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Die Ruhmeshalle ist eine von Leo von Klenze im Auftrag König Ludwigs I. von Bayern entworfene, dreiflügelige dorische Säulenhalle auf einer alten Isarhangkante oberhalb der Theresienwiese in München, die zusammen mit der Bavaria ein Ensemble bildet.

Die Halle ist 68 Meter breit, 32 Meter tief, hat eine Dachtraufenhöhe von 16 Meter und steht auf einem 4,3 Meter hohen, leicht geböschten Sockel. 48 Säulen mit einer Höhe von 6,95 Meter und einem Durchmesser von 1,25 Meter tragen zusammen mit der Rückwand das Dach.

Entstehungsgeschichte der Ruhmeshalle


Historischer Hintergrund

Die Jugendzeit Ludwigs I. war geprägt von den Machtansprüchen Napoleons auf der einen und Österreichs auf der anderen Seite, das elterliche Haus Wittelsbach war zu dieser Zeit Spielball zwischen jenen beiden Großmächten. Bis 1805, als Napoleon im dritten Koalitionskrieg München „befreite“ und Ludwigs Vater Maximilian zum König machte, war Bayern wiederholt Kriegsschauplatz mit verheerenden Folgen für das Land. Erst mit Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 trat Bayern wirklich in eine Friedensphase ein. Vor diesem Hintergrund macht sich Ludwig bereits als Kronprinz Gedanken über ein „Baiern aller Stämme“ und eine „größere deutsche Nation“. Diese Beweggründe und Ziele motivierten ihn in der Folgezeit zu mehreren Bauprojekten für Nationaldenkmäler wie die Konstitutionssäule in Gaibach (1828), die Walhalla oberhalb der Donau zwischen Regensburg und Regenstauf (1842), die Ruhmeshalle in München (1853) und die Befreiungshalle bei Kelheim (1863), welche der König allesamt privat finanzierte und die in Form und Inhalt, Zweckbestimmung und Rezeption eine künstlerische wie politische Einheit bilden, die bei allen inneren Widersprüchen für Deutschland einzigartig ist

Ludwig, der seinem Vater nach dessen Tod 1825 auf den Königsthron folgte, fühlte sich eng mit Griechenland verbunden, war ein glühender Verehrer der griechischen Antike und wollte seine Hauptstadt München in ein „Isar-Athen“ verwandeln. In dieser Absicht ließ er besonders in München bereits vor der Ruhmeshalle mit Bavaria mehrere Monumentalbauten und Denkmäler in verschiedenen Spielarten des klassizistischen Stils errichten. Zu den bekanntesten dieser Bauten zählt das Ensemble am Königsplatz (ab 1815) mit den Propyläen, der Glyptothek und der Antikensammlung (1848), der Obelisk am Karolinenplatz (1833), die Feldherrnhalle (1844) und das Siegestor (1850). Ludwigs zweitgeborener Sohn Otto wurde 1832 zum König von Griechenland proklamiert.

Vorgeschichte

Die Idee zur Ruhmeshalle reifte in einem langen Prozess. Schon als Kronprinz entwickelte Ludwig den Plan, in der Residenzstadt München ein patriotisches Denkmal zu errichten. Am 25. Juli 1809 bat er den Maler und Galerieinspektor Johann Georg von Dillis, durch den Historiker Lorenz Westenrieder ein Verzeichnis „großer” Bayern aller Stände und Berufe anfertigen zu lassen.

Etwa ein Jahrzehnt später, im Mai 1828, legte der Dichter und damalige bayerische Innenminister Eduard von Schenk dem inzwischen gekrönten Ludwig eine weitere Liste berühmter Bayern vor, welche eine existierende Liste des Freiherrn von Hofmayr ergänzte.

Architekturwettbewerb

Im Februar 1833 schrieb Ludwig einen Wettbewerb für das Bauvorhaben aus. Zur Teilnahme eingeladen wurden Friedrich von Gärtner, Leo von Klenze, Daniel Ohlmüller und Friedrich Ziebland. Der Wettbewerb sollte zunächst erste Ideen für die Gestaltung der Ruhmeshalle sammeln, daher wurden in der Ausschreibung nur die Eckdaten des Projekts vorgegeben: Die Halle sollte oberhalb der Theresienwiese errichtet werden und Platz für etwa 200 Büsten bieten.

Anders als die Ausschreibung zur Walhalla im Jahr 1814, die explizit eine rechteckige Säulenhalle forderte, schrieb das Wettbewerbsprogramm zur Errichtung der Ruhmeshalle keinen bevorzugten Baustil vor, die einzige Vorgabe lautete: „eine Kopie der Walhalla darf dieses Gebäude nicht werden, sind ja auch, so viele dorische Tempel es auch gab, keine Kopie des Parthenons gewesen...”. Diese Bestimmung schloss den klassizistischen Baustil des Parallelprojekts Walhalla nicht aus, es liegt jedoch nahe anzunehmen, dass die Architekten dazu ermutigt werden sollten, einen anderen Baustil vorzuschlagen. Da die Entwürfe der vier Teilnehmer weitgehend erhalten sind, bietet sich ein interessanter Einblick in die Entstehungsgeschichte der Ruhmeshalle.

Einschub: Romantik versus Klassizismus
Die Planungsphase der Ruhmeshalle fiel in die Zeit der künstlerischen Auseinandersetzung zwischen Klassizisten einerseits, die sich der Ästhetik der griechischen und römischen Antike verbunden fühlten, und Romantikern andererseits, die ihren künstlerischen Ausdruck an die Formensprache des Mittelalters anlehnten.

Diese Auseinandersetzung entbrannte zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongress 1814 und erreichte ihren Höhepunkt in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Der Streit wurzelte in vielen Fällen in unterschiedlichen politischen Auffassungen: Als die nationale Bewegung in Deutschland nach den Befreiungskriegen den einigenden Faktor des Widerstandes gegen die napoleonische Fremdbestimmung verloren hatte, spaltete sich das Lager der Nationalen, und auch die Kunstwelt war fortan entzweit: Während die Klassizisten sich weiterhin dem aufklärerischen Ideal der Kulturnation verpflichtet fühlten, verbanden die Romantiker die Nation mit Begriffen wie Volk, Religion, Geschichte und Tradition. Walhalla aussen.jpg Schon bei den Planungen zur Walhalla stritt sich Leo von Klenze als Verfechter des Klassizismus mit den romantisch beeinflussten Baumeistern Peter Cornelius und Karl Friedrich Schinkel, die der Auffassung waren, ein deutsches Nationaldenkmal müsse in einem typisch deutschen Baustil - und als solcher galt der gotische Stil - gebaut werden und die Verwendung klassischer Stilelemente als Verrat ansahen. Cornelius kommentierte die Entwürfe Klenzes zur Walhalla 1820 folgendermaßen: „...so fällt uns bei dem Entwurf die Frage ein, warum soll das größte deutsche und nur deutsche Ehrenmal so absolut griechisch sein?”. Klenze dagegen sah in der Gotik eine „maßlose Anhäufung“ von Verzierungen und betrachtete sie als „...einen Sieg des Handwerkes über die Kunst”. Der neugotische Stil sei deshalb auch keine Kunst, sondern eine rein handwerkliche und technische Übertreibung. Einzig in der Klassik erblickte Klenze das „wahrhaft Schöne”, das „hoch über allem Historischen und Volksthümlichen” stehe. Nur diesen Baustil empfand er als allgemein menschlich und zeitlos. Christian Schaaf: Die Ruhmeshalle und die Bavaria in München als partikularstaatliches Nationaldenkmal. (PDF-Download) Hausarbeit, vorgelegt am Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München, Abteilung Neuere und Neueste Geschichte, im Hauptseminar bei PD Prof. Dr. Johannes Paulmann: Die Nation zur Schau stellen. Selbstdarstellungen der Nation im 19. und 20. Jahrhundert, Wintersemester 2000/2001

Beim Wettbewerb zur Ruhmeshalle fand diese nicht nur künstlerisch-architektonische, sondern auch weltanschaulich-politische Auseinandersetzung eine Neuauflage.

Die Entwürfe

 

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