Riksmål (wörtlich: „Reichssprache“) ist eine unoffizielle Sprachform Norwegens. Es hat sich aus der dänisch-norwegischen literarischen Tradition entwickelt. Es unterscheidet sich vom Dänischen durch Angleichungen an die norwegische Aussprache und viele Norwegismen im Wortschatz.
Dem gegenüber stellt das offizielle Bokmål, das bis 1929 selbst Riksmål hieß, eine weiter entfernte Form dar, die noch mehr neunorwegische Eigenheiten in Wortschatz und Flexion aufweist und sich deswegen weiter von der traditionellen und gemeinsamen Schriftkultur Dänemark-Norwegens entfernt hat.
Da sich der Unterschied zwischen Riksmål und Dänisch erst im 20. Jahrhundert herauszubilden begonnen hat, sind norwegische Texte aus dem 19. Jahrhundert eigentlich in der Regel in Dänisch geschrieben. Die Sprache wurde ab 1814 Norwegisch genannt. Dies gilt zumal für den Text der norwegischen Nationalhymne aus dem Jahre 1859, (Ja, vi elsker dette landet), aber auch für das Werk von Henrik Ibsen sowie des norwegischen Nobelpreisträgers Bjørnstjerne Bjørnson. Diese Texte sind in Dänemark publiziert und später in Norwegen revidiert worden, sodass ihre heutige Form von der ursprünglichen Fassung leicht abweicht.
Nach der Rechtschreibereform von 1907, durch die Riksmål von Dänisch getrennt wurde, haben Knut Hamsun, Sigrid Undset, Sigurd Hoel, Arnulf Øverland, André Bjerke, Jens Bjørneboe, Aksel Sandemose, Claes Gill, Inger Hagerup, Cora Sandel, Johan Borgen, Agnar Mykle, Ebba Haslund, Lars Saabye Christensen, und andere Schriftsteller in Riksmål geschrieben.
Im Gegensatz zu Bokmål und Nynorsk ist es keine offizielle Sprache, wird aber von einigen Schriftstellern, besonders in den Großstädten wie der Hauptstadt Oslo, und z. B. von Aftenposten, der größten norwegischen Zeitung, benutzt.
Nach den letzten zwei Rechtschreibereformen (seit 1980), durch die viele zuvor im Bokmål obligatorische, typisch neunorwegische Formen wieder auf den Status von bloß gleichgestellten Varianten zurückgestuft wurden, gibt es kaum mehr Unterschiede zwischen Bokmål und Riksmål. Beispiele sind etwa das wieder durchgängig nur noch fakultative feminine Genus der Substantive (älteres Bokmål: nur ei ku „eine Kuh“, ei øy „eine Insel“ bzw. kua „die Kuh“, øya „die Insel“; aktuelles Bokmål: auch en ku, en øy bzw. kuen, øyen wie im Riksmål).
Das Riksmål wird von der Norwegischen Akademie für Sprache und Literatur normiert. Die Akademie gibt auch das große Wörterbuch des Riksmål (Norsk Riksmålsordbok, 6 Bände) heraus. Dieses Wörterbuch gilt immer noch als das größte Wörterbuch der norwegischen Sprache.
Alle Formen werden ausführlich im Artikel über die norwegische Sprache beschrieben.
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