Schwertleite.png]] Ritter (lat. eques, franz. chevalier, ital. cavaliere span. caballero) war die Bezeichnung für die wehrhaften, adeligen Gefolgsleute des Königs und des Hochadels. Jeder Adlige, der "Kriegsdienst" leistete, konnte diesen Titel erwerben, sofern seine wirtschaftlichen Verhältnisse dies zuließen. In einem feierlichen Akt, ursprünglich der Schwertleite, später dem Ritterschlag, wurde man vom Herrscher zum Ritter erhoben, vorausgesetzt man brachte die dafür notwendigen sittlichen und militärischen Qualitäten mit. Seit dem 13. Jahrhundert bilden Ritter einen erblichen Stand. Militärisch gesehen handelte es sich eigentlich um Kavallerie, woher auch die Bezeichnung (Ritter = ursprünglich Reiter) herzuleiten ist. In vielen Situationen sahen sich die Ritter allerdings gezwungen abzusitzen.
Codex Manesse Hartmann von Aue.jpg | Codex Manesse Ulrich von Liechtenstein.jpg
Allerdings waren wohl die meisten Adeligen des Mittelalters keine "richtigen Ritter". Aus finanziellen und familiären Gründen zogen es viele vor, Zeit ihres Lebens Edelknechte (lat. "Armigeri" = Schildträger), also ritterbürtige und waffentragende [[
Im Frankenreich der Merowinger und Karolinger wurde der Panzerreiter mehr und mehr zum Träger der Stoßkraft in den kriegerischen Aufgeboten, obgleich Fußvolk und leichte Reiterei weiterhin die Masse der Militärmacht stellten.
Ende des 9. Jahrhunderts begannen die Angriffe der ungarischen Reiterkrieger auf Mittel- und Westeuropa (Ungarnkriege). Im Ostfränkischen Reich konnte das alte Volksheer den asiatischen Bogenschützen auf ihren schnellen, wendigen Pferden keinen ausreichenden Widerstand entgegensetzen. Auf dem Reichstag in Worms (927) beschlossen die Großen des Reiches unter König Heinrich I. die Anlage großer Landesburgen (Ungarnwälle) und den Aufbau einer Elitetruppe aus Panzerreitern nach karolingischem Vorbild. Gegen hohe Tributzahlungen wurde ein Waffenstillstand ausgehandelt. Man nützte diese Zeit zum Burgenbau und zum Aufbau der Reitertruppe. 933 wurden die Tributzahlungen vorzeitig eingestellt, was natürlich neue Angriffe auf ostfränkisches Gebiet zur Folge hatte. Die ostfränkischen Truppen stellten sich den Magyaren an der Werra und der Unstrut in Thüringen entgegen und schlugen sie in die Flucht. Die Panzerreiterei hatte ihre erste große Bewährungsprobe bestanden.
Der erhebliche materielle Aufwand, den der einzelne Freie für den Kriegsdienst zu leisten hatte, führte bereits in karolingischer Zeit dazu, dass nur solche Freien, die mehr als 9 Hofstellen besaßen, voll "wehrpflichtig" waren; ärmere mussten (nach einem detaillierten Schlüssel) zu mehreren gemeinsam nur einem von ihnen den Kriegsdienst finanzieren und ihn entsenden. Zur Finanzierung gehörten nicht nur Ausrüstung und Bewaffnung, auch für den Lebensunterhalt während des Feldzuges musste der "Wehrpflichtige" selber sorgen.
Noch höher war naturgemäß der Aufwand für den Panzerreiter - ein schweres und besonders ausgebildetes Kriegspferd (der dextrier) und ein teurer Panzer wurden benötigt, vielfach auch noch Knechte als Begleitpersonal. Entsprechend kamen als Panzerreiter nur Reiche - entweder aus eigenem Besitz (Allod) und/oder aus königlichen oder hochadeligen Lehen - in Betracht. Manchmal wurden hierzu die Ländereien der von den Ungarn zerstörten Klöster eingezogen und an die Vasallen verteilt.
Durch diese Aufgabenteilung entstand eine "Kriegerkaste" - das germanische Volksheer der Völkerwanderungszeit blieb nur mehr in Resten erhalten und der mittelalterliche Adel bildete sich heraus.
Im Reich nördlich der Alpen entwickelte sich das Rittertum aus zwei gesellschaftlichen Gruppen - dem niederen Adel (in Fortsetzung der Tendenzen des Frankenreiches) und den Ministerialen. Außerhalb des Reiches stammten die Ritter jedoch fast ausschließlich aus dem niederen Adel. Die Integration des "ministerialen" Dienstadels war in Westeuropa wesentlich früher beendet als hierzulande, in Frankreich dürfte dies bereits im 11. Jahrhundert geschehen sein.
Ministerialen waren ursprünglich Unfreie, die im Hofdienst der Bischöfe in herausgehobenen Positionen eingesetzt waren; dazu gehörte nicht nur der Dienst unmittelbar bei Hofe, sondern auch die Verwaltung abgelegener Besitzungen. Eine solche Verwaltung schloss meist den bewaffneten Schutz solcher Besitzungen gegen Übergriffe anderer "Großer" ein. Sie mussten damit diesen ebenbürtig bewaffnet und ausgerüstet - also Panzerreiter - sein. Zu Ende des 10. Jahrhunderts stellten die Bischöfe mit ihren Panzerreitern die Masse des Reichsaufgebotes.
Ministerialen erstritten sich auch im Laufe der Zeit zunehmend eigene Rechte - beispielsweise die Erblichkeit des ihnen zu ihrem Unterhalt verliehenen Lehens. Die salischen und besonders die staufischen Herrscher bauten sich nach dem Vorbild der Bischöfe eigene Ministerialitäten auf; ihnen folgten andere "Große" wie Herzöge, Landgrafen usw.
Der Aufstieg der Ministerialität wurde sicher auch durch den gewaltigen Blutzoll - den der alte Adel durch die Kreuzzüge erlitt - beschleunigt. Zahlreiche Dienstmannengeschlechter werden im 11. bis 13. Jahrhundert erstmals urkundlich fassbar. Viele dieser "Neuadeligen" schlossen sich allerdings auch den Kreuzfahrern an, besonders die nachgeborenen Söhne kleiner Ritter und Knechte. Neben religiösen Beweggründen scheinen hier vor allem materielle Gesichtspunkte und Abenteurertum eine Rolle gespielt zu haben; man hatte in der Heimat wenig zu verlieren. Im Zuge der Kreuzzüge entstanden auch die bekannten Ritterorden (Templer, Johanniter, Malteser, Deutscher Orden), die aber keineswegs nur Adeligen offen standen. Neben dem "weltlichen" entwickelte sich nun auch ein (in der Theorie) "geistliches" Rittertum, die Kirche hatte den "heiligen Krieg" gegen die Ungläubigen ja gutgeheißen. Durch die Begegnung mit dem Fremdartigen kam es jedoch auch zu bemerkenswerten Zeugnissen früher Verständigung und Achtung, man denke nur an die "ritterliche Erscheinung" des als Schwarzafrikaner dargestellten heiligen Mauritius im Magdeburger Dom. Wahrscheinlich haben wir hier sogar eines der wenigen wirklich lebensnahen Porträts eines hochmittelalterlichen Ritters vor uns: Es gibt Vermutungen, dass es sich bei dem Dargestellten um den farbigen Leibwächter Kaiser Friedrichs II. handelt, der diesen bei dessen Reise durch Deutschland begleitete. Über einem Kettenhemd, dessen ungewöhnliche vertikale "Bänderung" schon zu einigen Spekulationen Anlass gab, trägt der Heilige einen Plattenrock, bei dem die Panzerplatten rückseitig auf ein Trägergewand aufgenietet sind.
Wiewohl Ministerialen rechtlich eigentlich unfrei waren, konnten sie jedoch besonders unter den Staufern höchste politische Ämter einnehmen. Zunehmend verwischte sich in der Realität der Unterschied zwischen den "Rittern" von Adel und denen aus der Ministerialität, zumal sie, wie auch der übrige Adel, die gemeinsamen Ideale des Rittertums verfolgten. Auch die reichen Patriziergeschlechter der Städte übernahmen bald zahlreiche Elemente der ritterlichen Kultur, die wohlhabenden Kaufleute umgürteten sich mit dem Schwertgurt (dem eigentlichen Symbol der Ritterwürde), anstatt die Waffe am Sattel zu befestigen. In der Folge kam es bis in die Neuzeit zu zahlreichen Verbindungen zwischen dem Schwert- und dem Geldadel. In Italien war der städtische Adel gar der eigentliche Träger der Ritterkultur. Die reichen Geschlechter bauten sich eigene Gefolgschaften auf und bekriegten sich untereinander oft mit äußerster Brutalität. Dies betraf nicht nur die Familien verschiedener Stadtrepubliken, oft tobten heftige Bürgerkriege in den mittelalterlichen italienischen Städten. Die Geschlechtertürme von Städten wie etwa San Gimignano zeugen noch heute von diesen chaotischen Verhältnissen. Es wurden riesige Mengen an Waffen und Rüstungen benötigt, die norditalienischen Waffenproduzenten waren bald neben den süddeutschen Werkstätten führend in Europa.
Die Ausrüstung und Bewaffnung eines "Ritters" war sehr kostspielig; der Krieger musste natürlich über eine entsprechende wirtschaftliche Absicherung verfügen. Die Zahl der Edlen und Reichen war begrenzt, sie allein konnten die wachsende Zahl der benötigten Krieger nicht mehr bereitstellen. Also versah man seine "Ministerialen" oder "Dienstleute" mit einem Lehen, also einem zur Nutzung überlassenen Besitztum, das den Lebensunterhalt und die "Rüstung" des Belehnten sicherstellen sollte. Das Lehen war ursprünglich an den jeweiligen Dienstmann gebunden, wurde aber im Zuge der "Standeswerdung" des Rittertums erblich und konnte nur noch bei groben Missverhalten entzogen werden. Beim Aussterben einer belehnten Familie fiel das Lehen in der Regel an den Lehnsherren zurück, der es meist neu vergab.
Ritter und Edelknecht bildeten den Unterbau der feudalen Hierarchie, die man mit einer Pyramide vergleichen kann. Die Spitze bildeten Könige und Kaiser, dann kamen die Fürsten, Herzöge und Grafen, den Sockel bildeten Ritter, (Edel-)Knechte und Knappen. Jeder war in beiden Richtungen vom anderen abhängig, man verstand sich als kulturelle und politische Elite.
Im Krieg fand sich der Ritter im Lehensaufgebot organisiert. Dieses war gegliedert in taktische Untereinheiten - Schlachthaufen, Banner und Lanzen. Der kleinste Verband war die Lanze, die den Ritter und sein militärisches Gefolge umfasste. Dieses bestand anfangs zumeist aus einem Knappen sowie einigen Knechten. Später mussten sie oft noch weitere Kämpfer zu Pferd oder auch zu Fuß mitbringen. Ritter und Gefolge zusammen wurden auch als Gleve oder Glefe bezeichnet – eigentlich ein anderes Wort für Lanze, außerdem wurde so eine Waffe für Fußsoldaten genannt, die Glefe.
Das mittelalterliche Ritterwesen war eine Art vorweggenommene Europäische Union, das Rittertum ist ein gesamteuropäisches Phänomen, wenn auch mit unterschiedlichen regionalen Ausprägungen. Auf der einen Seite bekriegte man sich bis auf das Blut, auf der anderen waren die großen Adelshäuser Europas meist durch zahllose Eheverbindungen eng miteinander verwandt. Der Hochadel musste immer auf der Hut sein, dass seine Vasallen nicht zu mächtig wurden und ihm womöglich die Herrschaft streitig machen konnten. Der berühmte Wahlspruch Enguerrands von Coucy mag dies verdeutlichen: "Ich bin kein König, kein Prinz, kein Herzog, bin nicht einmal Graf: Ich bin der Herr von Coucy". Am Ende war dieses Misstrauen einer der wesentlichen Gründe für den Untergang des Rittertums.
Zu seinem Schutz trug der hochmittelalterliche Ritter Kettenhemd, Helm und Schild, als Waffen Lanze, Schwert und Dolch.
Bis ins Spätmittelalter war der Rüstungsschutz im wesentlichen durch ein Kettenhemd, im Verlauf der Kreuzzüge mit Beinlingen erweitert, früher auch als Kettenmantel gegeben. Unter einem Kettenhemd wurde ein wattiertes Hemd, der sogenannte Gambeson, getragen. Dieser diente hauptsächlich dazu, die Wirkung eines Schlages oder Stoßes, der die Panzerung nicht durchdrang, auf eine größere Fläche des Körpers zu verteilen, um damit die Gefahr von Knochenbrüchen zu vermindern. Über dem Panzerhemd wurden zum Schutz vor Sonneneinstrahlung und zur Identifikation des Trägers ein Waffenrock oder Wappenrock in den Wappenfarben seines Trägers und ein weiter Umhang getragen. Ergänzt wurde das Ganze durch eine Panzerkapuze mit weit ausladendem Kragen, die später auch am Helm befestigt sein konnte, sowie durch Panzerhandschuhe und „Strümpfe“, alles nach der gleichen Methode hergestellt wie das jeweils verwendete Panzerhemd. Ab dem späten 13. Jahrhundert kamen Zusatzpanzerungen in Form von vorgehängten Metallplatten als Brustpanzer auf sowie andere, aus massivem Eisen bestehende Schutzteile. Man wollte besseren Schutz gegen den verbesserten Lanzenangriff und gegen die Armbrust. So entstand im 14. Jahrhundert allmählich die Plattenrüstung.
Der Helm war halbkugelförmig bis spitz-oval, aus massivem Eisen und innen ausgepolstert, und hatte fast immer einen zusätzlichen Schutz für die Nase. Zu Ende des 12. Jahrhunderts tritt erstmals der Topfhelm auf, der das Gesicht zwar besser schützt, aber das Gesichtsfeld wesentlich einschränkt. Im 13. Jahrhundert setzt er sich schließlich durch, und im 14. Jahrhundert wurden besonders hohe Topfhelme über einer leichten Beckenhaube mit daran befestigter Kettenhaube getragen. Helmformen des 15. Jahrhunderts waren die Hundsgugel, mit ihrem namengebenden schnauzenförmigen Visier, der Schaller als der Helm des Spätmittelalters und andere. Weit verbreitet waren auch die Beckenhaube und der Eisenhut, als die preiswertesten und praktischsten Helmformen, doch wurden diese v.a. vom „gemeinen Fußvolk“ getragen. Der Topfhelm blieb allerdings bis in die Neuzeit das Urbild des ritterlichen Helmes, besonders in der Heraldik. In der frühen Neuzeit trugen die letzten Ritter weiterentwickelte Formen des Armets, welcher bereits Mitte des 15. Jahrhunderts, also zeitlich zwischen Hundsgugel und Schaller, verwendet wurde. siehe auch: Stechhelm
Der Schild hatte zunächst die runde, dann die längliche Mandelform (Normannenschild) und später die "klassische" Form des Wappenschildes (Dreiecksschild), bei der die verlängerte untere Spitze dem Schutz der Beine diente. Er war aus Holz gefertigt, meistens mit Leder, oder Pergament bezogen, und hatte eine Randverstärkung z.B. aus Rohhaut. Seltener waren Randverstärkungen aus Metall. Teilweise zeigten die Schilde aber auch eiserne Verstärkungen auf der Vorderseite oder trugen in ihrer frühen Form einen Schildbuckel aus Metall. Gehalten wurde er mit einer Schlaufe am Unterarm und einem Griff für die linke Hand, zusätzlich war er mit einem Gurt - der sogen. Schildfessel - um den Nacken gegen Verlust gesichert. Beim Reiterangriff erleichterte die Schildfessel aber auch das Führen des Schildes, wobei die Linke Hand den Griff loslassen und die Zügel festhalten konnte. Der Schild konnte nur durch Druck des Unterarms dirigiert werden. Mit dem Aufkommen der Plattenpanzer wurden die Schilde immer kleiner, bis sie im Spätmittelalter ganz entbehrlich wurden. Der Ganzkörperharnisch bot nun genügend Schutz.
Die Lanze war die Primärwaffe des Ritters beim Reiterangriff. Sie wurde zunächst "über dem Kopf geschwungen" bzw. zum Stoß geführt; ab dem 12. Jahrhundert wurden die Lanzen länger, und es wurde üblich, sie unter die Achsel zu klemmen (eingelegte Lanze). Eine wesentliche Rolle spielte hierbei der Steigbügel. Wenn man im Sattel aufstand, konnte die eingelegte Lanze maximale Kraft erzeugen, da sie die Energie direkt vom Schlachtroß bezog. Damit wurden sie auch mehr oder weniger zu „Einwegwaffen“, die nach dem ersten Zusammenprall zu unhandlich oder auch zerbrochen waren und dann weggeworfen wurden. Die Lanze war die klassische Angriffswaffe des Ritters. Um die Wucht zu vergrößern, wurden die Lanzen immer länger und dicker und sie erhielten außerdem einen Handschutz. So war gegen Ende des 14. Jahrhunderts ein etwa 5m langes Monstrum entstanden, welches am Griff dünner sein musste, um diesen überhaupt umfassen zu können - viel zu schwer für einen einzelnen Mann, um damit richtig treffen zu können. Deshalb musste am Brustpanzer ein spezieller Rüsthaken befestigt werden, in den die Lanze eingelegt wurde, was das Ganze wieder etwas erleichterte. Doch in Kombination mit der bereits ziemlich schwer gewordenen Rüstung waren die Ansprüche an Mensch, Pferd und Gelände so sehr gestiegen, dass immer mehr Ritter absitzen und als eine Art Pikenier (mit Ritterlanze und in voller Rüstung!) in der Defensive kämpfen mussten. Diese Kampfweise hatten die Engländer im 100jährigen Krieg bereits erfolgreich vorgemacht. Allerdings gab es bei Schlachten in der Regel die meisten Todesfälle unter den Lanzenträgern.
Das Schwert, die Sekundärwaffe des Ritters, war die Hauptwaffe im Nahkampf nach dem ersten Zusammenprall; es wurde im Früh- und Hochmittelalter hauptsächlich als Hiebwaffe verwendet und einhändig geführt. Erst im Spätmittelalter wurden sogen. Langschwerter - also Schwerter, die meist mit beiden Händen geführt wurden, verbreitet. Das hing sicherlich mit den immer stärkeren Rüstungen zusammen. Das klassische Langschwert kann sowohl als mächtige Hiebwaffe (mehr Kraft durch das Führen mit beiden Händen), als auch als Stoßwaffe (der Ort - also die Spitze - läuft hierbei sehr spitz zu) genutzt werden und damit für Stiche in die wenig geschützten Gelenkbereiche der Rüstung eingesetzt werden. Getragen wurde es auf der linken Seite in einer Scheide, die am Gürtel befestigt war und in aller Regel aus Holz gefertigt, mit Fell ausgekleidet und mit Leder bezogen war. Eine deutsche Besonderheit waren die eisernen Ketten, mit denen manche unserer hochmittelalterlichen Ritter ihre Schwerter an den Brustplatten der Harnische befestigten. Ab dem 13. Jahrhundert trug man angeblich häufig ein zweites, besonders schweres Schwert, welches für den Kampf zu Fuß (z.B. bei einer Belagerung) bestimmt war und am Sattel befestigt wurde (Sattelbaumschwert). Es konnte durch seinen verlängerten Griff auch mit 2 Händen geführt werden. Die historische Belegbarkeit solcher Schwerter ist aber zumindest anzuzweifeln.
Der Dolch (oder ein Kurzschwert) war eine Reservewaffe für den engen Kampf bzw. den Fall, dass das Schwert verlorenging oder zerbrach.
Daneben gab es noch eine Vielzahl anderer Waffen, die von Rittern geführt werden konnten; dazu zählten vor Allem die Streitaxt und der Streitkolben. Besonders Letzterer war für seine Effektivität gegenüber Plattenrüstungen gefürchtet.
Wie alle elitären Kampftruppen wurden auch die adeligen Ritter seit ihrer Kindheit systematisch ausgebildet. Die meisten Kampfsysteme entstanden in Deutschland, Italien und Spanien, dort wo die europäische Metallschmiedekunst ihre Blüte erlebte. Die Kampfkunst bestand aus acht Teilen, die in diversen Schulen teils nacheinander, teils parallel unterrichtet wurden.
Die Bewaffnung und Ausrüstung der hoch- und spätmittelalterlichen Ritter und Edelknechte kann anhand tausender erhaltener Epitaphien und Grabmäler nahezu lückenlos dokumentiert werden. Leider wurden diese für Historiker und Kostümkundler so ungeheuer wichtigen Denkmäler bis heute nur gelegentlich regional inventarisiert. In manchen Kirchen treten uns ganze Heerscharen Gewappneter in Lebensgröße entgegen. Gelegentlich sind sogar originale Ausrüstungsteile in das Bildnis integriert (Sporen, u.a.). Während diese Grabmäler auf dem Kontinent meist voll- oder halbplastisch ausgearbeitet sind, kann man in England oft wunderschöne gravierte Messingplatten in den Gotteshäusern studieren. Das Abreiben dieser Tafeln mit Wachsstiften auf Papier ist in England ein Volkssport (Brassrubbing).
Originale Ausrüstungsteile aus dem Hochmittelalter haben sich natürlich wesentlich seltener erhalten als spät- und nachmittelalterliche. Hochmittelalterliche Helme, Harnischteile, Kettenhemden und Schilde sind als unbezahlbare Museumsstücke im Antiquitätenhandel extrem rar, meist werden nur schlecht erhaltene Boden- und Flussfunde angeboten. Von den „erhaltenen“ Exemplaren dürften zudem einige im 19. Jhdt oder später gefälscht oder überarbeitet worden sein. Schwerter sind in größeren Stückzahlen überliefert, allerdings ist auch hier in den letzten beiden Jahrhunderten einiges – oft in hervorragender handwerklicher Qualität – hinzugekommen.
Die ritterliche Kultur übte schon früh eine große Faszination aus. Fürsten, Könige und Kaiser ließen sich auf ihren Siegeln als Ritter darstellen und traten bei Turnieren auf den Plan. Da die Körperpanzerungen die Anonymisierung des Kriegers mit sich brachten - man Freund und Feind aber unterscheiden musste - begann man damit, Erkennungszeichen auf den Schilden und Waffenröcken anzubringen. Aus diesen, ursprünglich einfachen Symbolen entwickelte sich die mittelalterliche Heraldik. In der polnischen Heraldik hat sich noch viel von der einfachen Symbolik dieser frühen Wappenbilder erhalten. Fahrende Sänger zogen im hohen Mittelalter von Hof zu Hof und besangen die Heldentaten der ritterlichen Helden. (Nibelungenlied, Rolandslied). Später entwickelte sich das Phänomen des Minnedienstes, also der selbstlosen Hingabe an eine unerreichbare "Hohe Frau" ("Frouwe"), der man ohne Hoffnung auf eine irdische Belohnung diente. Zur Befriedigung seiner natürlichen Bedürfnisse bediente man sich hingegen der "Maget" ("Wip"), auf die unsere Ritter natürlich eine große Anziehungskraft ausübten. Der zahlreichen unehelichen Kinder, die aus diesen Verhältnissen entsprossen, scheint man sich keineswegs geschämt zu haben.
Wohlhabende Ritter ermöglichten ihren illegitimen Söhnen oft sogar den Erwerb der Ritterwürde. Die "Bastarde" durften sogar das Wappen des Vaters verwenden, mussten diesem aber den Bastardfaden hinzufügen, der schräg über das Schild gelegt wurde. Dieser Streifen findet sich noch heute im Wappen einiger Adelsfamilien. Bezeichnenderweise führten einige der tapfersten und berühmtesten Ritter Europas dieses keineswegs diskriminierende Symbol im Schilde, einige sind sogar die Stammväter heute noch blühender Hochadelsfamilien. Der einflussreichste dieser "Bastarde" war wohl der Begründer der heutigen englischen Nation, der berühmte Wilhelm I. der Herzog der Normandie (Wilhelm der Eroberer). Wilhelms Mutter war die schöne Arlette, Tochter eines Gerbers. An der Seite der Jungfrau von Orleans kämpfte Jean von Dunois, der "Bastard von Frankreich", ein unehelicher Sohn des Herzogs von Orleans.
Der Alltag eines Dienstmannes oder einer der "Herren" der unzähligen kleinen Burgen im deutschen Sprachraum dürfte eher eintönig verlaufen sein. Die meisten Ritter und Edelknechte waren eigentlich nichts anderes als größere Bauern, denen der Pflug genauso vertraut war wie das Schwert. Neben der Feldarbeit war die Jagd die Hauptbeschäftigung dieser Kleinadeligen, die stets auf der Hut vor wilden Tieren und menschlichen Feinden sein mussten. Auf den kleinen Burgen herrschten - aus heutiger Sicht - unzumutbare Lebensverhältnisse. Mensch und Tier mussten sich den begrenzten Raum teilen, die hygienischen Verhältnisse waren gewöhnungsbedürftig, die Kindersterblichkeit hoch. Viele Burgen entwickelten sich zu Ganerbenburgen mit zahlreichen Bewohnern, Konflikte konnten hier natürlich nicht ausbleiben. Viele der ehemals "edelfreien", also altadeligen Familien mussten ihren Besitz an mächtigere Feudalherren übertragen, von denen sie diesen als Lehen zurückerhielten. Dies geschah nicht immer nur unter Zwang, die "Dienstmannschaft" konnte sehr lukrativ sein, viele Dienstleute erreichten hohe Stellungen am Hofe ihres Herren. Jener musste sich natürlich im Gegenzug am Ausbau und der Sicherung der Burg des Dienstmannes beteiligen.
Im Kriegsfall konnte bereits eine eher harmlose Verletzung den Tod oder die dauernde Invalidität zur Folge haben. Die Ausrüstung der mittelalterlichen Krieger entsprach selten dem neuesten Stand der Waffentechnik, man trug oft Rüstungsteile aus verschiedenen Jahrhunderten in buntem Durcheinander. Fehlende Teile der eigenen Ausrüstung ergänzte man natürlich gerne auf dem Schlachtfeld.
Im Zweikampf versuchte man den Gegner möglichst nicht zu töten, zumindest wenn jener ein wohlhabender Adeliger war. Das Fordern von Lösegeld war eine beliebte Methode, die eigenen Finanzen aufzubessern. Die Gefangenen wurden aber selten in das Burgverlies geworfen, meist speiste der Häftling mit am Tisch des Siegers, er musste nur bei seiner Ritterehre schwören, nicht zu fliehen.
Es war nicht, wie oft fälschlich angenommen wird, die Erfindung des Schießpulvers, die das Ende der militärischen Bedeutung der Panzerreiter eingeläutet hat, sondern die Etablierung gut organisierter Fußtruppen. Die Schlacht von Kortrijk/Courtrai 1302 stellt einen diesbezüglichen Wendepunkt dar: Flandrische Fußsoldaten haben das siegessichere französische Ritterheer vernichtet und ihnen die goldenen Sporen geraubt, weshalb die Auseinandersetzung auch als Schlacht der goldenen Sporen bezeichnet wird. Bei diesem Waffengang haben allerdings noch Landschaft und Witterung die Fußkrieger begünstigt. Als letzte, nach den "alten Regeln" gefochtene "richtige Ritterschlacht" gilt die Schlacht bei Mühldorf/Ampfing 1322.
1386 bei Sempach besiegten Schweizer Bauern die abgesessene österreichische Ritterelite - nach mehreren Anläufen - im Frontalangriff von einem Hügel herunter. Die Eidgenossen mit ihren Spießen und Hellebarden sollten in weiterer Folge zu den erbittertsten Gegnern der Ritter werden. Im Kampf gegen Ritter zu Pferde auf freiem Feld waren sie noch unterlegen- das sollte sich ändern, als sie die Piken verlängerten ("Schweizer Langspieß") und die Taktik perfektionierten.
Bei Grandson, Murten und Nancy 1476/77 zertrümmerten sie mit Burgund jene Macht, die als Inbegriff des Rittertums galt. Damit war der Kampf um die Vorherrschaft auf dem Schlachtfeld zugunsten der "modernen Infanterie" (Pikeniere) entschieden.
Die schwere Reiterei passte sich den im 14. Jahrhundert aufkommenden Feuerwaffen durch noch immer massivere Rüstungen an, mit denen sie auch ihre Schlachtrösser schützte. Als bezahlte Söldner (Lanzierer) kam den schweren Reitern noch im 16. Jahrhundert eine wichtige taktische Aufgabe zu. Sie hätten wahrscheinlich noch länger weitergekämpft, wenn genügend geeignete Pferde vorhanden gewesen wären. Doch während die Größe der Heere immer weiter stieg, schrumpfte aufgrund der ritterlichen Geldmisere und wegen des Verschleißes durch Kriege die Anzahl der speziell gezüchteten Streitrösser - der in Wahrheit wohl wichtigste Grund für die weitgehende militärische Bedeutungslosigkeit der schweren Lanzenreiter im weiteren Verlauf der Neuzeit.
Auch die Ausrüstung vieler ärmerer Ritter veraltete: Ein auf Maß gearbeiteter Harnisch ermöglichte eine überraschende Beweglichkeit und guten Schutz. Viele Kämpfer trugen jedoch Kompositharnische, also zusammengestellte Panzerungen verschiedenster Qualität und Herkunft. Diese Rüstungen waren oft von den Vorfahren ererbt, saßen also natürlich nicht optimal. Die Kavallerie der frühen Neuzeit begnügte sich darum (und aus Kostengründen) mit dem Halbharnisch, der später auf das Anlegen eines Kürasses reduziert wurde.
Der Niedergang der Ritterschaft steht im Zusammenhang mit der Verdrängung der Naturalwirtschaft durch die Geldwirtschaft, was auf militärische Verpflichtungen bezogen die Ablösung von feudalen Bindungen durch finanzielle Bindungen zur Folge hatte. Die Fürsten und Könige des Spätmittelalters wollten sich aus der Abhängigkeit von ihren Untervasallen lösen, weshalb sie verstärkt auf Söldnerheere setzten. Dadurch verloren die Ritter stark an Bedeutung, da sie zuvor die wichtigste Stütze der feudalen Heeresaufgebote gebildet hatten.
Die allmähliche Auflösung der Ritterschaft stärkte die Macht der Könige und Kaiser und schwächte mehr und mehr die Ritter und deren Zusammenhalt. Man kann durchaus davon sprechen, dass viele Ritter eine Daseinskrise erlebten. Die Ritterschaft verarmte. Um sich selbst noch Bedeutung zu verschaffen und noch eine Überlebensgrundlage zu erhalten, gingen nicht wenige Ritter zum Raubrittertum über, in dessen Zuge sie andere Adlige und benachbarte Ritter ausraubten und bekämpften. Das Chaos und die innenpolitische Unsicherheit, das die Raubritter damit verbreiteten, besiegelten endgültig den Untergang des Rittertums. Die Truppen des Landesherrn hoben nun ohne Gnade ein Raubritternest nach dem anderen aus. Viele Ritter passten sich den veränderten Gegebenheiten an und traten als hochbezahlte Söldner in eine Lanzierer- oder Kürassier-Einheit ein.
Die Reichsritterschaft verlor mit dem Ende des "Heiligen Römischen Reiches" zwischen 1803 und 1806 ihre Herrschaftsrechte und Privilegien. Vergleiche Reichsdeputationshauptschluss
In Österreich und in Süddeutschland wurde der Titel eines "Ritters" noch im 19. und frühen 20. Jahrhundert bis 1918 bei Nobilitierungen neu vergeben. Es bestanden Verdienstorden, deren Träger um die Nobilitierung ansuchen konnten (meist waren die Angehörigen der dritten Klasse berechtigt, um die Erhebung in den Ritterstand anzusuchen). Vergl. zum Beispiel Orden der Eisernen Krone.
In Großbritannien werden auch heute noch Personen zur Würdigung ihrer Verdienste zum Ritter (englisch: knight) geschlagen. Sie dürfen dann den Titel Sir (bei Frauen: Dame) tragen. Dieser Titel ist nicht vererbbar.
Als soziale Gruppe organisieren sich zum Teil noch heute die Nachkommen des früheren ritterschaftlichen Adels. Häufig geschieht dies in einer Form, die eine historische Konstruktion aufgreift oder, wie zum Beispiel im Fall der Althessischen Ritterschaft, die historische Organsisationsform mittels einer Stiftung in eine heutige Rechtsform übersetzt hat.
In den verschiedenen militärhistorischen Reihen des englischen Herausgebers Osprey (Men-at-arms, Elite, Warrior) sind zahlreiche Titel zur Bewaffnung und Ausrüstung mittelalterlicher Krieger erschienen. In der Serie Campaign finden sich detaillierte Beschreibungen mittelalterlicher Schlachten. Jedes Heft enthält einige, künstlerisch teilweise beachtliche Farbtafeln. (www.ospreypublishing.com)
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