Rethen ist ein Ortsteil der Gemeinde Vordorf in Norddeutschland. Die Ortschaft hat ca. 1200 Einwohner und befindet sich in der Samtgemeinde Papenteich des Landkreises Gifhorn (Niedersachsen).
Geografie
Geografische Lage
Rethen liegt ca. 4 km westlich der
B4 (bei
Meine) zwischen dem
Harz und der
Lüneburger Heide, nur etwa 7 km nördlich von
Braunschweig und dem Autobahnkreuz Braunschweig/ Nord (
A2 /
A391 ). Weitere größere Städte in der Nähe sind:
Wolfsburg,
Salzgitter,
Wolfenbüttel,
Gifhorn,
Peine und
Celle. Die Ortschaft liegt auf einer sandig-lehmigen Hochfläche, die vor etwa 12.000 Jahren am Ende der letzten
Eiszeit entstanden ist. Im Rethener Umland stoßen zudem vereinzelt
Kalkmergelschichten an die Oberfläche.
Nachbargemeinden/-städte
Geschichte
Ur- und Frühgeschichte
Erste Anzeichen für Menschen in der Rethener
Gemarkung reichen über 5000 Jahre zurück. 1995 wurde in der Nähe von Rethen Überreste eines
Megalithgrabes gefunden. Die zu dem Grab gehörige
jungsteinzeitliche Siedlung wird in einem Umkreis von etwa 3 km vermutet. Es gab aber auch schon vorher
archäologische Funde. Werner Blanke, Lehrer in Rethen von 1929 bis 1945, fand mehrere Gefäßreste,
Feuersteinspäne und eine Pfeilspitze. Später wurden noch
Steinbeile und weitere Gegenstände gefunden, so dass die Vermutung besteht, das sich im Osten von Rethen mehrere Siedlungen der jüngeren Steinzeit befunden haben.
Wüstungen
In der näheren Umgebung von Rethen befinden sich mehrere
Wüstungen, wovon sich die meisten aber heute außerhalb der Rethener
Gemarkung befinden. Alle Siedlungen verschwanden zwischen dem
13. und
16. Jahrhundert n.Chr.
- Algesbüttel wurde erstmals 1022 erwähnt. Die Siedlung bestand damals aus 7 Höfen und einer Kirche. Die letzte Erwähnung findet sich 1480 als lüneburgisches Lehnstück.
- Ossenrode (Asenroth) wurde 1112 in den Grenzkarten erwähnt. Die Siedlung umfasste 4 Höfe und lag nordöstlich von Rethen. Archäologische Funde stammen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert n.Chr.
- Zinsrode (Sinesrode) lag um 1022 zwischen Rethen und Vordorf. Sinesrode wurde zwar mittlerweile lokalisiert, doch nicht ausgegraben. An der Oberfläche belegen noch heute zahlreiche Steine von Aufschüttungen. Zudem wurden auch bereits Metallstücke und Tonscherben mit Verzierungen gefunden. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts fand Sinesrode keinerlei urkundlichen Erwähnung mehr.
- Wendenbüttel (Wendenbutle) wurde 1007 erstmals erwähnt. Die Siedlung lag südlich von Rethen. Archäologische Funde stammen aus dem 10. bis 14. Jahrhundert n.Chr.
Weitere Wüstungen im Umfeld Rethens sind: Dudanroth (1000 n.Chr), Bromhorst (1007 n.Chr.) sowie Arnsbüttel (keine Aufzeichnungen oder urkundliche Erwähnung).
Gründung von Rethen
Neben Dokumenten sind die Ortsnamen normalerweise ein wichtiger Hinweis auf die
Entstehungszeit des Ortes. In älteren Schriften wird der Name Rethen (früher: Rethene, Rethen, Rethne, Reten, Rethenne) aus dem Wort Rietheim abgeleitet (Riet bezeichnet hierbei ein
mooriges Gebiet). Dabei wurden die sog. „-heim“ Dörfer zu den ältesten Siedlungen gerechnet, deren Gründung zum Teil bis in die Zeit der
Cherusker zurückreicht. In Rethen fanden sich aber keinerlei Hinweise auf eine solche Siedlungskontinuität!
In den neuesten Veröffentlichungen (1994) wird Rethen vielmehr als fränkische Gründung betrachtet, die eng mit der Gründung von Meine zusammenhängt. Hierbei wird davon ausgegangen, das die Franken im 8. Jahrhundert, im Zuge der Unterwerfung des Sachsenlandes, im damals unbesiedelten „Nordwald“ Siedlungen anlegten. Zu dieser Zeit durchlief eine wichtige Straße den Wald in Ost-West Richtung. Rethen wurde hiernach in diesem Zuge, ebenso wie Vordorf und Stapel (wüst gefallen), als Außendorf von Meine gegründet. Es gibt zahllose Beispiele, in denen im Zuge der fränkischen Kolonisation mehrere Dörfer einem Zentraldorf zugeordnet wurden. Dieser Zusammenhang dürfte aber nur relativ kurze Zeit bestanden haben, da bereits im 11. Jahrhundert die Grenze zwischen dem Bistum Halberstadt und dem Bistum Hildesheim Meine und Vordorf vom Rethener Gebiet trennte. Versuche der Bischöfe von Halberstadt die Grenze über Rethen hinaus bis an die Oker zu verschieben, blieben erfolglos. Die Grenze fiel erst mit Beginn der Reformationszeit.
Die erste urkundliche Erwähnung Rethens erfolgte im Jahr 1301 unter dem Namen Rethene. Die Urkunde belegt den Verkauf von Besitztümern in Rethen durch Ritter Balduin von Wenden an das Kloster St. Crucis in Braunschweig. Zu dieser Zeit war der Ort rein landwirtschaftlich geprägt, wobei hauptsächlich Viehzucht und nur wenig Ackerbau betrieben wurde.
In die Frühzeit des Ortes lässt sich ebenfalls die Kirche einordnen. Erste Erwähnungen finden sich in den Jahren 1323 und 1341, betreffend des Haushaltes des Pfarrers und der Wahl der Kirchenvorsteher. Der heute noch bestehende Kirchturm könnte zu dieser Zeit bereits bestanden haben (Schätzungen nennen das 13. Jahrhundert). Das gotisch geprägte Tympanon über dem Portal lässt sich, aufgrund ähnlicher Darstellungen in den Nachbargemeinden, eher auf das 15. Jahrhundert datieren.
Die „Herren von Rethen“
Soweit bekannt, wurde „Heinrich Bethmann aus Chur im Lande Rhetia" bereits um 1211 mit dem Gerichte und
jus patronatus über die Kirche, Jagden, und Gütern von Rethen belehnt. Eine urkundliche Erwähnung dieser Rechte findet sich allerdings erst im Lehnregister 1383/85.
Durch seine langjährige Erfahrung im Kriegsdienste erbaute Bethmann sein Haus in der Art einer „Wasserburg“ auf einer Insel im Dorfteich. In den folgenden Jahrzehnten kam es immer wieder durch Überfälle durch Raubritter, die Rethen in den Jahren 1308, 1380, 1381 sowie 1388 weitgehend zerstörten. Bei einem dieser Überfälle (vermutlich am 13. Juli 1381) ist es auch zur Zerstörung der „Wasserburg“ gekommen. Infolgedessen verließen die „Herren von Rethen“ nach etwa 150 Jahren das Dorf und haben sich in Braunschweig niedergelassen. Sie behielten aber weiterhin das Patronatsrecht über Rethen. Die Familie starb vermutlich im 18. Jahrhundert aus.
Nach der Verbindung der Kirchengemeinden Adenbüttel und Rethen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts teilten sich die „Herren von Rethen“ und die „Herren v. Marenholz“ (Patronatsrecht in Adenbüttel) das Patronatsrecht in der vereinten Kirchengemeinde. Im Laufe der Zeit ging das Recht jedoch mehr und mehr an die v. Marenholz über. Diese übten dieses bis zum Tod des letzten Patrons (Freiherr von Marenholz-Nolte) im Jahr 1969 aus.
Frühe Neuzeit bis zur Moderne
Im Jahr 1625, während des
dreißigjährigen Krieges, wurde auch Rethen davon betroffen, dass die
kaiserlichen Truppen im Rahmen des
Dänisch-niedersächsischer Krieges im Papenteich ihr
Winterquartier errichteten. Die Häuser und die Kirche wurden geplündert und die Bauern zu
Schanzarbeiten bei
Wolfenbüttel herangezogen. Zudem mussten die Bauern auch weiterhin Abgaben an den
Grundherren abführen. Auch in den vierziger Jahren kam es dann wiederholt zu
Plünderungen, meist durch einheimische oder
schwedische Soldaten. Zwar kamen wohl mehrere Einwohner in dieser Zeit um, das Dorf wurde aber nicht zerstört.
Der Ort wurde sowohl vom Siebenjährigen Krieg als auch während der Napoleonischen Kriege weitgehend verschont und nur durch Kriegssteuern und Kriegsfuhren belastet. Einzig nennenswert ist die Ermordung eines Hirten durch Französische Dragoner im Jahr 1758. Dies ist der einzige bekannte Mord in Rethen. Während der Kriege 1866 gegen Preußen als auch 1870/71 im Deutsch-Französischen Krieg wurden Rethener einberufen und kehrten alle ohne schlimmere Verletzungen wieder heim.
Das dörfliche Leben im 19. Jahrhundert wurde vor allem durch die Veränderung in der Landwirtschaft geprägt. Diese betrafen zum einen mehrere Neuordnungen der Gemeindeflächen, zum anderen aber auch die Intensivierung der Ackerwirtschaft und der damit verbundenen starken Abholzung der Waldflächen rund um das Dorf. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts begann ein immer intensiverer Anbau von Zuckerrüben, stark begünstigt durch den Bau der Zuckerrübenfabrik im nahen Meine.
Erster Weltkrieg
Wie im Rest Europas herrschte zu Beginn des
ersten Weltkrieges zunächst auch in Rethen große Kriegsbegeisterung. Insgesamt 78 Rethener Männer wurden während des Krieges eingezogen, 14 starben im Verlauf des Krieges. In Rethen wurden im Winter 1914/15 Flüchtlinge aus den
russisch besetzten Grenzgebieten einquartiert. Zudem befanden sich um das Jahr 1915 herum auch Französische
Kriegsgefangene in Rethen, die beim Straßenbau und wahrscheinlich auch bei der Landwirtschaft helfen mussten. Gegen Ende des ersten Weltkrieges, besonders im sog.
Steckrübenwinter 1916/17, wurde, wie im Rest des Landes, die Versorgungslage auch in Rethen immer schwieriger. Trotz
Rationierung der Lebensmittel und
Mangelwirtschaft blieb die Lage in Rethen aber ruhig. Gegen Ende des Krieges wurde ein
Arbeiter- und Soldatenrat gebildet, dem später der gewählte
Gemeindeausschuss folgte.
Zweiter Weltkrieg
Im
Zweiten Weltkrieg herrschte, anders als im 1.Weltkrieg, in Rethen keine große Kriegsbegeisterung. Die Landwirtschaft musste von den Frauen und Älteren bewältigt werden, denen „
Fremdarbeiter“ oder
Kriegsgefangene zur Seite gestellt wurden. Hierbei handelte es sich um Personen
französischer,
polnischer und
russischer Herkunft. Die Franzosen wurden im Gemeindehaus untergebracht, den Russen wurden in einem zum
Kriegsgefangenenlager umgebauten Gebäude untergebracht während die Polen bei den verschiedenen Landwirten untergebracht waren. Die Behandlung war sehr unterschiedlich, zumal eine zu freundliche Behandlung die Gefahr der Denunzierung und Anzeige durch Parteitreue Rethener mit sich brachte.
Gegen Ende des Krieges kam es im Rahmen der Angriffe auf die Industriestadt Braunschweig auch zu Bombenabwürfen in und um Rethen. Es kam ebenfalls zu mehreren Flugzeugabstürzen meist englischer Einheiten und damit verbunden auch zu Fallschirmabsprüngen der Piloten. Dokumentiert ist auch eine nicht geglückte Landung auf dem Schulhof.
Am 23. August 1944 um 11:30 Uhr erlebte Rethen seinen schwersten Bombenangriff. Vier schwere Sprengbomben fielen in unmittelbarer Nähe des Dorfes. Zudem wurde eine größere Menge Brandbomben direkt über dem Dorf abgeworfen, die zu mehreren Großbränden im Dorf führten. Vor allem das Gemeindehaus, zwei Stallungen sowie vier Wohngebäude waren betroffen. Brände in anderen Gebäuden konnten von den Bewohnern selbst gelöscht werden. Des weiteren brannten drei Weizenstiegen in direkter Dorfnähe vollständig aus. Zur Brandbekämpfung fanden sich Feuerwehren aus dem gesamten Papenteich sowie aus Braunschweig ein. Trotz des massiven Angriffs kamen keine Menschen zu Schaden.
Am 10. April 1945 bezogen amerikanische Soldaten aus Richtung Peine kommend in Rethen Quartier. Der Befehl an den Volkssturm des Dorfes, dieses zu verteidigen, wurde verweigert und die Waffen im damaligen Dorfteich versenkt. Die meisten amerikanischen Soldaten zogen innerhalb einer Woche weiter und nur ein geringer Teil der Besatzungstruppen blieb knapp ein Vierteljahr. 34 Rethener sowie 26 Angehörige von Flüchtlingsfamilien in Rethen sind im 2.Weltkrieg gefallen.
Bevölkerung
Historische Entwicklung der Einwohnerzahl
Leider lassen sich zu der genauen Entwicklung der Einwohnerzahlen bis 1821 keine genauen Zahlen finden. Die einzigen vorhandenen Daten sind vereinzelte Erwähnungen über die Anzahl der Höfe in Rethen. So wurden im Jahr 1489 insgesamt 3
Vollhöfe, 4 Halbhöfe sowie 13
Kötnern verzeichnet. Im Jahr 1773 wurden 6 Ackerleuten, 14
Kötnern sowie 4 Brinksitzern angegeben. Eine wesentliche Vergrößerung des Dorfes setzte erst gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein. Aufgrund der wenigen vorhandenen Daten wird geschätzt, dass die Bevölkerungszahl zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert um die 200 bis 250 Einwohner schwankte.
Einen weiteren starken Zuwachs der Einwohnerzahlen erlebte der Ort in Folge des 2.Weltkrieges durch Flüchtlinge und Vertriebenen die sich in Rethen niederließen. Da allerdings zu dieser Zeit in Rethen nicht in ausreichendem Maße Bauland vorhanden war, zogen viele der Flüchtlinge in der Folgezeit weiter, so dass die Bevölkerungszahl zunächst wieder sank.
Den letzten starken Schub gab es in den 1990er Jahren. Durch die Ausweisung neuer Baugebiete und eine Ortskernverdichtung kam es zu einer starken Suburbanisierung. Begünstigt wurde dies durch die günstige Ortslage vor den Toren Braunschweigs und den nahen Zugang zur Autobahn A2 sowie zum Industriestandort Wolfsburg.
Sprache
siehe auch: Sprache in der Samtgemeinde Papenteich
Rethen gehört sprachlich gesehen zum Hochdeutschen Sprachraum. Allerdings spricht auch heute noch ein Teil der Bevölkerung ein mehr oder weniger eingefärbtes Hochdeutsch mit Elementen des Braunschweigerischen und des Papenteicher Platt. Hierzu gehören z.B. das sog. klare A und das weiche G am Wortende. Mit den Veränderungen des 20. Jahrhunderts verschwand das Plattdeutsche mehr und mehr. Nach dem 2.Weltkrieg wurde es vollständig vom Hochdeutschen verdrängt.
Religion
Das kirchliche Leben verlief normalerweise ohne große Veränderungen. Seit der
Reformationszeit waren die Menschen in Rethen
evangelisch-lutherisch und stark durch das kirchliche Leben geprägt. Aus einem
Visitationsbericht aus dem Jahr
1854 für die Kirchengemeinde Adenbüttel-Rethen heißt es:
„Die Gemeinde hat Ihren guten Ruf als erste lutherische Gemeinde des Nordens bewahrt. Öffentliche Ärgernisse, Spieler und Säufer gibt es nicht.“ Erst gegen Ende des 19 Jahrhunderts lassen Änderungen erkennen. Ab dem Ende des 20-er Jahre lässt sich anhand von Zahlen eine Abnahme der traditionellen Verbundenheit zur Kirche erkennen.
Während im 19. Jahrhundert noch durchschnittlich 350 Personen den
Gottesdienst besuchten, nahm dies über die Jahre (1938: ca.100 Personen) bis auf den heutigen Stand von durchschnittlich 70 Personen (90-er Jahre) ab. Auch die Anzahl der
evangelischen der Kirchengemeinde veränderte sich. Zwar stieg im Zeitraum von 1970 bis 2000 die Anzahl von 690 auf 740, der Anteil an der Gesamtbevölkerung sank aber dabei von 91% bis auf 61%. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der
römisch-Katholischen von 5% (1961) auf über 9%. Diese gehören meist der katholischen St.-Andreas-Kirche in Meine an.
Versorgung mit öffentlichen Diensten
Infrastruktur
- Straßennetz: Das heutige Straßennetz entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Lauf der Zeit wurden die Straßen gepflastert und mit Obstbäumen gesäumt. Diese verschwanden jedoch mit dem Ausbau 1965. Die Straßennamen existieren erst seit 1976, vorher waren alle Gebäude in Rethen einfach durchnumeriert.
- Wasser/Abwasser: Obwohl Rethen immer über reichlich Grundwasser verfügte, erfolgte 1963 der Anschluss an die zentrale Wasserversorgung durch den Wasserverband des Kreises. Nach umfangreichen Umbauarbeiten 1965 an der Kanalisation, erfolgte1977 der Anschluss an die Trennwasserkanalisation des Abwasserverbandes Braunschweig.
- Strom: 1916 erfolgte der Anschluss an das öffentliche Stromnetz
- Gas: Der Anschluss an die Ferngasversorgung erfolgte 1996
- Müllabfuhr: 1973 wurde die zentrale Müllabfuhr des Landkreises Gifhorn eingerichtet. Bis dahin diente eine frühere Bodenentnahmestelle, die sog. „Schweineweide“ als Rethener Müllabladeplatz. Diese wurde später mit Erde abgedeckt und dient heute vor allem als Osterfeuerplatz.
Kindergarten
1992 wurde in Rethen ein neuer
Kindergarten am Sportplatz errichtet, nachdem die Rethener Kinder in den Jahrzehnten zuvor in den umliegenden Gemeinden
Thune, Meine, Adenbüttel, Vordorf in den Kindergarten gingen. Träger des Rethener Kindergarten ist der „Kindergarten Vordorf e.V.“ unter dem „Dachverband der Elterninitiativen Braunschweigs e.V.“. In zwei altergemischten Gruppen werden vormittags 50 Kinder betreut, nachmittags in einer Gruppe 10 Kinder. Zum Gebäude gehört ein großer Garten mit entsprechendem
Spielgerät.
Schule
Einen Schuldienst gab es in Rethen seit 1644. Aufgrund der steigenden Schülerzahlen bis auf 106 Schüler/innen im Jahr 1911 wurde der Bau eines neuen Schulgebäudes nötig. Errichtet wurde ein Gebäude mit mehreren Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen. Aufgrund der Entwicklung der Nachkriegsjahre und dem raschen Anstieg auf etwa 160 Schüler entschloss man sich bereits 1954 für einen weiteren Ausbau. Da der rasante Anstieg der Schülerzahl aber zum großen Teil auf Schülern aus Flüchtlingsfamilien beruhte, die bald weiterzogen, sank die Schülerzahl bereits kurz nach der Fertigstellung der Schule stark. Versuche die
Volksschule im Schulverbund mit Vordorf und Adenbüttel weiterzuführen waren erfolglos. Die endgültige Auflösung der Schule erfolgte 1974. Das Schulgebäude ist heute ein Wohnhaus.
Heute besuchen die Schüler vor allem die Grundschule in Vordorf und später weiterführende Schulen in Meine, Gifhorn und Braunschweig.
Kirche und Friedhof
In Rethen befindet sich eine
Evangelisch-lutherische Kirche, welche
Sankt Nikolaus, dem Schutzherren der
Händler und Kaufleute, gewidmet ist. Während das heutige
Kirchenschiff 1901 neu errichtet wurde, ist der Kirchturm wesentlich älter. Architekten schätzten, das der 25m hohe Kirchturm aus Feldsteinen bereits aus dem 13. Jahrhundert stammen könnte. Im Turm befinden sich 3
Kirchenglocken, wobei die kleinste und älteste Glocke (Schlagglocke) aus dem Jahr 1424, die mittlere und größere (Ø 106cm) und neueren Glocken aus dem Jahr 1484 stammen. Das alte Kirchenschiff wurde nach den Zerstörungen des
30jährigen Krieges neu errichtet und 1654 mit einer Prieche (
Empore) ausgestattet. Der letzte Neubau fand 1901 statt und ist bis heute weitgehend unverändert. Im Rahmen des Neubaus wurde Platz für bis zu 450 Personen geschaffen, die neue
Orgel eingebaut sowie die erste Kirchenheizung des Kirchenbezirkes installiert . Seit Anfang des 16. Jahrhunderts bildet die Rethener Kirche zusammen mit Adenbüttel eine
Kirchengemeinde.
Da der Kirchhof mit seinen Familiengrabstellen nicht mehr ausreichend war, wurde 1933 der Zukauf eines Dorfnahen Grundstückes als Friedhof beschlossen. 1965 wurde dieser erweitert und eine Friedhofskapelle errichtet.
Schwimmbad
Im Jahr 1932 entschlossen sich die
Schulleitung und der Turnverein in Zusammenarbeit mit dem Gemeindeausschuss zum Bau eines
Schwimmbades. Die Gemeinde stellte das Gelände der heutigen Tennisplätze zur Verfügung. Aus finanziellen Gründen mussten die Arbeiten allerdings in Eigenleistung der Dorfbewohner, unter fachlicher Beratung, ausgeführt werden. Bis 1933 wurde ein
Becken von 92m Länge, 14m Breite und einer Tiefe zwischen 0,35m und 3,50m ausgehoben und zunächst mit
Kies befestigt. Das
Schwimmbad wurde aus einer
Quelle permanent mit frischem Wassern befüll. Die
Umkleidekabinen, das
Sprungbrett und die Außenanlagen wurden ebenfalls in Eigenleistung erstellt. Da es sich zu dieser Zeit um die einzige Badeanstalt in der Umgebung handelte, kamen auch viele Besucher aus den umliegenden Ortschaften.
1952 entschloss sich die Gemeinde zur Renovierung des Schwimmbades, in dessen Zuge der Boden und die Wände des Beckens betoniert wurden und neue, massive Umkleidekabinen errichtet wurden. Nach der Renovierung fasste das Bad 1800m³ Wasser in zwei Becken. Das Becken wurde nun auch von Schulklassen der Nachbargemeinden genutzt. Leider wurde der Unterhalt Ende der 60-er Jahre der Gemeinde zu kostspielig. Die Becken wurden zunächst als Fischteiche verpachtet, später mit Erde verfüllt und letztendlich die heutigen Tennisplätze darauf errichtet.
Feuerwehr und Zivilschutz
Die
Freiwillige Feuerwehr Rethen wurde am 09.Oktober.1905 mit 42 Kameraden gegründet. Besondere Aufgaben übernahm die Feuerwehr z.B. 1948 mit der Bewachung des neuen Geldes im Rahmen der
Währungsreform. 1963 wurde ein Feuerschutzvertrag mit
Eickhorst geschlossen, so dass seitdem der dortig
Brandschutz der Rethener Wehr obliegt. Zusammen mit dem
DRK organisiert die Wehr regelmäßig jedes Frühjahr einen
Blutspendetermin. Seit 1988 existiert die Rethener
Jugendfeuerwehr.
Seit Gründung der Wehr rückte die Wehr in Rethen zu fünf größeren Wohnhausbränden (zuletzt im Jahr 2000), fünf größeren Bränden von landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäuden sowie während des Großbrandes in Folge des Bombenangriffs 1944 aus. Hinzu kommen diverse Kleinbrände, technische Hilfeleistungen sowie sonstige Einsätze. Heute umfasst die Feuerwehr ca. 40 aktive Kameraden und Kameradinnen, etwa 50-60 fördernde Mitglieder sowie etwa 20 Mitglieder der Jugendfeuerwehr. Die Rethener Wehr ist eine Feuerwehr mit Grundausstattung und verfügt über einen TSF und einen MTW.
Politik
Vordorf_Wappen.jpg seit 1974]]
Verwaltungszugehörigkeit
In seiner Frühzeit gehörte Rethen zum Gebiet der
Welfen, wechselte aber häufig zwischen der Braunschweiger und der Lüneburger Linie. Mit der Bildung des Amtes Gifhorn
1549 wurde Rethen der
Gografschaft Rötgesbüttel zugeteilt. Gifhorn gehörte bis 1972 zum
Regierungsbezirk Lüneburg (bis 1885
Fürstentum Lüneburg), bevor es dem
Regierungsbezirk Braunschweig angegliedert wurde. In der Zeit des
Königreiches Westfalen gehörte Rethen zum
Kanton Rötgesbüttel und damit zum
Département Oker.
1970 bildete sich aus Rethen und 14 weiteren Gemeinden die Samtgemeinde Papenteich mit Verwaltungssitz in Meine. Zu diesem Zeitpunkt war Rethen noch eine eigenständige Gemeinde, es gab jedoch bereits Überlegungen zum Zusammenschluss der kleineren Gemeinden. Nachdem 1971 eine Zusammenlegung mit Eickhorst und Adenbüttel an der Namensgebung der neu zu schaffenden Gemeinde scheiterten, erwägte man einen Zusammenschluss mit Vordorf. Am 21.02.1974 war die letzte Sitzung des Rethener Gemeinderates, die mit der anschließenden Selbstauflösung endete. Am 28.06.1974 wurde der erste Gemeinderat der neuen Gemeinde Vordorf gewählt.
Vereine und Institutionen
Folgende Vereine und Institutionen befinden sich in Rethen:
- Kegelvereine: Gegründet 1928(„Morgenstern“) und 1954(„Gemütlichkeit“) treffen sich die Mitglieder der beiden Kegelvereine regelmäßig auf der Kegelbahn des Dorfgemeinschaftshauses.
- TSV Rethen: Gegründet 1947 zählte der Verein im Jahr 2000 insgesamt 637 Mitglieder. Der TSV hat heute neben mehreren Fußballmannschaften (Herren und Jugend) auch Sparten für Volleyball, Tennis, Gymnastik, Tanz, Taijiquan sowie Gesundheitssport. Dem TSV stehen zwei Fußballplätze, zwei Tennisplätze sowie eine Sporthalle zur Verfügung.
- Schützenverein: Gegründet 1962 zählte der Verein im Jahr 2000 insgesamt 275 Mitglieder. Das Schützenkorps verfügt über einen eigenen Luftgewehr-Schießstand und ist Ausrichter des jährlich stattfindenden Schützenfestes.
- Kleingartenverein: Gegründet 1949 umfasste der Kleingartenverein ursprünglich 80 Gärten. Im Jahr 2000 existieren noch 17 Gärten mit einer durchschnittlichen Fläche von 400qm
- Jugendclub Rethen: Gegründet 1973 besetzten zunächst Jugendliche ein altes Gebäude am Sportplatz das bis heute in Eigenleistung der Jugendlichen wiederholt um- und ausgebaut wurde. Der Jugendclub Rethen ist der älteste selbstverwaltete Jugendclub des Landkreises Gifhorn und, soweit bekannt, auch der älteste Norddeutschlands. 1995 hatte der Jugendclub 88 eingetragene Mitglieder.
- Chor „Polyhymnia“ gegründet 1895
Regelmäßige Veranstaltungen
Osterfeuer
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Das Rethener
Osterfeuer findet traditionell am
Ostersonntag am frühen Abend statt. Als Veranstalter übernimmt der Jugendclub Rethen die Organisation, inkl. der Holzsammlung und der Verköstigung. Die Feuerwache vor und nach dem Abbrennen wird ebenfalls vom Jugendclub durchgeführt. Die Notwendigkeit einer Wache in den Nächten vor dem Abbrennen ergibt sich durch eine Tradition unter den Jugendlichen. Hierbei wird ersucht das Osterfeuer eines anderen Dorfes bereits vor dem offiziellen Feuertermin zu entzünden. In Rethen gelang dies zuletzt 2003. Dass trotzdem ein offizielles Feuer stattfinden konnte, lag an dem massiven Einsatz der Jugendlichen und Mithilfe der örtlichen Waldbesitzer. Die Termine des Feuers sowie die Termine der Holzsammlung werden i.d.R. einige Zeit vorher durch Handzettel allen Haushalten bekannt gegeben. Das Feuer wird auf der sog. „Schweineweide“ veranstaltet, die durch Ihre Wälle einen optimalen Windschutz bietet.
Schützenfest
Der genaue Ursprung der Dorffeste in Rethen ist nicht bekannt, allerdings gehen diese wahrscheinlich bis ins 19. Jahrhundert zurück. Die älteste erhaltene Schützenscheibe stammt aus dem Jahr
1883. Zum
Schützenfest ermittelt das Schützenkorps Rethen seine
Schützenkönige und Königinnen, die anschließend während des Festes geehrt werden. Teil dieser Ehrung ist das Abholen der Könige mittels zweier Festumzüge Samstags und Sonntags durch das Dorf. Fester Bestandteile des Rethener Schützenfestes sind auch die durch den Jugendclub Rethen ausgerichtete Festzeltdisco (Freitag abends) sowie das gemeinsame Frühstück der Dorfbewohner am Sonntagmorgen. Regelmäßig sind auch heute noch
Schausteller anwesend, die verschiedene Attraktionen und „kulinarische Spezialitäten“ anbieten.
Sehenswürdigkeiten
Megalithgrab
1995 wurde bei Feldarbeiten ein
Großsteingrab in der Rethener Gemarkung (im Waldgebiet Maaßel) gefunden. Sechs (eher kleine) Steine bilden eine in Ost-West Richtung ausgerichtete Anlage. Aufgrund von Untersuchungen durch das Kreisarchäologische Amt wird die Anlage auf etwa
3000 v. Chr. datiert. Es wird davon ausgegangen, das es sich um ein
Kollektivgrab in Hüttenform handelte. Die zu dem Grab gehörende jungsteinzeitliche Siedlung wird in einem Umkreis von etwa 3km vermutet.
Bei dem Grab handelt es sich wahrscheinlich um eine gestörte Anlage, die früher mit Holz oder Steinen abgedeckt war. Einige größere Steine sowie die Abdeckung wurden wahrscheinlich entfernt und z.B. zum Hausbau genutzt. Die Anlage wurde begehbar gemacht und 1996 der Öffentlichkeit übergeben. Es handelte sich um das erste bekannte Großsteingrab im Landkreis Gifhorn.
Rethener Kreuzigungsgruppe
Die
Kreuzigungsgruppe ist ein bedeutendes Exponat der niedersächsischen Sakralkunst des
späten Mittelalters und besteht aus den drei Figuren
Maria ,
Johannes und
Christus. Die Figuren von Maria und Johannes sind stark beschädigt, die Christus Figur ist nur noch in seinen oberen Teilen erhalten geblieben. Auffällig an der Gruppe sind die kunstvolle Gestaltung der Haare sowie der Gewänder der Figuren.
Die Gruppe wurde in der Zeit von 1525 bis 1528 von Levin Storch geschnitzt. Levin Storch wurde aufgrund der Qualität dieser Arbeit auch einige Zeit unter dem Namen „Meister von Rethen“ bekannt. In Braunschweiger Kirchen finden sich weitere Kunstwerke dieses Künstlers. Die Anfertigung dieser Gruppe ist wahrscheinlich den „Herren von Rethen", also den Patronatsherren zu verdanken. Heute kann die Kreuzigungsgruppe zusammen mit einer ebenfalls aus der Rethener Kirche stammenden Madonna im Historischen Museum in Gifhorn besichtigt werden.
Literatur
- Falk, Michael (2001), Geschichtliches aus Rethen – Namen, Zahlen und Daten, Dokumente und Fotos; Adenbüttel 2001
- Der Landkreis Gifhorn. Hrsg. von Niedersächsischen Landesverwaltungsamt. Bremen 1972. (Die Landkreise in Gifhorn, Bd. 26. ISBN 3-87172-327-4.)
- Klose, Heinz (1983) Geschichtliches aus dem Papenteich; Meine 1983; ISBN 3-87040-029-3.
- Meibeyer, Wolfgang (1994) Siedlungskundliches über den den Papenteich; Schriftreihe des Landkreises Gifhorn; Gifhorn 1994
Weblinks
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