Das Rezitativ (von lat. "vortragen") ist ein dem Sprechen angenäherter, formal relativ freier Gesang in einer Oper, Kantate, Messe oder im Oratorium.
Das Rezitativ besteht eher aus einem Sagen (Diegesis), und eine Arie, ein Chor oder eine Tanznummer eher aus einem Zeigen (Mimesis). Diese Gegenüberstellung deutet auf eine Verarbeitung platonischer und aristotelischer Theorie in seiner Entstehungszeit um 1600 (vgl. Jacopo Peri und die Florentiner Camerata). In Claudio Monteverdis Combattimento di Tancredi e Clorinda (1624) berichtet ein Erzähler (Testo, „Zeuge“) rezitativisch dIe Handlung, und in tänzerischen Einschüben, die auch parallel zur Erzählung verlaufen, wird der Kampf der Hauptfiguren „gezeigt“. Die spätere deutliche Schnittstelle zwischen Rezitativ und Arie und der Verzicht auf Zwischenformen (wie das Arioso) sind dagegen eine Folge der quasi „industriellen“ Produktion von Opern, die es ungefähr seit der Mitte des 17. Jahrhunderts gab.
Eine bekannte Art des Rezitativs ist z. B. der Bericht des Evangelisten in einer Passion. Dazwischen kommen die Akteure wie Christus oder das Volk in Arien und Chören selbst zu Wort (was eine klare Abkehr von der mittelalterlichen Verurteilung der Mimesis bedeutete, denn das Heilsgeschehen sollte einst nur erzählt, nicht gezeigt werden).
In der Oper wurde das Rezitativ der Nummernoper seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von durchkomponierten Formen verdrängt, in denen der Unterschied zwischen Rezitativen und geschlossenen Formen verwischt wird (z. B. bei Richard Wagner).
Neben der dramaturgischen hat das Rezitativ auch die musikalische Funktion, den Tonartwechsel zwischen zwei Einzelsätzen durchzuführen.
Ein Accompagnato-Rezitativ (auch: "recitativo accompagnato", von ital. accompagnare: "begleiten") wird zusätzlich von Melodieinstrumenten oder sogar vom ganzen Orchester begleitet. Hier spiegelt sich der gesungene Text, etwa die dabei empfundene Emotion, in der Orchestersprache. Diese Art des Rezitativs bekommt seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunehmendes Gewicht, etwa in den Opern Glucks. Dem Sagen wurde ein Zeigen überlagert, das man Tonmalerei nannte. Die gemeinsame Deutung und Bekräftigung eines Gesagten durch musikalische Gestik bekam vor der Französischen Revolution einen wachsenden Stellenwert (vgl. auch Melodram (Musik)).
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