Schuman war Ministerpräsident von Frankreich und bereitete als französischer Außenminister den Weg zur Schaffung der Montanunion (Schuman-Plan) vor. Später war Schuman Präsident des Europäischen Parlaments. Er gilt zusammen mit Jean Monnet als Gründervater der Europäischen Union.
Robert Schumans Vater, Jean-Pierre Schuman (1837-1900), dessen Muttersprache Luxemburgisch war, wurde als französischer Staatsbürger im lothringischen Evrange, direkt an der luxemburgischen Grenze, geboren. Nachdem das Deutsche Kaiserreich Lothringen 1871 annektiert hatte, wurde er zum Reichsdeutschen. Roberts Mutter, Eugénie Duren (1864-1911), eine in Bettemburg geborene Luxemburgerin, erwarb 1884 durch Eheschließung die deutsche Reichsangehörigkeit. Obwohl Robert Schuman im Luxemburger Faubourg Clausen zur Welt kam, war er gebürtiger Deutscher, allerdings mit luxemburgischer Muttersprache; Französisch, das er erst in der Schule lernte, sprach er zeitlebens mit einem Akzent.*
Von 1896 bis 1903 besuchte Robert Schuman das Athenäum in Luxemburg und legte das Abitur am kaiserlichen Gymnasium in Metz ab. 1904 begann Schuman ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Bonn. Dort wurde er Mitglied der Unitas-Salia Bonn im Verband der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine Unitas. Er wechselte die Universitäten und setzte in München, Berlin und Straßburg sein Studium fort und wurde auch in den dortigen Unitas-Vereinen aktiv.
Das erste Staatsexamen legte er 1908 in Metz ab und verbrachte dort auch seine Referendarzeit. 1910 promovierte er in Berlin zum Doktor jur. "summa cum laude". Nach dem Unfalltod seiner Mutter im Jahr 1911 trug Schuman sich mit dem Gedanken herum, Priester zu werden. 1912 legte er das zweite Staatsexamen ab und wurde Rechtsanwalt in Metz. 1913 war Schuman Vorsitzender der Organisation des Deutschen Katholikentages in Metz.
Während des Ersten Weltkrieges arbeitete Schuman am Bezirkspräsidium in Bolchen und war Offizier in der kaiserlichen deutschen Armee. 1918 wurde er Mitglied des Stadtrates von Metz.
Nach der französischen Annexion von Elsass-Lothringen 1919 nahm Schuman die französische Staatsangehörigkeit an und wurde für die Republikanische Union Lothringen (Union Republicaine Lorraine) Abgeordneter Lothringens in der französischen Nationalversammlung. Von 1928 bis 1936 war Schuman Vorsitzender des Ausschusses für Elsass-Lothringen und zeitweilig Vizepräsident des Abgeordnetenhauses. Das Abgeordnetenmandat behielt er bis zu seiner Verhaftung durch die Gestapo 1941 während des Zweiten Weltkrieges bei.
Nach seiner Verhaftung wurde er in Metz und in Neustadt an der Weinstraße inhaftiert, bis ihm schließlich 1942 die Flucht gelang.
Nach dem Krieg wurde Robert Schuman erneut Abgeordneter der französischen Nationalversammlung und Präsident des Finanzausschusses. 1946 wurde Schuman Finanzminister und 1947 sogar Ministerpräsident von Frankreich. Zwischen 1948 und 1952 war er Außenminister in acht kurzlebigen Kabinetten der politischen Mitte. Bekannt wurde er als Politiker unter anderem durch die Schaffung des nach ihm benannten Schumanplans.
Am 9. Mai 1950 veröffentlichte Robert Schuman die historische Erklärung für die Neukonstruktion Europas, beginnend mit der Montanunion, die politisch zur Föderation Europas führen soll. Am 18. April 1951 wurde der Montanvertrag in Paris unterzeichnet. Robert Schuman fand für seine Idee, eine Europäische Gemeinschaft zu schaffen, in Frankreich zu dem damaligen Zeitpunkt kein Verständnis, so dass er 1952 sein Amt niederlegen musste.
1953 wurde die von Schuman noch maßgeblich mitgestaltete Straßburger Konvention für Menschenrechte und bürgerliche Grundfreiheiten von 26 europäischen Staaten unterzeichnet. Bei zahllosen Vortragsreisen, die Robert Schuman zwischen 1953 und 1958 unternahm, warb er für die Idee eines geeinten Europas. 1955 wurde er zum Justizminister berufen.
Die Annahme der Römischen Verträge 1957 führten Europa auf den Weg zurück, den der „Vater Europas” bereits in seiner Erklärung vom 9. Mai 1950 eingeschlagen hatte. 1958 wurde Robert Schuman zum ersten Präsidenten des Europäischen Parlaments ernannt. Im selben Jahr wurde ihm der Karlspreis der Stadt Aachen verliehen. 1959 erhielt er zusammen mit Karl Jaspers den Erasmus-Kulturpreis.
Am 4. September 1963 starb Robert Schuman in Scy-Chazelles bei Metz.
Für die katholische und andere christliche Kirchen gilt Schuman als Vorbild für den Ausdruck moralischer Werte in der Politik. Zurzeit läuft ein Verfahren über seine eventuelle Seligsprechung.
Schuman war durch seine Biographie und seine Lebensauffassung ein Vorkämpfer der deutsch-französischen Verständigung.
Mann | Franzose | Deutscher | Premierminister (Frankreich) | Außenminister (Frankreich) | Politik (Europa) | MdEP für Frankreich | Karlspreis | Korporierter im UV | Geboren 1886 | Gestorben 1963
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