Risperidon ist ein
Arzneistoff, der in der
Psychiatrie als
Antipsychotikum verwendet wird.
Eigenschaften
Einordnung
Risperidon wird zu den
atypischen Neuroleptika gezählt, da es sich durch befriedigende Wirksamkeit gegen
psychotische Symptome auszeichnet, während bestimmte schwere
Nebenwirkungen der älteren Neuroleptika (extrapyramidal-motorische Störungen, EPMS) unter Behandlung mit dieser Substanz recht selten auftreten.
Potenz
Die
neuroleptische Potenz von Risperidon wird mit etwa dem 50-fachen derjenigen des
Chlorpromazins angegeben. Der Wirkstoff zählt demnach zu den
hochpotenten Neuroleptika, vergleichbar mit
Flupentixol,
Fluspirilen oder
Olanzapin.
Risperidon ist ein Benzisoxazol-
Derivat und strukturverwandt mit
Ziprasidon, im weiteren Sinne auch mit
Aripiprazol.
Die vermutlich wesentlich für die antipsychotische Wirkung von Risperidon verantwortliche
D2-
Affinität beträgt ca. 1/3 derjenigen von
Haloperidol. Der
5-HT2-
Antagonismus ist bei Risperidon deutlich stärker ausgeprägt als die Wirkung auf
Dopamin-Rezeptoren, was Konsequenzen für die psychotische Negativsymptomatik, aber auch für die Nebenwirkungen bei
Kombinationstherapie hat. Zusätzlich wirkt Risperidon als Antagonist an Noradrenalin-alpha
2 (bewirkt Blutdruckerhöhung) und Histamin-H
1-Rezeptoren (Mundtrockenheit,Müdigkeit).
Schotte, A, Janssen, PFM, Gommeren W. (1996) Risperdine compared with new and reference antipsychotic drugs: in vitro and in vivo receptor binding. Psychpharmacol 124: 57-73
Unerwünschte Wirkungen
Risperidon führt seltener zu
Parkinson-
Symptomen als die "klassischen" Substanzen (
Butyrophenone oder
Phenothiazine). Allerdings ist die EPMS-auslösende Wirkung nicht Null, sondern soll z.B. der von
Flupentixol vergleichbar sein (
1). Risperidon besitzt noch andere Störeffekte, die der
Compliance abträglich sein können, etwa Gewichtszunahme oder Erhöhung des Serum-Prolaktinspiegels. Es wirkt
insgesamt kaum
sedierend.
Die Kombinationstherapie mit Risperidon und anderen Psychopharmaka (s.u.) erhöht tendenziell die Inzidenz und das Ausmaß unerwünschter Wirkungen.
Risperidon ist zur
Therapie schwerer und chronischer
schizophreniformer und schizoaffektiver Störungen zugelassen. Es kann darüber hinaus zur Behandlung
manischer Phasen verwendet werden.
Es besitzt keine nachgewiesene phasenprophylaktische Wirkung.
Absolute Kontraindikationen
Hyperprolaktinämien schließen die Anwendung von Risperidon aus, sofern sie nicht arzneimittelbedingt (d.h. mittels Absetzen des verursachenden Präparats reversibel) sind.
Relative Kontraindikationen
Zu den Zuständen, bei denen Risperidon nur mit besonderer Vorsicht verabreicht werden darf, zählen QT-Strecken-Verlängerungen im
EKG (bestimmte
Herzerkrankungen), da die Substanz potenziell QT-verlängernd wirkt.
Demenzen stellen ebenfalls eine Anwendungsbeschränkung dar, da unter Risperidon bei demenzkranken älteren Patienten die Sterblichkeit steigt.
Kombinationstherapie
Risperidon wird mitunter in Kombination mit weiteren Pharmaka zur Behandlung anderer psychischer Störungen als Schizophrenie und Manie eingesetzt (
Augmentation).
- Bipolare Störung. Es existieren keine zuverlässigen Studienresultate, die einen Nutzen von Risperidon belegen (2), mit Ausnahme der akuten manischen Phase.
- Depression. Es existieren keine verlässlichen Nutzennachweise, gleichwohl Empfehlungen aus herstellernaher Quelle und einzelne Fallberichte mit positivem Ausgang (vgl. 4). Gleichzeitige Gabe von Risperidon und SSRI erhöht das Risiko eines Serotonin-Syndroms und darf nur mit besonderer Vorsicht erfolgen. Kombination von Risperidon und Paroxetin kann zu exzessiver Gewichtszunahme führen (5).
- Schizophrenie: Eine Untersuchung der Kombination Clozapin/Risperidon zeigte gegenüber den Einzelstoffen keine verbesserte Wirksamkeit (3).
Risperidon ist in
Deutschland unter dem Markennamen
Risperdal® im Handel. Seit
2005 ist unter der Bezeichnung
Risperdal CONSTA® eine Zubereitung zur
parenteralen Anwendung mit verzögerter Freisetzung erhältlich - das erste
atypische Depot-Neuroleptikum.
Die empfohlene (orale) Tagesdosis beträgt 2-6 mg, kann in bestimmten Fällen auch höher sein.
Literatur
- Möller; Müller; Bandelow: Neuroleptika, Pharmakologische Grundlagen, klinisches Wissen und therapeutisches Vorgehen; Stuttgart 2001. ISBN 3-8047-1773-X
- Jüptner, Markus; Gastpar, Markus Theodor: Behandlung psychotischer Symptome bei Demenzpatienten: Todesfälle unter Risperidon und Olanzapin – was nun? Nervenarzt 2004;7:720-722
- Potenzieller Interessenkonflikt: Prof. Gastpar hatte finanzielle Verbindungen zum Hersteller von Risperdal®.
Weblinks
Referenzen
- 1 Häufigkeit von Rigor unter Flupentixoldecanoat und Risperidon in Abhängigkeit von der Dosierung. Psychiatr Prax. 2004 Nov;31 Suppl 1:S167-9.PMID: 15570542
- 2 Treatment-Resistant Bipolar Depression: A STEP-BD Equipoise Randomized Effectiveness Trial of Antidepressant Augmentation With Lamotrigine, Inositol, or Risperidone. Am J Psychiatry. 2006 Feb;163(2):210-6.PMID: 16449473
- 3 Clozapine Alone versus Clozapine and Risperidone with Refractory Schizophrenia. N Engl J Med. 2006 Feb 2;354(5):472-482. PMID: 16452559
- 4 Zwei Wirkstoffe durchbrechen zusammen die Depressionen: Paroxetin plus Risperidon bei Therapieresistenz (Hersteller-gesponsorter Beitrag in der Ärzte Zeitung)
- 5 Severe Weight Gain Induced by Combination Treatment With Risperidone and Paroxetine. Clin Neuropharmacol. 2002 Sep-Oct;25(5):269-71. PMID: 12410060
Weitere Informationen
Antipsychotikum
Risperidone | Rispéridone | リスペリドン | Рисперидон | Risperidon | 利培酮