Die Riechschleimhaut bei Menschen und Säugetieren (regio olfactoria oder Riechepithel) enthält die Sinneszellen des Geruchsinns. Sie ist jene Schleimhaut, mit der die Nasenhöhle im obersten Bereich ausgekleidet ist. Die Chemorezeptoren der Riechzellen sind dafür verantwortlich, dass wir eine Vielzahl von Gerüchen aufnehmen und unterscheiden können.
Bei anderen Tierstämmen können die Riechzellen an völlig anderen Körperstellen sitzen - wie bei Insekten und vielen Wassertieren an den Fühlern.
Die Riechsinneszellen erneuern sich alle 1-2 Monate durch ausdifferenzierte Basalzellen (Stammzellen), während die alten Riechzellen durch Apoptose zugrunde gehen. Erst diese erstaunliche, fortlaufende Regeneration hat zur Erkenntnis geführt, dass sie auf neuronalen Stammzellen beruht, von deren Existenz man lange Zeit nichts wußte.
In das Epithel der Riechschleimhäute sind beim Menschen etwa 10 - 30 Millionen Riechsinneszellen (olfaktorische Rezeptorzellen) eingebettet (ein Hund hat etwa 250 Millionen Riechzellen, ein Aal fast 1 Milliarde). Aus jeder dieser Zellen ragen 5-20 Härchen (Zilien) mit speziellen Chemorezeptoren in die Schleimhaut hinaus, deren dünner Überzug Mukus genannt wird. Auf die dort mit der Atemluft eintreffenden Duftmoleküle sprechen die Rezeptoren an.
Von ihnen gibt es etwa 350 verschiedene Arten, deren jede nur auf eine bestimmte Duftmolekülgruppe reagiert, die wie ein Schlüssel ins Schloss passen muss. Die Molekülgruppen unterscheiden sich sowohl in der Form als auch durch ihre Elektrizität. Die Kombination der angesprochenen Rezeptoren ergibt eine Geruchsmischung, die mehrere tausend Varianten haben kann.
Die von den Riechzellen ausgehenden Nervenfasern (Axone) werden zu tausenden gebündelt, um eine Filterung und Vorverarbeitung zu ermöglichen. Diese Axon-Bündel ziehen sich dann durch feine Knochenöffnungen des Siebbeins (Lamina cribrosa) zum Riechkolben (Bulbus olfactorius), der als vorgelagerter Hirnteil zu betrachten ist. Der gesamte Riechnerv wird in der Wissenschaft Nervus olfactorius genannt.
Werden die Rezeptoren durch Geruchsmoleküle erregt, entsteht bei ausreichend hoher Konzentration der Moleküle ein Aktionspotenzial am Axonhügel der Riechzelle. Die elektrischen Impulse werden von integrierenden Nervenfasern zusammengefasst, deren Stränge durch die Öffnungen des Siebbeins in den "Riechkolben" weíterziehen (siehe unten).
Ferner enthält der Mukus einige Enzyme (CYP450), die eventuell störende Moleküle bei der Geruchsempfindung deaktivieren, sowie Transportproteine, die für einen besseren Transport der Geruchsmoleküle durch den Mukus zu den Cilien sorgen.
Vom Riechkolben aus verlaufen die Nervenstränge (Axone) nun im Tractus olfactorius zum primären olfaktorischen Kortex (Hirnrinde), zum piriformen Kortex, zum Tuberculum olfactorium und zum Nucleus corticalis der Amygdala. Es bestehen weiterhin Verbindungen zum Hypothalamus und (zum Teil nach Verschaltung im mediodorsalen Kern des Thalamus) zum orbito-frontalen Assoziationskortex (Sitz der Persönlichkeit)
Die Riechfunktion schützt die Atemorgane und den gesamten Organismus vor schädlichen Einflüssen, z.B. giftigen (meist übel riechenden) Gasen (Ausnahme: Kohlenmonoxid ist geruchlos!). Angenehme Gerüche lösen Sekretionsreflexe aus, z.B. „läuft einem“ bei Geruch nach leckerem Essen “das Wasser im Munde zusammen”. Andererseits können schlechte Gerüche Brechreiz verursachen. Es besteht also ein enger Zusammenhang zwischen Geruchsempfindung und dem unbewusst arbeitenden Teil des Nervensystems (vegetatives Nervensystem), der alle inneren Funktionen im Organismus steuert, z.B. Organfunktionen, Hormonproduktion, das gesamte “Fühlen“ und psychische Empfinden. Hierbei hat jedoch das Riechen nur zu einem Teil Einfluss auf diese Funktionen.
Dass Tiere meist besser riechen können als Menschen, liegt an der Anzahl der Riechzellen. So hat ein Hund etwa 250 Millionen davon - also rund 10mal mehr als der Mensch - und ein Aal fast 1 Milliarde. Im Wasser ist der Geruchsinn noch wichtiger als zu Lande, seine Funktionsweise allerdings in einigen Details verschieden.
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