article

Ein Rufzeichen (engl. callsign) dient nach den Regelungen der Internationalen Fernmeldeunion (Kürzel ITU; englisch International Telecommunication Union) zur Identifikation einer Funkstation.

Allgemeines


Ein Rufzeichen besteht aus einer Folge von Buchstaben und Ziffern, die nach bestimmten Schemata gebildet werden. Die ersten Zeichen dienen zur Kennzeichnung der Nationalität der Funkstation. Diese Präfixe werden von der ITU festgelegt und in einem oder mehreren Blöcken den Staaten zugeteilt. Sie bestehen üblicherweise aus zwei Zeichen, von denen mindestens einer ein Buchstabe ist. Von einigen größeren Ländern werden Präfixe aus nur einem Zeichen benutzt, und in Ausnahmefällen werden drei Zeichen verwendet.

Amateurfunk-Rufzeichenblöcke in Deutschen Staaten, Österreich und der Schweiz
Land Präfixe Bemerkungen
Deutsches Reich D 1935 bis 1945
Saarland 9 S 1949 bis 1957
DDR DM–DT, Y2–Y9 DM-DT 1949 bis 1979, Y-Rufzeichen 1980 bis 1990
BRD DA–DR, Y2–Y9 Bis 1979 nur DA-DL. Die ITU wies der BRD 1979 den von der DDR abgegebenen Rufzeichenblock DM-DR zu. Die Y-Rufzeichen wurden nach dem Beitritt für eine Übergangszeit in der BRD verwendet, werden aber nicht mehr vergeben.
Österreich OE
Schweiz HB, HE Das Präfix HB0 wird von Liechtenstein verwendet.

Zur besseren Unterscheidung und leichteren Handhabung bei der Vergabe werden den Funkdiensten Rufzeichen nach bestimmten Schemata zugeteilt:

Rufzeichenbildung für verschiedene Funkdienste (Auswahl)
Funkdienst Mögliche Rufzeichen
Fester Funkdienst NNA, NNA9, NNA99, NNA999
Seefunkdienst NNAA, NNAA9, NNAA, NA9999, NNA9999
Flugfunkdienst NNAAA, NAAAA, N9999 (weitere Rufzeichen möglich)
Mobiler Landfunkdienst NA9999, NNA9999, NNAA9999
Amateurfunkdienst NN9A, NN9NA, NN9NNA, NN9NNNA, A9A, A9NA, A9NNA, A9NNNA
(N = Buchstabe oder Ziffer, A = Buchstabe, 9 = Ziffer)
Von den ersten beiden Zeichen ist wenigstens eines ein Buchstabe.
In den meisten Fällen dürfen die Ziffern 0 und 1 nicht einem Buchstaben folgen

Rufzeichen werden von den nationalen Verwaltungsbehörden entsprechend vergeben. Dabei werden nicht alle Möglichkeiten zur Rufzeichenbildung wahrgenommen. In Deutschland erfolgt die Rufzeichenvergabe durch die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (BNetzA).

Amateurfunkrufzeichen in Deutschland


Die Anwendung/Nennung der Rufzeichen im Amateurfunk bei den verschiedenen Betriebsarten wird von der jeweiligen Betriebstechnik vorgegeben.

Die folgende Liste enthält die Unterteilungen des deutschen Rufzeichenkontingents, die von der Bundesnetzagentur für den Amateurfunkdienst vergeben werden. Voraussetzung für die Zuteilung ist ein Amateurfunkzeugnis. Diese Unterteilung gilt auf Grund der Amateurfunkverordnung und darauf aufbauend der Vfg. 12/2005 der ehemaligen RegTP.

Präfix Amateurfunkzeugnis Klasse Verwendung
DA0AKlubstationen - (nur Kurzzeitzuteilung, diese können aber verlängert werden)
DA1-2AAusländische Funkamateure (z.B. NATO-Armeekräfte): Personen, Klubstationen, Relaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen
DA3AKlubstationen (nur mit einstelligem Suffix), (vorher: Ausländische Funkamateure: Personen)
DA4EExperimentelle Funkstellen. (vorher: Ausländische Funkamateure: Personen, Klubstationen, Relaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen)
DA5AExperimentelle Funkstellen. Der erste Buchstabe nach DA5 bezeichnet die Nutzung, z.B. DA5U* für PACTOR-Gateways
DA6EAusländische Funkamateure (z.B. NATO-Armeekräfte): Personen, Klubstationen, Relaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen
DA7-9EKlubstationen (nur mit einstelligem Suffix)
DB0ARelaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen (auslaufend Klubstationen)
DB1-9APersonen
DC0APersonen (auslaufend: Klubstationen)
DC1-9APersonen
DD0APersonen (auslaufend: Klubstationen)
DD1-9APersonen
DE-Empfangsamateure (keine Funkamateure im Sinne des Gesetzes), Rufzeichenvergabe durch den Deutschen Amateur Radio Club
DEØAAA bis DEØPZZ-Empfangsmeister (DEM) 10.816 Möglichkeiten; Rufzeichenvergabe durch den Deutschen Amateur Radio Club
DEØQAA bis DEØQZZ-Ausbildungsempfangsstationen in Ortsverbänden des DARC/VFDB und auch an Schulen, 676 Möglichkeiten; Rufzeichenvergabe durch den Deutschen Amateur Radio Club
DEØRAA bis DEØZZZ-Empfangsmeister (DEM) 6.084 Möglichkeiten; Rufzeichenvergabe durch den Deutschen Amateur Radio Club
DE1AAA bis DE9ZZZ-Kurzwellenhörer (SWL) 158.184 Möglichkeiten; Rufzeichenvergabe durch den Deutschen Amateur Radio Club
DF0AKlubstationen (auslaufend Relaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen)
DF1-9APersonen
DG0APersonen (auslaufend Klubstationen, Relaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen)
DG1-9APersonen
DH0APersonen (auslaufend Klubstationen, Relaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen, Digipeater,Gateways)
DH1-9APersonen
DI-DI-Rufzeichen werden seit 1950 für diverse Expeditionen und für Experimentalfunkstellen genutzt (kein Amateurfunkbetrieb)
DJ0APersonen (auslaufend Klubstationen, Relaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen)
DJ1-9APersonen
DK0AKlubstationen (auslaufend: Relaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen)
DK1-9APersonen
DL0AKlubstationen (auslaufend: Relaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen)
DL1-9APersonen
DM0A-YARelaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen
DM0ZARelaisfunkstellen mit neuen Anwendungen, z.B. Echolink
DM1-9APersonen
DN0EKlubstationen (auslaufend: Ausbildungsrufzeichen Klasse A für besondere Zwecke - die letzten werden am 18. Februar 2007 ablaufen)
DN1-3AAusbildungsrufzeichen
DN4-6AAusbildungsrufzeichen
DN7-8EAusbildungsrufzeichen
DN9-unbelegt (vorher: Ausbildungsrufzeichen für ausländische Funkamateure (vgl. DA1-2,DA6))
DO0A-RERelaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen (auslaufend: Klubstationen)
DO0S-YERelaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen
DO0ZERelaisfunkstellen mit neuen Anwendungen, z.B. Echolink
DO1-9EPersonen
DP0-1AKlubstationen, Relaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen und Experimentalfunkstellen an exterritoralen Standorten
DP2EKlubstationen, Relaisfunkstellen, fernbediente Funkstellen und Experimentalfunkstellen an exterritoralen Standorten
DP3-9AKlubstationen (nur mit einstelligem Suffix)
DQAKlubstationen (nur mit einstelligem Suffix), wurde 2000 für die 100 Jahr Feier Borkumer Funkstelle (ex. KBM) als DQ0KBM zugeteilt
DRAKlubstationen (nur mit einstelligem Suffix)

Außerdem gelten für die Verwendung in Peilsendern (für Fuchsjagd oder Amateur Radio Direction Finding) die Rufzeichen MO, MOE, MOH, MOI, MOS und MO5 jedem Funkamateur als zugeteilt.

Zu fast allen oben aufgeführten Präfixen werden auch Rufzeichen mit einstelligem Suffix als Klubstationsrufzeichen ausgegeben. Eine aktuelle Liste der meisten Deutschen Kurzrufzeichen (=2x1-Calls) findet man hier. Genauere Informationen zur Rufzeichenvergabe findet man in der Mitteilung 151/2005 der Bundesnetzagentur.

Amateurfunkrufzeichen in Österreich


Ein Rufzeichen baut sich in Österreich wiefolgt auf: Es beginnt immer mit dem Präfix OE. Danach folgt eine Zahl und ein Suffix das aus zwei oder drei Buchstaben besteht. Die Zahl zeigt an, wo sich die Station befindet. Es hat nämlich jedes Bundesland eine Nummer. Die Nummern sind wie folgt verteilt:

  • 1 Wien
  • 2 Salzburg
  • 3 Niederösterreich
  • 4 Burgenland
  • 5 Oberösterreich
  • 6 Steiermark
  • 7 Tirol
  • 8 Kärnten
  • 9 Vorarlberg

Die Ausnahme bildet die Zahl 0. Sie wird für österreichische Stationen in internationalen Gewässern, für Luftfahrzeuge und Clubstationen verwendet. Weiters werden besondere Präfixe vergeben wie z.B. oe50 für des 50-Jahre-Jubiläum des OEVSV oder OE75 für 75 Jahre Amateurfunk in Österreich. Diese Sonderpräfixe können beantragt werden.

Das Suffix besteht aus zwei oder drei Buchstaben und wird in Österreich normalerweise nur einmal vergeben. Somit ist es möglich, das Suffix in ein anderes Bundesland mitzunehmen. Das heißt also wenn z.B. der Wiener OE1ABC nach Kärnten zieht, dann muss er nur den Präfix auf OE8 ändern. Die zweistelligen Suffixe sind mittlerweile sehr selten geworden. Sie wurden nämlich vor 1964 vergeben.

Wenn man in Österreich sich weniger als drei Monate an einem anderen Ort oder mit einem Mobilfunkgerät unterwegs ist, dann fügt man an das Rufzeichen einen Bindestrich und die Nummer des Bundeslandes an, wo man sich gerade befindet. Das heißt also, wenn z.B. unser OE1ABC auf Sommerfrische an den Wolfgangsee fährt und dort mit seiner Funkstation funkt, muss er das Rufzeichen OE1ABC-2 verwenden.

Funkrufzeichen in der Luftfahrt


In der Luftfahrt wird zwischen Bodenfunkstellen und Luftfunkstellen unterschieden.

Rufzeichen von Bodenfunkstellen

Das Rufzeichen einer Bodenfunkstelle setzt sich zusammen aus einer Ortsbezeichnung oder dem Namen einer Bodenfunkstelle und einer der nachfolgend aufgeführten Funktionsbezeichnungen:

Funkverkehr in englischer Sprache:

  • CONTROL Bezirkskontrolle ohne Radar
  • APPROACH An- und Abflugkontrolle ohne Radar
  • RADAR Flugverkehrskontrolle mit Radar
  • DEPARTURE Abflugkontrolle mit Radar
  • ARRIVAL Anflugkontrolle mit Radar
  • DIRECTOR Endanflugkontrolle mit Radar
  • PRECISION Endanflugkontrolle mit Präzisionsradar
  • TOWER Flugplatzkontrolle
  • GROUND Flugverkehrskontrolle auf dem Rollfeld
  • DELIVERY Übermittlung von Streckenfreigaben
  • INFORMATION Fluginformationsdienst der DFS
  • APRON Bewegungslenkung auf dem Vorfeld
  • INFO Flugplatzinformationsdienst durch Luftaufsichtspersonal oder Flugleiter
  • DISPATCH Übermittlung von Flugbetriebsmeldungen einer Luftverkehrsgesellschaft

Funkverkehr in deutscher Sprache

  • TURM Flugplatzkontrolle
  • ROLLKONTROLLE Flugverkehrskontrolle auf dem Rollfeld
  • INFORMATION Fluginformationsdienst der DFS
  • START oder SCHULE Ausbildung von Luftfahrern
  • INFO Flugplatzinformationsdienst durch Luftaufsichtspersonal oder Flugleiter
  • VORFELD Bewegungslenkung auf dem Vorfeld
  • SEGELFLUG Segelflugbetrieb
  • RÜCKHOLER Segelflugbegleit- und Rückholbetrieb
  • VERFOLGER Freiballonbegleit- und Rückholbetrieb
  • WETTBEWERB Wettbewerbsveranstaltungen

Rufzeichen von Luftfunkstellen

Rufzeichen von Luftfunkstellen müssen einem der folgenden Typen entsprechen:

Typ a)
1. Staatszugehörigkeitszeichen und Eintragungszeichen des Luftfahrzeuges
2. Name des Luftfahrzeugherstellers, Staatszugehörigkeitszeichen und Eintragungszeichen des Luftfahrzeuges
3. Name des Luftfahrzeugmusters, Staatszugehörigkeitszeichen und Eintragungszeichen des Luftfahrzeuges
Typ b) Die im Sprechfunk verwendete Bezeichnung des Luftfahrtunternehmens, gefolgt von den vier Zeichen des Eintragungszeichens
Typ c) Die im Sprechfunk verwendete Bezeichnung des Luftfahrtunternehmens, gefolgt von der Flugnummer
Typ d) Ein maximal siebenstelliges Rufzeichen für militärische Luftfahrzeuge und für Luftfahrzeuge die zu besonderen öffentlichen Zwecken eingesetzt sind.

Die Rufzeichen von Luftfunkstellen dürfen während des Fluges nicht geändert werden, es sei denn, die Bodenfunkstelle hat zur Vermeidung einer Verwechslung ausdrücklich ein anderes Rufzeichen zugewiesen.

Unter bestimmten Bedingungen ist die Verwendung von verkürzten Rufzeichen erlaubt.

Beispiele

Der Tower in München (Bodenfunkstelle) wird nach dem obengenannten Schema (Ortsbezeichnung-Funktion) auf englisch als "Munich Tower" bzw. auf deutsch "München Turm" gerufen.

Ein österreichischer Motorsegler mit der Kennung OE-9315 wird Oscar-Echo-Neun-Drei-Eins-Fünf gerufen. (Typ a)1 (Verkürztes Rufzeichen Oscar-Echo-Eins-Fünf)

Eine Lufthansa Boeing mit der Kennung D-ABCD die mit der Flugnummer LH-7890 fliegt, könnte Delta-Alpha-Bravo-Charlie-Delta (verkürzt Delta-Charlie-Delta) gerufen werden. Üblich ist aber bei Linien- und Charterflügen Typ c) also Lufthansa-Seven-Eight-Niner-Zero.

Besondere Rufzeichen Typ d) sind z.B. Christoph-Eins-Neun (für Rettungshubschrauber) oder Airforce-One (das Präsidentenflugzeug der USA ). Als Werder Bremen 2004 nach dem Sieg über den FC Bayern München deutscher Fußballmeister wurde, wurde beim Rückflug von München nach Bremen ihrem Flugzeug das Rufzeichen Champ-One von der Flugsicherung zugeteilt.

Weblinks


Funktechnik | Amateurfunk

Call sign | 識別信号 | Roepletter | Kallesignal | Anropssignal | 无线电台呼号

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Rufzeichen".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld