Ein Rezept (v. lat.: recipe „nimm“ Arztes, sowie das darauf folgende receptus „erhalten“ Apothekers) ist eine Anleitung für die Mischung, Mischreihenfolge und Verarbeitung von Ausgangsstoffen, um ein bestimmtes Produkt zu erhalten. Rezepte gibt es in verschiedenen Fachbereichen:
Während heutzutage meistens Fertigarzneimittel verordnet werden, waren es früher so gut wie immer individuell anzufertigende Arzneien. Dann enthielt das Rezept auch die Herstell- und Abgabevorschrift. Der Text begann mit Rp. (die lateinische Abkürzung für recipe „nimm“) gefolgt von einer detaillierten Anleitung; z. B. nimm 3 g von diesem, 40 g von jenem, mische, teile in 10 Portionen, gib es dem Patienten und instruiere ihn über die Dosierung. Der ganze Text war traditionell in Latein geschrieben, der traditionellen lingua franca der Gelehrten.
Paragraph 2 der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) regelt, welche Angaben ein Rezept enthalten muss:
Bei tierärztlichen Verschreibungen sind zusätzlich anzugeben:
Für Rezepte für Praxisbedarf, Krankenhäuser, Einrichtungen des Rettungsdienstes, Bordapotheken von Luftfahrzeugen, Tierkliniken oder Zoos usw. gelten vergleichbare Vorschriften.
Man unterscheidet verschreibungspflichtige (rezeptpflichtige) und verschreibungsfreie (rezeptfreie) Arzneimittel. Nur letztere dürfen in der Apotheke ohne Vorlage eines Rezeptes abgegeben werden. In vielen Ländern ist ein ärztliches Rezept notwendig, damit dem Patienten oder der Patientin der Kaufpreis des Medikaments von den Kostenträgern erstattet wird.
In Deutschland ist ein Rezept ist allgemein 3 Monate gültig. Davon unberührt ist die Erstattungsfähigkeit durch die Kostenträger, die z. B. bei den gesetzlichen Krankenversicherungen in der Regel 1 Monat (bzw. 2 Monate) beträgt.
Der Arzt, Zahnarzt oder Tierarzt kann nicht nur Arzneimittel, sondern ebenso bestimmte Behandlungsmaßnahmen (Heilmittel) verordnen. Die formelle, schriftliche Form bezeichnet man ebenfalls meistens als Rezept.
Ein in der präparativen Chemie sehr selten gebrauchter Begriff für Synthesevorschriften.
In der Kochkunst ist das Rezept eine Anleitung oder Vorschrift, die bestimmt, welche Zutaten nach bestimmten Verfahren zusammengegeben werden, um eine bestimmte Speise zuzubereiten. Dieses ist zumeist in Zutatenliste und Verfahrensanweisung aufgeteilt. Siehe dazu auch Kochrezept.
Ein Rezept in der Automatisierungstechnik ist eine Wertesammlung von Prozessparametern, die im funktionalen oder verfahrenstechnischen Zusammenhang stehen. Dabei steht ein Rezept meist für ein bestimmtes Produkt oder Produkttyp, den es zu produzieren gilt. Vorbereitete, gespeicherte Rezepte können im Bedarfsfall (z. B. einem Produktwechsel) aufgerufen werden. Diese Vorgehensweise unterstützt die gewollte Reproduzierbarkeit von Produktionsabläufen. Typischerweise werden Rezepte in Anlagen mit Batch-Betrieb eingesetzt und mit Rezeptursteuerungsystemen automatisch ausgeführt und verwaltet. Eine Rezeptur ist eine automatisierte Abfolge von Verfahrensschritten zur Herstellung eines Produkts. Diese Schritte sind z.B.: Befüllen, Rühren, Heizen u.a.. Zur Rezeptur gehört mindestens ein Parametersatz. Parameter sind z.B. Substanz, Gewicht, Rührerdrehzahl, Temperatur. Eine Rezeptursteuerung führt diese Rezepturen auf einer Produktionsanlage aus. Ein Beispiel:
Rezept Erdbermarmelade
Rezepturschritt Parameter
Befüllen Erdbeeren, 100 g Befüllen Zucker, 900g Rühren 50 U/min Beheizen 65°C, 10 min. Abfüllen
Oft wird allgemein die Anleitung zur Lösung einer Aufgabe als Rezept bezeichnet. Die umgangssprachliche Redewendung „da gibt es kein Patentrezept“ bringt zum Ausdruck, dass es auf die Umstände ankommt.
Das grundlegende Problem von Rezepten ist die eingeschränkte Formalisierbarkeit von Wissen. Dies ist umso gravierender, je komplexer der Gegenstand und seine Wechselwirkung mit der Umgebung ist und gilt besonders für prozedurales Wissen.
Arzneimittelrecht | Chemie | Kochen | Medizinrecht
Madopskrift | Recipe | Recette de cuisine | מתכון | レシピ