Rudolf Wassermann (* 5. Januar 1925 in Letzlingen (Altmark)) ist ein deutscher Jurist.
Leben
Von 1931 bis 1943 ging er in
Klötze (Altmark) und
Gardelegen zur Schule, die er mit dem Kriegsabitur abschloss. Anschließend musste er Kriegsdienst leisten und war von Mai bis September 1945 in Kriegsgefangenschaft. 1946 machte er das Abitur in Gardelegen nach und studierte anschließend
Rechtswissenschaft,
Philosophie und
Politik in
Halle (Saale) und später in
West-Berlin an der
Freien Universität. Die erste juristische
Staatsprüfung legte er noch 1950 in Halle ab. Den juristischen
Vorbereitungsdienst leistete er ab 1951 aber im
Kammergerichtsbezirk Berlin (West), wo er 1955 die zweite juristische Staatsprüfung bestand. Dort trat er auch 1955 in den
Richterdienst ein. 1959 wurde er zum
Landgerichtsrat ernannt, 1963 wurde er Kammergerichtsrat. 1967 wechselte er ins
Bundesministerium der Justiz unter
Gustav Heinemann und wurde zum
Ministerialrat ernannt. 1968 wurde er Präsident des
Landgerichts Frankfurt am Main. Als er 1971 Präsident des
Oberlandesgerichts Braunschweig wurde, wurden Proteste laut. Nicht nur, dass es in
Braunschweig nicht gern gesehen wurde, dass ein Auswärtiger an die Spitze der Braunschweiger Justiz berufen wurde. Befürchtet wurde vor allem, dass Wassermann, der als
SPD-Mitglied für seine Kritik am konservativem Richtertum bekannt wurde, die richterliche Unabhängigkeit einschränken und sein Amt parteipolitisch instrumentalisieren könnte. In der Tat galt Wassermann mit seinen vielen
rechtspolitischen Äußerungen und Impulsen zur Justizreform bald als einer der bundesweit bekanntesten Oberlandesgerichtspräsidenten. Im Gegensatz zu den anfänglichen Befürchtungen wird jedoch heute betont, dass er das Ansehen der Braunschweiger Justiz nicht unwesentlich mehrte. Er blieb Präsident des Oberlandesgerichts Braunschweig bis 1990, sein Nachfolger wurde
Manfred Flotho.
Wassermann war von 1969 bis 1974 zweiter Bundesvorsitzender und von 1974 bis 1980 erster Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristen. Von 1976 bis 1990 war er Präsident des Niedersächsischen Landesjustizprüfungsamtes, ferner Mitglied des Niedersächsischen Staatsgerichtshofs. Die mittlerweile wieder aufgegebene einstufige Juristenausbildung an der Universität Hannover hat er iniitiert und maßgeblich vorangetrieben. Sie wird daher auch als „Wassermann-Modell“ bezeichnet. In der Rechtswissenschaft hat er sich als Gesamtherausgeber der Reihe Alternativkommentare des Luchterhand-Verlages verdient gemacht.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Gestörtes Gleichgewicht - kritische Essays zu Politik und Recht, Asendorf 1995, ISBN 3-89182-063-1
- Ist Bonn doch Weimar? - zur Entwicklung der Justiz nach 1945, Neuwied 1983, ISBN 3-472-05101-9
- Justiz im sozialen Rechtsstaat, Darmstadt 1974, ISBN 3-472-61168-5
- Der politische Richter, München 1972, ISBN 3-492-00309-5
- Louis Levin - Braunschweiger Oberlandesgerichtspräsident 1922 - 1930, eine biographische Skizze, Stadtarchiv und Stadtbibliothek Braunschweig 1988
Literatur
- Edgar Isermann/Michael Schlüter (Hrsg.): Justiz und Anwaltschaft in Braunschweig 1879 - 2004, Joh. Heinrich Meyer Verlag, Braunschweig 2004, ISBN 3-926701-62-5 (darin die Beiträge von Dieter Miosge über Rudolf Wassermann, S. 150 f. und S. 192 ff.)
- Christian Broda/Erwin Deutsch u.a. (Hrsg.), Festschrift für Rudolf Wassermann zum sechzigsten Geburtstag, Luchterhand, Darmstadt, 1985, ISBN 3-472-05102-7 (mit einem tabellarischen Lebenslauf und einem ausführlichen Schriftenverzeichnis)
Weblinks
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