Roy Salvadori (* 12. Mai 1922 in Dovercourt, England) ist ein ehemaliger englischer Rennfahrer und Le-Mans-Sieger.
Als Sohn italienischer Emigranten geboren, begann seine Motorsport-Karriere herkunftsgerecht 1947 auf einem hubraumstarken Alfa Romeo. Überhaupt schien er im Gegensatz zu seinen englischen Landsmännern eine auffällige Affinität zu italienischen Herstellern zu haben.
In die Formel 1 kam er erst auf Umwegen durch das Pilotieren diverser hochklassiger Boliden bei Sportwagenrennen. So fuhr er einen 2-Liter-Sportwagen-Maserati für das "Gilby Engineering Team" Sidney Greenes oder auch einen Frazer-Nash bei den Rennen in Brooklands.
Für eben diesen Greene steuerte er auch zwischen 1954 und 1956 einen Maserati 250 F mit beachtlichen Platzierungen bei diversen Grand-Prix-Läufen, die nicht zum Weltmeisterschaftsklassement zählten.
Bei dem nicht zur Weltmeisterschaft zählenden berühmten Rennen im Easter-Monday-Goodwood-Meeting traf Salvadori auf seinen Erzrivalen Ken Wharton auf dessen kapriziösen BRM-16-Zylinder mit seinem eigentlich überlegenen Maserati. Lediglich der bessere Start und das konsequente Blockieren hielten Ken vor seinem Gegner, der den in Kurven deutlich langsameren BRM, der ihm aufgrund seiner Breite auch noch die Ideallinie sichtmäßig versperrt, nicht überholen konnte. Wharton fuhr konsequent Kampflinie, was ihm noch durch den Umstand erleichtert wurde, dass sein Motor permanent Öl spuckte, welches sich auf der Windschutzscheibe und der Brille seines Verfolgers niederschlug. Salvadori verlor die Nerven, fuchtelte wild mit den Armen und versuchte in einer Verzweifelungstat während der 19. Runde in der Lavant-Kurve innen reinzustechen - die Kollision war unvermeidlich. Beide Fahrer konnten zwar nach dem Dreher weiterfahren, aber Roy musste mit einem Kupplungsschaden aufgeben, während Ken Wharton das Rennen gewann. "Ken war einer der allerhärtesten Fahrer, ich hätte es besser wissen müssen ...", urteilte Roy Salvadori im Rückblick dazu. Beide Fahrer erhielten daraufhin eine goldene bzw. silberne Taschenuhr vom Veranstalter geschenkt, auf deren Innenseite "Zur Erinnerung an ein unvergessliches Rennwochende" graviert war.
Im Anschluss daran fragte man ihn von Seiten des Cooper-Teams und auch bei Aston Martin, ob er nicht für offizielle Rennsporteinsätze innerhalb des Championats zu haben sei. Bezeichnenderweise kam der chancenlose Frontmotor Aston-Martin erst 1959 zum Einsatz, als er technisch bereits überholt war. Während der Formel-1-Saison 1957 startete Salvadori auch für Vanwall, als deren Piloten wegen Krankheit bzw. Verletzungen pausieren mussten. Doch schließlich war er es - und nicht der höher eingeschätzte Jack Brabham -, der beim Grand Prix von Aintree mit einem fünften Rang die ersten Punkte für das Cooper-Climax-Team einfuhr.
Seinen größten motorsportlichen Erfolg erzielte er 1959 mit seinem Partner Carroll Shelby auf einem Aston Martin DBR 1 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans dank des Gesamtsieges.
Später kam Roy, dem der Ruf eines verbissenen, aber nie unfairen Kämpfers anhaftete, beinahe zu seinem fälligen Monoposto-Sieg. Beim Grand Prix der USA während der Formel-1-Saison 1961 fuhr er wieder einen Cooper für das Yeoman-Credit-Team. Runde für Runde arbeitete er sich als Zweitplatzierter an den führenden Innes Ireland auf Lotus heran, als der Motor des Coopers und damit auch seine Hoffnungen platzten.
Zum Ende 1962 verabschiedete sich der 40-jährige Salvadori von der Formel 1 und einige Jahre später auch von den Sportwagenrennen, um sich seiner Karriere als erfolgreicher Autohändler zu widmen. Kurzzeitig sah man ihn wieder in der Formel 1, doch diesmal als Teammanager des Cooper-Maserati-Teams zwischen 1966 und 1967. Danach nahm er endgültig seinen Abschied vom Rennsport, um ihm räumlich an seinem Wahlwohnort Monaco dennoch regelmäßig vor Augen zu haben.
Über seine Hitzköpfigkeit gab es diverse Anekdoten. Als Mike Hawthorn bei einem Sportwagenrennen in Oulton Park eine verhängnisvolle Massenkarambolage auslöste, fragten ihn einige Reporter nach dessen Befinden. Daraufhin rief Salvadori, der stets sein Herz auf der Zunge hatte: "Er ist tot."
Andererseits galt Salvadori aufgrund seines südländischen Aussehens und Charmes als bewährter Begleiter von attraktiven Damen. Die beste Geschichte in diesem Zusammenhang wurde vom schottischen Teamchef Rob Walker erzählt. 1954 bat Prince Bira, der zu diesem Zeitpunkt gerade das zweite Mal geheiratet hatte, in Le Mans seinen Fahrerkollegen Salvadori, ob er seine junge Schwägerin nichts ins Bett bringen könne. ("Would you mind taking my sister-in-law to bed tonight?") Daraufhin antwortete Roy schlagfertig: "Aber ich hatte doch schon deine Frau!" ("I'd rather have your wife!") Bira zögerte ein wenig, bevor er erwiderte, "Nein, ich denke so ist es nicht, Roy. Nur meine Schwägerin und niemand anderes. ("No, I don't think that's on, Roy. It's either my sister-in-law or nothing.")
Formel-1-Rennfahrer (Großbritannien) | Engländer | Mann | Geboren 1922
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