Ried im Innkreis ist eine Stadt im
oberösterreichischen
Innviertel etwa 70 km westlich von
Linz und 60 km nördlich von
Salzburg. Sie ist Bezirkshauptstadt des
Bezirks Ried im Innkreis und bildet im Innviertel ein Mittelzentrum.
Geografie
Ried liegt in einer Bodensenke nördlich des Hausruckwaldes. Der Name der Stadt leitet sich vom mittelhochdeutschen "Riet" (auch: Rieth, Reet, Rohr u.ä) ab und bedeutet das an Ufern oder auf sumpfigem Gelände wachsende Schilfrohr.
Ried im Innkreis liegt auf 433 m Seehöhe. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 3,2 km, von West nach Ost 3,6 km. Die Gesamtfläche beträgt 6,7 km².
Stadtgliederung
Zur Kernstadt Ried gehören eine Vielzahl meist räumlich getrennter
Wohnplätze, (wie Hauptplatz, Stelzhamerplatz, Kirchenplatz, Marktplatz, Hoher Markt, Roßmarkt und Landshuterplatz) und weitere Ortsteile. Davon haben die meisten eine lange eigenständige Geschichte. Andere wiederum wurden auch als neue Baugebiete angelegt, erhielten dann einen eigenen Namen, haben aber oftmals keine festgelegten Grenzen. Im Einzelnen gehören zur Kernstadt:
- Riedberg
- Bad Ried
- Stöcklgras
- Kreuzbergsiedlung
- Kapuzinerberg
- Schloßberg
- Hopfenberg
- Kleinried
- Wegleiten
- St.Anna
Nachbargemeinden
Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Ried. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Süden genannt:
Neuhofen im Innkreis, Mehrnbach, Aurolzmünster, Tumeltsham und Hohenzell.
Geschichte
Dietmar.jpg
Mittelalter
Ried wurde erstmals am 13. November 1136 als bayerisch-landesfürstliche Burg mit Sitz des Herrengeschlechts von Ried erwähnt. Bereits um 1180 finden in einer Urkunde zum ersten mal die Bürger von Ried Erwähnung - daraus kann auf eine Siedlungstätigkeit um die Burg geschlossen werden.
Der Sage nach wurde 1191 der Müllerssohn Dietmar der Anhanger von Friedrich I. (Barbarossa) mit dem Markt Ried belehnt. Als Grund dafür war angeblich, dass Dietmar beim Kreuzzug den Kampfesmut der Truppen wieder aufgerichtet hatte: Als in Ikonia die Fahne des Heeres von den Gegnern zu Fall gebracht worden war, nahm Dietmar seinen Bundschuh und steckte ihn auf eine Lanze; unter diesem Zeichen fassten die Kreuzfahrer neuen Mut und schafften es, die Stadt zu erobern. Der Bundschuh aus der Sage ist heute Bestandteil des Stadtwappens.
Nach dem Aussterben der Herren von Ried um das Jahr 1200 ging das Gebiet in den Besitz der bayerischen Herzöge über. Nur etwa eineinhalb Wegstunden von der Grenze am Geiersberg entfernt, wurde die Grenznähe dem Markt Ried immer wieder zum Verhängnis.
1266 wird die Veste Ried von Ottokar II. Przemysl erobert; am 24. September 1364 wurde der Markt Ried von Rudolf IV. der Stifter erobert und zerstört.
Der 1379 abgeschlossene 1. Rieder Vertrag beendete zunächst die Grenzstreitigkeiten. 1435 erhielt Ried von Herzog Heinrich XVI. ein eigenes Marktwappen verliehen.
Neuzeit
Zur Zeit der Reformation belegen Visitationsberichte den Einfluss der Reformation. Bis
1580 war allerdings die
Gegenreformation fertig durchgeführt. Infolge dessen sind mehrere Auswanderungen belegt. Während der Bauernkriege ist Ried Zufluchtsstätte und Hauptquartier des bayerischen Kriegskommissärs.
1649 trifft eine Pestepidemie die Stadt, die 236 Tote fordert.
Rathausried.jpg
Die Grenzkonflikte zwischen Österreich und Bayern erneuerten sich im spanischen Erbfolgekrieg (von 1701 bis 1714)und im österreichischen Erbfolgekrieg (von 1740 bis 1745. Nach dem bayerischen Erbfolgekrieg kommt das Innviertel und damit auch Ried im Frieden von Teschen 1779 zu Österreich. Während der Koalitionskriege kommt es noch einmal im Jahre 1810 zu Bayern. Napoleon nimmt zweimal in Ried Quartier und entgeht am 2. Mai 1809 nur knapp einem Anschlag.
Im 2. Rieder Vertrag wechselt Bayern am 8. Oktober 1813 die Seiten und tritt der Allianz gegen Napoleon bei. Nach dem Münchner Vertrag wird Ried 1816 endgültig österreichisch.
1857 wurde der damals größte Markt Österreichs von Kaiser Franz Joseph I. zur Stadt erhoben. Das 1867 erstmals veranstaltete "Gewerbliche Ausstellungsfest" war der Grundstein zur Entwicklung Rieds als Messestadt.
Zeitgeschichte
Am 12. März 1938, dem Datum des Anschlusses Österreichs, marschierten Verbände der deutschen Wehrmacht in Ried ein, Hitler traf auf der Durchreise nach Linz in Ried ein. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, am 3. Mai 1945, marschierten amerikanische Truppen in Ried ein. Der Ort wurde Teil der Amerikanischen Besatzungszone im besetzten Nachkriegsösterreich. Von der amerikanischen Militärverwaltung wurde ein Kriegsgefangenenlager für deutsche Militärangehörige eingerichtet. Außer dem Kriegsgefangenenlager wurden in Ried ein DP-Lager für so genannte Displaced Persons eingerichtet. Das Lager wurde von einem Team der UNRRA geleitet und trug die Nummer 701A.
Einwohnerentwicklung
Die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand sind Volkszählungsergebnisse (¹) beinhaltet auch die in den
Baracken untergebrachten
Internierten und
Flüchtlinge.
|
¹ Zählungsergebnis inkl. der
Internierten und
Flüchtlinge
Politik
Gemeinderat
Der
Gemeinderat besteht seit der letzten
Kommunalwahl von
2003 aus 37 Mitgliedern, deren Amtszeit 6 Jahre beträgt. Die Sitze verteilen sich auf die einzelnen Parteien und Gruppierungen wie folgt:
Bürgermeister
An der Spitze der Stadt Ried stand bereits seit
1781 der
Bürgermeister und der Rat. Dieser wird heute von den Wahlberechtigten auf 4 Jahre direkt gewählt. Er ist Vorsitzender des
Gemeinderats. Seinen allgemeinen Stellvertreter ist der 1. Beigeordnete mit der Amtsbezeichnung "
Vizebürgermeister".
Stadtoberhäupter in Ried seit 1899
Wappen und Flagge
Das
Wappen der Stadt wurde im Zuge der Stadterhebung
1857 verliehen. Das Stadtwappen ist viergeteilt. Das oberste Viertel zeigt einen Doppeladler und verdeutlicht die Zugehörigkeit zu Österreich. Das untere Viertel enthält den "bayerischen Wecken", weiß-blaue Rauten und zeigt damit an, dass die Stadt ursprünglich zu
Bayern gehörte.
Im linken Viertel steht ein Schnürstiefel. Er war bereits im früherem Wappen der Stadt enthalten und spielt auf die Gründungslegende von Ried im Innkreis an. Die im rechten Viertel enthaltenen Ranken waren ebenfalls bereits im alten Wappen vorhanden und weisen auf die Bedeutung der Stadt als Brauereistadt hin.
Partnerstadt
Seit
1974 ist die
bayerische Stadt
Landshut Partnerstadt von Ried.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
- Bahn: Die Stadt Ried ist ein Kreuzungspunkt der Bahnstrecken nach Wels, Linz, Schärding und nach Braunau. Die Linie von Wien über Linz und Ried nach fährt im 1-Stunden-Takt.
- Straße: Über die Anschlüsse Ried/Tumeltsham und Ried/Haag gelangt man auf die Autobahn A 8. Ried ist gut an das Bundesstraßennetz angeschlossen. Über die B141 bestehen Verbindungen Richtung Osten und Westen, über die B143 Richtung Norden und Süden.
- Luftverkehr: Der internationale Flughafen Linz ist in 40 Minuten mit dem PKW zu erreichen.
- Bus: Im Stadtgebiet versorgen mehrere Buslinien den öffentlichen Personennahverkehr mit dem eigenen Citybus.
Öffentliche Einrichtungen
Ried verfügt über ein
Finanzamt, ein Landes- und Bezirksgericht. Ferner ist die Stadt Sitz der Bezirkshauptmannschaft. Seit
1846 gibt es auch ein
Krankenhaus.
Bildungseinrichtungen
Die Entwicklung zur Schulstadt begann mit dem Bau des Gymnasiums im Jahre
1872. Die Stadt ist heute Träger von zwei
Gymnasien dem Bundes Oberstufenrealgymnasium (in der Dr. Thomas Senn-Straße), dem Bundesgymansium und Bundesrealgymnasium (in der Beethovenstraße), drei
Volksschulen, einer
Sonderschule, einer Förderschule (Schmetterlingsschule), zwei öffentlichen
Hauptschulen, einer privaten Hauptschule (Franziskanerinnen) und einer Polytechnischen Schule.
Die Bezirkshauptstadt ist Schulträger der Beruflichen Schulen (Berufschule I für gewerbliche Lehrberufe und Berufschule II für kaufmännische Lehrberufe) und der Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule, sowie der Höheren Bundeslehranstalt und Fachschule für wirtschaftliche Berufe und der Höheren technischen Lehranstalt für Maschineningenieurwesen.
Außerdem gibt es in Ried eine Landesmusikschule und eine Bundeslehranstalt für Kindergartenpädagogik mit Übungskindergarten.
Messestadt
Seit
1867 veranstaltet die Rieder Messeleitung in regelmäßigen Abständen mehrtägige Fachmessen. Der Stellenwert und der Beliebtheitsgrad der Rieder Messe spiegeln sich auch bei den Besucher wider, von denen rund ein Viertel aus dem benachbarten
Bayern kommen. Aber auch Besucher aus
Tschechien,
Slowakei,
Ungarn,
Slowenien,
Italien,
Schweiz,
Liechtenstein sowie Fachdelegationen aus der ganzen Welt wissen die umfassenden Informationsmöglichkeiten bei den Rieder Messen zu schätzen.
Medien
In Ried erscheinen als Wochenzeitung die "Rieder Rundschau", sowie die "Rieder Tips", eine Lokalausgabe der
Oberösterreichischen Nachrichten aus
Linz und das "Rieder Magazin".
Seit 2005 besteht der TV Sender
Ried TV
, welcher lokale Berichte über ein Glasfasernetz ausstrahlt und im Internet veröffentlicht.
Ansässige Unternehmen
Auf industriellem
Gebiet sind heute in Ried z.B. eine Skifabrik mit weltweitem Ruf, ein Flugzeugkomponentenhersteller, eine Bio-Möbelfabrik und die
Produktion hochtechnischer Anlagen zu nennen. Die Stadt beheimatet außerdem zwei Brauereien, welche die lange Geschichte des Bieres im Innviertel hochhalten. Die Kellerbrauerei ist mit ihrer Gründung im Jahre
1446 die älteste Privatbrauerei Österreichs. Die Brauerei Ried wurde
1536 gegründet und stellt neben
Bier auch
Limonade her.
Sport
Seit dem Aufstieg in die
österreichische Bundesliga 1995 ist die
SV Ried auch im österreichischen Fußball ein Begriff. Zwischen
2003 und
2005 spielte der Verein in der Ersten Liga und kämpfte zunächst erfolglos um den Aufstieg, welcher allerdings dann im zweiten Versuch in der Saison 2004/2005 gelang. Durch den Meistertitel in der Ersten Liga stieg die SV Ried wieder in die Bundesliga auf.
Kultur
Familie Schwanthaler
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Die Wurzeln der
Bildhauerfamilie Schwanthaler sind in Ried.
1632 kam
Hans Schwabenthaler, später Schwanthaler, nach Ried und bis
1838 hatte die Familie hier ihre Werkstätte. Sein Sohn
Thomas Schwanthaler fertigte den Hochaltar und die Ölberggruppe der Rieder Stadtpfarrkirche. Zahlreiche Werke der Familie sind bis heute vor allem in Kirchen in
Oberösterreich und im
Innviertler Volkskundehaus erhalten.
Kirchen und Klöster
- Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul
- Altkatholische-Christuskirche
- Dreifaltigkeitskirche Riedberg
- Kapuzinerkirche
- Methodistenkirche
- Neuapostolischekirche
- Kapuzinerkloster
- Redemptoristinnenkloster St. Anna
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
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-
- Hans Blietel wurde als ein Märtyrer der Hutterer um 1545 in Ried zum Feuertod verurteilt.
- Hans Schwabenthaler kommt 1632 nach Ried und stirbt 1682.
- Thomas Schwanthaler *1634.
- Bonaventura Schwanthaler *1678.
- Franz Stelzhamer *1802 †1874, Mundartdichter des bayrisch-österreichischen Raumes verbrachte große Teile seines Lebens in Ried. Auf dem Stelzhamerplatz ist ihm ein Denkmal gewidmet.
- Emmy Woitsch, * 9. Juni 1894 †1981, Malerin.
- Ernst Kaltenbrunner *1903, Leiter des Reichssicherheitshauptamtes Nazideutschlands, somit unter anderem Chef der Gestapo, Reichskriminalpolizeiamtes und des Sicherheitsdienstes. Beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess zum Tode verurteilt und am 16. Oktober 1946 hingerichtet.
- Daria Karanowicz, *1908, Musikerin.
- Ludwig Pasch, *1919 Schriftsteller und Gründer der Innviertler Schulspatzen.
- Anton Zeilinger, *1945, Physiker, der den Spitznamen "Mr. Beam" trägt.
- Sybil Danning, * 24. Mai 1949, Hollywood-Schauspielerin.
- Wilhelm Dachauer, * 5. April 1881, †1951, Maler.
- August Humer, *1947, Organist und Cembalist.
Sonstiges
- Stadtpark
- Volksgarten
- Eislaufhalle
- Hallen- und Schwimmbad
- Fußballstadion
- Leichtathletikstadion
- Biermuseum im Kellerbräu
- Museum Innviertler Volkskundehaus
- Panzergrenadierbataillon 13 ist in der "General-Zehner-Kaserne" stationiert.
Literatur
Der Bundschuh ist eine jährlich erscheinende Schriftenreihe und enthält Heimatkundliches aus dem Inn- und Hausruckviertel. Herausgegeben im Auftrag des Museums
Innviertler Volkskundehaus. Band I erschien erstmals 1989. -ISBN 3-900847-54-1
Die Schwanthaler-Stadt Ried, Geschichte und Gegenwart, 1999. -ISBN 3-900-847-57-6
Ried im Innkreis in alten Ansichten, 2001. -ISBN 90-288-6677-9
Häuserbuch der Stadt Ried, 2002. -ISBN 3-902121-17-3
Weblinks
Ort in Oberösterreich
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