Rudolf Carnap (* 18. Mai 1891 in Ronsdorf bei Barmen, heute Wuppertal; † 14. September 1970 in Santa Monica, Kalifornien) war ein deutscher Philosoph und einer der Hauptvertreter des logischen Empirismus.
Für Carnap bestand die Aufgabe der Philosophie in der logischen Analyse der (Wissenschafts-)Sprache, wobei er als einer der ersten Theoretiker versuchte, die bahnbrechenden logischen Arbeiten von Gottlob Frege, Bertrand Russell und Alfred North Whitehead für erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Fragestellungen nutzbar zu machen.
Mit vierzehn Jahren erlernte Carnap Esperanto, besuchte 1908 den Welt-Esperanto-Kongress und wendete diese Sprache bei einer Europa-Reise praktisch an. In seiner Autobiografie von 1963 äußert er sich sehr positiv zum Esperanto.
In Scheinprobleme in der Philosophie. Das Fremdpsychische und der Realismusstreit (1928) und dem Aufsatz Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache (1932) erhob er auf der Grundlage einer verifikationistischen Semantik den Vorwurf der Sinnlosigkeit gegen die traditionellen Probleme der Metaphysik. 1930 begründete er mit Hans Reichenbach die philosophische Zeitschrift Erkenntnis.
Unter dem Einfluss von Otto Neurath distanzierte sich Carnap in den frühen Dreißigerjahren zunehmend von der Idee eines Konstitutionssystems mit eigenpsychischer Basis und entwickelte u.a. in seinem Aufsatz Die physikalische Sprache als Universalsprache der Wissenschaft (1931) eine physikalistische Sprachauffassung, innerhalb derer nicht mehr eigenpsychische Phänomene, sondern intersubjektiv zugängliche physische Gegenstände die primären Bezugsobjekte sind.
In seinem zweiten Hauptwerk Logische Syntax der Sprache (1934) plädierte Carnap dafür, Philosophie durch Wissenschaftslogik - d.h. durch die logische Analyse der Wissenschaftssprache - zu ersetzen. Sein drittes Hauptwerk Meaning and Necessity: A Study in Semantics and Modal Logic (1947) befasste sich mit den modallogischen Grundlagen der Sprachphilosophie. In der Philosophie des Geistes stand Carnap dem Behaviorismus nahe.
Carnaps besonderes Interesse galt dem Aufbau formaler Logiksysteme. Mit seinem "Toleranzprinzip" und dem Prinzip der Konventionalität der Sprachformen betonte er jedoch stets die Vielzahl alternativer Sprachkalküle. Bedeutsames leistete er auch im Bereich der Wahrscheinlichkeitstheorie. In seinem Werk Logical Foundations of Probability (1950) befasste er sich mit Fragen der induktiven Wahrscheinlichkeiten und unterschied zwischen statistischer und logischer Wahrscheinlichkeit. Gegen Ende seines Schaffens anerkannte er auch, dass die philosophischen Grundfragen des Leib-Seele-Problems, des Universalienproblems und der Begründung einer Ethik eine eigenständige Berechtigung haben.
Carnap hatte einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der analytischen Philosophie.
Dispositionsbegriffe, Logischer Empirismus, Protokollaussage, Atomare Tatsache, Einheitssprache, Einheitswissenschaft, Extensional, Synthetisches Urteil a priori, Bedeutung, Beschreibung, Konventionalismus, Bestätigungsgrad, Formale Redeweise
Mann | Deutscher | Philosoph (20. Jh.) | Erkenntnistheoretiker | Logiker | Wissenschaftstheoretiker | Geboren 1891 | Gestorben 1970 | Wiener Kreis
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