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Rettungssanitäter (RettSan, RS) sind für den Rettungsdienst ausgebildete Personen. In der Ausbildung werden die Grundlagen der Notfallmedizin und Techniken der Rettung schwer verletzter oder erkrankter Personen erlernt.

Die Ausbildung zum Rettungssanitäter ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterschiedlich definiert. Zudem ist der Rettungssanitäter im Gegensatz zum Rettungsassistenten in Deutschland kein Berufsbild, in der Schweiz und Österreich jedoch schon.

Der Volksmund nennt häufig jegliches nichtärztliches Rettungsfachpersonal Rettungssanitäter. Bei einer Nutzung in diesem Sinn ist der Ausdruck - genau wie die noch allgemeinere Bezeichnung "Sanitäter" - nicht verknüpft mit der tatsächlichen Qualifikation des Helfers.

Rettungssanitäter in Deutschland


Gemeinhin ist nicht bekannt, dass der Rettungsassistent in Deutschland eine umfangreichere Ausbildung als der Rettungssanitäter hat. Während es sich bei einem Rettungssanitäter um ein Tätigkeitsfeld handelt, dass im Rahmen eines 520-stündigem Lehrgangs (vgl. 13 Wochen bei 40-Std.-Woche) zu erlernen ist und keinen anerkannten Ausbildungsberuf darstellt, ist für den Berufsabschluss als Rettungsassistent eine Ausbildungsdauer von 2 Jahren (Insellösung: 3 Jahre) erforderlich.

Ausbildung

Die Ausbildung umfasst 520 Stunden und gliedert sich in vier Teile:
  • Zuerst werden 160 Stunden theoretische Grundlagen (der Lehrgang wird in manchen Bundesländern auch als "Rettungs(dienst)helfer"-Kurs bezeichnet) gelernt. Die behandelten Inhalte umfassen dabei Basiswissen zur Anatomie und Physiologie, allgemeine Inhalte und Maßnahmen der Notfallmedizin, spezielle Notfallkenntnisse zu wichtigen Fachgebieten (Innere Medizin, Chirurgie, Neurologie, Psychatrie, Pädiatrie, etc.), weiter Themen zur Struktur des Rettungsdienstes sowie rechtliche und technische Inhalte. Praktische Übungen der Notfalltechniken sind ebenfalls ein integraler Bestandteil der Ausbildung.
  • Weitere 160 Stunden entfallen auf ein klinisches Praktikum in den Bereichen Notfallambulanz, Intensivstation und Anästhesie, in denen weitere medizinische Maßnahmen wie Vorbereiten einer Infusion, Assistenz bei der Intubation, Umgang mit Medikamenten, Patientenüberwachung, (klinische) Patientendokumentation etc. vermittelt werden.
  • Anschließend erfolgt ein 160 stündiges Praktikum auf einer Lehrrettungswache mit vorgeschriebenen Praktikantenschichten und der dazugehörigen Dokumentation auf Krankentransportwagen (KTW), Rettungswagen (RTW) und Notarztwagen (NAW) oder Notarzteinsatzfahrzeug (NEF).
  • Als letzter Teil der Ausbildung folgt ein 40 stündiger Abschlusslehrgang mit anschließender Prüfung mit schriftlichen, mündlichen und praktischen Teilen.

Rettungssanitäter werden von Hilfsorganisationen und an privaten Rettungsdienstschulen ausgebildet. In Nordrhein-Westfalen besteht die Möglichkeit, einen verkürzten RS-Lehrgang zu besuchen, der auf dem "Rettungshelfer NRW" aufbaut. Eine auf dem Rettungssanitäter aufbauende Weiterbildung zum Rettungsassistenten ist derzeit unter bestimmten Voraussetzungen (nach §8 (2) RettAssG) möglich.

Tätigkeitsbereiche

Rettungssanitäter kommen in Deutschland im Rettungsdienst zum Einsatz. Beim qualifizierten Krankentransport als Transportführer auf einem Krankentransportwagen und in der Notfallrettung sind sie häufig Teil der Besatzung eines Rettungswagens, Notarztwagens oder Notarzteinsatzfahrzeuges, hier ist ihre Aufgabe, die Versorgung des Patienten einzuleiten, Notarzt und Rettungsassistenten zu unterstützen und dabei die lebenswichtigen Körperfunktionen wiederherzustellen bzw. aufrechtzuerhalten sowie die Transportfähigkeit des Patienten herzustellen.

Fortbildung

Je nach Regelung der einzelnen Bundesländer, des Unternehemens oder der Hilfsorganisation muss ein Rettungssanitäter jährlich bis zu 30 Zeitstunden Fortbildung im Rettungsdienst nachweisen, damit er weiterhin im Rettungsdienst bzw. Krankentransport eingesetzt werden darf.

Rettungssanitäter in Österreich


Ausbildung

Die Ausbildung zum Rettungssanitäter bzw. Notfallsanitäter ist in Österreich erst seit 2002 gesetzlich geregelt und staatlich anerkannt.

Die Ausbildung umfasst 260 Stunden und gliedert sich in zwei Teile, die theoretische Ausbildung im Ausmaß von 100 Stunden sowie ein 160-stündiges Rettungsdienstpraktikum. Ein Klinikpraktikum ist nicht vorgesehen. Die Ausbildung endet mit einer theoretischen und praktischen Prüfung vor einer Prüfungskommission. Hauptamtliche Rettungssanitäter müssen aus arbeitsrechtlichen Gründen zusätzlich ein Berufsmodul im Ausmaß von 40 Stunden absolvieren, das sich mit vertiefender Rechtsslehre und der Organisation des österreichischen Gesundheitswesens befasst.

Rettungssanitäter werden üblicherweise von den Hilfsorganisationen (Rotes Kreuz, Samariterbund, Johanniter, etc.) bzw. vom Bundesheer im Rahmen des Grundwehrdienstes ausgebildet. Private Rettungsdienstschulen wie in Deutschland gibt es nicht.

Wie auch in Deutschland werden in Österreich zahlreiche Zivildiener und ehrenamtliche Mitarbeiter als Rettungssanitäter eingesetzt.

Ohne Rettungsanitäter (vor allem freiwillige Mitarbeiter, im Jahr 2004 waren es 45.000) könnten viele öffentlich-soziale Dienste nicht mehr angeboten werden.

Tätigkeitsbereiche

Rettungssanitäter kommen in Österreich im qualifizierten Krankentransport und im Rettungsdienst zum Einsatz. Ihre Aufgabe ist die Betreuung des Patienten während des Transportes, die Hilfestellung bei auftretenden Akutsituationen und die Durchführung lebensrettender Sofortmaßnahmen. Weiters kommt jedem österreichischen Rettungssanitäter eine fundierte Großunfall- und Katastrophenausbildung zu.

Die besser ausgebildeten Notfallsanitäter kommen oft in Zusammenarbeit mit einem Notarzt am NEF (Notarzteinsatzfahrzeug), NAW (Notarztwagen) oder NAH (Notarzthubschrauber) zum Einsatz.

Fortbildung

Die Tätigkeitsberechtigung des Rettungssanitäters ist auf zwei Jahre befristet und läuft ab, falls in diesem Zeitraum nicht Fortbildungen im Ausmaß von mindestens 16 Stunden besucht wurden (§ 50. (1) SanG). Weiters müssen binnen jeweils zwei Jahren die Kenntnisse der Herz-Lungen-Wiederbelebung einschließlich der Defibrillation durch einen qualifizierten Arzt überprüft werden (§ 51. (1) SanG).

Rettungssanitäter in der Schweiz


Ausbildung

Ein noch relativ junges Berufsbild ist der/die diplomierte Rettungssanitäter/in. Diese vom SRK anerkannte Berufslehre dauert drei Jahre und kann bei bestehender medizinischer Ausbildung entsprechend verkürzt werden. Der diplomierte Rettungssanitäter gewährleistet selbständig und in Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten (z. B. Notarzt) die präklinische Patientenversorgung. Die Ausbildung ist nicht direkt mit dem Deutschen Berufsbild des Rettungsassistenten vergleichbar, da dort wesentlich niedrige Kompetenzen, eine andere Anzahl an Ausbildungsstunden und andere gesetzliche Grundlagen herrschen.

Seit 2005 schließen die neuen Diplomanden mit Dipl. Rettungssanitäter HF ab. HF steht für "höhere Fachausbildung". Seit der Berufsbildungsreform durch das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie ist der Beruf Rettungssanitäter eine tertiäre Ausbildung. Alle bisherigen Dipl. Rettungssanitäter können ohne Probleme die Bezeichnung "HF" beantragen.

Kompetenzen

Die Kompetenzen werden weitgehend vom Rettungsdienst, respektiv dessen Organisationsarzt, festgelegt. Diese sind mit dem deutschen System nicht zu vergleichen. In vielen Rettungsdiensten darf der dipl. Rettungssanitäter reflexlose Patienten intubieren und Analgesie mit Ketamin oder potenten Opiaten wie z. B. Fentanyl, Morphin und Pethidin selbständig durchführen. Diese Kompetenzen können z. B. durch interne Prüfungen überprüft werden. Jeder Rettungsdienst hat für seinen Betrieb Regelungen getroffen, für ein Mitausrücken oder Nachfordern eines Notarztes oder weiteren Fachpersonen.

Übergreifende Rechtliche Regelungen


Nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg vom 4. Oktober 2004 dürfen auch Rettungssanitäter, die bei einem Rettungsdienst tätig sind, grundsätzlich nicht länger als 48 Stunden wöchentlich arbeiten. Diese Obergrenze gilt einschließlich des Bereitschaftsdienstes.

Kulturelle, mediale Abbildung in Literatur, Film, Musik und Theater


Buch
  • Jörg Thadeusz: Rette mich ein bisschen - Ein Sanitäter-Roman. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2003, ISBN 3462032496 - Sehr plastische Schilderungen des Rettungsdienstalltags um einen Rettungssanitäter als Protagonisten.
  • Wolf Haas: Komm, süßer Tod. Rowohlt, Reinbek 1998, ISBN 3499228149 - Österreichischer Kriminalroman im Wiener Rettungsdienstmillieu.
Film Fernsehserie
  • Emergency Room. - US-Serie über die Notfallaufnahme eines Krankenhauses in den USA.
  • Third Watch. - US-Sehserie über Einsatzkräfte in New York (Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei).
  • Medicopter 117. - Deutsche Fernsehserie über einen Rettungshubschrauber in den Alpen.
  • Die Rettungsflieger. - Deutsche Fernsehserie über einen Rettungshubschrauber in Hamburg.

Siehe auch


Links


Qualifikation im Rettungsdienst/Sanitätsdienst

Ambulancier | Emergency medical technician

 

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