Die Ruhrbesetzung oder der Ruhrkampf bezeichnet den Höhepunkt eines politisch-militärischen Konfliktes, der 1923 im Ruhrgebiet zwischen dem Deutschen Reich und den belgisch-französischen Besatzungstruppen stattfand. Er war eines der großen Probleme in diesem Krisenjahr der Weimarer Republik.
Deutschland war auf Grund des Versailler Vertrages von 1919 gezwungen, Reparationen an die Alliierten des Ersten Weltkriegs zu zahlen. Nach dem Lieferverzug erneuerte die französische Regierung unter Poincaré in der Reparationskommission ihre Forderung nach der Kontrolle über das Ruhrgebiet. Am 8. März 1921 ließ sie französische und belgische Truppen in die Städte Duisburg und Düsseldorf in der Entmilitarisierten Zone einrücken. Mit der Besetzung des Düsseldorfer und Duisburger Raums sicherte sich Frankreich in Bezug auf das übrige, noch unbesetzte Ruhrgebiet eine Schlüsselstellung. Von dort aus übten die Franzosen die Kontrolle über die wichtigsten Handelszentren an Rhein und Ruhr aus. Mit der Überwachung der Duisburg-Ruhrorter Häfen war die genaue Registrierung des gesamten Exports von Kohle, Stahl und Fertigprodukten des Ruhrgebiets möglich. Da Duisburg und Düsseldorf ideale Brückenköpfe waren, von denen ausgehend sich das gesamte Ruhrgebiet einnehmen ließ, drohte man im weiteren Verlauf des Streites mit der Besetzung des ganzen Ruhrgebietes. Wegen großer wirtschaftlicher Probleme des Deutschen Reiches verzichteten die Alliierten 1922 auf Reparationszahlungen in Form von Geld und forderten statt dessen Sachleistungen (Stahl, Holz, Kohle) ein. Am 26. Dezember stellte die alliierte Reparationskonferenz einstimmig fest, dass Deutschland mit den Reparationslieferungen in Rückstand war.
Als am 9. Januar 1923 die Reparationskommission behauptete, Deutschland hielte absichtlich Lieferungen zurück (u.a. 30.000 Telegraphenstangen), wurde am 11. Januar 1923 das gesamte Ruhrgebiet, ausgehend vom bereits besetzten Düsseldorfer und Duisburger Raum von französischen und belgischen Truppen mit anfangs 60.000, später 100.000 Mann besetzt. Ziel war, die Reparationszahlungen direkt in Kohle einzutreiben (Politik der "produktiven Pfänder"). Das Ruhrgebiet war zu dieser Zeit das Zentrum der deutschen Schwerindustrie. Eine Besetzung des Ruhrgebiets traf sich auch mit Interessen Frankreichs an den linksrheinischen Gebieten. Von England und den USA wurde dieser fait accompli eher skeptisch betrachtet.
Während des passiven Widerstandes wurden die Löhne von etwa 2 Millionen Arbeitern des Ruhrgebiets vom Staat übernommen, zu diesem Zweck wurde mehr Geld gedruckt. Dieses Vorgehen war auf lange Zeit nicht tragbar, da sich die Wirtschaftskrise verstärkte und Inflation und Produktions- und Steuerausfälle den deutschen Haushalt belasteten.
Der neue Reichskanzler Gustav Stresemann sah sich schließlich am 26. September 1923 gezwungen, den Abbruch des passiven Widerstandes zu verkünden. Antirepublikanischen, reaktionären Kräften in Bayern lieferte das Ende des Ruhrkampfes einen Vorwand zur Errichtung einer Diktatur. Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden der Ruhrbesetzung belief sich auf 3,5 bis 4 Milliarden Goldmark. Das Ende des Ruhrkampfs ermöglichte eine Währungsreform, die die Bedingung für eine Neuverhandlung der Reparationen war.
Siehe auch: Rheinischer Separatismus
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