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Risperidone
 

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Pharmakologische Kategorie
Psychopharmakon Antipsychotikum
Risperidon ist ein Arzneistoff, der in der Psychiatrie als Antipsychotikum verwendet wird.

Eigenschaften


Drugbank-Nr. APRD00187
Pharmakokinetik
Therapeutische Dosis 1–6 mg
Plasmahalbwertszeit ca. 3h
Proteinbindung 90%
Lipidlöslichkeit LogP = 2,7
Toxizität
LD50 (Maus) 82 mg/kg (oral)
Kontraindikationen
Hyperprolaktinämien

Einordnung

Risperidon wird zu den atypischen Neuroleptika gezählt, da es sich durch befriedigende Wirksamkeit gegen psychotische Symptome auszeichnet, während bestimmte schwere Nebenwirkungen der älteren Neuroleptika (extrapyramidal-motorische Störungen, EPMS) unter Behandlung mit dieser Substanz recht selten auftreten.

Potenz

Die neuroleptische Potenz von Risperidon wird mit etwa dem 50-fachen derjenigen des Chlorpromazins angegeben. Der Wirkstoff zählt demnach zu den hochpotenten Neuroleptika, vergleichbar mit Flupentixol, Fluspirilen oder Olanzapin.

Chemische Struktur

Risperidon ist ein Benzisoxazol-Derivat und strukturverwandt mit Ziprasidon, im weiteren Sinne auch mit Aripiprazol.

Pharmakodynamik

Die vermutlich wesentlich für die antipsychotische Wirkung von Risperidon verantwortliche D2-Affinität beträgt ca. 1/3 derjenigen von Haloperidol. Der 5-HT2-Antagonismus ist bei Risperidon deutlich stärker ausgeprägt als die Wirkung auf Dopamin-Rezeptoren, was Konsequenzen für die psychotische Negativsymptomatik, aber auch für die Nebenwirkungen bei Kombinationstherapie hat. Zusätzlich wirkt Risperidon als Antagonist an Noradrenalin-alpha2 (bewirkt Blutdruckerhöhung) und Histamin-H1-Rezeptoren (Mundtrockenheit,Müdigkeit). Schotte, A, Janssen, PFM, Gommeren W. (1996) Risperdine compared with new and reference antipsychotic drugs: in vitro and in vivo receptor binding. Psychpharmacol 124: 57-73

Unerwünschte Wirkungen


Risperidon führt seltener zu Parkinson-Symptomen als die "klassischen" Substanzen (Butyrophenone oder Phenothiazine). Allerdings ist die EPMS-auslösende Wirkung nicht Null, sondern soll z.B. der von Flupentixol vergleichbar sein (1). Risperidon besitzt noch andere Störeffekte, die der Compliance abträglich sein können, etwa Gewichtszunahme oder Erhöhung des Serum-Prolaktinspiegels. Es wirkt insgesamt kaum sedierend.

Die Kombinationstherapie mit Risperidon und anderen Psychopharmaka (s.u.) erhöht tendenziell die Inzidenz und das Ausmaß unerwünschter Wirkungen.

Indikationen


Risperidon ist zur Therapie schwerer und chronischer schizophreniformer und schizoaffektiver Störungen zugelassen. Es kann darüber hinaus zur Behandlung manischer Phasen verwendet werden.

Es besitzt keine nachgewiesene phasenprophylaktische Wirkung.

Kontraindikationen


Absolute Kontraindikationen

Hyperprolaktinämien schließen die Anwendung von Risperidon aus, sofern sie nicht arzneimittelbedingt (d.h. mittels Absetzen des verursachenden Präparats reversibel) sind.

Relative Kontraindikationen

Zu den Zuständen, bei denen Risperidon nur mit besonderer Vorsicht verabreicht werden darf, zählen QT-Strecken-Verlängerungen im EKG (bestimmte Herzerkrankungen), da die Substanz potenziell QT-verlängernd wirkt. Demenzen stellen ebenfalls eine Anwendungsbeschränkung dar, da unter Risperidon bei demenzkranken älteren Patienten die Sterblichkeit steigt.

Kombinationstherapie


Risperidon wird mitunter in Kombination mit weiteren Pharmaka zur Behandlung anderer psychischer Störungen als Schizophrenie und Manie eingesetzt (Augmentation).
  • Bipolare Störung. Es existieren keine zuverlässigen Studienresultate, die einen Nutzen von Risperidon belegen (2), mit Ausnahme der akuten manischen Phase.
  • Depression. Es existieren keine verlässlichen Nutzennachweise, gleichwohl Empfehlungen aus herstellernaher Quelle und einzelne Fallberichte mit positivem Ausgang (vgl. 4). Gleichzeitige Gabe von Risperidon und SSRI erhöht das Risiko eines Serotonin-Syndroms und darf nur mit besonderer Vorsicht erfolgen. Kombination von Risperidon und Paroxetin kann zu exzessiver Gewichtszunahme führen (5).
  • Schizophrenie: Eine Untersuchung der Kombination Clozapin/Risperidon zeigte gegenüber den Einzelstoffen keine verbesserte Wirksamkeit (3).

Handelspräparate, Dosierung


Risperidon ist in Deutschland unter dem Markennamen Risperdal® im Handel. Seit 2005 ist unter der Bezeichnung Risperdal CONSTA® eine Zubereitung zur parenteralen Anwendung mit verzögerter Freisetzung erhältlich - das erste atypische Depot-Neuroleptikum.

Die empfohlene (orale) Tagesdosis beträgt 2-6 mg, kann in bestimmten Fällen auch höher sein.

Literatur


  • Möller; Müller; Bandelow: Neuroleptika, Pharmakologische Grundlagen, klinisches Wissen und therapeutisches Vorgehen; Stuttgart 2001. ISBN 3-8047-1773-X

  • Jüptner, Markus; Gastpar, Markus Theodor: Behandlung psychotischer Symptome bei Demenzpatienten: Todesfälle unter Risperidon und Olanzapin – was nun? Nervenarzt 2004;7:720-722
    • Potenzieller Interessenkonflikt: Prof. Gastpar hatte finanzielle Verbindungen zum Hersteller von Risperdal®.

Weblinks


Referenzen

  • 1 Häufigkeit von Rigor unter Flupentixoldecanoat und Risperidon in Abhängigkeit von der Dosierung. Psychiatr Prax. 2004 Nov;31 Suppl 1:S167-9.PMID: 15570542
  • 2 Treatment-Resistant Bipolar Depression: A STEP-BD Equipoise Randomized Effectiveness Trial of Antidepressant Augmentation With Lamotrigine, Inositol, or Risperidone. Am J Psychiatry. 2006 Feb;163(2):210-6.PMID: 16449473
  • 3 Clozapine Alone versus Clozapine and Risperidone with Refractory Schizophrenia. N Engl J Med. 2006 Feb 2;354(5):472-482. PMID: 16452559
  • 4 Zwei Wirkstoffe durchbrechen zusammen die Depressionen: Paroxetin plus Risperidon bei Therapieresistenz (Hersteller-gesponsorter Beitrag in der Ärzte Zeitung)
  • 5 Severe Weight Gain Induced by Combination Treatment With Risperidone and Paroxetine. Clin Neuropharmacol. 2002 Sep-Oct;25(5):269-71. PMID: 12410060

Weitere Informationen

Antipsychotikum

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