Der Ausdruck Rudern bezeichnet allgemein die Fortbewegung eines Wasserfahrzeuges durch menschliche Kraft mittels Riemen oder Skulls.
Rudern ist eine Kraftausdauer-Sportart, bei der Boote übers Wasser fahren, in denen - je nach Bootsgattung - unterschiedlich viele Leute sitzen: Die Spanne reicht dabei vom Einer (auch Skiff genannt) bis zum Achter. Im Gegensatz zum Paddeln sitzen die Ruderer mit dem Rücken zur Fahrtrichtung und auf einen beweglichen Sitz,der in zwei parallelen Schienen befestigt ist, und die Riemen oder Skulls sind mit Hilfe von Dollen fest am Bootskörper gelagert.
Durch falsche Technik wie Rudern mit starker Kyphose oder Lordose im Durchzug können allerdings gesundheitliche Schädigungen auftreten. Zudem kommt es bei regelmäßigem Rudern durch das Drehen der Rudergriffe zu einer vermehrten Blasen- und Hornhautbildung an den Händen des Ruderers.
Wie in allen Sportarten mit Gewichtsbegrenzung kann es im Leichtgewichtsrudern bei dem Versuch, das Zielgewicht krampfhaft zu erreichen, zu gesundheitlichen Gefährdungen kommen. Zuletzt starb ein erwachsener Leichtgewichtsruderer durch übermäßiges Abkochen vor seinem Wiegetermin in Oberschleißheim am 4. Juni 2000. Er war mit einem neoprenähnlichen "Ruderanzug" und mehreren Wollpullovern bekleidet, bei Temperaturen über 30°C mehrere Kilometer gelaufen, bevor er zusammenbrach und später im Krankenhaus starb.
Die Aneignung und Verbesserung einer Rudertechnik soll es ermöglichen, unter biomechanischen Gesichtspunkten die Bootsgeschwindigkeit zu maximieren und gleichzeitig die körperliche Belastung zu minimieren. Im Laufe der Zeit hat sich im deutschen Raum folgendes Leitbild zur bestmöglichen Erreichung dieser Ziele herausgebildet.
In der Auslage, auch Vorlage genannt, also am Beginn des Zuges, stehen die Unterschenkel senkrecht zur Wasseroberfläche, indem man mit dem Rollsitz nach vorne gerollt ist, der Oberkörper leicht nach vorne geneigt ist. Der Oberkörper sollte möglichst nicht auf den Oberschenkeln aufliegen; die Arme sind weitestmöglich nach vorne-außen gestreckt, um eine möglichst große Schlagweite zu erzielen, die Blätter sind orthogonal zur Wasseroberfläche aufgedreht, die Blattoberkante befindet sich an der Wasseroberfläche.
Darauf wird unmittelbar mit dem Durchzug begonnen: Die Beine treten gegen das Stemmbrett, die Arme bleiben gestreckt, der Oberkörper wird mitgeführt und geht in die Senkrechte, dieser bleibt mit der Hüfte auf einer Linie. Die Hände werden dabei hintereinander geführt, in Deutschland meist die linke Hand vor der rechten. In der ehemaligen DDR wurde "links vor rechts" gelehrt, in der BRD "rechts vor links". Hiermit werden die Positionen der Hände im Durchzug in Bezug zum Oberkörper beschrieben.
Kurz bevor die Hände über die Knie kommen, beginnt der Armzug, d.h. die Arme ziehen zum ersten Mal mit eigener Kraft an den Skulls.
Sobald der Beinstoß beendet ist, lehnt sich der Körper in die Rücklage, also etwa 30° (von der Senkrechten aus) nach hinten. Die Arme beschleunigen den Zug, der endet wenn die Hände den Körper berühren. Dann werden die Blätter mittels Herunterdrücken der Unterarme aus dem Wasser gehoben und abgedreht, wobei während des Drehens jeder Arm gestreckt und der Körper leicht nach vorne geneigt wird (gleiche Position wie in der Auslage). Dann zieht sich der Ruderer mit den Zehenspitzen am Stemmbrett nach vorne. Während dieses Vorziehens werden die Blätter langsam aufgedreht, so dass sie in der Auslage wieder senkrecht stehen. Zur Auslage hin werden die Rudergriffe nach oben-vorne geführt - somit nähern sich die Ruderblätter dem Wasser und tauchen zur maximalen Auslage hin vollends darin ein (auch Setzen oder Wasserfassen genannt).
Kinderboot.JPG Bei den Sportruderbooten unterscheidet man zwischen Gig-Booten, die vor allem im Breitensport benutzt werden und Rennruderbooten, die im Leistungssportbereich eingesetzt werden. Die Unterschiede liegen in der Bootsform, den zum Bau verwendeten Materialien und daraus resultierend im Gewicht. Gigboote werden in A, B, C, D und E nach Breite und Bauweise (Klinkerbauweise oder Schalenbauweise) unterschieden. Des Weiteren unterscheidet man zwischen Skullbooten und Riemenbooten. Als besondere Ausprägung findet sich in der Ruderfamilie zusätzlich das Kutterpullen, vorwiegend bei der Marine zu finden und das aus dem Finnischen stammende Kirchbootrudern, das ähnlich wie bei einer Barke zwei nebeneinander sitzende Ruderer kennt.
Rudern kann auf allen Flüssen und Seen ausgeübt werden, auf denen auch normaler Schiffsverkehr stattfindet. Man muss allerdings bedenken, dass schon kleine Wellen den Trainingseffekt (vor allem in Hinblick auf die Technik) massiv senken. Auf kleineren Seen und Flüssen ist Rudern nur eingeschränkt möglich, da zum einen die Spannweite des Bootes recht groß ist (Platzbedarf ca. 6 m Wasserbreite), als auch typische Trainingsstrecken zwischen zehn und zwanzig Kilometer liegen.
In allen Booten (mit Ausnahme des Einers) sind alle Plätze im Boot vom Bug zum Heck durchnummeriert, das heißt der Bugmann sitzt immer auf Platz eins, der Schlagmann auf dem Platz mit der höchsten Nummer. In einigen Ländern (Frankreich, Großbritannien) wird allerdings andersherum gezählt.
Neben diesen Plätzen haben bestimmte Mannschaftsmitglieder im Boot auch besondere Aufgaben:
Der Schlagmann sitzt im Heck des Bootes, von der Mannschaft aus gesehen an der ersten Position. Er gibt die Schlagfrequenz, das heißt die Zeitpunkte vor, zu dem die Skulls in das Wasser eingesetzt und herausgehoben werden. Die anderen Ruderer folgen seinen Bewegungen, damit möglichst gleichmäßig gerudert wird. Er hat damit auch die Aufgabe, eine möglichst konstante Schlagfrequenz zu halten und im Rennen den Start und die Spurts vorzugeben. In den meisten Rennbooten ohne Steuermann kann der Schlagmann über ein Fußsteuer, bei dem ein Schuh beweglich am Stemmbrett befestigt und mit Seilen verbunden ist, das Steuer am Heck des Bootes bewegen und dieses damit steuern.
Der Bugmann sitzt, wie der Name schon sagt, im Bug des Bootes. Er hat vor allem die Aufgabe, auf andere Boote vor dem eigenen zu achten, damit es keine Unfälle gibt. In Booten ohne Steuermann muss er sich von Zeit zu Zeit herumdrehen, um dann eventuell dem Schlagmann (der in diesem Fall auch der Steuermann ist) mitzuteilen, in welche Richtung das Boot gelenkt werden muss. Kleinere Korrekturen der Fahrtrichtung in Skullbooten kann der Bugmann durch stärkeren Druck auf einem Skull auch selbst korrigieren, in Riemenbooten ist dies natürlich nicht möglich. In einigen Gigbooten ist der Bugmann gleichzeitig der Steuermann. Mit seinem beweglichen Stemmbrett, das über Seile mit dem Steuer am Heck verbunden ist, steuert er das Boot.
Der Obmann hat keinen festen Platz im Boot. Er ist der Verantwortliche für das Boot und die Mannschaft, alle müssen seinen Anweisungen folgen. Bei Regatten ist meistens der Schlagmann der Obmann, da dieser meist der beste und erfahrenste Ruderer im Boot ist. Auf Wanderfahrten, wo sich alle Ruderer untereinander abwechseln, ist der Obmann normalerweise der erfahrenste Ruderer. Der Obmann muss eine festgelegte Prüfung bestehen, um sich Obmann nennen zu dürfen.
Der Steuermann (Stm.) ist im Boot die einzige Person, die nicht rudert. Er liegt entweder im Bug des Bootes (normalerweise im Zweier mit, Doppelvierer und Vierer mit Steuermann, manchmal auch im Achter) oder er sitzt aufrecht im Heck (normalerweise im Achter, früher auch oft im Zweier mit, Doppelvierer und Vierer mit Steuermann). Vor allem für Zweier und Vierer verteilt sich durch den im Bug liegenden Steuermann das Gewicht der Mannschaft besser. Auch der Schwerpunkt der Mannschaft liegt tiefer, was sich positiv auf die Balance des Bootes auswirkt. Ebenfalls ist die Sicht des Steuermannes dadurch verbessert. Beim Achter hat sich der vorn liegende Steuermann nicht durchgesetzt. Da sich der Gewichtsverteilungsvorteil bei der Länge des Bootes nicht gravierend auswirkt, gibt man hier dem beim hinten sitzenden Stm. besseren Kontakt zum Schlagmann den Vorrang. Experimentiert wurde auch schon mit der Variante, den Steuermann in die Mitte des Bootes zu setzen. Dies konnte sich aber, vor allem wegen des technischen Aufwandes und der schlechten Sicht des Steuermannes, nicht durchsetzen.
Der Steuermann lenkt das Boot über eine Steuerleine, die einmal rund geführt ist, d.h. jedes Ende ist an einer Seite des Steuers befestigt. Im Bug ist an der Steuerleine ein kurzer Hebel befestigt. Im Heck dagegen ist die Steuerleine auf beiden Seiten des Steuermannes entlang geführt.
Auf Regatten feuern Steuermänner ihre Mannschaft während des gesamten Rennens an, geben ihr die Kommandos für Zwischenspurts und liefern Informationen zum Renngeschehen. Dazu kann man eine Cox-Box benutzen, diese ist mit mind. einem Lautsprecher verbunden und zeigt dem Steuermann die Schlagzahl und die Zeit an. Meistens sind sie auch dafür zuständig, die Startnummer zu besorgen und darauf zu achten, dass die Mannschaft pünktlich ablegt.
Von einem Steuermann kann unter Umständen ein ganzes Rennen abhängen. Gute Steuermänner sind daher sehr gefragt und werden bei einem Sieg auch mit einer Medaille ausgezeichnet. Traditionellerweise wird der Steuermann eines siegreichen Bootes nach Ende des Rennens von der Mannschaft ins Wasser geworfen.
In Booten ohne Steuermann übernimmt diese Funktion entweder der Schlag- oder Bugmann. Hierfür ist vielfach ein Fußsteuer vorhanden, über das das Boot gelenkt werden kann.
Das so genannte Kielschwein ist im eigentlichen Sinne kein Mitglied der Mannschaft. Mit Kielschwein wird in Ruderbooten ein zusätzlicher Passagier bezeichnet, der weder auf einem Steuer- noch Ruderplatz sitzt. Das Kielschwein hat somit keine aktive Aufgabe in dem Ruderboot. Das Kielschwein kommt vor allem im Breitensport auf Wanderfahrten vor, wo das Kielschwein im offenen Bug des Gig-Bootes sitzt. Die Bezeichnung Kielschwein entstammt einem Begriff aus dem Bootsbau, mit dem eine gegen den Kiel verschraubte Holzleiste bezeichnet wird, auf welcher der Passagier hockt.
Neben Regatten sind Wanderfahrten eine der Attraktionen des Ruderns. Wanderrudern bedeutet das Befahren von über 30 km Strecken. Es findet meist auf längeren Flüssen oder Kanälen sowie zumeist in den breiteren Gigbooten statt.
Im Gegensatz zu einem Tagestörn können bei Wanderfahrten in mehreren Etappen ganze Flussläufe bewältigt werden. Auf diese Weise kann man einen Flusslauf komplett von den ersten befahrbaren Ufern bis zur Mündung erkunden. Die Ruderer rudern pro Tag bis zu 100 km. Diese großen Tageskilometerleistungen entstehen auch durch das Ausnutzen der Strömungsgeschwindigkeit von Flüssen.
Zusätzlich zum sportlichen Aspekt haben sich die Wanderruderer mit Schiffahrtsverkehr auseinanderzusetzen. Auf vielbefahrenen Flüssen müssen die Boote zusätzlich gegen Wellen gesichert werden. Auf Flüssen mit vielen Staustufen gehört das Befahren von Schleusen zur Etappe. Das Gepäck wird entweder im Boot verstaut oder mit einem Begleitfahrzeug transportiert.
Beim Wanderrudern ist man nicht auf eine Bootsposition festgelegt. Man kann sogar während der Fahrt die Bootspositionen wechseln. Die Nächte werden entweder im freien Gelände, auf Campingplätzen, in Hotels oder Herbergen, oft aber auch in am Wege liegenden Bootshäusern anderer Rudervereine verbracht.
Im Rudersport hat sich in den 70er Jahren eine neue Disziplin entwickelt, die statt "Marathon" eigentlich "Super-Langstrecke" heißen müsste – sind doch die Distanzen bei den eingeführten Regatten meist deutlich über 42 km lang. Die Regatta "Tour du Lac" rund um den Genfer See gilt immer noch als die härteste Herausforderung an die Mannschaften und das Material. Eine sehr extreme Herausforderung ist die alle zwei Jahre stattfindende Trans-Atlantik-Regatta. Die längste Marathonregatta in Deutschland, auf der innerhalb von 24 Stunden eine möglichst große Distanz bewältigt werden muss, findet jährlich in Berlin statt. Der dort aufgestellte Rekord von 268km ist im Guinness-Buch der Rekorde eintragen. Außerdem findet seit 1981 alljährlich im August der vom Eckernförder Ruderclub initiierte Härtetest statt, bei dem die Strecke Schleswig-Eckernförde auf der Schlei und Ostsee (80 km) innerhalb von 12 Stunden zurückzulegen ist. Die Schwierigkeit liegt hier nicht nur in den 80 km, sondern auch in den Widrigkeiten der offenen See. Den Teilnehmern werden hierfür geschlossene Gig-Boote empfohlen.
Rudern als Sportart ist bereits seit der Antike bekannt. Teilweise bezeichnet Rudern in der Geschichtsschreibung alle Fortbewegungen auf dem Wasser. 1715 schrieb der Engländer Thomas Doggett den ersten Ruder-Wettkampf der Neuzeit aus; die erste Regatta auf der Themse fand 1775 statt. Die wohl bekannteste Regatta auf der Themse ist der Wettkampf der Ruder-Achter der Universitäten von Cambridge und Oxford, das so genannte Boat Race.
Den Rudersport gab es bereits in der Antike. Die heutige Form entstand im Jahre 1715. Damals führte der Ire Thomas Doggett ein Wettrudern für Skullboote ein. Im 18. Jahrhundert verfeinerten die Engländer die Sportart und veranstalteten Wettrennen auf der Themse. 1775 fand die erste bekannte Regatta statt. 1839 gab es das erste Achter-Rennen zwischen den Universitäten Oxford und Cambridge. 1836 wurde der Hamburger Ruder-Club gegründet, und die erste deutsche Ruderregatta gab es 1843 in Hamburg. 1896 wurde Rudern olympisch. Aufgrund schlechten Wetters fiel die Disziplin jedoch aus.
Rudern-Achter.jpg 2004 in Henley]] Um sich mit anderen zu messen, treffen sich die Ruderer auf so genannten Regatta-Strecken.
Die Altersklassen sind unterteilt in Leichtgewichte und Ruderer der Offenen Klasse (auch: Schwergewichte).
Außerdem muss der Steuermann bei Junioren mindestens 55 Kilo, bei Juniorinnen mindestens 50kg mit ins Boot bringen, wovon 10 Kilo durch Zusatzgewichte (Hantelscheiben, Sandsäcke oder Säcke mit kleinen Stahlkugeln) zustande kommen dürfen. Für Rennen der 12- bis 14-jährigen Schüler bzw. Kinder gelten folgende Maximalgewichte für leichtgewichtige Ruderer:
siehe auch: Regatta
Rowing_-_USA_Lwt_4_%40_Olympics_2004.jpg bei den Olympischen Spielen in Athen 2004]] Rudern ist seit 1900 olympische Sportart (siehe Olympische Sommerspiele). Die für die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen vorgesehenen Ruderwettbewerbe sind aus Witterungsgründen ausgefallen. Das erste Rennen im Einer ging über eine Distanz von 1750 Metern. Die Distanzen betrugen 1904 3219m, 1908 2414m und 1948 1883m. Heute werden Wettkämpfe über eine Distanz von 2000m gefahren. Frauenrudern gibt es seit 1976 bei den Olympischen Spiele.
Derzeit werden 14 Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen durchgeführt.
Bei den Herren:
Bei den Damen:
Es gibt noch andere Bootsklassen (sogar einen Einer mit Steuermann), die aber im Hochleistungssport keine Rolle spielen. Bei Breitensportregatten und im Juniorenbereich wird zum Beispiel recht häufig der Doppelvierer mit Steuermann gefahren, ebenso gibt es mitunter einen Doppelachter.
siehe auch: Kategorie:Ruderer
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