| Wunderbaum | ||||||||||||
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| Ricinus frucht 01.jpg | ||||||||||||
| : | Malpighiales |
| : | Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) |
| : | Acalyphoideae |
| : | Acalypheae |
| : | Rizinus (Ricinus) |
| : | Wunderbaum |
Der Wunderbaum (Ricinus communis) gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) und ist die einzige Art der monotypischen Gattung Ricinus.
Der botanische Name stammt vom lateinischen Wort ricinus „eine Zecke“, da die Samen der Pflanze in ihrer Form an Zecken erinnern. Andere deutsche Namen sind Christuspalme, Hundsbaum, Läusebaum, Kreuzbaum oder, den Gattungsnamen verallgemeinernd, Rizinus. Dabei ist Christuspalme eine falsche Übersetzung von vorlinneschem palma Christi "Christushand", wo die Blätter mit der gespreizten Hand, lat. palma "flache Hand", verglichen werden. Der vielfältige Bezug der Pflanze zur christlichen Terminologie bleibt unklar, möglicherweise bezieht sich der Name Wunderbaum auch hierauf. Die Botaniker des 16. Jh., bei denen der Name Wunderbaum erstmalig belegt ist, sehen das Wunderliche nur im äußeren Erscheinungsbild.
Der Wunderbaum ist eine schnellwüchsige Pflanze und wird unter idealen Bedingungen innerhalb von 3 bis 4 Monaten bis zu 5 Metern hoch. In tropischem Klima erreicht sie nach mehreren Jahren eine Höhe von bis zu 13 Metern und bildet einen verholzten Stamm. In saisonalen Klimaten stirbt die Pflanze jedes Jahr oberirdisch ab und treibt dann bei entsprechender Sonneneinstrahlung wieder neu aus.
Die großen und glänzenden, rötlichen bis tief-purpurnen, an langen Blattstielen stehenden Blätter sind wechselständig, 30 bis 70 Zentimeter groß, und fünf- bis elflappig handförmig. Auch die stark wasserhaltigen Sprossachsen sind rot überlaufen.
Der Wunderbaum blüht von August bis Oktober, Es werden große, endständige Rispen als Blütenstände gebildet. Die getrenntgeschlechtigen Blüten sind unscheinbar und grüngelb. In der oberen Hälfte des Blütenstandes werden nur die an den roten Stempeln zu erkennenden weiblichen Blüten gebildet, in der unteren Hälfte nur die männlichen Blüten mit ihren typischen gelben Staubblättern. Es werden rotbraune, mit weichen Stacheln besetzte, dreifächerige Früchte mit rötlichbraun-marmorierten, bohnenförmigen Samen gebildet.
Der einhäusige, aber zweigeschlechtliche Wunderbaum trägt reichlich Früchte, die Samen sind schnellkeimend. Zusammen mit seinem schnellen Wachstum führt dies dazu, dass er in einigen Bundesstaaten der USA mit tropischem Klima mittlerweile als invasive Art (Neophyt) behandelt wird.
Die Pflanze ist ursprünglich in Nordost-Afrika und dem Nahen Osten beheimatet. Als Kulturflüchtling hat sie sich mittlerweile in allen tropischen Zonen verbreitet. Die Pflanze liebt einen vollsonnigen, warmen und windstillen Platz. Der Boden sollte humus- und nährstoffreich und gut durchlässig sein. Eine gute Wasserversorgung fördert zwar das Wachstum, ist aber nach gutem Anwachsen nicht mehr zwingend, denn die Pflanze toleriert Dürrezeiten.
Das viskose, durchsichtige bis gelbliche Rizinusöl, (auch Kastoröl, pharmazeutische Bezeichnung: Oleum Ricini s. Castoris) wird aus den Samen der Pflanze (Ölanteil von etwa 40–50 %) kalt gepresst, es besteht zu 70–77 % aus Triglyceriden der Rizinolsäure. Im Gegensatz zu den Samen ist es ungiftig.
siehe dazu den Artikel: Rizin
Die Samenschalen des Wunderbaums sind sehr giftig, da sie das toxische Protein (Eiweiß) Rizin (Lectin) enthalten. Bei der Einnahme kann schon eine Menge von 0,25 Milligramm tödlich wirken, das entspricht wenigen Samen. Die parenteral tödliche Dosis beträgt bei Mäusen je nach Reinheitsgrad der Substanz etwa ein Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Rizin löst sich zwar in Wasser, ist aber fettunlöslich und daher im Rizinusöl nicht enthalten. Beim Pressen der Samen verbleibt das Gift somit in den Pressrückständen.
Symptome einer Rizin-Vergiftung sind:
Der Tod tritt üblicherweise durch Kreislaufversagen etwa zwei Tage nach der Vergiftung ein. Ein agglutiniertes Protein führt zum Verklumpen der roten Blutkörperchen. Es ist kein Gegengift bekannt.
Mehrere Sorten sind gezüchtet worden, meist für die kommerzielle Ölproduktion. Einige Sorten wurden jedoch auch für den Zierpflanzenhandel gezüchtet: 'Carmencita' mit bronzeroten Blättern und leuchtend roten Blüten; 'Impala', eine Miniatursorte mit roten bis purpurnen Blättern; 'Sanguineus' mit blutrotem Stamm und Blattwerk; 'Gibsonii Mirabilis' eine Zwergsorte in dunkelrot und 'Zanzibarensis' mit weiß geäderten, grünen Blättern.
Am bekanntesten ist die Verwendung als unverdauliches Abführmittel bei Verstopfung oder zur beschleunigten Darmentleerung. Die Wirkung tritt zwei bis vier Stunden nach der Einnahme von rund 10 bis 30 Millilitern Rizinusöl ein. Einige Verbindungen des Öls wirken aber schon nach 10 bis 20 Sekunden. Die eigentlich wirksame Substanz ist die Rizinolsäure, eine C18-Fettsäure, die erst im Dünndarm durch körpereigene Lipasen (=fettspaltende Enzyme) freigesetzt wird. Durch die Sammlung von Wasser im Darm entsteht eine vergrößerte und erweichte Stuhlmenge und damit die abführende Wirkung. Zusätzlich führt die freigesetzte Rizinolsäure zu einer Reizung der Darmschleimhaut, wodurch ebenfalls eine abführende Wirkung entsteht.
Als Nebenwirkung wird die Aufnahme von Natrium und Wasser und von fettlöslichen Vitaminen aus dem Darm gehemmt, ein erhöhter Kalium- und Elektrolytverlust kann die Wirkung von Herzglykosiden verstärken. In höheren Dosen können Übelkeit, Erbrechen, Koliken und heftiger Durchfall auftreten. Während des italienischen Faschismus unter Mussolini war die Zwangsverabreichung von Überdosen Rizinusöl eine berüchtigte Foltermethode des Regimes gegen politische Gegner. Nicht wenige Opfer verstarben daran.
Außerdem wird über eine Anwendung als wehenförderndes Mittel (durch die abführende Wirkung) in einem so genannten Wehencocktail berichtet.
Äußerlich wird Rizinusöl zur Behandlung von Warzen und Ringelflechte angewandt.
Auch als Rohstoff für Linoleumböden, Lack- und Farbherstellung ist Rizinusöl im Einsatz, als Weichmacher in der Kunststoffindustrie sowie als Gleit- und Schmiermittel.
In der Kosmetikindustrie wird es als Grundstoff für Lippenstifte, Haarshampoo und andere Kosmetika verwendet.
Im Modell- und Motorsport wird Rizinusöl bei Zweitaktmotoren als schmierender Bestandteil dem Treibstoff beigegeben (Gemischtschmierung). Bei Verbrennung solcher Zweitaktgemische entsteht ein charakteristischer Geruch.
Hauptartikel: Rizin
Alkaloide im Rizinusöl sind Nudiflorin, Ricinidin und Ricinin.
Rizin ist eines der potentesten, natürlich vorkommenden Gifte überhaupt und außerdem sehr leicht herstellbar. Da es auch über die Atemwege wirkt, wurde es von der britischen Armee auf seine Verwendbarkeit als Kampfstoff geprüft, sein Einsatz jedoch verworfen und die entsprechenden Vorräte vernichtet, insbesondere, da es sich nur schwer als Aerosol verteilen lässt und eher für Anschläge auf Einzelpersonen geeignet ist. Trotz seiner mangelnden Eignung für einen Angriff mit dem Ziel von Massentötungen ist Rizin in der Liste 1 der Chemiewaffen-Konvention (CWC) aufgeführt, welche die giftigsten Toxine enthält, und zugleich auch in der letzten Version der Bio- und Toxinwaffen-Konvention (BTWC). Ob das Gift trotzdem von Saddam Hussein im Rahmen der im Irak zeitweise betriebenen Produktion von Massenvernichtungsmitteln hergestellt wurde, wie zeitweise verlautete, lässt sich wegen der schwierigen nachrichtendienstlichen Quellenlage nicht eindeutig beurteilen.
Erstmals praktisch als Waffe eingesetzt wurde Rizin im Jahr 1978 beim Regenschirmattentat, als der bulgarische Journalist und Dissident Georgij Markow in London von bulgarischen Geheimdienstagenten auf offener Straße mit einem Regenschirm, dessen Spitze mit 40 µg des Toxins präpariert worden war, angegriffen und in den Oberschenkel gestochen wurde. Markow starb einige Tage später im Krankenhaus an einem Kreislaufversagen als Folge der Vergiftung. Von Terrororganisationen wurde auf den Einsatz von Rizin bisher nicht zurückgegriffen. Allerdings wurde im Januar 2003 bei der Festnahme mutmaßlicher Islamisten in Großbritannien eine geringe Menge Rizin gefunden.
Rizin wird wegen seiner zytostatischen, also wachstumshemmenden Wirkung auf Krebszellen) derzeit für die Verwendung in der Tumor-Therapie geprüft.
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