Rudolf_Hermann_Lotze.jpg Rudolf Hermann Lotze (* 21. Mai 1817 in Bautzen; † 1. Juli 1881 in Berlin) war eine der zentralen Figuren der akademischen Philosophie des 19. Jahrhunderts und gehörte bis in die 1920er Jahre zu den bekanntesten und meist diskutierten Philosophen Deutschlands, der auch weltweit hohes Ansehen genoß. Im Vergleich zu den Protagonisten des deutschen Idealismus oder der bekannten Philosophen des 19. Jahrhunderts, die außerhalb der akademischen Tradition wirkten, ist er heute weniger bekannt.
Als Philosoph hat Lotze von Johann Friedrich Herbart und Christian Hermann Weisse Anregungen erfahren, sich aber (wie er selbst sagt) am meisten von Leibniz angezogen gefühlt. Als Physiologe ist er als energischer Bekämpfer der "Lebenskraft" und als Verteidiger des Mechanismus aufgetreten. Seinen wissenschaftlichen Standpunkt hat Lotze als teleologischen Idealismus bezeichnet, indem die Metaphysik ihren Anfang nicht in sich selbst, sondern vielmehr in der Ethik habe.
Lotze verkörperte im hohen Maße sowohl naturwissenschaftliche als auch philosophische Kompetenz. Er versuchte immer wieder sehr heterogene Interessen zu vereinbaren. In seiner Jugend verband er die Begeisterung für die Wissenschaft mit seiner Liebe zur Poesie, ein von ihm veröffentlichter Gedichtband wurde von der Kritik aber negativ beurteilt. Später setzte er sich mit dem Spannungsfeld zwischen Naturwissenschaft und Spekulation und auch zwischen Logik und Metaphysik auseinander. Des weiteren versuchte er Mechanismus und Teleologie zu vermitteln. Sein Spätwerk ist gekennzeichnet durch einen Systemversuche, in dem es Lotze um die Einheit verschiedener philosophischer Disziplinen ging.
Gerade seine Versuche antagonistische Dinge miteinander zu vereinbaren werden in der heutigen Philosophie kritisch gesehen, die aktuelle Philosophie schätzt seine Bedeutung deutlich geringer ein als zu seiner Zeit und zu Beginn es 20. Jahrhunderts. Besonders die Versuche in der Philosophie dem christlichen Glauben zu genügen, z.B. indem er einen persönlichen Gott annahm, werden heute kritisiert. Heute ist Lotze deshalb weniger bekannt. In jüngerer Zeit erfahren Teile seiner Arbeiten allerdings wieder eine etwas höhere Wertschätzung. Sein hoher Einfluss auf die wissenschaftliche und philosophische Diskussion seiner Zeit nicht nur in Deutschland ist unbestritten. Der englische Neuhegelianismus wurde von ihm ebenso beeinflußt wie der amerikanische Pragmatismus. In Deutschland beriefen sich auf ihn Vertreter des Neukantianismus, auch Phänomenologie und Dilthey-Schule hat er unter anderem beeinflußt.
Lotze hat außerdem die Begriffe "Geltung" und "Wert" in die philosophische Diskussion eingeführt. Seine medizinischen Studien waren Pionierarbeiten auf dem Gebiet der wissenschaftliche Psychologie. Bedeutendes leistete er auch auf dem Gebiet der Ästhetik und deren Geschichte.
Mann | Deutscher | Philosoph (19. Jh.) | Logiker | Geboren 1817 | Gestorben 1881
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