Als Revolutionsexport wird sowohl die unbeabsichtigte als auch die kalkulierte oder manipulierte Ausbreitung einer Revolution in ein anderes Land bezeichnet. Darüber hinaus unterscheidet man zwischen Revolutionsexport durch direkte Intervention oder durch indirekte Unterstützung subversiver Kräfte.
Dabei kann es sich um verschiedene Formen einer revolutionären gesellschaftlichen Veränderung handeln, so stellt z.B. die Ausbreitung der Reformation im 16. Jahrhundert eine eher religiöse Revolution als eine soziale Revolution dar, zweifellos aber begleitet von wesentlichen politischen Veränderungen und einer Revolution der Bauern (Bauernkrieg). Messianische Bewegungen können ebenfalls als religiöser Revolutionsexport angesehen werden. Die industrielle Revolution wiederum wurde im 19. Jahrhundert vor allem durch die Eisenbahn exportiert.
Zunächst war die 1790 von Revolutionären in den Österreichischen Niederlanden parallel errichtete Republik der "Vereinigten Belgischen Staaten" wieder unterdrückt worden.
Die (nationalen) Revolutionen gingen zwar verloren, doch die Idee des Kommunismus und der kommunistischen Revolution wurde geboren (Kommunistisches Manifest 1848). Die kommunistisch beeinflusste Frühbürgerliche Revolution in Russland 1905/07 wiederum löste 1905/11 die bürgerlich-demokratische Jungpersische Revolution im Iran aus und diese beeinflusste dann 1908/09 die Revolution der Jungtürken im Osmanischen Reich wesentlich.
In jüngster Zeit gehen wieder von der Politik der USA Revolutionen aus, so z.B. die Umstürze in Georgien (2003), der Ukraine (2004) und Kirgistan (2005). Russland, Weißrussland und Usbekistan werfen Washington Revolutionsexport vor und verweisen in diesem Zusammenhang erneut auf die Geschichte der USA. Durch inszenierte Umstürze hatten US-Siedler bereits 1835 Texas und 1846 Kalifornien von Mexiko abgespalten und die kurzzeitig "unabhängigen" Marionettenstaaten schließlich angegliedert, ähnlich 1898 im Falle Kubas und 1903 im Falle Panamas.
Inhaltlich widerspricht der Revolutionsexport in wesentlichen Punkten sowohl der kommunistischen Revolutionstheorie, die den Ausbruch der Revolution erst nach Zustandekommen bestimmter Vorbedingungen erwartet
als auch der Weltrevolution, die bei gleichzeitigem Zustandekommen dieser Bedingungen in mehreren Staaten erfolgen solle, siehe Weltbrand.
Allein in der Mongolei führte der sowjetische Einmarsch 1921/24 tatsächlich zur Errichtung einer dauerhaften kommunistischen Bruderrepublik (Volksrepublik bis 1990), doch dort hatte der russische Einfluss bereits vor der Oktoberrevolution dominiert. In China führte das sowjetische Vorbild seit den 1920 Jahren zur Gründung der Chinesischen Sowjetrepublik, die jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Macht festigte und bald schon wieder dem sowjetischen Einfluss entkam.
Der im Westen befürchtete Revolutionsexport blieb zwar aus, weiterhin jedoch ein Argument antisowjetischer Bedrohungsszenarien. Nicht zu Unrecht. 1943 hatte Stalin mit der Auflösung der Komintern zwar auch offiziell die Idee der Weltrevolution aufgegeben, nach ihrem Sieg im Zweiten Weltkrieg jedoch errichtete die Sowjetunion zahlreiche neue Satellitenrepubliken an ihren Grenzen.
Wie einst die Tochterrepubliken auf den französischen Bajonetten entstanden nun Volksrepubliken auf sowjetischen Bajonetten. 1946 zogen sich die Sowjets zwar aus Sinkiang und der Mandschurei sowie Iranisch-Āzarbāydschān und Mahabad (Iranisch-Kurdistan)zurück, 1948 wurde die kommunistische Revolution aber in der Tschechoslowakei, Polen, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Nordkorea erfolgreich exportiert, bis 1949 auch in der DDR und der Volksrepublik China. Der sowjetische Revolutionsexport fand damit seinen erneuten Anschluss, er diente seit 1921 ohnehin eher geostrategischen als revolutionären Zielen.
Ebenso unterstützte China, das zunächst auch die Weltrevolution nicht aufgegeben hatte, in den 1960ern massiv maoistische Rebellen und kommunistische in Asien und Afrika, z.B. Peru (Leuchtender Pfad und Volksrepublik Ayacucho), den Philippinen, Nepal (bis heute), Indien, Malaysia, Irak (1959), Burma, Laos und Kambodscha. Im Falle der letzteren beiden Staaten war der Revolutionsexport von Vietnam aus (bis 1965 chinesisch unterstützt) 1975 erfolgreich und führte zur Errichtung weiterer Volksrepubliken. Das Scheitern des chinesisch-kubanischen Revolutionsexports ist jedoch 1968 mit dem Scheitern der weltweiten Studentenrevolte anzusetzen, die weder Kuba noch China unter ihre Kontrolle oder zum Erfolg hatten führen können.
Schiitisch ausgerichtet, hatte das Mullah-Regime fast gleichzeitig mit der Machtübernahme in Teheran 1979 die Ausweitung der Islamischen Revolution zunächst auch in den ebenfalls mehrheitlich schiitischen Irak, Nordjemen und ab 1982 in den Libanon beabsichtigt. Umsturzversuche jedoch scheiterten, und ab 1980 griff der Irak im Gegenzug den Iran an (Erster Golfkrieg). Die faktische Niederlage Irans 1988 offenbarte das Scheitern des Exports der Islamischen Revolution, insofern kommt Saddam Hussein der "Verdienst" zu, sie vom Irak und der übrigen Islamischen Welt ferngehalten zu haben. Zwar rief Irans Revolutionsführer Ayatollah Khomeini auch den sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow zur Annahme des Islam und zur Umwandlung der UdSSR in eine "Union der Islamischen Sowjetrepubliken" auf, der von den Sowjets befürchtete Revolutionsexport in die islamischen Republiken Mittelasiens blieb jedoch aus.
Mit Khomeinis Tod 1989 schien der Revolutionsexport zu den Akten gelegt, doch schon 1991 (nach Iraks Niederlage im Zweiten Golfkrieg) versuchte Iran erneut, mit massiver Unterstützung irakischer Aufständische durch eigene Truppen, auch im Irak die Islamische Revolution zum Sieg zu führen. Das algerische Regime warf dem Iran 1992 eine ähnliche, gegen Algier gerichtete Politik vor. Seit dem Dritten Golfkrieg beschuldigen auch die USA Iran des erneut versuchten Revolutionsexports nach Irak. Trotz der Abkehr Teherans vom Revolutionsexport hat die Zahl der Anhänger und Befürworter der Islamischen Revolution stattdessen vor allem in Ägypten und der Türkei stark zugenommen, eine ausreichende revolutionäre Situation ist dort jedoch noch nicht entstanden.
Nach einem jahrelangen Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Mudschaheddin in Afghanistan zogen die Sowjets 1988 ab, die Mudschaheddin besiegten 1992 die Kommunisten und wurden selbst 1996 von den sunnitischen Taliban besiegt. Sowohl der wiederaufgenommene kommunistische Revolutionsexport der Sowjets als auch die schiitische Islamische Revolution des Iran waren gescheitert.
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