| Wissenschaftlicher Name
|
| Vulpes vulpes
|
| Linnaeus, 1758
|
Der
Rotfuchs (
Vulpes vulpes) ist in Mitteleuropa der einzige Vertreter der
Füchse und ist daher meistens als „der Fuchs“ schlechthin bekannt. Er ist in Europa der häufigste
Wildhund.
Merkmale
Ein Rotfuchs ist etwa 75cm lang (Kopfrumpflänge), hinzu kommen 40cm Schwanz. Bis zur Schulter steht er 40cm hoch, sein Körpergewicht beträgt etwa 6-10kg. Das
Fell ist oberseits rot und unterseits weiß gefärbt; der Farbton kann dabei mit dem Verbreitungsgebiet variieren, oberseits zwischen rötlichgelb und tiefrotbraun, unterseits zwischen rein weiß und schiefergrau. Schwarz sind die unteren Teile der Beine.
Daneben gibt es abweichende Farbvarianten, so zum Beispiel den Kreuzfuchs, der einen schwarzen Streifen auf dem Rücken trägt. Der Silberfuchs, eine andere Farbvariante, ist dunkelgrau bis schwarz gefärbt. Weiterhin gibt es noch den Brandfuchs mit dunkler Kehle und Bauchseite sowie Schulterpatie, den noch dunkleren Kohlfuchs und den besonders hellen Birkfuchs.
In der Jägersprache wird der weibliche Fuchs Fähe und der männliche Rüde genannt. Jungtiere nennt man Welpen, mehrere Welpen werden als Geheck bezeichnet.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet ist sehr groß und umfasst
Europa, die gemäßigten und subtropischen Bereiche
Asiens,
Afrika nördlich der
Sahara und
Nordamerika. Im
19. Jahrhundert wurde der Fuchs außerdem in
Australien eingeführt, wo er zu einem schweren ökologischen Problem geworden ist.
Lebensraum
Vulpes vulpes sitting.jpg
Der Nahrungsopportunist Rotfuchs stellt an seinen Lebensraum keine besonderen Anforderungen.
Wälder, Grasland, Äcker und in jüngerer Zeit zunehmend auch Vorstädte stellen geeignete Lebensräume für den Rotfuchs dar.
Die zunehmende Eroberung von städtischem Lebensraum durch Füchse ist seit den 1940er Jahren belegt und wurde zuerst in Großbritannien festgestellt. Heute geht man davon aus, dass in Großbritannien aufgrund der Kriegsbedingungen und der damit einhergehenden reduzierten Jagd die Fuchsbestände so anwuchsen, dass Jungfüchsen als Besiedlungsgebiet nur noch städtischer Lebensraum zur Verfügung stand. Diese Entwicklung wurde dadurch unterstützt, dass in Großbritannien die Tollwut seit Anfang des 20. Jahrhunderts praktisch ausgerottet ist, und damit die Sterberate unter den Füchsen niedriger ist als auf dem europäischen Festland. Mit zeitlicher Verzögerung hat diese Entwicklung allerdings auch auf dem europäischen Festland eingesetzt.
Während Füchse im Stadtleben eine sinnvolle Funktion wahrnehmen, dort sowohl Kaninchen bejagen als auch dazu beitragen, die Rattenpopulation etwas zu reduzieren sowie als Aasfresser im Straßenverkehr verendete Tiere beseitigen, stellen sie für Zoos mittlerweile ein Problem dar. So wurden im Basler Zoo beispielsweise eine Zeit lang fast im Wochenrhythmus von Füchsen Flamingos gestohlen und gefressen. Um Verluste zu vermeiden, müssen Zoogehege rund um Pinguine, Ententeiche und Flamingos mittlerweile vor allem so gebaut werden, dass sie das Eindringen von Füchsen nach Möglichkeit verhindern.
Lebensweise
Fuchs.jpg
Rotfüchse sind dämmerungs- und nachtaktive Allesfresser.
Ernährung
Rotfüchse jagen in der Regel einzeln. Eine Ausnahme bildet die Jagd der Mutter mit ihren Jungen. Durch schnelles Zubeißen töten Füchse ihre Beute. Die Hauptnahrung besteht aus
Nagetieren; daneben fressen sie alle Arten kleiner Tiere sowie pflanzliche Stoffe und Aas. Die Beutetiere sind neben Mäusen vor allem Gelege der
Bodenbrüter,
Enten,
Hühnervögel,
Hasen,
Insekten,
Fische, selten
Rehkitze und noch seltener
Wildschweinfrischlinge, aber nur in Notzeiten
Reptilien und
Amphibien. Auch brechen Füchse öfters in
Hühnerställe ein und rauben ein Huhn. Bei der
Mäusejagd steht der Fuchs zunächst bewegungslos und springt sie dann überraschend auf eine Weise an, dass seine Vorderpfoten das Beutetier treffen. Je nach Jahreszeit ernährt sich der Fuchs auch von reifen
Beeren oder Früchten. Auf der Suche nach Nahrung frisst er auch durch
Autounfälle verunglückte Tiere. In Parkanlagen lebende Füchse plündern manchmal die dortigen Abfallkörbe.
Territorium
Der Bau ist das Zentrum eines
Territoriums, das 5-20 km
2 umfassen kann und hauptsächlich auf Wechseln durchstreift wird. An bestimmten Plätzen markieren Füchse mit Kot und Urin ihr Revier gegenüber Artgenossen.
Mehrere Haupt- und Nebenbaue dienen als Ruheplätze und zur Aufzucht der Welpen. Oft gräbt der Fuchs nicht selbst einen Bau, sondern übernimmt Baue von Dachsen oder Kaninchen. Neben dem Hauptgang gräbt der Fuchs sich zusätzliche Fluchtgänge, die ein schnelles Entkommen sichern. Ein Bau wird oft für viele Generationen verwendet.
Die Fuchsdichte ist stark von der landschaftlichen Vielfalt, dem Nahrungsangebot und den für Baue geeigneten Standorten abhängig. Jungfüchse verlassen das Gebiet unterschiedlich spät und wandern unterschiedlich weit weg.
Fortpflanzung
Vulpes vulpes pups.jpg
Für einen großen Teil des Jahres lebt der Rotfuchs als Einzelgänger. Die Paarungszeit geht in Mitteleuropa von Januar bis Februar; in Südeuropa findet die Paarung bis zu vier Wochen früher, in Nordeuropa bis zu vier Wochen später statt. Dabei umwerben und begatten mehrere Männchen ein Weibchen. Ein Männchen bleibt und hilft bei der Aufzucht der Jungen mit.
Die Tragzeit beträgt etwa fünfzig Tage; anschließend kommen im Schnitt drei bis fünf, selten ein bis dreizehn Junge zur Welt. Die 80-160g schweren Fuchswelpen sind anfangs blind und tragen ein wolliges, graubraunes Haarkleid. Nach zwölf bis vierzehn Tagen öffnen die Welpen erstmals die Augen. Sie werden vier bis sechs Wochen lang gesäugt und verlassen nach Ablauf eines Monats erstmals den Bau. Zu diesem Zeitpunkt haben sie das Fell bereits gewechselt und haben die fuchstypische rote Farbe. Fuchsrüden sind bei der Jungenaufzucht behilflich, indem sie Beute zum Weibchen an den Bau bringen. Kommt ein weiblicher Fuchs auf irgendeine Weise ums Leben, führt manchmal das Männchen die Versorgung der Welpen fort. Nach vier Monaten sind die Welpen selbstständig. Die Geschlechtsreife erreichen sie mit zehn Monaten. Im Alter von etwa einem Jahr verlassen sie ihre Mutter. Die Lebenserwartung beträgt etwa 12 Jahre.
Natürliche Feinde
Für den Rotfuchs sind neben dem Menschen der
Luchs,
Wolf,
Uhu und der
Steinadler die natürlichen Feinde. Allerdings haben diese Tiere für den Rotfuchs zumindest in Europa kaum noch eine Bedeutung, denn sie sind hier fast überall verschwunden.
Zu den natürlichen Feinden kann man auch Parasiten und diverse Infektionserreger zählen, denn der Rotfuchs ist empfindlich gegen Nässe und Kälte und gerade bei diesen Witterungsbedingungen anfällig für diverse Infektionskrankheiten. Dazu zählt auch die Tollwut. Nahezu ein Drittel der Jungfüchse geht an solchen Infektionskrankheiten zugrunde.
Fuchs und Mensch
Nutztier
Der Rotfuchs ist für den Menschen ein
Pelzlieferant. Früher wurden Füchse wegen ihres Pelzes gejagt; heute werden in Pelztierfarmen vor allem die seltenen Farbschläge der Silberfüchse und Kreuzfüchse gezüchtet.
Bejagung
Außerdem ist der Fuchs ein Tier, das oft zum Vergnügen
gejagt wurde. Besonders umstritten ist die
Fuchsjagd in
Großbritannien, wo die Art ihrer Durchführung zum Streitthema zwischen Tierschützern und Jägern geworden ist. Seit Februar
2005 ist die
Parforcejagd zu Pferde mit der Hundemeute in ganz Großbritannien verboten, was den Diskussionen aber kein Ende gesetzt hat.
Krankheitsüberträger
Der Fuchs wird als Aasfresser relativ häufig von
Tollwut befallen. Im Jahr
2004 waren fünf von zwölf in
Deutschland gemeldeten Tollwutfälle erkrankte Füchse. Die behördlich durchgeführte großflächige Ausbringung von Tollwut-Impfködern hält die Tollwut in Grenzen. Man schätzt, dass auf diese Art etwa 80% der Füchse immunisiert werden.
Reservoirwirt
Des Weiteren ist der Rotfuchs einer der wichtigsten
Wirte im Lebenszyklus des
Fuchsbandwurms.
Dezimierung
Durch Vergasung versuchte man, die Füchse zu dezimieren. Dazu wurden alle Ausgänge des Baus abgedichtet und dann
Gas hineingeleitet. Die Erfolge waren gering, da selten ein Tier wirklich eingeschlossen wurde.
Kulturelle Bedeutung
In der
Fabel hat der Rotfuchs seit den Zeiten des
Äsop den Ruf, schlau und listig zu sein. In deutschen Tierfabeln trägt er oft den Beinamen "
Reineke". Auch in
Japan spielt der Rotfuchs eine Rolle in
Mythologie und Fabel; siehe
Kitsune.
Literatur
- Riepe, Thomas: Füchse - Unsere heimlichen Nachbarn. Wagner Verlag (2006). ISBN 3938623683.
- Labhardt, Felix: Der Rotfuchs. Verlag Paul Parey 1990. ISBN 349033812-X
- Tembrock, Günter: Zur Ethologie des Rotfuchses unter besonderer Berücksichtigung der Fortpflanzung. Zool. Garten Leipzig, 23 (1957), S. 289-532
- Tembrock, Günter: Spielverhalten beim Rotfuchs. Zool. Beitr. Berlin, 3 (1958), S. 423-496
- Tembrock, Günter: Zur Strukturanalyse des Kampfverhaltens bei Vulpes. Behaviour, 19 (1962), S. 261-282
- Cord Riechelmann; Wilde Tiere in der Großstadt, Nicolaische Verlagsbuchhandlung Berlin, 2004, ISBN 3-89479-133-0
Weblinks
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