Robert King Merton (* 5. Juli 1910 in Philadelphia, Pennsylvania; † 23. Februar 2003 in New York) war ein US-amerikanischer Soziologe.
Merton prägte unter anderem die Begriffe selbsterfüllende Prophezeiung (englisch self-fulfilling prophecy), Focus Group, Rollenmodell (role model), Matthäuseffekt und Wissenskommunismus und rief das Gleichnis Auf den Schultern von Giganten wieder in Erinnerung.
Bekannt geworden ist Merton für seine Position, dass der Soziologie zur Entwicklung von Großtheorien (grand theories) die empirische Grundlage fehle. Dementsprechend plädierte er dafür, sich auf Theorien mittlerer Reichweite zu konzentrieren, bei denen die Theoriegenerierung mit einer empirischen Fundierung verknüpft werden kann.
1. Kommunitarismus (communitarianism) Wissenschaftliche Entdeckungen sind – anknüpfend an Charles Peirce – das Ergebnis eines sozialen Prozesses und dienen letztlich der Gemeinschaft.
2. Universalismus (universalism) Die Bewertung wissenschaftlicher Forschung muss unabhängig von der Person oder den sozialen Attributen des verantwortlichen Wissenschaftlers erfolgen. Das heißt dass Ethnie, Nationalität, Religion, sozialer Stand und persönliche Eigenschaften des Forschers nicht herangezogen werden dürfen um dessen Forschungen zu diskreditieren oder um deren Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. (Dieses Prinzip wandte sich vor allem gegen den Ausschluss der Juden aus dem deutschen Wissenschaftsbetrieb.)
3. Uneigennützigkeit (disinterestedness) Antriebsfeder echter Wissenschaft ist nicht Eigennutz, sondern die Leidenschaft zu wachsender Erkenntnis, Neugier im positiven Sinne und altruistisches Interesse am Wohlergehen der Menschheit.
4. organisierter Skeptizismus (organized scepticism) Sowohl in den Forschungsmethoden wie in der institutionellen Absicherung der Forschung muss gewährleistet sein, dass ein abschließendes Urteil erst gefällt wird, wenn alle nötigen Fakten zur Verfügung stehen.
Diese Charakteristika, nach den englischen Anfangsbuchstaben auch CODUS-Prinzipien genannt, hatten insbesondere in Großbritannien und den USA Einfluss auf die extrem negative Wahrnehmung der deutschen Wissenschaft der NS-Zeit, die in ihrer Gesamtheit als „unethisch“ oder sogar als „wertlos“ verworfen wurde. Das stand natürlich im Widerspruch zu dem bereits während des Krieges zutage tretenden Interesse aller alliierten Kriegsparteien, möglichst vieler deutscher Wissenschafter habhaft zu werden, um von deren Erkenntnissen zu profitieren (siehe Operation Overcast).
Merton ist Vater von Robert C. Merton, dem Wirtschafts-Nobelpreisträger von 1997.
Mann | US-Amerikaner | Soziologe (20. Jh.) | Geboren 1910 | Gestorben 2003
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