RotaryClub.jpg Der Rotary Club (RC) ist ein Service-/Wohltätigkeitsclub, in dem sich vornehmlich führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Kunst und allen anderen Bereichen der Gesellschaft zusammengeschlossen haben.
Die mittlerweile über 100-jährige Idee hinter dem Rotary Club würde man heute als sozial engagiertes Netzwerk höherer Gesellschaftsschichten bezeichnen (das Rotary-Verfahrenshandbuch 2001 beschreibt eine „Weltgemeinschaft von Berufsleuten“), das sich die Hilfe für andere Menschen und weltweite Verständigung auf die Fahnen geschrieben hat. Eine „verantwortungsbewusste private, geschäftliche und öffentliche Betätigung“ soll auf Basis „hoher ethischer Grundlagen“ gefördert werden. Service above self gilt als Wahlspruch der Rotarier.
Nicht zuletzt auf Grund der speziellen Aufnahmeregelung (siehe Mitgliederstruktur und Aufnahme unten) werden Rotarier oder Rotarierinnen von Außenstehenden bisweilen mit Skepsis als einge- oder gar verschworene Gemeinschaft empfunden, in der vornehmlich Geschäftsbeziehungen gepflegt werden. Das Motto von Rotary International lautet: „Selbstloses Dienen“, was erfahrene Mitglieder wie folgt umschreiben: „Rotary ist, was wir für andere und unsere Freundschaft tun“. In jedem echten Verein oder Club hilft man sich gegenseitig. Das ist unter Freunden selbstverständlich und gilt auch für Rotary. Im eigenen Club Werbung für sich oder seine Firma zu machen, ist jedoch verpönt.
Unbestritten verfolgt der Rotary Club wohltätige Zwecke. In der Leistungsbilanz 2002/2003 wiesen deutsche Rotary-Clubs 29,7 Millionen Euro aus.
Harris verabredete regelmäßige Treffen - rotierend - in den Büros der Gründer. Der Name der Vereinigung leitete sich aus dieser realisierten Absicht ab. Inzwischen hat die Dachorganisation aller Rotarier-Clubs, Rotary International, ihren Sitz in Evanston, Illinois.
Heute gibt es mehr als 31.000 Clubs in 166 Staaten mit rund 1,2 Millionen Mitgliedern, und zwar Männer wie Frauen. Die Mitglieder werden „Rotarier“, bzw. „Rotarierinnen“ genannt.
Die Geschichte des Rotary-Clubs ist eng mit der Geschichte der UNO verbunden: So waren 49 Rotarier an der Erarbeitung der Charta der Vereinten Nationen im Jahr 1945 beteiligt, es wurde die UNESCO auf Grundlage einer Rotary-Konferenz gegründet und noch heute ist Rotary International offizieller Beobachter, sog. NGO, bei der UNO.
Der erste Schweizer Distrikt wurde am 1. Juli 1925 gegründet. Erster Club in der Schweiz war der Rotary-Club Zürich. Ebenfalls 1925 wurden die ersten Clubs in Österreich gegründet, während in Deutschland die Geschichte von Rotary 1927 mit der Gründung des ersten Clubs in Hamburg begann. Bis 1928 gehörten die österreichischen und deutschen Clubs demselben Distrikt an.
Bereits zu Beginn der NS-Diktatur haben viele deutsche Rotary-Clubs ihre jüdischen Mitglieder ausgeschlossen. Wenige Clubs behielten ihre jüdischen Mitglieder bis zur Auflösung der Clubs 1938.
Der nationalsozialistischen Führung war Rotary als international verbundene Organisation suspekt. Es erfolgten mehrere Besuche internationaler Rotarier im dritten Reich, die der deutschen Führung versicherten, Rotary sei nicht politisch aktiv und würde nicht auf Regierungsangelegenheiten Einfluss nehmen. Trotzdem untersagten die Nazis Beamten und NSDAP-Mitgliedern eine Mitgliedschaft bei Rotary.
Im Folgenden versuchten deutsche Rotary-Clubs sich der Nazi-Regierung anzupassen. Dies gipfelte in dem Angebot, alle Entscheidungen von Rotary Deutschland von der Reichsführung absegnen zu lassen und sich gleichzuschalten. Als die NS-Regierung auf die Angebote von Rotary nicht einging, zeigte sich die Unvereinbarkeit der rotarischen Ziele und der NS-Ideologie. Auch der Versuch mancher Clubs, den Sonderweg eines „deutschen Rotary“ zu gehen, blieb erfolglos.
So löste sich Rotary in Deutschland 1938 selbst auf. In der Folge trafen sich mehrere deutsche Rotary-Clubs, wie auch Rotary-Clubs in den von Deutschland besetzen Gebieten im Untergrund oder unter dem Deckmantel eines Gesangsvereins. Der RC Kiel etwa überlebte die NS-Diktatur als Freitagsgesellschaft.
Rotary besteht an der Basis aus einzelnen lokalen oder regionalen Clubs. Jeweils ungefähr 50 bis 100 Clubs sind zu einem sogenannten Distrikt zusammengefasst, die Distrikte wiederum in weltweit 34 Zonen organisiert. An der Spitze eines Distrikts steht der jeweils für ein Jahr gewählte Governor, der während seiner Amtszeit Mitglied im Governorrat des Landes ist. Dieser stellt das Bindeglied zwischen dem Hauptsitz von Rotary International und dem einzelnen Club dar.
In Deutschland sind etwa 43.500 Mitglieder in 881 Clubs in 14 Distrikten organisiert. In der Schweiz und Liechtenstein gibt es drei Distrikte mit 206 Clubs und ca. 11.400 Mitgliedern. Österreich ist in zwei Distrikte geteilt, wobei der östliche Distrikt als Besonderheit Österreich, Ungarn, Slowenien, Bosnien und Kroatien umfasst. Zusammen bestehen beide Distrikte aus 208 Clubs mit etwa 8.500 Mitgliedern.
Ein Rotary-Club trifft sich in der Regel wöchentlich in seinem Clublokal. Von den Mitgliedern wird erwartet, dass sie nach Möglichkeit 60 Prozent aller Anlässe besuchen. In diesem Sinn gibt es eine Präsenzpflicht. Sie ist Voraussetzung für den Zusammenhalt im Club. „Leere Stühle schaffen keine Freundschaft!“ Mitglieder, die beruflich stark angespannt sind und nicht an jeden Anlass kommen können, stoßen auf Verständnis. Wichtig ist, dass sie immer wieder „rotarische“ Zeichen geben, zum Beispiel bei gemeinsamen Aktivitäten. Üblicherweise werden bei den wöchentlichen Zusammenkünften Vorträge zu aktuellen Themen oder aus dem speziellen Berufsfeld eines Mitglied gehalten. Es wird von jedem Rotarier erwartet, dass er sich an diesem Vortragswesen aktiv beteiligt.
Um das Ziel einer „Gemeinschaft von Berufsleuten“ zu erreichen, strebt Rotary danach, möglichst viele qualifizierte Berufskräfte zu umfassen. Aus diesem Grund sind pro Club höchstens fünf Angehörige derselben Berufsklasse zugelassen. Bestimmte häufige Berufsklassen wie z. B. Anwälte oder Ärzte werden daher bedarfsweise verfeinert, um weitere Mitglieder aufnehmen zu können.
Man kann einem Rotary-Club nicht direkt beitreten, sondern muss von zwei Mitgliedern zur Aufnahme vorgeschlagen werden und wird aufgenommen, wenn die Clubmitglieder keinen berechtigten Einspruch erheben. Der Aspirant hat zuvor das Recht, seinen künftigen Club kennenzulernen. Durch diese Art der Rekrutierung entsteht eine Clubstruktur, die nach außen elitär wirken kann. Tatsächlich versuchen die Clubs, die besten Kräfte in ihrer Region für Rotary zu gewinnen.
Die Berufsvielfalt in den Clubs und deren Autonomie (im Rahmen der Verfassung und Satzung von Rotary International) gehört zu den Hauptgründen für den Fortbestand und Erfolg von Rotary seit 1905.
Die Mitgliedschaft in Rotary-Clubs war bis 1989 nur Männern vorbehalten. Es hat eine gewisse Zeit gebraucht, bis die Aufnahme von Frauen in dieser nun mehr als 100jährigen Organisation überall möglich wurde. Weltweit waren Mitte 2003 von insgesamt 31.256 Rotary Clubs bereits 21.554 gemischte Clubs, was einem Anteil von 69 Prozent entspricht. Deutschland zählte 23 Prozent gemischte Clubs. In der Schweiz und Liechtenstein waren Ende Februar 2006 von den 11'421 Mitgliedern 669 Frauen (5,9 %). Mehr als die Hälfte aller 206 Clubs haben bereits weibliche Mitglieder.
Bekannte Rotarier/-innen aus dem deutschsprachigen Raum:
Bekannte internationale Rotarier/innen:
Rotary International wird oft eine Verbindung zur Freimaurerei nachgesagt. Begonnen von der Katholischen Kirche (vor allem in Polen), die eine Konkurrenz der von Rotary formulierten Ethik zu ihrem Ethikmonopol sah, wurde dieses Argument besonders in der Propaganda des Dritten Reiches verwendet. Diese breit angelegte Propaganda wirkt bis heute in der Debatte um Rotary nach. Bereits der Gründer von Rotary Paul P. Harris hat in Briefen und öffentlichen Reden immer wieder bestätigt, dass weder er noch Rotary mit der Freimaurerei verbunden sind. Dies ist aber im Zusammenhang mit der Zeit zu erklären, in der der Brief verfasst wurde. Quelle: Artikel „Von Brüdern und Freunden“ im Rotary-Magazin 4/2004 --->
In der Ausgabe April 2004 widmet sich das Rotary-Magazin (Mitgliedermagazin der deutschen und österreichischen Rotary-Clubs) in dem Artikel „Von Brüdern und Freunden. Viele Rotarier waren und sind auch Freimaurer“ selbst dieser Thematik. Darin heißt es u. a.: „Zur Zeit der Gründung Rotarys gehörte ein großer Teil der amerikanischen Geschäftsleute einer der zahlreichen maurerischen Vereinigungen an. Die Zugehörigkeit zu beiden Organisationen ist auch heute in den angloamerikanischen Ländern nicht außergewöhnlich und wird weder von den Freimaurern noch von Rotary International untersagt.“ Zum Zeitpunkt der Gründung des Rotary-Clubs sei „die Verbindung Freimaurer/Rotarier eher die Regel als die Ausnahme gewesen“.
Rotary International ist der Betreiber eines der größten nichtstaatlichen Jugendaustauschprogramme. Der erste Austausch, der sich das Rotarynetzwerk zunutze machte, war vermutlich die Organisation eines Austauschs vom Club Kopenhagen im Jahre 1929. Offizieller Bestandteil des Rotaryprogramms ist Youth Exchange seit etwa 1965. Wenn sich ein Rotary-Club dazu entschließt, einen Schüler aus seinem Distrikt für einen Auslandsaufenthalt weiterzuempfehlen, muss er sich im Gegenzug dazu bereiterklären, für einen Austauschschüler aus dem Ausland (= Inbound) Unterkunft und Schule für zwölf Monate zu stellen. Gerne gesehen wird es, wenn die Familie des deutschen Austauschschülers den Inbound für etwa drei Monate aufnimmt. Keinesfalls können nur Kinder von Rotariern am Austauschprogramm teilnehmen, im Durchschnitt sind wesentlich mehr rotarische Austauschschüler nicht durch einen Verwandten mit Rotary in Kontakt gekommen. Durch das Prinzip des gegenseitigen Austauschs werden die Kosten für Rotary und die Austauschschüler niedrig gehalten. Bezahlen muss die Familie des ausgesandten Schülers (= Outbound) nur den Flug, die von Rotary vorgeschriebene Versicherung und die Visumsgebühren. Zusätzliche Zahlungen sind freiwillig, wie z. B. der Preis für die freiwillige Rundreise durch den Gastkontinent. Die Vermittlung und gesamte Verwaltung des Austauschs wird von ehrenamtlichen Rotariern verantwortet, was bei kommerziellen Organisationen einen großen Teil der Kosten ausmacht. Ein weiterer Effekt des 1:1-Austauschs ist es, dass es für jedes Land das Kontingent an Inbounds dem der Outbounds entspricht. Begehrte Länder wie z. B. Neuseeland oder Australien nehmen in der Regel nur soviele Inbounds aus Deutschland auf, wie Outbounds nach Deutschland gegangen sind. Auf Distriktebene wird auf Basis der Bewerbung und persönlicher Interviews die Entscheidung getroffen, in welches Land die Bewerbung des einzelnen Schülers weitergeleitet wird. Wenn das Kontingent für ein Land erschöpft ist, wird auf das erste Ersatzland ausgewichen, bis jeder Austauschschüler untergebracht ist. Vor Ort im Gastland wird der Austauschschüler vom Club in Form eines Counsellors betreut. Diese vom Club gewählte Person ist der Ansprechpartner des Austauschschülers für das gesamte Jahr und hat meistens nur die Verantwortung für einen oder zwei Jugendliche, weshalb in der Regel eine enge Bindung zwischen den beiden Personen entsteht. Mit dem Counsellor ist man das ganze Jahr in Kontakt, er ist eine genauso wichtige Ansprechstelle wie die Gastfamilie, da er sich im Namen des Clubs um den Austauschschüler kümmert und kontrolliert, ob die Regeln des Austauschs eingehalten werden. Rotary hat außer den Regeln, die jeder Gastdistrikt für seine Inbounds aufstellt vier Grundregeln, die je nach Gastland, Club und vorherrschender Mentalität unterschiedlich streng gesehen werden. Diese sind als die vier „D“s bekannt = No Drugs, No Drink, No Drive, No Date:
Die Austauschschüler des Rotary Club München International berichten im Web: http://www.rotary-munich.de/rotary-youth-exchange.htm
Der Rotary Club betreibt aus eigenem Antrieb heraus eine Berufsberatung. In diversen Schulen (bspw. in der Marie Curie-Oberschule zu Berlin-Wilmersdorf ), bei regionalen Berufsbildungsmessen oder bei eigenen Veranstaltungen (bspw im Rhein-Main-Gebiet) . Die Berufsberatung der Rotarier ist überhaupt nicht vergleichbar mit der der Arbeitsverwaltung. Die Rotarier berichten praxisnah über ihre eigenen positiven und negativen Erfahrungen aus dem Berufsleben und stellen -wenn vorhanden- Praktikums- und Ausbildungsplätze in ihren Unternehmen oder Verwaltungen zur Verfügung. So werden präzise Auskünfte über Anforderungen, Aufstiegsmöglichkeiten, Bezahlung usw. gegeben und der Einstieg der Jugend in die Arbeitswelt erleichtert. Die rund 15 Münchner Rotary Clubs veröffentlichen ihre Aktivitäten zum Berufsdienst auf der Website des Rotary München International: http://www.rotary-munich.de
Rotaract Club ist eine Organisation, die in den 60er Jahren von Rotary International gegründet wurde, um die Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein, internationalem Geist und ethischen Grundsätzen in der Jugend zu fördern. Rotaract besteht aus einzelnen Clubs, in denen sich junge Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren engagieren. Das Programm basiert auf den Säulen „Lernen - Helfen - Feiern“. Rotaract International ist eine weltumspannende Gemeinschaft mit 7.500 Clubs und 172.300 Mitgliedern in 155 Ländern. Rotaract blickt in Deutschland auf eine mehr als 35-jährige Geschichte zurück. Heute existieren über 165 Clubs. In der Schweiz bestehen 13 Clubs mit 291 Mitgliedern.
Rotaract als selbständiger Teil der rotarischen Weltgemeinschaft steht in engen Beziehungen zu Rotary. Das gilt in besonderer Weise für das Verhältnis der Rotarac-Clubs zu ihren rotarischen Patenclubs.
Interact Club ist eine rotarische Organisation, für Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren. Der Interact Club wird von ein oder mehreren RotaryClubs gesponsert und soll persönliches und gesellschaftliches Engagement mit Vergnügen verbinden. Der erste Club wurde 1962 durch den Weltpräsidenten von Rotary International in Melburne, Florida, USA gegründet.
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