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Rudolf von Rheinfelden (auch Rudolf von Schwaben) (* um 1025; † 15. Oktober 1080 in Merseburg) war im Heiligen Römischen Reich ein Gegenkönig Heinrichs IV. Er war der Sohn des Grafen Kuno von Rheinfelden.

Verwandtschaft


Die exakten Verwandtschaftsbeziehungen des Rudolf von Rheinfelden können bisher nicht vollständig geklärt werden. Seine Verwandtschaft zum dato bereits ausgestorbenen burgundischen Königshaus durch Rudolf II. von Burgund (912-37) gilt aber als gesichert. Weiterhin war er Vetter des Herzogs von Lothringen, ein entfernter Verwandter des Kaiserhauses Heinrichs III. und Verwandter der Liudolfinger.

Politischer Aufstieg


Sein politischer Aufstieg begann mit dem Tode des schwäbischen Herzogs Otto von Schweinfurt. Kaiserin Agnes ernannte ihn daraufhin 1057 zum neuen Herzog von Schwaben und übertrag ihm die Verwaltung Burgunds. Rudolf verfügte durch seine Nähe zur kirchlichen Reformidee über eine gute Beziehung zur Kaiserin, die zuammen mit ihm das fruttuarisch geprägte Kloster St. Blasien gefördert hatte.

Über die Vergabe des Herzogtums Schwaben hatte sich allerdings eine Kontroverse entwickelt, denn Berthold von Zähringen erhob Anspruch auf das Herzogtum und berief sich auf einen Ring Heinrichs III., dem dieser ihm als Pfand gegeben habe. Gelöst wurde dieses Problem mit der Zusage Kaiserin Agnes, das der Zähringer das nächste freie Herzogtum erhalten würde, was wenig später mit dem Herzogtum Kärnten der Fall war.

Frutolf von Michelsberg berichtete einen anderen, durch keine weiteren Quellen belegten, Grund für die Vergabe. Er berichtete von einer Entführung der elfjährigen Tochter Mathilde der Kaisern aus einem Kloster des Bischofs von Konstanz durch Rudolf, in das Mathilde in Obhut gegeben worden war. Mathilde, die Schwester Heinrichs IV. starb aber bereits kurz darauf, am 12. Mai 1060. Rudolf heiratete anschließend im Jahr 1066 Adelheid von Turin(† 1079), die Tochter des Grafen Otto von Savoyen. Da diese eine Schwester Berthas, der Frau Heinrichs IV., war, wurde Rudolf erneut Heinrichs Schwager. Die gemeinsame Tochter Agnes († 1111) wurde mit Berthold II. von Zähringen vermählt.

Herausbildung einer antisalischen Opposition im Reich


Nach dem Tode Heinrichs III. und der Unmündigkeit Heinrich IV., also während der Regentschaft der Kaiserin Agnes, gewannen die mächtigen Fürsten des Reiches erheblichen Einfluss auf die Reichspolitik. Verstärkt wurde dieser Prozess noch durch die Entführung Heinrichs III. durch den Erzbischof Adolf II. von Köln, der daraufhin maßgeblich die Reichspolitik bestimmte. Nach Erlangung seiner Volljährigkeit nahm Heinrich IV. die Königslandpolitik seines Vaters Heinrich III. auf, der versucht hatte in Sachsen eine umfassende Köngislandschaft durch Burgenbau und Landkauf zu errichten. Während der Unmündigkeit Heinrichs IV. waren dem Reich diese umfassenden Gebiete abhanden gekommen. Der Versuch diese Gebiete zurückzugewinnen und der Bau von neuartigen Höhenburgen brachte Heinrich eine oppositionelle Bewegung des sächsischen Adels und der landständigen Bevölkerung ein. Für den Adel entscheidend war aber die Einstellung von Ministerialen, die den König vertraten. Diese forderten als Angehörge eines niederen Standes auch gegenüber dem einheimischen Adel die Rechte des Königs ein, was eine drastische Herabsetzung des Adels bedeutete. Auch reichsweit machtvoll gewordene Fürsten fühlten sich durch Heinrich von der Reichspolitik ausgeschlossen und damit nicht entsprechend ihrer politischen Bedeutung ggewürdigt.

Rudolf stellte sich 1066 an die Spitze der Fürstenverschwörung gegen Heinrich IV. Öffentlich unterstützte er jedoch den König und kämpfte in dessen Kriegen gegen die Thüringer und Sachsen an seiner Seite. So nahm er auch im Juni 1075 an der Spitze der Schwaben an der Schlacht bei Hohenburg teil.

Erst als im Februar 1076 Papst Gregor VII. den Bann über Heinrich ausgesprochen hatte, entschloss er sich zum offenen Vorgehen. Bereits auf einer Fürstenversammlung zu Trebur im Oktober 1076 versuchten die süddeutschen Herzöge als radikalste Gegner Heinrichs IV. eine Neuwahl zu erwirken. Der zeitgleich auf der anderen Rheinseite in Oppenheim lagernde Heinrich verlor beständig Anhänger und war insofern zu einem Kompromiss bereit. Insgesamt hatte sich große, aber gemäßigte und kompromissbereite antisalische Partei herausgebildet, so dass letztlich nur das Ultimatuum erging, dass sich Heinrich innerhalb eines Jahres aus dem Bann lösen müsse um sein Königtum zu behalten. Die Sache des Königtums sollte daraufhin auf einem Fürstentag in Augsburg mit Anwesenheit des Papstes beraten werden. Heinrich reagierte darauf mit einem sofortigen Aufbruch nach Italien. Dieser kam, obwohl die süddeutschen Herzöge die Alpenpässe bewachten, dennoch nach Italien und erhielt Ende Januar 1077 durch den Gang nach Canossa die gewünschte Aufhebung des Banns vom Papst, was aber die deutschen Fürsten nicht davon abhielt, am 15. März Herzog Rudolf in Forchheim zum deutschen König zu wählen. Dennoch bedeutete diese (vorübergehende) Aussöhnung mit dem Papst eine Schwächung der Antisalier, die den Konflikt um den Investiturstreit für ihre eigenen machtpolitischen Ziele nutzen wollten.

Wahl und Krönung


Bereits im Februar trafen sich die Antisalier zur Beratung in Ulm, verschoben aber die Königswahl auf den 13. März um weitere Verbündete gewinnen zu können. Der Wahlort Forchheim knüpfte programmatisch an die Königswahl im Jahr 911 an, in dem erstmals ein Nichtkarolinger zum deutschen König gewählt worden war. Als geistliche Wähler traten die Erzbischöfe von Mainz, Salzburg und Magdeburg, die Bischöfe von Worms, Passau, Halberstadt und Würzburg auf. Als weltliche Mitstreiter waren Otto von Northeim, Berthold I. von Kärnten, Welf IV. von Bayern und eventuell Magnus von Sachsen(nicht gesichert)auf. Damit waren die mächtigsten süddeutschen Herzöge versammelt, deren politischer Aufstieg erst durch die Mutter Heinrichs -Kaiserin Agnes- begonnen hatte. Das geistliche Element deutlich überwog aber deutlich und der Versuch durch Verschiebung der Wahl weitere Verbündete zu gewinnen war gescheitert.

Nachdem derselbe auf die Investitur der Bischöfe verzichtet und das Königswahlrecht der Fürsten anerkannt hatte. Am 26. März salbte ihn Erzbischof Siegfried I. von Mainz zum König, was der Papst, der Heinrich im November von Neuem mit dem Bann belegte, auch bestätigte.

Otto von Northeim Neben Rudolf wäre auch Otto von Northeim durch seine umfassenden Ländereien in Sachsen/Westfalen und seinen herausragenden militärischen Fähigkeiten ein Kandidat für die Krone gewesen. Aber dieser stand durch seine fortdauernde Beanspruchung der bayrischen Herzogswürde im direkten Konflikt mit Welf IV.. Da Welf nach einem Hochverratsprozess 1070 von Otto abgefallen, seine Ehe mit der Tochter Ottos annuliert und Ottos bayrische Herzogwürde durch Einflussnahme Rudolfs von Rheinfelden erworben hatte, war das Verhältnis zerrüttet. Weiterhin hatte Otto durch den Friedensvertrag von Gerstungen 1074 eigenmächtig den Aufstand der Sachsen ohne Rücksprache mit den süddeutschen Herzögen beendet, als Heinrich ihm die bayrische Herzogswürde zugesagt hatte. Die süddeutschen Herzöge hatten diesen Aufstand passiv unterstützt und Heinrich die Heerfolge verweigert. 1075 nach der Grabschändung von salischen Gräbern in der Harzburg durch sächsische Bauern waren Rudolf (auf Seiten Heinrichs) und Otto als direkte Kontrahenten auf dem Schlachtfeld aufgetreten. Rudolf gelang es dadurch die Annäherung Ottos und Heinrichs zu beenden, denn Heinrich hatte Otto nach dem Friedensvertrag von Gerstungen als eine Art Vizekönig in Sachsen installiert.

Geistliche Wähler Weitere Gemeinsamkeiten waren z.B. das Gebhard von Salzburg, Altmann von Passau und Adalbert von Würzburg zusammen studiert hatten und unter Heinrich III. Reichskapläne geowrden waren. Ebenso war die Koalition versammelt, die Adolf II. von Köln 1066 gegen Adalbert von Bremen geschmiedet hatte. Auch damals hatten die Erzbischöfe von Mainz und Salzburg, die süddeutschen Herzöge um Otto von Northeim (Bayern), Rudolf v. Schwaben und Berthold von Kärnten ein gemeinsames politisches Ziel.

Welf IV.

Berthold von Kärnten

Gegenkönigtum Rudolfs 1077-1080


1077 Rudolf musste sich jedoch vor Heinrich nach Sachsen zurückziehen, der ihn im Juni 1077 zu Ulm mit der Acht belegte. Beide zogen hierauf gegeneinander zu Felde.

1078 Heinrich IV. verlor die Schlacht bei Mellrichstadt am 7. August 1078

1079 sowie am 27. Januar 1080 in der Schlacht bei Flarchheim unweit Mühlhausen Nach dem Tod Adelheids 1079 riefen Verbündete Rudolfs dessen Sohn Berthold von Rheinfelden zum neuen Herzog von Schwaben aus. Heinrich IV. reagierte darauf, indem er das Herzogtum an Friedrich von Hohenstaufen verlieh.

1080

Tod


1080 verlor Rudolf in der sonst günstig verlaufenen Schlacht bei Hohenmölsen unweit Merseburg die rechte Hand, wurde zugleich tödlich am Unterleib verwundet und starb am Tage darauf (am 15. Oktober 1080) in Merseburg, wo er im Dom begraben wurde und seine abgehauene rechte Hand noch heute aufbewahrt wird.

Dass Rudolf von Rheinfelden die rechte Hand - die Schwurhand - abgeschlagen worden war, interpretierten die Parteigänger Heinrichs propagandistisch als "Gottesurteil", was die Fürstenopposition gegen Heinrich zusätzlich diskreditierte und schwächte. In den folgenden Jahren baute Heinrich seine Machtstellung gegenüber Fürsten und Papst bedeutend aus.

Die Bronzeplatte seines Grabmals im Merseburger Dom ist das erste Bild eines deutschen Königs und zugleich das älteste figürliche Grabmal eines Laien aus dem Hochmittelalter.

Literatur


  • T. Struve: Artikel Rudolf von Rheinfelden im Lexikon des Mittelalters, Spalten 1070-71
  • Hlawitschka, Eduard: Zur Herkunft und zu den Seitenverwandten des Gegenkönigs Rudolf, in: Weinfurter, Stefan (Hg.): Die Salier und das Reich, Bd. 1, Sigmaringen 1991, S. 175-220
  • Kost, Otto-Hubert: Das östliche Niedersachsen im Investiturstreit, Göttingen 1962
  • Robinson, Ian: Henry IV. of Germany, 1056-1106, Cambridge 1999 (sehr große, außerordentlich breite und gute Darstellung des Konfliktes um Rudolf, Heinrich IV. und des Gegenkönigtums.)
  • Schlesinger, Walter: Die Wahl Rudolfs von Schwaben zum Gegenkönig 1077 in Forchheim, in: Fleckenstein, Josef (Hg.): Investiturstreit und Reichsverfassung, Sigmaringen 1973, S. 61-81
  • Schmid, Karl: Adel und Reform in Schwaben, in: Fleckenstein, Josef (Hg.): Investiturstreit und Reichsverfassung, Sigmaringen 1973, S. 295-319
  • Schubert, Ernst: Grabmal oder Denkmal?,in: Lück, Heiner(Hg.): Historische Forschung in Sachsen-Anhalt. Bd.2, Leipzig 1999, S. 35-40 (Erläuterung der politischen Aussagekraft der Grabplatte Rudolfs)
  • Stoob, Heinz: Über den Schwerpunktwechsel in der niederdeutschen Adelsführung während des Kampfes gegen den salischen Herrscher, in: Berg, Dieter (Hg.): Ecclesia et Regnum - Festschrift für Franz Josef Schmale, Bochum 1989, S. 121-127
  • Struwe, Tilman: Das Bild des Gegenkönigs Rudolf von Schwaben in der zeitgenössischen Historiographie,in: Herbers, Klaus(Hg.): Ex Ipsis Rerum Documentis-Festschrift für Harald Zimmermann, Sigmaringen 1991, S. 459-475
  • Wunder, Gerd: Beiträge zur Genealogie schwäbischer Herzogshäuser, in: Zeitschrift für würtemmbergische Landesgeschichte 31 (1973), S. 7-15
  • Boshof, Egon: Die Salier, Stuttgart ³1995
  • Boshof, Egon: Heinrich IV.-Herrscher an einer Zeitenwende, Göttingen²1990 (kompakte, aber breite Darstellung des Gegenkönigtums)
  • Giese, Wolfgang: Adel in Ostsachsen, in: Weinfurter, Stefan (Hg.):Die Salier und das Reich, Bd.1, Sigmaringen 1991, S. 273-308
  • Goez, Werner: Kirchenreform und Investiturstreit 910-1122, Stuttgart 2000
  • Hartmann, Wilfried: Der Investiturstreit, München² 2005

Weblinks


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