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Das Haus Reuß, ursprünglich kaiserliche Vögte, später Herren, dann Grafen und seit 1778 Reichsfürsten hat mit verschiedenen Linien im Osten des heutigen Landes Thüringen und in früherer Zeit im Böhmischen, Oberfränkischen und Vogtländischen geherrscht und existiert trotz des Aussterbens des Großteils der ehedem vorhandenen Linien als Adelsdynastie noch heute.

Die ersten Reuß


Der Name Reuß - früher Ruzze oder Reusse geschrieben - lässt zunächst eine östliche Herkunft des Geschlechtes vermuten. Er erscheint zuerst im 11. Jahrhundert beim Burggrafen Heinrich I. (11431163), der von seiner Grafschaft Plauen aus erfolgreich gegen die Ruthenen in Böhmen kämpfte, und sich den Beinamen "der Ruzze" als eine Art Siegeszeichen zulegte.

Nach anderer, genealogischer Lesart soll der Name Reuß von ruthenischer Verwandtschaft stammen. Heinrich I. von Plauen, auch Heinrich Ruthenus († vor 1295) heiratete 1289 Jutta von Schwarzburg († 1329), die eine Enkelin des galizischen Königs Daniel von Halicz und Tochter der galizischen Fürstin Sofia von Halicz († 1287), verheiratet mit Günther IV. von Blankenburg und Schwarzburg († 1278), war. Wegen seiner Heirat mit Jutta wurde Heinrich I. jedenfalls ab 1289 Ruze genannt, um ihn von seinem gleichnamigen Bruder zu unterscheiden, der Bohemus genannt wurde.

Ahnherr des Geschlechtes der Reuß war Heinrich der Fromme vom Gleißberg († um 1120), der von Kaiser Heinrich IV. als Vogt mit Gera und Weida belehnt wurde. Sein Enkel Heinrich II. der Reiche († 1200) erwarb Plauen. Die Erben teilten mehrfach, einige Besitztümer gingen auch an Kursachsen und an Nürnberg.

Die Vorfahren des reußischen Fürstenhauses waren im 12. Jahrhundert kaiserliche Vögte im Sorbenland (Vogtland) und wurden allmählich selbständig. Ihr Gebiet war einst erheblich größer und umfasste auch Plauen und Hof mit, während es sich später auf die Gebiete um Gera, Greiz und Schleiz beschränkte.

Es gab zu dieser Zeit zwei Hauptlinien: Die Herren von Gera sowie die Vögte von Plauen. Letztere spalteten sich 1306 in eine ältere (burggräfliche) Linie (ausgestorben 1572) und eine jüngere Linie, die so genannten Reußen von Plauen zu Greiz. Als die Geraer Linie 1550 ausstarb, erhielt zunächst die burggräfliche Linie die Herrschaft Gera, bevor sie 1560 an die Reußen von Plauen zu Greiz fiel.

Alle männlichen Nachkommen, sowohl Fürsten als auch Prinzen des Hauses Reuß führen den Namen Heinrich, wobei die ältere Linie alle hintereinander bis hundert zählte, und dann wieder von vorn anfing. Die jüngere Linie hingegen zählte jeweils nur bis zum Ende eines Jahrhunderts, um dann wieder von vorn zu beginnen. Diese seltsame Regelung wurde 1668 durch Hausgesetz festgesetzt, war aber bereits um 1200 eingeführt worden, um damit den Stauferkaiser Heinrich VI. zu ehren. Beim Aussterben einer Linie sollte das Land an die andere fallen.

Der Deutsche Orden


Zwei Herren von Plauen sind bekannt geworden als Streiter für den Deutschen Orden:

Die Linien


1564 teilten die Reußen ihr Herrschaftsgebiet im Rahmen einer Erbteilung in die Linien Reuß mittlere Linie mit der Herrschaft Obergreiz, Reuß ältere Linie mit der Herrschaft Untergreiz und Reuß jüngere Linie mit der Herrschaft Gera. Während die mittlere Linie 1616 ausstarb und deren Gebiet auf die beiden anderen Linien aufgeteilt wurde, erfuhren die anderen beiden Linien eine ganze Reihe von Teilungen. Es entstanden kleinste Herrschaften, die oft nicht einmal den Umfang eines Amtes besaßen. Um 1700 war der Höhepunkt der Zersplitterung mit zehn reußischen Herrschaften der beiden Linien erreicht. 1690 wurde daher statt der gleichberechtigten Erbfolge das Erbrecht des Erstgeborenen (Primogenitur) eingeführt.

Die ältere Linie mit Reuß-Untergreiz (1564–1768, zwischen 1583 und 1596 aufgeteilt auf Untergreiz I und Untergreiz II) spaltete sich in Reuß-Obergreiz (seit 1625), Reuß-Burgk (1596–1640 und 1668–1697), Reuß-Rothenthal (1668–1698) und Reuß-Dölau (1616–1643 und 1694–1698)

Die jüngere Linie mit Reuß-Gera (1564–1802) spaltete sich in Reuß-Schleiz (seit 1647), Reuß-Saalburg (1647–1666), Reuß-Lobenstein (1647–1824), Reuß-Hirschberg (1678–1711), Reuß-Ebersdorf (1678–1848) und die nicht-souveränen Nebenlinien Reuss-Selbitz (1718–1824) und Reuss-Köstritz (seit 1693).

Heinrich XI. zu Obergreiz vereinigte 1768 Reuß ältere Linie Obergreiz mit Reuß ältere Linie Untergreiz zur Grafschaft Reuß älterer Linie und Heinrich LXII. von Reuß-Schleiz fasste alle Äste der jüngeren Linie 1848 zum Fürstentum Reuß jüngerer Linie zusammen.

Auf dem Wiener Kongress 1815 wurden die Reußen von Georg Walter Vincent von Wiese vertreten.

Mit Fürst Heinrich XXIV. starb 1927 die ältere Linie in Greiz aus. Aber auch der Sohn des letzten Fürsten Heinrich XXVII. der jüngeren Linie, Erbprinz Heinrich XLV., starb 1945 im Alter von 50 Jahren kinderlos. Er wurde von den Sowjets verschleppt und kam vermutlich im Internierungslager Buchenwald ums Leben. Allerdings hatte Heinrich XLV., als letzter männlicher Nachfahre der Linie Reuß-Schleiz, schon 1935 Prinz Reuß Heinrich I. aus der nichtregierenden jüngeren Nebenlinie Reuß-Köstritz adoptiert.

Die Söhne Heinrichs I. prozessieren seit Anfang der neunziger Jahre um die Rückübertragung von Eigentum des Hauses Reuß, insbesondere mit der Argumentation, dass Heinrich XLV., der Mitglied der NSDAP war und bis 1944 in der Wehrmacht diente, auch einen britischen Pass hatte und somit auch britischer Staatsbürger war, also nicht enteignet werden durfte. Der Volksstaat Reuß hatte nämlich 1919 einen Vergleich mit Fürst Heinrich Reuß XXVII. geschlossen, wonach geschätzte Werte von 34 Millionen Reichsmark im Besitz des Fürstenhauses verblieben, wie zum Beispiel Schloss Osterstein und die Küchengarten in Gera, Schloss Ebersdorf, Nutzungsrechte am Schleizer Schloss und 5285 ha Wald.

Reuß-Köstritz ist die letzte lebende Linie des Hauses Reuß, deren Existenz aufgrund vieler männlicher Nachkommen auf lange Sicht als gesichert betrachtet werden kann.

Der Name der Reußen lebt noch heute unter anderem in der Bezeichnung eines Geraer Gymnasiums als Rutheneum fort.

Die Territorien



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Periode

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15641583 Untergreiz Obergreiz Gera



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15831590 Untergreiz I Untergreiz II Obergreiz Gera



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15901596 Untergreiz I Untergreiz II Obergreiz Schleiz Gera



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15961616 Untergreiz Obergreiz (Obergreiz)-Schleiz Burgk Gera



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16161625 Greiz Gera Dö-lau Burgk Gera



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16251636 Untergreiz Obergreiz Gera Dö-lau Burgk Gera


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16361640 Untergreiz Obergreiz Gera Burgk Gera


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16401647 Untergreiz Obergreiz Gera Unter-greiz Ober-greiz Gera



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16471666 Untergreiz Obergreiz Schleiz Unter-greiz Ober-greiz Saal-burg Lobenstein Gera



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16661668 Untergreiz Obergreiz Schleiz Unter-greiz Ober-greiz Gera Lobenstein Gera



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16681678 Unter-greiz Rothen-thal Obergreiz Schleiz Burgk Ober-greiz Gera Lobenstein Gera



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16781694 Unter-greiz Rothen-thal Obergreiz Schleiz Burgk Ober-greiz Gera E' -dorf H' -berg Loben-stein Gera



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16941697 Unter-greiz Rothen-thal Obergreiz Schleiz Burgk Dölau Gera E' -dorf H' -berg Loben-stein Gera



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16971698 Unter-greiz Rothen-thal Obergreiz Schleiz Unter-greiz Dölau Gera E' -dorf H' -berg Loben-stein Gera



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16981711 Untergreiz Obergreiz Schleiz Unter-greiz Ober-greiz Gera E' -dorf H' -berg Loben-stein Gera



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17111778 Untergreiz Obergreiz Schleiz Unter-greiz Ober-greiz Gera Ebers-dorf Loben-stein Gera



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17781802 ältere Linie Schleiz ältere Linie Gera Ebers-dorf Loben-stein Gera



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18021824 ältere Linie Schleiz ältere Linie Gera Ebers-dorf Loben-stein Gera



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18241848 ältere Linie Schleiz ältere Linie Gera Lobenstein-Ebersdorf Gera



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18481918 ältere Linie jüngere Linie ältere Linie jüngere Linie

Historische Karten


  • Georg F. Lotter: Historische Karte des Vogtlandes 1757, Das Vogtland. Reuss-Plauischen-Herrschaften, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, Reprint 1757/1998, ISBN 3-932554-09-4
  • Eduard Brossmann: Karte vom Oberlande der Fürstentumer Reuss 1901, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, Reprint 1901/2002, ISBN 3-936030-50-2

Siehe auch


Weblinks


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