Der Rote Terror war – in Anknüpfung an die Französische Revolution mit der Phase des terreurs – die von Lenin und den Kommunisten in der Oktoberrevolution begonnene Phase, für ihre in der Minderheit befindliche bolschewistische Partei, deren Macht mit Erfolg oder Scheitern der Revolution gleich gesetzt wurde, die Herrschaft zu erringen und zu erhalten. Der Begriff wurde von ihnen selbst geprägt, zur öffentlichen Drohung benutzt und blutig umgesetzt.
Auslöser waren die Attentate auf den Vorsitzenden der Petrograder Tscheka, Urizki, sowie den Vorsitzenden der Sowjetregierung, Lenin, am 30. August 1918.
Der Beginn des Roten Terrors datiert mit dem Dekret des Sowjetregierung "Über den roten Terror" vom 5. September 1918: „In der augenblicklichen Situation ist es absolut lebensnotwendig, die Tscheka zu verstärken …, die Klassenfeinde der Sowjetrepublik in Konzentrationslagern zu isolieren und so die Republik gegen sie zu schützen, jeden, der in weißgardistische Organisationen, in Verschwörungen, Aufstände und Erhebungen verwickelt ist, auf der Stelle zu erschießen, die Namen der Erschossenen mit Angabe des Erschießungsgrundes zu veröffentlichen.“
Die Zeit bis März 1921 (Beginn der Neuen Ökonomischen Politik) wird als Roter Terror und Ära der Politik des Kriegskommunismus bezeichnet. Auch danach gingen jedoch Erschießungen Oppositioneller, Deportationen in Zwangsarbeitslager und Repressionsmaßnahmen gegen dissidente Völker weiter. R.Stettner schreibt, daß "in den Zeiten von Kriegskommunismus, NÖP und den Übergangsjahren bis 1928/29 ein...Geflecht an Konzentrationslagern, Zwangsarbeitslagern und "Lagern zur besonderen Verwendung" existierte. Es sei "falsch, das Lagersystem ausschließlich der Stalinzeit zuzuordnen", wenngleich die Lager der Leninzeit im Vergleich zur späteren Ära des Stalinismus auch "im Ausmaß weniger bedeutend" waren Ralf Stettner Archipel Gulag, Schöningh 1996. Noch nach Beendung der als "Roter Terror" bezeichneten Zeitspanne, nämlich im Mai 1922, entwickelte Lenin den Strafgesetzbuch-Paragraphen 58, der Zwangsarbeit und Todesstrafe für "poltische Delikte" vorsah. So schreibt Lenin am 17.Mai 1922 über seinen Rohentwurf des §58: "...der Grundgedanke...ist klar:offen eine prinzipielle und politisch wahrheitsgetreue...These aufstellen, die das Wesen und die Rechtfertigung des Terrors, seine Notwendigkeit und seine Grenzen motiviert. Das Gericht soll den Terror nicht beseitigen - das zu versprechen wäre Selbstbetrug oder Betrug - , sondern ihn prinzipiell, klar, ohne Falsch und ohne Schminke begründen und gesetzlich verankern." Michael Voslensky Sterbliche Götter, Ullstein 1991, ISBN 3548348076
Als Roter Terror im engeren Sinne wird das Vorgehen in den Städten- eigentliches Machtzentrum der Bolschewiki- betrachtet, während die Auseinandersetzungen zwischen Staatsmacht und Bauernschaft, insbesondere mit den wohlhabenderen Bauern (Kulaken), deren physische Vernichtung Lenin betrieb (Seine Forderung "Tod den Kulaken!" ist enthalten in Band 28 seiner Schriften - Lenin : Werke - ) Michael Voslensky : Sterbliche Götter, Ullstein 1991 . , mit der Politik der Getreiderequidierung zusammenhingen, die Lenin bereits im August 1918 verfügte ("Schonungsloser Massenterror gegen Kulaken..."), ("Übermitteln Sie allen Mitgliedern des Exekutivkomitees und allen Kommunisten, dass es ihre Pflicht ist, die Kulaken schonungslos niederzuschlagen und bei den Aufständischen das gesamte Getreide zu konfiszieren") Michael Voslensky : Sterbliche Götter, Ullstein 1991 . Der Rote Terror richtete sich gegen Bürgertum, zaristische Offiziere, nichtbolschewistische Sozialisten (v. a. Menschewiki, rechte Sozialrevolutionäre), Geistliche, sowie oppositionelle Teile der Arbeiterschaft. Die Durchsetzung der Terrormaßnahmen - wie Erschießungen, Folterungen und Einweisung in Lager (Gulag) - erfolgte durch die Geheimpolizei Tscheka.
Sonja Margolina beschreibt in dem Buch "Das Ende der Lügen" die Auswirkungen des Roten Terrors: "Die brutalen Erschiessungen und Folterungen Tausender russischer Offiziere und Priester, die Geiselnahmen, die Vergewaltigungen adliger und bürgerlicher Frauen, die Gewalt gegen Kinder und Alte hatten keine Grenzen."
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