebiets zahlreiche Segelflugplätze für Vereine, unter anderem in Kamen-Heeren, Hamm, Kirchhellen/Schwarze Heide, Iserlohn, Wesel, Dorsten und in Schwerte.
Region in Nordrhein-Westfalen | Ruhrgebiet | Metropolregion | Historische Landschaft
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