Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn zählt zu den größten und zu den bedeutendsten Hochschulen in Deutschland. Sie genießt den Ruf einer traditionsbewussten Forschungsuniversität von internationalem Rang. Im Wintersemester 2006 hatte die Universität Bonn 31.864 Studentinnen und Studenten.
Geschichte
Vorgänger der Bonner Universität war die
Kurkölnische Universität, die 1777 als
Akademie mit den 4
Fakultäten für Gottes-, Rechts-, Arznei- und Weltgelehrtheit gegründet wurde.
1784 verlieh Kaiser
Joseph II. das Recht zur Verleihung des im ganzen Reich anerkannten Grades des Licentiaten und des Doktors, damit stieg die Akademie zur Universität auf.
1798 wurde die
Kurkölnische Universität durch die Angliederung des linken
Rheinufers durch die
Franzosen aufgehoben.
Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn wurde am 18. Oktober 1818 von König Friedrich Wilhelm III als sechste preußische Universität neben der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Königsberg, der Universität Halle (Saale) und der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau gegründet. Anlass für die Gründung war der Wille, für die beiden neuen preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen eine akademische Ausbildungsstätte zu schaffen. Die Wahl fiel aus mehreren Gründen auf Bonn: Zunächst war durch die beiden leerstehenden erzbischöflichen Schlösser hier ein für den Anfang ausreichendes Raumangebot vorhanden. Dann wollte man ein deutliches Zeichen für einen Neuanfang auch im universitären Bereich setzen. Daher wurde die Kölner Universität nicht wiederbegründet. Die am 14. Oktober 1655 gegründete alte Duisburger Universität wurde im Jahr der Universitätsgründung in Bonn aufgelöst. Das Zepter und große Teile der Universitätsbibliothek Duisburg gingen nach Bonn, sodass die Bonner Universität insoweit Nachfolgerin der Duisburger Hochschule ist. Ausserdem hatte die kurkölnische Universität als Vorläufer zwar nur wenige Jahre Bestand, doch galt sie als eine Universität, die von der Aufklärung geprägt war, was gut in die preußischen Bildungsideale passte.
- 1777 Gründung der Kurfürstlichen Akademie Bonn
- 1783 Gründung der Kurkölnischen Universität Bonn
- 1798 Aufhebung der Kurkölnischen Universität Bonn
- 18. Oktober 1818 Gründung
- 18. Oktober 1944 Ein Bombenangriff zerstört das Hauptgebäude der Universität
Standorte und Architektur
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Die Universität Bonn ist keine Campusuniversität, sondern verteilt sich auf mehrere Standorte im ganzen Stadtgebiet.
Im Hauptgebäude, dem ehemaligen kurfürstlichen Schloss direkt am Rand der Innenstadt, sowie in einigen modernen Gebäuden in der Umgebung (etwa dem Juridicum) befinden sich der Großteil der Philosophischen, Theologischen und Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultäten. Die Naturwissenschaftler konzentrieren sich in Poppelsdorf, wo neben dem Poppelsdorfer Schloss Institutsgebäude aus dem 19. Jahrhundert und moderne Bürobauten vorherrschen.
Die Informatik und Psychologie sind in der ehemaligen pädagogischen Hochschule in Bonn-Castell untergebracht. Dieses Gebäude aus den Sechzigern soll aber mittelfristig aufgegeben, die Universitätseinrichtungen verlegt werden (u.a. gibt es eine hohe Belastung durch Polychlorierte Biphenyle im Gebäude, weswegen die Universitätsleitung Schwangeren vom Aufenthalt im Gebäude abrät).
Die Medizin sitzt auf dem Venusberg hinter Poppelsdorf. Einzelne Institute und Einrichtungen sind noch weiter verteilt, etwa die Astronomie und Teile der Chemie in Endenich.
Insgesamt verfügt die Universität 371 Gebäude. Dazu gehören neben den wissenschaftlich und zur Verwaltung genutzten Liegenschaften auch vier Mensen und 34 Studentenwohnheime mit ca. 4.000 Zimmern.
Im Zuge einer Neustrukturierung wird von der Universitätsleitung angestrebt, sich von der dezentralen Struktur auf vier Schwerpunktstandorte zu konzentrieren: dem Campus City mit der Philosophischen Fakultät, den Theologischen Fakultäten und der Staatswissenschaftlichen Fakultät, dem Campus Poppelsdorf mit der Landwirtschaftlichen Fakultät und Teilen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, dem Campus Endenich mit den übrigen Teilen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät und den in einem Neubau unterzubringenden Rechtswissenschaften, sowie der Medizin auf dem Venusberg.
Fakultäten
Evangelisch-Theologische Fakultät
Seit 1819 gibt es die Evangelisch-Theologische Fakultät an der Universität Bonn. Die thematischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen „Texte der Theologie“, „
Historische Theologie“, „Theorie der Theologie“, „Theologie im Dialog mit den Humanwissenschaften“ und „
Ökumene“. Weitere Institute der Fakultät sind das „Institut für Hermeneutik“ und das „Institut für Ökoumene“. Die Fakultät ist im Hauptgebäude der Universität untergebracht, wo sich auch die
Evangelische Schloßkirche befindet. Sie betreibt ein eigenes Wohnheim für Studierende der evangelischen Theologie. Mit circa 150 Studierende ist sie eine der kleinsten Fakultäten der Universität.
Katholisch-Theologische Fakultät
Ebenfalls 1819 wurde auch die Katholisch-Theologische Fakultät gegründet und umfasst heute 15 Lehrstühle. Eine Besonderheit ist die Arbeitsstelle für
Theologische Genderforschung. Mit circa 350 Studenten ist sie ebenfalls eine der kleinsten Fakultäten der Universität.
Landwirtschaftliche Fakultät
Die Landwirtschaftliche Fakultät hat ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte in den Bereichen „Lebensmittel und Ernährung“ sowie „Erfassung, nachhaltige Nutzung und Gestaltung des Raumes“. Besonders die Studiengänge
Ökotrophologie und
Geoinformationssysteme erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei Studenten. Standort der Fakultät ist Poppelsdorf. Die Fakultät hat circa 2300 Studenten.
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät umfasst die Fachgruppen Mathematik/Informatik, Physik/Astronomie, Chemie, Erdwissenschaften, Biologie und Pharmazie. Der Standort der Fakultät verteilt sich auf die Stadtteile Castell, Endenich und Poppelsdorf. Zur Zeit hat die Fakultät ein
DFG-
Graduiertenkolleg zum Thema „Homotopie und Kohomologie“. Mit circa 6400 Studenten ist sie eine der größten Fakultäten der Universität.
Medizinische Fakultät
Die Medizinische Fakultät hat ihre Schwerpunkte in den Bereichen „Neurowissenschaften“, „Genetische Grundlagen und genetische Epidemiologie menschlicher Erkrankungen“, „Hepato-Gastroenterologie“, „Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems“ und „Immunologie und Infektiologie“. Im Bereich der Krankenversorgung besteht eine Kooperation mit dem
Universitätsklinikum Bonn. Der Großteil der Gebäude befindet sich auf dem Venusberg, einzelne Institute sind jedoch auch im Stadtzentrum. An der Fakultät studieren circa 2500 Studenten.
Philosophische Fakultät
Im Zuge einer Neustrukturierung der Fakultät, haben sich zehn Fachbereiche herausgearbeitet:
- Institut für Philosophie
- Institut für Psychologie
- Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie
- Institut für Geschichtswissenschaft
- Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft
- Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie
- Institut für Griechische und Lateinische Philologie, Romanistik und Altamerikanistik
- Institut für Orient- und Asienwissenschaften
- Institut für Kommunikationswissenschaften
- Institut für Kunstgeschichte und Archäologie
- Institut für Sportwissenschaft und Sport
Des weiteren werden folgende interdisziplinäre Zentren eingerichtet:
- Zentrum für Evaluation und Methoden (ZEM)
- Zentrum für Alternskulturen (ZAK)
- Zentrum für Historische Grundlagen der Gegenwart (ZHGG)
- Centre for the Classical Tradition (CCT)
- Bonner Mittelalterzentrum (BMZ)
- Zentrum für Kulturwissenschaft/Cultural Studies (ZfKW)
Mit mehr als 11000 Studenten ist sie die größte Fakultät der Universität.
Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät
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Fachbereich Rechtswissenschaften
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Interdisziplinäre Projekte
- Zentrum für Europäische Integrationsforschung/Center for European Integration Studies, ZEI
- Zentrum für Fernerkundung der Landoberfläche, ZFL
- Life and Medical Sciences Bonn, LIMES
- Technologiezentrum Geoinformationssysteme, TZGIS
- Zentrum für Geosystemforschung, ZEGEF
Externe Angliederungen
Weitere Einrichtungen
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Nobelpreisträger
Bekannte Gelehrte
- Friedrich Wilhelm August Argelander (1799–1875), Astronomie
- Ernst Moritz Arndt (1769–1860), Geschichtswissenschaft
- Karl Barth (1886–1968), Theologie
- Bruno Bauer (1809–1882), Theologie
- Klaus Borchard (* 1938), Städtebau und Siedlungswesen, Altrektor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität
- Karl Dietrich Bracher (* 1922), Politikwissenschaft
- Franz Bücheler (1837–1908), Philologie
- Rudolf Julius Emanuel Clausius, (1822-1888), Physik
- Ernst Robert Curtius (1886–1956), Romanistik
- Udo Di Fabio (* 1954), Rechtswissenschaften
- Franz Joseph Dölger (1879–1940), Kirchenhistoriker, Religionswissenschaftler, Christlicher Archäologe
- Heinrich Karl Erben (1921–1997), Paläontologie
- Gerd Faltings (* 1954) Mathematik, Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis 1996
- Werner Flume (* 1908), Rechtswissenschaften
- Edmund Gassner (1908–2004), Städtebau und Siedlungswesen, Altrektor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität
- Heinrich Geißler (1814–1879), Physik
- Erich Grässer (* 1927), Theologie
- Peter Alois Gratz (1769–1849), Theologie
- Leonhard Grebe (1883–1967), Physiker, Röntgenforschungsinstitut Röntgen-Plakette 1952
- Günter Harder (* 1938), Mathematik, Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis 1988
- Felix Hausdorff (1868–1942), Mathematik
- Hermann von Helmholtz (1821–1894), Anatomie und Physiologie
- Georg Hermes (1775–1831), Theologie
- Heinrich Hertz (1857–1894), Physik
- Friedrich Hirzebruch (* 1927), Mathematik
- Josef Isensee (* 1937), Rechtswissenschaften
- Paul Kahle (1875–1964), Orientalistik
- Gottfried Kinkel (1815–1882), Theologie, Kunst– und Literaturgeschichte
- Karl Christoph Klauer (* 1961), Psychologie, Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis 2004
- Theodor Klauser (1894–1984), Kirchenhistoriker, Liturgiewissenschaftler, Chrsitlicher Archäologe
- Volker Kronenberg (*1971), Politische Wissenschaft
- Wilhelm Levison (1876–1947), Geschichtswissenschaft
- Rudolf Lipschitz, (1832–1903), Mathematik
- Theodor Litt (1880–1962), Pädagogik
- Christian Friedrich Nasse, (1748–1851) Psychiatrie
- Barthold Georg Niebuhr (1776–1831), Geschichtswissenschaft
- Carl Friedrich Johannes von Noorden (1833–1883), Historiker
- Felix Otto (* 1966), Mathematik, Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis 2006
- Wolfgang Paul (1913–1993), Physik
- Carl Adam Petri (* 1926), Informatik
- Wilhelm Pfeffer (1845–1920), Botanik
- Alfred Philippson(1864–1953), Geografie
- Julius Plücker(1801–1868), Mathematik und Physik
- Joseph Ratzinger (* 1927), seit 2005 Papst Benedikt XVI., Theologie
- Ferdinand von Richthofen (1833–1905), Geografie
- Friedrich Wilhelm Ritschl (1806–1876), Philologie
- Helmut Roth (1941–2003), Archäologe
- Ulrich Scheuner (1903–1981), Staatsrecht
- Annemarie Schimmel (1922–2003), Islamwissenschaft
- August Wilhelm Schlegel (1767–1845), Literatur– und Geisteswissenschaft
- Johannes Schmidt (1843–1901), Indogermanistik/Slawistik
- Karsten Schmidt (* 1939), Rechtswissenschaften
- Carl Schmitt (1888–1985), Rechtswissenschaften
- Eulogius Schneider (1756–1794), Theologie
- Arnold Schönhage (* 1934), Informatik
- Aloys Schulte (1857–1941), Geschichtswissenschaft
- Joseph Schumpeter (1883–1950), Nationalökonomie
- Reinhard Selten (* 1930), Volkswirtschaftslehre, Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 1994
- Karl Simrock (1802–1872), Germanistik
- Friedrich August Kekulé von Stradonitz (1829–1896), Chemie
- Eduard Strasburger (1844–1912 Bonn), Botaniker
- Otto Toeplitz (1881–1940), Mathematik
- Carl Troll (1899–1975), Geographie
- Otto Wallach (1847–1931), Chemie
Bekannte Studenten
- Konrad Adenauer, Rechtswissenschaft, Politiker
- Norbert Blüm, Philosophie, Germanistik, Geschichte und Theologie, Politiker
- Tom Buhrow, Geschichte und Politikwissenschaften, Journalist
- Heinrich Bürgers, Philologie, Journalist und Politiker
- Michael Breuer, Volkswirtschaftslehre, Politiker
- Heinrich Brüning, Volkswirtschaftslehre, Politiker und Reichskanzler
- Paul Deussen, Philosophie und Theologie, Philosoph, Indologe
- Konrad Duden, Philologie
- Max Ernst, Kunstgeschichte, Maler und Bildhauer
- Carl Remigius Fresenius, Chemie, Chemiker
- Abraham Geiger, Arabistik, Rabbiner
- Joseph Goebbels, Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte, nationalsozialistischer Politiker
- Willi Graf, Medizin, Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose
- Jürgen Habermas, Philosophie, Geschichte und Psychologie, Philosoph und Soziologe
- Hannes Heer, Literaturwissenschaft und Geschichtswissenschaft, Historiker
- Heinrich Heine, Rechtswissenschaft, Schriftsteller
- August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, eigentl. August Heinrich Hoffmann, Liederdichter
- Paul Heyse, Schriftsteller
- Oskar Lafontaine, Physik, Politiker
- Walter Markov, Geschichte, Historiker und Widerstandskämpfer
- Karl Marx, Rechtswissenschaft, Geschichte und Philosophie, Schriftsteller und Philosoph
- Andrea Nahles, Literaturwissenschaft, Politikerin
- Ingrid Noll, Germanistik und Kunstwisschenschaft, Schriftstellerin
- Friedrich Nietzsche, Philosophie und Theologie, Schriftsteller
- Luigi Pirandello, Romanistik, italienischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger
- Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, Philosophie, Prinzgemahl
- Rudolf Scharping, Politikwissenschaften, Soziologie und Rechtswissenschaften, Politiker
- August Schleicher, klassische Philologie, Sprachwissenschaftler
- Robert Schuman, Rechtswissenschaft, französischer Politiker
- Carl Schurz, Philologie und Geschichte, Revolutionär und Politiker
- Paul Sethe, Publizist
- Karin Struck, Romanistik und Germanistik, Schriftstellerin
- Ignatz Urban, Botaniker
- Dieter Wellershoff, Germanistik, Schriftsteller
- Guido Westerwelle, Rechtswissenschaften, Politiker
- Ulrich Wickert, Politik und Rechtswissenschaften, Journalist und Moderator
- Josef Winckler, Zahnmedizin, Schriftsteller
- Wilhelm II., Kaiser
- Friedrich Wolf, Medizin, Philosophie und Kunstgeschichte, Arzt und Schriftsteller
Ehrendoktoren
- Franz Anton Ries 1845 verliehen
- Thomas Mann 1919 verliehen, 1936 entzogen, 1946 zurückgegeben
- Prof. Dr. Olga Alexandrowna Ladyschenskaja, Mathematik, 2002
- Prof. Dr. Henryk Muszyński, Erzbischof und Metropolit von Gnesen, Kath. Theologie, 2003
- Prof. Dr. Rowan Williams, Erzbischof von Canterbury, Ev. Theologie, 2004
Weblinks
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