Roger Schawinski (* 11. Juni 1945 in Zürich) ist seit 2003 Geschäftsführer des deutschen Privatfernsehsenders SAT.1. In der Schweiz war er davor schon als streitbarer Medienpionier und Fernsehmoderator bekannt und gilt als schillernde Medienfigur.
Er gründete das erste Schweizer Privatradio und das erste nationale Privatfernsehen, moderierte Fernsehsendungen, gab Zeitungen und Zeitschriften heraus – und legte sich dabei mit allen und jedem an. Unter anderem wegen seiner typischen, grossspurigen Wendungen und seiner "Zürischnurre" (Zürcher Schnauze) war Schawinski ein beliebtes Sujet aller Satiriker und Karikaturisten – bekannt ist die Imitation seiner Person durch Viktor Giacobbo.
Er ist seit 1996 zum dritten Mal verheiratet und hat mit seiner heutigen Ehefrau Gabriella Sontheim eine gemeinsame Tochter namens Lea (1997). Seine erste Ehe von 1970 blieb kinderlos, aus seiner Ehe mit Ina von 1981 stammen die Kinder Kevin (1981) und Joelle (1983).
Leben
Ausbildung
Er stammt aus Zürich in der Schweiz. Als Kind eines Textilwarenhändlers ist er im Zürcher Arbeiterquartier
Aussersihl aufgewachsen. Mit 21 Jahren erwirbt Schawinski die
Maturität auf dem
zweiten Bildungsweg. Er studiert
Wirtschaftswissenschaften an der
Universität St. Gallen (HSG) und macht seinen Abschluss als Dr. nat. oec. HSG nach einem Aufenthalt in den
USA und einem
Volontariat bei der
Neuen Presse.
Start beim Schweizer Fernsehen
Ab
1972 arbeitete er zunächst als
Journalist für das
Schweizer Fernsehen DRS. Er gründete und moderierte ab
1974 das Konsumentenmagazin
Kassensturz - bis heute einer der zuverlässigsten Quotenlieferanten des Schweizer Fernsehens. Von
1977 bis zu seiner fristlosen Entlassung
1978 arbeitete er als Chefredaktor bei der
Migros-Tageszeitung
Die Tat.
Radio 24
1979 gründete er das erste Schweizer Privatradio
Radio 24, das zunächst als
Piratensender vom
Pizzo Groppera in
Oberitalien aus sendete, ehe es, nach demonstrativer Unterstützung durch die damalige
Jugendbewegung und einer breiten Öffentlichkeit
1983 in der Schweiz lizenziert wurde. Im April
1981 erhielt Schawinski dafür den Radio-Oscar des amerikanischen
Billboard-Magazins.
Roger Schawinski hat einen prominenten Platz in Beat Hirts Jolly Roger - einem Dokumentarfilm über die ersten Schweizer Lokalradios.
Filmproduzent, Stadtmagazin Bonus, Opus Radio
In den
80er-Jahren versuchte sich Schawinski ohne Erfolg als
Filmproduzent und gründete das Zürcher Stadtmagazin
Bonus, das bis
1996 erscheint.
1991 gegründete er den
Klassik-Radiosender
Opus Radio, der
1992 mangels definitiver Bewilligung seinen Betrieb wieder einstellen musste.
Tele Züri
Er gründete mit
TeleZüri ein privates Lokalfernsehen in der Schweiz, das
1994 auf Sendung ging. Endgültig zur Kultfigur brachte er es mit der allabendlichen Moderation von «Talk täglich», einer ganz auf ihn zugeschnittenen Talkshow, in der er seinen Gästen meist keine Chance liess.
1995 wurde Schawinski mit dem Tele-Preis,
1996 mit dem Zürcher Radio- und Fernsehpreis ausgezeichnet.
Tele 24
1998 gründete er mit
Tele 24 den ersten landesweiten privaten Fernsehsender in der Schweiz, wofür er im gleichen Jahr mit dem
Gottlieb-Duttweiler-Preis gewürdigt wurde.
1999 übernahm die Schweizer Grossbank
Credit Suisse Group 40 Prozent der
Aktien von Schawinskis
Belcom Holding AG, in deren Besitz sich die verschiedenen Unternehmen befanden. Das Schweizer Medienunternehmen
Tamedia AG übernahm im August
2001 für 80 Millionen Schweizer Franken
Radio 24 und
TeleZüri,
Tele 24 wurde eingestellt und Schawinski gelangte so zu einem respektablen Vermögen.
SAT.1
In der Schweiz galt er zu diesem Zeitpunkt schon als Privatier, doch 2004 begann er noch einmal eine neue Karriere: Am
4. Dezember 2003 wurde er Geschäftsführer des Privatfernsehsenders "
SAT.1". Mit einigen grossspurigen Ankündigungen, unter anderem mit der gescheiterten Show "Anke Late Night", zog er zu Beginn den Spott der deutschen Presse auf sich. Doch der ehemals bunte Medienvogel machte eine erstaunliche Wandlung durch und arbeitete fortan fleissig im Hintergrund. Offenbar erfolgreich: Im Juni 2005 wurde sein Vertrag um zwei Jahre verlängert.
Literatur
Roger Schawinski publizierte mehrere Bücher, die in der Schweiz alle zu
Bestsellern wurden.
- Schawinski, Roger: Das Ego-Projekt. Lebenslust bis 100. 2002, ISBN 3478733804.
- Schawinski, Roger: Radio 24. Die Geschichte des ersten freien Radios in der Schweiz. 1982/1984, ISBN 3907755006.
- Schawinski, Roger: TV-Monopoly. Die Inside-Story. 2002, ISBN 3280050324.
- Schawinski, Roger: Wer wird Milliardär? Der Börsenhype und seine Macher. 2003, ISBN 328005060X.
- Schawinski, Ina und Roger: Vergiftet. Wie wir ein Haus bauten, das uns krank machte. 1986, ISBN 3293001130.
Aussprüche
"Ich hans erfunde!"
(Wortwörtliche Übersetzung: "Ich habe es erfunden!". Deutung: Spielt auf den Fernsehsender Tele 24 bzw. Tele Züri und den Radiosender Radio 24, die Schawinski gegründet hatte, an.)
"Who cares!?"
(Wortwörtliche Übersetzung: "Wen kümmert's!?". Deutung: Schawinski benützte dieses Bonmot, als er Moderator der Talksendung "Talk Täglich" bzw. "SonnTalk" war, und so aufgebrachte Zuschaueranrufe in die Sendung kommentierte. In den Talks kommen oft boulevardähnlich aufbereitete Themen vor, z.B. Beissangriffe von Pitbulls oder Razzien in Clubs.)
"Find i guet!"
(Wortwörtliche Übersetzung: "(Das) finde ich gut!". Deutung: Wurde von Schawinski ebenfalls in von ihm moderierten Fernsehsendungen benutzt.)
Weblinks
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