Ronald Arthur Biggs (* 8. August 1929 in Lambeth, London) ist jüngstes und populärstes Mitglied einer britischen Räuberbande, die am 8. August 1963 bei der Bridego-Eisenbahnbrücke in Ledburn den königlichen Postzug von Glasgow nach London überfiel und 2,63 Millionen Pfund erbeutete. Der Überfall wurde unter der Bezeichnung The Great Train Robbery (zu Deutsch: Der Große Postzugraub bekannt.
Seit dem 7. Mai 2001 sitzt Biggs im Belmarsh-Gefängnis seine dreißigjährige Gefängnisstrafe ab.
Ronald Biggs, später nur noch Ronnie Biggs genannt, wird am 8. August 1929 in Lambeth geboren. Er arbeitet und lebt bis zu seinem 34. Geburtstag als Zimmermann mit seiner Ehefrau Charmian Rothen und seinen beiden Söhnen in Redhill in Surrey. Desweiteren war er Mitglied einer Gruppe von Kleinkriminellen, den sogenannten Fulham-Boys die verschiedene kleine Verbrechen im Großraum London verübten.Aufgrund des Mangels an Leuten wurde diese Gruppe von den eigentlichen Posträubern um Bruce Reynolds und Ronald Edwards angeheuert, mit der Planung des Überfalls hatte Biggs nach neueren Erkenntnissen wohl nichts zu tun. Er gilt heute als einfacher Handlanger.
Die Räuber erbeuten 120 Goldsäcke mit 2,63 Millionen Pfund. Das entspräche heute einer Summe von rund 50 Millionen Pfund, demnach 80 Millionen Euro.
Biggs behauptet später, mit dem Geld seien auch fünfzig ungeschliffene Diamanten geraubt worden, mit denen drei vollkommen unbekannte, niemals gefasste Bandenmitglieder entkommen seien. Seine Aussage über eine größere Anzahl von Bandenmitgliedern –- demnach hätte die Bande ja aus 18 Mitgliedern bestanden –- ist nachvollziehbar: Biggs hat nach eigenen Angaben einen Anteil von 148 000 Pfund bekommen. Multipliziert man diesen Anteil mit 18 kommt tatsächlich ein Betrag heraus, der dem Erbeuteten etwa entspricht.
1964 wird Biggs zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, doch nach 15 Monaten im Wandsworth Prison gelingt ihm und Reynolds die Flucht. Sie überklettern des Nachts die gut sechs Meter hohe Mauer mit einer Strickleiter und springen durch das ausgesägte Loch im Dach eines bereitstehenden Möbelwagens.
Biggs flieht mit seiner Familie nach Paris, versorgt sich dort mit gefälschten Papieren und lässt sein Gesicht verändern. Sie fliehen weiter nach Australien und Biggs 1974 von dort aus alleine weiter nach Brasilien, nach Rio de Janeiro.
Doch die Verhaftung gelingt nicht. Die einheimische Stripperin Raimunda de Castro erwartet ein Kind von Biggs und er darf deshalb nicht ausgeliefert werden. Sie nennen ihr Kind, einen Jungen, Michael. Auf dem Rückweg wird Slipper schlafend im Flugzeug von einem Daily Mail-Fotografen aufgenommen – inklusive des leeren Sitzes neben ihm.
1993 besucht Slipper Biggs in Rio. Bei einem Bier gesteht dieser: „Ich habe nichts mehr.“ „Biggs' Villa war eine bessere Sumpfhütte am falschen Ende der Stadt. Sein Swimmingpool war so schwarz vor Algen, dass nicht einmal Stichlinge darin überlebt hätten.“, beschreibt Slipper Biggs' Exil, „Er drehte Touristen T-Shirts an und verbrachte die meiste Zeit damit, Golfbälle in rostige Papierkörbe am Strand zu schlagen.“
Biggs nimmt mit der britischen Punkband The Sex Pistols 1978, kurz nachdem Johnny Rotten die Band verlassen hat, das Album The Great Rock'n'Roll Swindle und das Lied No One Is Innocent (Zu Deutsch: Niemand ist unschuldig), auf. Außerdem spielt er in der gleichnamigen „Pistols-Dokumentation“ unter der Regie Julien Temples sich selbst als „The Exile“. Der Film erscheint 1980.
1981 wird Biggs von einer Gruppe Abenteurer entführt, die ihn in Barbados gegen eine Belohnung der britischen Polizei ausliefern will. Das Verbrechen wird entdeckt und er kehrt nach Brasilien zurück.
Eine Zeitlang sieht es so aus, als würde Michael, Biggs' Sohn, Mitglied der erfolgreichen Kinderband Turma do Balão Mágico werden und damit für eine weitere Einnahmequelle sorgen, doch die Band verliert bald an Bedeutung, löst sich auf, und lässt Vater und Sohn in ihrer Not zurück.
1988 verfilmt Regisseur Lech Majewski den Großen Postzugraub unter dem Namen Prisoner of Rio. Die Filmmusik komponierte Hans Zimmer, das Drehbuch schrieb Ronald Biggs selber. Der Film erscheint in Deutschland unter dem Namen Gefangen in Rio.
Dreizehn Jahre nach Ronnies Musikaktivitäten mit den Sex Pistols, nimmt Ronnie mit der Deutschen Punk- und Rockband Die Toten Hosen die Single Carnival In Rio (Punk Was) für deren Album Learning English - Lesson One auf und feiert mit ihnen seinen 62. Geburtstag.
1999 unterschreiben Biggs und Reynolds einen Vertrag bei SCi Entertainment. SCi Entertainment möchte mit ihrer Unterstützung das Computerspiel The Great Train Robbery entwickeln. Der Spieler soll entweder die Rolle der Polizei oder die Rolle von Biggs übernehmen. Die Veröffentlichung des Spieles wird auf 2002 angesetzt, es erscheint aber nicht.
Die britische Boulevardzeitung The Sun spendiert ihm den Rückflug in einem Privatjet, 20 000 Pfund und verschiedene Auslagen und bekommt als Gegenleistung die exklusiven Interviewrechte. Auf die Interviewfragen muss Ronnie schriftliche Antworten geben; er kann nach zwei Schlaganfällen nicht mehr sprechen.
Auf dem Militärflughafen Northolt bei London wird er von sechzig Scotland Yard-Beamten festgenommen. Auf die sofortige Inhaftierung reagiert Biggs geschockt und bricht schluchzend in seiner Zelle im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh zusammen. Unter seiner neuen Adresse, HM Prison, Western Way, Thamesmead, London SE 28 OEB, muss er die noch ausstehenden 28 Jahre seiner Haftstrafe verbüßen. Dort heiraten Ronald Biggs und Raimunda de Castro 2002 unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in der Gefängnis-Kapelle im Beisein Michaels, Ingrids und einiger Fotografen.
2003, zwei Jahre nachdem er Brasilien aufgrund gesundheitlicher Probleme verlassen hat, erleidet Biggs nach mehreren Schlaganfällen einen Herzinfarkt und wird vom Belmarsh Prison in das Queen Elizabeth Hospital verlegt. Am 10. August 2005 wird MRSA bei Biggs diagnostiziert. Laut seinen Anwälten, die nach einem Grund für seine Entlassung suchen, steht sein Tod kurz bevor. Außerdem hat er Schwierigkeiten beim Essen und Sprechen.
Mann | Engländer | Räuber | Geboren 1929
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