| Riesen-Bärenklau | |||||||||||||||
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| : | Bedecktsamer (Magnoliophyta) |
| : | Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige (Rosopsida) |
| : | Asternähnliche (Asteridae) |
| : | Doldenblütlerartige (Apiales) |
| : | Doldenblütler (Apiaceae) |
| : | Apioideae |
| : | Bärenklau (Heracleum) |
Der Riesen-Bärenklau bildet photosensibilisierende Substanzen namens Furanocumarine, die in Kombination mit Sonnenlicht phototoxisch wirken; beim Umgang mit der Pflanze ist deshalb große Vorsicht geboten. Bereits bloße Berührungen und Tageslicht können bei Menschen zu schmerzhaften und schwer heilenden Verbrennungen bzw. Quaddeln (Photodermatitis) führen. Es wird deshalb empfohlen, bei der Bekämpfung der Pflanze vollständige Schutzkleidung zu tragen, zu der auch ein Gesichtsschutz gehört.
Die Blätter des Riesen-Bärenklaus erreichen normalerweise eine Länge von 1 m, jedoch können sie auch 3 m lang werden. Sie können entweder dreiteilig oder fünf- bis neunteilig gelappt sein. Die seitlichen Blattabschnitte können eine Länge von über 1 m und eine Breite von mehr als 20 cm erreichen. Diese sind meist wiederum tief fiedrig geteilt.
Der Aufbau der Blüte wird mit folgender Blütenformel beschrieben:
Nach der Blüte stirbt die Pflanze ab. Kommt sie nicht zur Blüte, kann die Pflanze mehrere Jahre überdauern.
Die Samen sind oval, flach, zehn bis 14 Millimeter lang, sechs bis acht Millimeter breit und haben aufwärtsgebogene, borstig behaarte Randrippen. Aufgrund der hohen Anzahl von Diasporen ist der Riesen-Bärenklau eine Pflanze mit ausgeprägten Pioniereigenschaften. Ihre Samen sind außerdem in der Lage, über mehrere Jahre hinweg keimfähig zu bleiben. Auf die Dauer der Keimfähigkeit kann nur aufgrund einzelner Erfahrungsberichte bei der Beseitigung von Riesen-Bärenklaustauden geschlossen werden. Bei zumindest einem Fall ging nach einer siebenjährigen Beweidung durch Schafe der Bestand an dieser Pflanze vollständig zurück, ohne dass neue Keimlinge entstanden.
Der Riesen-Bärenklau übersteht auch mehrfaches Mähen und gelangt trotzdem zur Blüte. Diese Regenerationsfähigkeit ist auf eine rübenartige Verdickung von Spross und Wurzeln zurückzuführen. In dieser speichert die Pflanze Stärke, was ihr ermöglicht, sehr früh auszutreiben und bereits im Juni eine Höhe von drei Meter zu erreichen. Blüht die Pflanze, wird dieses Speicherreservoir aufgebraucht. Die Pflanze stirbt dann ab.
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Der Riesen-Bärenklau enthält photosensibilisierende Substanzen, ätherische und fette Öle; letztere sind jedoch nur in den Früchten vorhanden. Zu den toxischen Komponenten zählen u.a. Xanthotoxin, Psoralen, Bergapten. Sie sind in allen Pflanzenbestandteilen enthalten. Giftfrei sind die Stängel erst dann, wenn sie vollständig abgestorben sind und nur noch das weiße Zellskelett steht.
Zur mitteleuropäischen Ausbreitung des Riesen-Bärenklaus hat wesentlich beigetragen, dass der Pflanze ein wirtschaftlicher Nutzen unterstellt wurde. Imkern wurde er in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederholt als Bienenweide empfohlen und in der Forstwirtschaft verwendete man ihn, weil man mit den dichten Beständen dieser Pflanze dem Wild zusätzliche Deckung geben wollte und man der Überzeugung war, mit dieser Pflanze Böschungen befestigen zu können. Aufgrund dieses unterstellten wirtschaftlichen Nutzens wurde sie wiederholt in freier Natur angesalbt. In Deutschland ist dies allerdings nach §41 des Bundesnaturschutzgesetzes eigentlich genehmigungspflichtig.
Das Spektrum an Standorten, an denen der Riesen-Bärenklau gedeiht, ist dabei sehr viel größer als im Ursprungsgebiet. Er breitet sich in Europa auch auf trockeneren und wärmeren Standorten aus als in ihrer Heimat und ist deshalb nicht nur in der Saumvegetation von Hecken, Waldrändern, Bächen und Flüssen zu finden, sondern auch auf Halden und Ruderalstandorten.
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In Europa und Nordamerika ist der Riesen-Bärenklau eine durch Menschen eingeführte Pflanze, die auf natürlichem Wege diese Lebensräume nicht erreicht hätte. Sie wird deswegen auch als hemerochore Pflanze bezeichnet. Sie nutzt in ihrem neuen Lebensraum unterschiedliche natürliche Ausbreitungsstrategien. Damit erschloss sie auch in ihrem ursprünglichen Lebensraum ihren Nachkommen neuen Lebensraum.
Der Riesen-Bärenklau verbreitet seine Diasporen überwiegend durch den Wind (sogenannte Anemochorie). Die Ausbreitungsdistanzen, die dabei von der Mutterpflanze ausgehend überwunden werden, betragen allerdings nur acht bis zehn Meter. Zu der Fähigkeit dieser Pflanze, sehr schnell große Räume zu besiedeln, trägt stärker bei, dass die Diasporen bis zu drei Tagen schwimmfähig sind und damit die Samen einer Pflanze, die am Rand eines Gewässers steht, sehr große Distanzen zurücklegen können. Diese Schwimmausbreitung, die der Riesen-Bärenklau erfolgreich nutzt, wird in der Botanik auch als Nautochorie bezeichnet.
Untersuchungen von Invasionsbiologen haben am Beispiel der Verbreitung am Bach Auschnippe nördlich von Dransfeld (Landkreis Göttingen) zeigen können, dass offenbar alle Riesen-Bärenklauansiedlungen entlang dieses Baches auf eine in der Mitte von Dransfeld stehende Einzelpflanze zurückgingen. Vom Bach aus eroberte der Riesen-Bärenklau durch Windausbreitung erfolgreich weitere angrenzende Flächen wie Wiesen oder Brachland sowie Weiden.
Neben gesundheitlichen Gefährdungen, die durch Riesen-Bärenklau verursacht werden, gibt es noch folgende:
Der ökologische Schaden, der vom Riesen-Bärenklau ausgeht, ist verglichen mit anderen invasiven Neophyten wie beispielsweise der Späten Traubenkirsche oder der Gewöhnlichen Robinie gering. Die breite öffentliche Wahrnehmung des Riesen-Bärenklaus als problematischer Neophyt resultiert daher vor allem aus den Risiken für die menschliche Gesundheit.
Auch der Pflanzensaft kann Probleme hervorrufen. Beim Arbeiten mit dem Rasentrimmer oder beim Abhacken der Pflanze kann dieser selbst durch die Kleidung hindurch Schwierigkeiten bereiten. Die Furanocumarine, die bei Hitze ausgasen, können eine 3 Wochen anhaltende Bronchitis verursachen.
Furanocumarine bilden sich auch auf den Blättern, so dass bei dafür empfindlichen Menschen Hautreizungen die Folge sein könnten. Es kann helfen, sofort nach Kontakt schattige Orte aufzusuchen und die betroffenen Kontaktstellen mit Wasser und Seife zu reinigen. Es ist zu empfehlen, nach einem Kontakt mit der Pflanze einen Arzt aufzusuchen.
* An heißen Tagen werden diese Substanzen von der Pflanze an die Umgebung abgegeben. Dann kann es schon bei einem längeren Aufenthalt neben der Pflanze in der Sonne zu Verbrennungen kommen. Auch Atemnoterscheinungen treten auf.
Heracleum mantegazzianum lapinniemi.jpg Auch andere, kleinere Bärenklau-Arten wie der in Deutschland einheimische und sehr häufige Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) oder der Berg-Bärenklau (Heracleum montanum) können Photodermatitis auslösen. Die Giftigkeit des Riesen-Bärenklaus ist im Vergleich zu diesen Pflanzen jedoch deutlich höher.
Problematisch ist beim Riesen-Bärenklau insbesondere, dass Kinder versucht sind, mit diesen auffälligen und attraktiven Pflanzen zu spielen. Wie verführerisch die Pflanzen als Spielzeug sind, zeigen einige Vergiftungsfälle, bei denen Kinder anschließend stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Kinder hatten zuvor die Stängel als Schwerter in Ritterspielen verwendet, sie als Blasrohr benutzt oder sich zwischen den Blättern versteckt.
Pflanzen, die an Standorten wachsen, an denen sich Kinder aufhalten, sollten daher in jedem Fall entfernt werden. Auch sollten Kinder über die Gefährlichkeit der Pflanze aufgeklärt werden.
Da die Entfernung des Riesen-Bärenklaus nicht ungefährlich und aufwändig ist, sollte man im Zweifel die Hilfe von Fachleuten in Anspruch nehmen. Bei Auftreten der Pflanze in Ortschaften, etwa am Straßenrand oder an Böschungen, ist es zweckmäßig, umgehend die örtliche Gemeindebehörde zu verständigen, die sich im allgemeinen schnell des Problems annimmt.
Schutzkleidung: Bei Arbeiten am Riesen-Bärenklau ist unbedingt eine Schutzkleidung zu tragen, zu der Handschuhe, Schutzbrille, langärmelige Kleidung und Gummistiefel gehören. Vom Tragen von Schnürschuhen wird abgeraten. Alle Arbeiten sollten nur an nicht-sonnigen Tagen durchgeführt werden. Die Schutzkleidung sollte direkt nach der Pflanzenentfernung umstülpend ausgezogen und an der Außenseite nicht berührt werden. Duschen nach der Arbeit ist empfehlenswert, denn die Furane im Saft können durch Textilien hindurchwandern. Dies ist auch bei gummibeschichteten Handschuhen möglich. Es wird außerdem häufig empfohlen, die Gummistiefel nach der Arbeit von oben her mit Brennspiritus abzubürsten.
Bei großen Beständen empfiehlt sich bereits im Frühjahr eine Bearbeitung des Areals mit der Traktorfräse, um die Wurzeln so stark zu schädigen, dass sie sich nicht mehr regenerieren können. Auch die Mahd blühender Pflanzen führt zu einem Absterben der Pflanze und ist dann erfolgreich, wenn es noch nicht zur Diasporenbildung gekommen ist. Zur Mahd gehört jedoch mehrfache Nachkontrolle, da die Pflanzen Nachblüten bilden können. Die Mahd nichtblühender Pflanzen ist dagegen ohne Erfolg, da sich dann mit Sicherheit Seitentriebe entwickeln, die zur Blüte kommen. Insgesamt gelten die mechanischen Bekämpfungsmaßnahmen als nur mäßig erfolgreich. Eine Bekämpfung mit Herbiziden ist gleichfalls nur erfolgreich, wenn sie im zeitigen Frühjahr erfolgt und ebenfalls über mehrere Jahre fortgesetzt wird. Gleiches gilt für eine Beweidung durch Hausschafe. Diese muss im Frühjahr beginnen, um die Pflanzen von Beginn an in ihrem Wachstum zu reduzieren und muss gleichfalls über mehrere Jahre erfolgen.
In Dänemark wurden erfolgreich Versuche mit der Injektion von flüssigem Stickstoff in die Pfahlwurzel der Pflanze durchgeführt. Der Kälteschock führt zum Absterben der Pflanze. Das Mittel ist im Gegensatz zu Herbiziden relativ preiswert und für die Umwelt ungefährlich. Ergebnisse von Langzeitstudien sind derzeit nicht bekannt.
Invasionsbiologen wie Ingo Kowarik (s. Lit.) weisen darauf hin, dass wir mit dieser Pflanze langfristig leben und zu einem realistischen Umgang mit der Gefährdung kommen müssen. Die Dimension der Gefährdung durch den Riesen-Bärenklau wird besser greifbar, wenn man sie ins Verhältnis zu den Vergiftungen durch Arzneien und Haushaltsmitteln setzt. Für das Jahr 1971 wurden beispielsweise 5.525 Vergiftungen gemeldet. Davon gingen in diesem Jahr lediglich 5,5 % auf Vergiftungen durch Pflanzen zurück. Für den gesamten Zeitraum von 1970 bis 1991 wurden insgesamt 146 Vergiftungsfälle gemeldet, bei denen Riesen-Bärenklau der Verursacher war.
Da für eine Bekämpfung nur begrenzte Mittel zur Verfügung stehen, ist es sinnvoll, sie auf wenige Maßnahmen zu konzentrieren:
Der Riesen-Bärenklau ist in Europa eine verhältnismäßig junge Pflanze, die bisher wenig Eingang in die Kulturgeschichte gefunden hat. Eine Ausnahme stellt der Song The Return of the Giant Hogweed der Rockband Genesis dar, der in ironischer Weise vom Riesen-Bärenklau handelt. Im Song heißt es unter anderem “…turn and run, nothing can stop them, around every river and canal their power is growing…”. Der Song ist 1971 auf dem Album Nursery Cryme erschienen.
Dass eine reiche kulturgeschichtliche Tradition hilfreich ist, Aufklärung über die von einer Pflanze ausgehenden Risiken zu erzielen, zeigt sich am Beispiel des nordamerikanischen Gift-Efeus oder Gift-Sumachs. Gift-Efeu spielt eine große Rolle in der amerikanischen Folklore – „Unfälle“ mit dieser Pflanze werden immer wieder in filmischen und literarischen Anekdoten erwähnt. Diese Pflanzen nicht zu erkennen, ist ein Merkmal des „City-Slickers“, des naturunerfahrenen Stadtmenschen. Mit dem Merksatz “Leaflets three, let it be” werden nordamerikanische Kinder bereits sehr früh über die Gefahren dieser Pflanzen aufgeklärt. Europäische Kinder, die häufig amerikanische Serien sehen, wissen eher um das Gefahrenpotenzial, das vom Gift-Efeu ausgeht als von dem Riesen-Bärenklau.
Eine dem Gift-Efeu vergleichbare „Behandlung“ des Riesen-Bärenklaus im Film oder in der Literatur würde daher dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit des Kontakts mit dieser Pflanze zu verringern. Kommt es trotzdem zum Kontakt mit entsprechenden Gesundheitsschädigungen, ist außerdem die Wahrscheinlichkeit höher, dass Eltern, Erzieher, Apotheker oder Ärzte die richtige Ursache dem Krankheitsbild zuordnen und frühzeitiger eine zielgerichtete Therapie eingeleitet wird.
Bolševník velkolepý | Giant Hogweed | Berce du Caucase | Reuzenberenklauw | Kjempebjørnekjeks | Barszcz Mantegazziego
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