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Riesenkalmare
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: Weichtiere (Mollusca)
: Kopffüßer (Cephalopoda)
: Kalmare (Teuthida)
: Riesenkalmare (Architeuthidae)
: Riesenkalmare
Wissenschaftlicher Name Architeuthis Arten
  • Architeuthis dux
  • Architeuthis martensi
  • Architeuthis physeteris
  • Architeuthis sanctipauli
  • evtl. 4 weitere Arten
    (A. hartingii, A. japonica, A. kirkii, A. stockii)

Riesenkalmare sind Kopffüßer. Sie besitzen zehn Arme, die um die Mundöffnung gruppiert sind, wovon zwei zu Tentakeln umgebildet sind. Aus diesem Grund werden sie den Zehnarmigen Tintenfischen oder Decapoda/Dekabrachia zugeordnet. Die genaue Stellung innerhalb des Systems ist gegenwärtig noch unklar.

Riesenkalmare sind offensichtlich weltweit verbreitet. Besonders häufig werden sie an den Küsten Norwegens, Großbritanniens, Neufundlands, bei Japan, vor Australien und Neuseeland sowie vor Südafrika gefangen. Wahrscheinlich leben sie in einer Tiefe von über 300 Metern (nach anderen Angaben 500 bis 1000 m tief) und kommen nur sehr selten höher. Aus diesem Grund sind auch erst seit dem Beginn der Tiefseefischerei mit Schleppnetzen häufigere Fänge der Tiere bekannt geworden.

Über die Größe der Riesenkalmare wurde schon viel geschrieben, und vieles davon war maßlos übertrieben, was sich auch darin äußert, dass selbst heute in Fachbüchern vielfach falsche Angaben zu finden sind. Ein Problem bei der Messung von Längen bei Riesenkalmaren ist die enorme Dehnfähigkeit der Arme, weshalb in der Regel die nur wenig veränderliche Mantellänge als Kriterium zur Betrachtung der tatsächlichen Größe herangezogen wird. Hier sei etwa das im Jahre 1887 in Lyall Bay (Wellington) am Strand angespülte Exemplar genannt. Es hatte eine Gesamtlänge von 18,3 m, tatsächlich betrug seine Mantellänge aber nur 1,8 m, was bei einem Exemplar mit natürlich langen Tentakeln einer Gesamtlänge von etwa 10,7 m entspricht. Die größte belegte Mantellänge für Architeuthis beträgt 2,25 m, wobei Riesenkalmare in Ausnahmefällen eine Standardlänge (die Kopf und Fangarme einschließt) von 5 m erreichen. Der allergrößte Teil der Gesamtlänge wird durch die beiden langen dünnen Tentakel ausgemacht, und tatsächlich konnte nie ein Riesenkalmar nachgewiesen werden, der mit ungedehnten Tentakeln eine Länge von 13 m überschritt. Entgegen vieler anderslautender Berichte konnten auch in den Mägen von Pottwalen noch keine Funde von Riesenkalmaren gemacht werden, die größeren Individuen zuzuordnen wären, obwohl hier schon unzählige Untersuchungen gemacht wurden. Riesenkalmare scheinen zu den langlebigsten Vertretern der Kopffüßer zu gehören, und 3-5 Jahre alt zu werden, was bedeutet dass sie ihre enorme Größe in sehr kurzer Zeit erreichen.

Allgemein gilt der Riesenkalmar Architeuthis als der größte Kopffüßer, allerdings erreicht der weitaus weniger bekannte und kompakter gebaute Mesonychoteuthis hamiltoni noch deutlich größere Ausmaße, mit Mantellängen bis zu 4m.

Wesen


Riesenkalmare orientieren sich wahrscheinlich vor allem durch ihre Augen, die unter den größten im ganzen Tierreich sind, nur jene des Koloss-Kalmars Mesonychoteuthis hamiltoni werden noch größer. Über die Nahrung der Tiere ist wenig bekannt. Magenuntersuchungen brachten vor allem Reste von Kalmaren (auch der eigenen Art) und Fischen (zum Beispiel Langschwanzseehecht) zum Vorschein. Bisher wurde vermutet, dass der Riesenkalmar eher ein Lauerjäger, als ein ausdauernd jagendes Tier sei. Die ersten Aufnahmen eines lebenden Tieres ließen jedoch Zweifel an dieser These aufkommen. Die Theorie, dass auch Pottwale auf seinem Speiseplan stehen, ist abwegig. Wahrscheinlich ist, dass der Pottwal der einzige wirkliche Fressfeind großer ausgewachsener Riesenkalmare ist, wie Saugnapfnarben auf dem Körper von Walen und Reste von Architeuthis in Pottwalmägen zeigen. Kleinere Exemplare werden aber auch von verschiedenen Fischen und Haien gefressen, sehr kleine Exemplare an der Oberfläche sogar von Hochseevögeln wie Albatrossen. Mittelgroße Exemplare fallen auch großen Grauhaien oder neben Pottwalen auch anderen größeren Zahnwalen zum Opfer, die in der Tiefsee nach Kopffüßern jagen.

Durch Einlagerung von Ammoniumchloridlösung in ihr Muskelgewebe erhalten die Riesenkalmare wie auch einige andere Kalmare den notwendigen Auftrieb, um im Wasser zu schweben. Die Ammoniumchloridlösung macht sich durch starken Geruch bemerkbar, den die Tiere verströmen. Das Fleisch der Riesenkalmare ist aus diesem Grunde für den Menschen ungenießbar.

Noch weniger als über die Nahrung ist über die Paarung bekannt und die Entwicklung der Tiere. Ganz offenbar implantiert das Männchen während der Paarung Spermatophoren unter die Haut der Partnerin. Man fand mehrere weibliche Tiere mit Spermatophoren. Wie diese jedoch die Eier letztlich befruchten, ist bisher unbekannt.

Im Stralsunder Meeresmuseum ist seit dem 16. Januar 2005 ein präpariertes Exemplar ausgestellt, welches von neuseeländischen Fischern gefangen worden ist. Das mit 49 Kilogramm Gewicht und über 6 Meter Länge (von Mantel- zu Tentakelspitze) unterdurchschnittlich große Tier weist am hinteren Ende des Mantels eine Besonderheit auf: Dort wurden implantierte Spermatophoren gefunden, deren Herkunft gegenwärtig nicht geklärt ist.

Existenz und Sichtungen


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Riesige Tintenfische gehörten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eher in ein Märchenbuch als in eines über Zoologie. Obwohl seit Jahrhunderten über Sichtungen von Riesenkalmaren und Begegnungen mit diesen Tieren berichtet wurde, wurden die Erzählungen meist als Seemannsgarn verspottet und ins Reich der Legenden verwiesen. Selbst die Funde gestrandeter Kalmare mit Längen von weit über 10 Metern wurden nicht ernst genommen. Heute weiß man, dass es diese Tiere tatsächlich gibt.

  • Der erste wissenschaftliche Beweis war der Schnabel eines 1854 in Jütland (Dänemark) gestrandeten Tieres, der in die Hände des Naturforschers Japetus Steenstrup gelangte. Dieser untersuchte ihn und beschrieb so den ersten Riesenkalmar, Architeuthis dux.
  • Spanische Wissenschaftler haben im September 2003 zwei Riesentintenfische an der Nordküste Spaniens bei Oviedo erstmals lebend geborgen, sie verendeten jedoch kurz darauf. Der größere war elf Meter lang und wog 140 Kilogramm. (stark gekürzte dpa-Meldung)
  • Während des II. Weltkrieges versenkten deutsche Jagdflieger den britischen Truppentransporter „Britannia“. Elf Überlebende, die sich nach dem Untergang des Schiffes an ein kleines Rettungsfloß geklammert hatten, berichteten übereinstimmend, einer von ihnen sei von einem großen Kopffüßer in die Tiefe gezogen worden.
  • Ferner gibt es einen gut dokumentierten Fall, wonach 1874 ein Schoner namens 'Pearl' von einem verwundeten Riesenkalmar versenkt wurde, nachdem der Kapitän ihn vorher beschossen hatte.
  • Am 30. September 2004 gelang es den japanischen Forschern Tsunemi Kubodera und Kyoichi Mori vom nationalen Wissenschaftsmuseum in Tokio durch eine Kamera in einer Tiefe von 900 Metern Bilder eines lebenden Exemplares vor den Ogasawara-Inseln im Nordpazifik zu schießen. Das Tier verlor einen seiner Fangarme, als dieser sich im Köderhaken verfing. Die Länge des Fangarmes betrug 5,5 Meter, was auf eine Gesamtlänge des Tieres von rund acht Metern schließen lässt. Bei dieser Gelegenheit konnte auch beobachtet werden, dass diese Tiere aktiv jagen und sehr aggressiv sind. Es sind die ersten Aufnahmen eines lebenden Riesenkalmars in seinem natürlichen Lebensraum. Die Bilder wurden am 28. September 2005 in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht.

Literatur


  • Roland Hanewald: Das Tropenbuch. Jens Peters Publ., Berlin 1987, 2003. ISBN 3-923821-13-1
  • Bericht in: Proceedings of the Royal Society of London. Series B. Biological sciences. London 28. September 2005.

Weblinks


Weichtiere

Krakatice obrovská | Kæmpeblæksprutte | Giant squid | Calamar gigante | Architeuthis | ダイオウイカ | Architeutis | Reuzeninktvis | Kałamarnica olbrzymia | Lula gigante | Veleligenj | Jättebläckfisk

 

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