Die
Stadt Rheinberg liegt am unteren
Niederrhein im Nordwesten des
Ruhrgebiets im
Bundesland Nordrhein-Westfalen und ist eine
Mittlere kreisangehörige Stadt des
Kreises Wesel im
Regierungsbezirk Düsseldorf und im
Regionalverband Ruhr.
Geographie
Räumliche Lage
Die Stadt Rheinberg liegt in der
Niederrheinischen Tiefebene, 15 km südlich der Kreisstadt
Wesel und 11 km nördlich von
Moers. Im Nordosten wird das Stadtgebiet durch den
Rhein begrenzt, der die Grundlage der Naturschutzgebiete
Rheinvorland im Orsoyer Rheinbogen,
Rheinvorland nördlich der Ossenberger Schleuse und
Rheinvorland östlich von Wallach bildet.
Stadtgliederung
Rheinberg gliedert sich in die vier Stadtbezirke
Borth,
Budberg,
Orsoy und Rheinberg, die die 15
Wohnplätze Alpsray,
Annaberg,
Borth,
Budberg,
Eversael,
Millingen,
Mühlenhof,
Orsoy,
Orsoyerberg,
Ossenberg, Rheinberger Stadtkern mit
Lützenhof,
Vierbaum,
Wallach,
Winterswick und
Xantener Straße mit
Binnefeld unfassen.
Nachbargemeinden/-städte
Geschichte
Das Zentrum des Ortes ist von einem zu über 90 % erhaltenen, ehemaligen Wallgraben umgeben, der in der Zeit zwischen
1290 und
1359 erbaut wurde. Zu jener Zeit hieß der seit 1233 mit
Stadtrechten ausgestattete Ort
Berka. Der trockengelegte Wallgraben ist in seinem heutigen Aussehen die einzig erhaltene Anlage dieser Art in Nordrhein-Westfalen. Er war Teil des ersten Befestigungsringes, zu welchem Verteidigungsanlagen wie
Stadtmauer, Katzen, die
kurkölnische Landesburg und der „Pulverturm“ genannte Zollturm gehörten. Nach der Fertigstellung von Anlagen dieser Art wurde eine Stadt als
Feste Stadt bezeichnet, wobei die Katzen, die Burg und der Zollturm Eigenheiten Rheinbergs waren.
Der Bau des zweiten Befestigungsring erfolgte mit dem Ausbau Rheinbergs zur „Festung Rhijnberg“ ab dem Jahre 1580. Zu diesem Befestigungsring gehörten die Verteidigungsanlagen außerhalb des Stadtgrabens: Hauptwall (Kurtine) mit neun Bollwerken, Hauptgraben mit zehn Außenwerken (im Wasser des Hauptgrabens liegende Anlagen wie Barbakane, Lünette, Ravelin, „Halber Mond“ usw.). Der dritte Befestigungsring, auch außerhalb des Hauptgrabens liegend, umfasste als Verteidigungsanlagen einen gedeckten Weg mit Niederwall und Glacis. Mit der Fertigstellung dieser Anlagen war Rheinberg, etwa gegen 1636, eine Festung nach „altniederländischer Baumanier“, genau: irregulär altniederländisch. Im Klartext heißt das: alles außerhalb der Stadtmauer war aus Erde.
Die größte Leidenszeit mussten die Rheinberger während des 80 Jahre dauernden niederländischen Befreiungskrieges erdulden. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1648 gingen die Kämpfe in Rheinberg weiter. Es wechselten sich während der gesamten Zeit spanische, französische, niederländische, englische und zuletzt preußische Truppen ab. Die Stadt galt in dieser Zeit als Spielball der Krieg führenden Mächte: „Rheinberg war eine Hure des Krieges“. Nach 1704 wurden die Festungsanlagen niedergelegt. Unter Niederlegung verstand man im Rheinberger Fall eine "Rasur", das bedeutete: bis auf die Grundmauern. Gleichwohl sind ihre als Erdwerke errichteten Anlagen als Reste heutzutage noch gut im nördlichen und östlichen Teil der Stadt zu erkennen.
Gebietsreform
Rheinberg gehörte in vorrevolutionärer Zeit(etwa seit dem Jahre 1100) zum kurkölnischen Amt Rheinberg, das unter anderem
1815 auf dem
Wiener Kongress dem Königreich
Preußen zugeschlagen wurde. Daraufhin kam Rheinberg im Zuge der Preußischen Verwaltungsorganisation am
23. April 1816 zum Landkreis Rheinberg als einem von über 40 Landkreisen der
Provinz Jülich-Kleve-Berg, der späteren
Rheinprovinz, die aber schon
1823 mit dem
Landkreis Geldern vereinigt wurde. Diese Vereinigung wurde bereits
1857 rückgängig gemacht. Von da ab gehörte Rheinberg zum
Landkreis Moers. Am
1. Januar 1975 wurden im Zuge des 2.
Neugliederungsprogramms die bis dahin selbstständige Stadt Orsoy und die ehemals selbstständigen Gemeinden Borth und Budberg in die Stadt Rheinberg eingegliedert. Seit dem
1. Januar 1975 gehört Rheinberg zum
Kreis Wesel, in dem der frühere Kreis Moers aufging.
Politik
Stadtrat
Bürgermeister der Stadt Rheinberg ist Hans-Theo Mennicken (parteilos).
Die stellvertretenden Bürgermeister sind Sibylle Kisters (SPD) und Peter Maas (CDU).
Die 42 Sitze im Stadtrat verteilen sich nach dem Ergebnis der Kommunalwahl 2004 folgendermaßen auf die einzelnen Parteien:
Städtepartnerschaften
Kultur und Sehenswürdigkeiten
- Der Zuff (Kulturzentrum)
- Haus "Im Scheffel"
- Pulverturm
- Pfarrhaus
- Fossa Eugeniana
- Evang. Kirche
- Underberg Stammhaus
- Spanischer Vallan
- Kamper Hof
- Englischer Soldatenfriedhof
- Ehemalige Synagoge
- Stadthaus Rheinberg (Rathaus mit Veranstaltungshalle), Architekt Gottfried Böhm
Alte Kellnerei
Das Gebäude der Alten Kellnerei wurde 1573 als Wirtschaftsgebäude der ehemaligen kurkölnischen Landesburg erbaut, das heißt es war Pferdestall (Marsstall) und Getreidelager. Die Kellnerei ist mit einer Länge von 54,88 Meter und einer Breite von 12,18 Meter ein großes Gebäude. Die Bauzeit des Gebäudes fiel in die Amtszeit des Kölner Erzbischofs Salentin (1567 - 1577). Die Amtswalter der Erzbischöfe die "Kellner" nutzten die Kellnerei nicht nur als Magazin sondern auch als Amtssitz.
- Ausstattung, hierzu gehören als eine Einmaligkeit im Rheinland, die farbigen Decken im Erdgeschoß aus dem 17. Jahrhundert. Das Erdgeschoß weist Secco-Wandmalereien aus dem 18. Jahrhundert auf.
- Neue Nutzung. Im Mai 1911, private höhere Mädchenschule. Nach 1962 Wohnungen. August 1979, die Stadt Rheinberg wird Eigentümer der Kellnerei, 1987 wird mit Renovierungs- und Umbauarbeiten begonnen. Unter Denkmalschutz seit dem Jahre 1984. Untergebracht im heute öffentlichen Gebäude ist eine Musikschule, sowie das Gesamtarchiv der Stadt Rheinberg.
Der Kellner war ein kurkölnischer Beamter, er stand in der Reihenfolge hinter dem Amtmann und Schultheißen. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts werden in den kurkölnischen Amtsverwaltungen die ersten Kellner geführt.
- Die ersten Kellner standen in der Funktion eines Rentmeisters, der erste in Rheinberg 1392.
- Der Aufgabenbereich umfasste die Erhebung und Abrechnung aller zum Amt gehörenden landesherrlichen Einkünfte. Weiter war ein Kellner für die bauliche Unterhaltung der im bischöflichen Besitz stehende Baulichkeiten zuständig.
- Vorsitz des Erb,- Hof,- und Baugerichtes.
Ehrenmahnmal
- Das Ehrenmahnmal symbolisiert zwei betende Hände von ca. 8 Meter Höhe. Bei der Einweihung wurde dem Mahnmal der Name "Tor der Toten" gegeben. Das Baumaterial sollte aus Rheinbergs Umgebung kommen, deshalb wurde Rheinsand und Rheinkies mit einer groben Körnung verwendet.
Altes Rathaus
Gotischer Baustil, erbaut im Jahre 1449.
Kath. Kirche St.Peter
Die katholische Pfarrkirche St. Peter feiert im Jahre 2006 die 900 Jahrfeier.
Die Kirche wurde erbaut als romanische Basilika.
Hierzu gehört der ca. 53 m hohe Westturm mit dem dahinter liegenden Langschiff.
Die heutige Höhe und Länge des Langschiffs war allerdings nicht der ursprüngliche Bau.
Die Länge betrug ca. 26 m, die Höhe war um etwas mehr als die Hälfte kleiner.
1392 wurde der gotische Hallenchor errichtet. 1427 erfolgte die Erhöhung des Langschiffes
(4 jochiges Langhaus, Mittelschiff mit basikalem Querschnitt) auf die heutige Höhe mit einer gotischen Gewölbedecke.
Ende 1500 kamen die gotischen Seitenschiffe hinzu. Der Chorumgang ist 1633 erbaut worden.
Museen
Pumpennachbarschaften
Ein wichtiger historischer Aspekt des kulturellen Lebens in Rheinberg sind die historischen
Pumpennachbarschaften. Hierbei handelt es sich um nachbarschaftliche Zusammenschlüsse einzelner Straßenzüge, die ihren Ursprung in der Sicherung der gemeinsamen Wasserversorgung haben.
Parks
- Stadtpark, angelegt in den 1920er Jahren, mit teilweise denkmalgeschützten Underberg-Freibad
Regelmäßige Veranstaltungen
- - Music Art Project*
- Schützenfest
- Karneval; insbesondere der Rosenmontagszug
- Ausrichter: Rhinberkse Jonges (Karnevalsverein)
- Rosenmontag 14:00 Uhr alle zwei Jahre, nächster Termin 2007.
Infrastruktur und Wirtschaft
Verkehr
Flugverkehr
Die Flughäfen
Düsseldorf und
Niederrhein sind jeweils ca. 30 Minuten entfernt.
Schienenverkehr
Im
Schienenpersonennahverkehr ist die Stadt Rheinberg über zwei
Bahnhöfe erreichbar,
- den Bahnhof „Rheinberg (Rheinland)“, der ungefähr 1500 m in westlicher Richtung vom Stadtzentrum entfernt ist, und
- den Bahnhof "Millingen (bei Rheinberg)".
Beide Stationen liegen an der
Niederrheinstrecke Duisburg -
Xanten (
KBS 498). Die Strecke ist zwischen Xanten und
Moers-Rheinkamp eine eingleisige Nebenbahn, die ab Rheinberg-Millingen in Richtung Duisburg elektrifiziert ist. In Moers-Rheinkamp wird die Strecke zu einer zweigleisigen Hauptstrecke.
Die Strecke wird im Personenverkehr täglich im Stundentakt von der
Regionalbahn „Der Niederrheiner“
(RB 31) von
Xanten über Moers nach Duisburg bedient.
Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr von der DB Regio NRW, die Dieseltriebwagen „Talent“ der Firma Bombardier Transportation (DB-Baureihe 643) einsetzt.
Für den gesamten Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gilt der Tarif der Verkehrsgemeinschaft Niederrhein (VGN) und tarifraumüberschreitend der NRW-Tarif.
Straßen
Rheinberg ist durch die
Bundesautobahnen
A 42 und
A 57 (
E 31) sowie die
Bundesstraßen
B 57 und
B 510 an das
Fernstraßennetz angebunden.
Von Rheinberg-Orsoy nach
Duisburg-
Walsum verkehrt eine
Autofähre (Rheinkilometer 793).
Wasserstraßen und Häfen
Am
Rhein wird im Ortsteil
Orsoy der Hafen Orsoy (Rheinkilometer 794) betrieben.Etwa 100m oberhalb besteht eine Fährverbindung zur rechtsrheinischen Rheinseite. Das heißt: von Rheinberg - Orsoy nach Duisburg - Walsum.
Wirtschaft
Die örtliche Industrie ist unter anderem von den chemischen Produktionsstätten der Deutsche
Solvay-Werke geprägt. Außerdem ist die Umgebung durch den Steinsalzbergbau der
ESCO bekannt. Die früher starke Textilindustrie (Firma
Herbert Reichel) ist heute nicht mehr existent. Nach einigen Jahren reiner Verwaltungstätigkeiten produziert die
Underberg KG wieder ihren bekannten Magenbitter in Rheinberg; die Abfüllung ist allerdings weiterhin in
Berlin-Heiligensee.
Die Messe Niederrhein konnte im Jahr 2003 370.000 Besucher verzeichnen. 2004 wurde ein Logistikzentrum des Discounters Aldi eröffnet.
In die Schlagzeilen kommt die Stadt vermehrt seit April 2003 mit dem sogenannten Future Store des Metro-Konzerns, der durch bei Datenschützern nicht immer willkommene technische Neuerungen auffällt und als Testlabor der Metro gilt.
Unternehmen
- Deutsche Solvay Werke
- Hubert Underberg KG
- Aumund (Fördertechnik)
- ESCO (Salzbergbau)
Medien
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Persönlichkeiten mit Bezug zu Rheinberg
- Jürgen W. Möllemann (*1945 in Augsburg, †2003 in Marl-Loemühle), ehemaliger Bundesminister, besuchte das Amplonius-Gymnasium
- Isabell Werth (*1969 in Sevelen), Dressurreiterin und Olympiasiegerin, besuchte das Amplonius-Gymnasium
- Claudia Schiffer (*1970 in Düsseldorf), Model, aufgewachsen in Rheinberg
Literatur
- Ute Geißler: Die Stadt Rheinberg am Niederrhein und ihre Befestigungsanlagen
Weblinks
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