Rolle ist eine politische Gemeinde und Hauptort des Distrikts Rolle des Kantons Waadt in der Schweiz.
Die Fläche des 2.7 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt am Nordwestufer des Genfersees. Der Gemeindeboden erstreckt sich vom Seeufer landeinwärts über den flachen Uferrandstreifen bis zur Hauptstrasse, die von Nyon entlang dem Hangfuss der Waadtländer Côte nach Aubonne verläuft. Hier wird mit 442 m ü. M. die höchste Erhebung von Rolle erreicht. Nach Südwesten reicht das Gebiet bis zur Mündung des Baches Flon de Vincy in den Genfersee. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 57 % auf Siedlungen, 6 % auf Wald und Gehölze, 36 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.
Zu Rolle gehören einige Villenquartiere und Weingüter. Nachbargemeinden von Rolle sind Bursinel, Gilly, Tartegnin, Mont-sur-Rolle und Perroy.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1850 | 1398 |
| 1900 | 2025 |
| 1910 | 2126 |
| 1930 | 2195 |
| 1950 | 2677 |
| 1960 | 2942 |
| 1970 | 3658 |
| 1980 | 3409 |
| 1990 | 3646 |
| 2000 | 4235 |
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich neben dem städtischen Handwerk und Gewerbe auch Industrie in Rolle angesiedelt. Die meisten Arbeitsplätze sind im Dienstleistungssektor vorhanden. Rolle ist Sitz der Société suisse des employés de commerce (Le Courtil) und der Ecole Internationale von Le Rosey, die z.B. der Bildhauer Benno Elkan besucht hat. Als regionales Zentrum der Waadtländer Côte verfügt Rolle über ein Spital, Weinhandlungen und touristische Infrastrukturen. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Ort dank seiner attraktiven Lage zu einer Wohngemeinde entwickelt. Neue Wohnquartiere entstanden vor allem im Westen und Nordwesten der Altstadt.
Am 14. April 1858 wurde der Abschnitt von Morges nach Coppet der Eisenbahnlinie Lausanne-Genf mit einem Bahnhof in Rolle in Betrieb genommen. Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgen die Postautolinien, die von Rolle nach Gland, Gimel und Aubonne verkehren. Ferner ist das Städtchen an das Schiffsverkehrsnetz auf dem Genfersee angebunden. Von 1898 bis 1938 war eine Schmalspurbahn von Rolle nach Gimel in Betrieb.
Mit der Eroberung der Waadt durch Bern im Jahr 1536 kam Rolle unter die Verwaltung der Vogtei Morges, und bildete darin eine Kastlanei, die in etwa dem Gebiet des heutigen Bezirks Rolle entsprach. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime gehörte das Städtchen von 1798 bis 1803 während der Helvetik zum Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. 1798 wurde Rolle zum Hauptort des damals geschaffenen gleichnamigen Bezirks erhoben.
Das Schloss von Rolle, 1264 von den Grafen von Savoyen errichtet, wurde 1530 und 1536 von den Eidgenossen niedergebrannt. Es steht direkt am Seeufer und war früher gegen das Land durch Gräben geschützt. Die Schlossanlage zeigt einen unregelmässigen Grundriss: eine dreiflügelige Anlage mit einem nach Westen offenen trapezförmigen grossen Hof. Der grösste Teil der Gebäude stammt von den Um- und Neubauten im 15. und 16. Jahrhundert. Am Ende der beiden nach Westen ragenden Flügel stehen je ein Rundturm (der nördliche stammt als einziger aus dem 13. Jahrhundert), während das Schloss gegen die Seeseite von zwei viereckigen Türmen flankiert wird. Heute befindet sich in einem Teil des Schlosses die Gemeindeverwaltung von Rolle.
Im historischen Stadtkern sind zahlreiche Patrizierhäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert erhalten. Das Maison d'Allinges mit einem zinnenbekrönten Eingang wurde im 16. Jahrhundert errichtet. Von 1875 stammt das Casino. Am Seeufer steht seit 1826 der klassizistische Pavillon Petite Fleur d'Eau. Im See befindet sich die künstliche Insel Ile de la Harpe, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum Schutz des Hafens angelegt wurde. Auf dem baumbestandenen Inselchen steht seit 1844 ein Denkmal für Frédéric-César de la Harpe. Das Herrenhaus der Domäne Pré de Vert wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut.
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