Die Ruhr ist ein etwa 217 km langer, rechter Nebenfluss des Rheins in Nordrhein-Westfalen, Deutschland mit einem Einzugsgebiet von 4.485 km². Sie ist für die größte europäische Industrieregion, das Ruhrgebiet, namensgebend. Die mittlere Abflussmenge der Ruhr in ihrem Unterlauf beträgt am Pegel Mülheim 79 m³/s; somit ist die Ruhr nach Wasserführung der fünftgrößte Nebenfluss des Rheins.
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| Herdecke-Ruhrviadukt-Postkarte.jpg bei Herdecke auf einer alten Ansichtskarte um 1900]] |
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| Ruhrmündung in den Rhein mit Rheinorange.jpg in den Rhein. In der Mitte die Skulptur Rheinorange]] |
Die Ruhrquelle liegt rund 674 m hoch, etwa 1,5 km nordwestlich von Winterberg-Elkeringhausen, 3 km nordöstlich von Winterberg und 4 km südöstlich der Nordhelle.
"... eine braunschwarze Brühe, die stark nach Blausäure riecht, keine Spur Sauerstoff enthält und absolut tot ist" August Thienemann, 1911
Die Ruhr ist ein windungsreicher Fluss, der im gebirgigen Hochsauerland eher als Bach erkennbar ist. Das Verhältnis von Hoch- zu Niedrigwasser liegt bei 1:500, was sich aus der Lage im Rheinischen Schiefergebirge erklärt. Dessen Böden können nur sehr wenig Wasser aufnehmen. Mehrere Talsperren im Sauerland dienen der Trinkwassergewinnung, sowie in geringen Maßen der Abflussregulierung. Fünf Ruhrstauseen zwischen Dortmund und Essen haben für die Regulierung nur eine geringe Bedeutung.
Im direkten Einzugsgebiet der Ruhr leben ungefähr 2,2 Mio. Menschen, die ihr Trink- und Brauchwasser aus ihr beziehen. Das Wasser wird im Kies und Sand des Flussbetts filtriert und in den Wassergewinnungsanlagen von 20 Wasserwerken gefördert. Durch acht Rückpumpwerke wird das Wasser an den Stauwehren zurückgepumpt, um einen ausreichenden Wasserstand für die Wassergewinnung zu gewährleisten:
Insgesamt werden jährlich etwa 510 Millionen Kubikmeter Trinkwasser gefördert. Aus dem Flussgebiet der Ruhr wird über Rohrleitungen auch Wasser in benachbarte Fluss-Systeme übergeleitet, beispielsweise zur Emscher, so dass die Ruhr insgesamt rund 5,2 Millionen Menschen mit Wasser versorgt. Federführend ist der Ruhrverband.
Aufgrund des zuvor erwähnten geomorphologischen Landschaftsbildes liegt das Einzugsgebiet der Ruhr zumeist südlich von ihr und die Wasserscheide zum Emscher-Flusssystem schließt sich in geringer Entfernung vom Ruhrtal direkt nördlich an. Einschließlich ihrer Nebenflüsse liegt ihr Einzugsgebiet fast vollständig im Bundesland Nordrhein-Westfalen (4.481 von 4.485 km²) und zu einen kleinen Teil in Hessen.
Bedeutung für den Transport erlangte die Ruhr im 18. Jahrhundert für die Kohle. 1770 veranlasste die preußische Regierung unter König Friedrich II. daher eine Studie über einen möglichen Ruhrausbau, der zwischen 1774 und 1780 umgesetzt wurde. Schleusen, Buhnen und der heute vielfach als Rad- und Fußweg genutzte Leinpfad stammen aus dieser Zeit.
Schiffbar war die Ruhr natürlicherweise nur zwischen der Ruhrmündung bei Ruhrort und Mülheim an der Ruhr. Seit den 14. Jahrhundert befuhren Duisburger, Ruhrorter und Mülheimer Schiffe die Ruhr. Nur die Zechen im Mülheimer Raum konnten von dem preiswerter Transportweg profitieren. In Mülheim entstand die erste Kohleniederlage des Ruhrgebiets, verbunden durch Schiebewege zu den Kleinzechen. Ab ca. 1750 wurde die Ruhr hier gezielt als Transportweg für den Absatz der Kohle ins übrige Rheinland genutzt. Die Werdener Zechen mussten über Kohlenwege ihre Kohle über Kohlfurt nach Solingen und Cronenberg schaffen.
Zwischen 1780 und 1801 fuhren Schiffe die Ruhr hinauf bis Fröndenberg-Langschede. In dem kleinen Langscheder Hafen wurden Getreide aus dem Umland und Salz aus Unna-Königsborn verladen. Der nun deutlich vereinfachte Kohlentransport ins Rheinland führte wiederum zu einer höheren Nachfrage. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts verlagerte sich jedoch der Transport auf die Eisenbahn, so dass die Ruhr für den Güterverkehr oberhalb von Mülheim an der Ruhr eingestellt geworden ist.
An der Mündung der Ruhr in den Rhein in Duisburg-Ruhrort liegt dennoch der größte Binnenhafen Europas.
Siehe auch: Ruhrschiffahrt
Die Ruhr wird seit Beginn der Elektrifizierung als Energielieferant genutzt. So gibt es entlang der Ruhr zahlreiche, teils private Wasserkraftwerke, zumeist Laufwasserkraftwerke: zum Beispiel in Wiemeringhausen, Olsberg, Nuttlar, Alfert, Velmede, Eversberg, Heinrichsthal, Stockhausen, Freienohl, Wildshausen, Arnsberg, Westhofen, Wetter und Witten. In Herdecke steht das große Pumpspeicherkraftwerk Koepchenwerk. Des Weiteren wird das Ruhrwasser auch als Kühlwasser für mit Kohle befeuerte Dampfkraftwerke genutzt.
''"Wer eine herrliche Gegend kennen lernen will findet im Ruhrtal reiche Befriedigung; denn alles, was eine heitere Landschaft zu schmücken vermag, ist hier in einem Bezirk von wenigen Stunden zu Fuß vereint anzutreffen: ein liebliches Tal, von heiteren Bergen bekränzt, Ritterburgen und Ruinen, fruchtbare Fluren und duftende Wiesen und dabei Gewerbfleiß und Handel." J. F. Wilhelmi, 1828
Das Ruhrtal hat insbesondere für das Ruhrgebiet eine wichtige Funktion als Erholungsraum. Die Ruhrufer sind weitgehend von Industrie und Bebauung verschont und von Wiesen geprägt. Entlang der Ufer führen an vielen Stellen Rad- und Fußwege. Auf der Ruhr verkehren abschnittweise auch Ausflugsschiffe. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang die Ruhrstauseen Hengsteysee, Harkortsee, Kemnader See, Baldeneysee und Kettwiger See, sowie die Stadt Mülheim an der Ruhr, deren Wasserbahnhof Ausgangspunkt der Weißen Flotte, einer Reihe von Ausflugsschiffen, ist. Die Stauseen sind insbesondere im Sommer ein beliebtes Ziel für die Inline-Skater des Ruhrgebietes.
Entlang der Ruhr führt der gut 240 km lange Ruhrhöhenweg des Sauerländischen Gebirgsvereins Wanderer von der Quelle bis zur Mündung.
Die Ruhr war schon früh Naherholungsgebiet und die Höhen über dem Fluss Wohngebiet der wohlhabenden Bevölkerungsschicht. So errichtete Alfred Krupp zum Beispiel seine Villa Hügel 1873 auf den Anhöhen über der Ruhr im Essener Süden.
Von der Ruhr bekam das Ruhrgebiet seinen Namen: Die Industrialisierung der Region nahm hier ihren Anfang, da die Ruhr sowohl ein schiffbarer Verkehrsweg war als auch südliche Grenze der Kohleflöze des Ruhrgebiets, die um die Ruhr herum an die Oberfläche treten und nach Norden immer tiefer abfallen. So wurden die ersten Zechenbauten in der Nähe der Ruhr angelegt und dem sich entwickelnden Industriegebiet ein Name gegeben.
Die Ruhr ist aber eher der südliche Grenzfluss des sich nach Norden entwickelten Ruhrgebiets. Als die Industrialisierung im Ruhrgebiet in großem Maßstab Mitte des 19. Jahrhunderts begann, hatte sich der Bergbau schon weiter nördlich in Richtung Emscher bewegt. Die Ruhr war bereits stark verschmutzt, doch da die Abwässer grösstenteils über die Emscher abgeleitet wurden, blieb der Ruhr doch einige Belastung erspart. Seit einigen Jahren kann man jedoch problemlos in der Ruhr baden.
Seit April 2006 führt der gutbeschilderte Ruhrtalradweg über 220 km von der Quelle bis zur Mündung.
Aufgrund der landschaftlich günstigen Situation und um die Flussübergänge der Handelsstraßen zwischen dem Bergischen Land im Süden und der Hellwegzone im Norden zu sichern, entstanden an den Hängen des Ruhrtales zahlreiche Burgen und Adelssitze. Einige davon gehörten im 13. Jahrhundert zum Erzbistum Köln, zur Grafschaft Mark, zum Herzogtum Berg, oder zur Grafschaft Limburg.
Heute noch genutzt oder als Ruinen erhalten sind zum Beispiel in Arnsberg das Schloss Arnsberg; Haus Opherdicke in Holzwickede; in Dortmund die Hohensyburg; in Hagen das Wasserschloss Werdringen; in Wetter die Burg Wetter und die Burg Volmarstein; in Herdecke das Gut Schede und Haus Mallinckrodt; in Witten das Schloss Steinhausen, die Burg Hardenstein, Haus Witten und Haus Herbede; in Hattingen das Haus Kemnade, die Burg Blankenstein und die Isenburg; in Essen die Burg Altendorf und die Neue Isenburg.
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