Der Republikanische Schutzbund war die 1923/24 gegründete paramilitärische Organisation der Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs (SDAPÖ). Hervorgegangen war er zum Teil aus der, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahr 1918 formierten, Volkswehr. Er sollte für die Sozialdemokraten das Gegengewicht zu den 1920 geschaffenen christlichsozialen Heimwehren und vor allem das ebenfalls von Vertretern des CS dominierte Bundesheer bilden. Mitbegründer und Obmann war Julius Deutsch, zu seinen Mitarbeitern zählten Theodor Körner (1945-51 Bürgermeister von Wien, 1951-57 Bundespräsident) und der Heeresoffizier Alexander Eifler. 1928 zählte der Republikanische Schutzbund etwa 80.000 Mitglieder und war vor allem in Wien und den Industriegebieten Oberösterreichs, Niederösterreichs, Kärntens und der Steiermark vertreten. Als bewaffneter Wehrverband der SDAPÖ war er bis zum Ende der 1920er Jahre den Wehrverbänden der Christlichsoziale Partei und der Nationalsozialisten (Sturmabteilung) an Bewaffnung und organisatorischer Struktur überlegen und sollte ihr eine Vorrangstellung in bewaffneten Auseinandersetzungen mit den bürgerlichen und deutschnationalen Kräften sichern.
Am 20. Mai 1933 wurde unter Führung des christlichsozialen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß die Vaterländische Front (VF), als Nachfolgerin der CS, als „überparteiliche“, katholisch orientierte und strikt antimarxistische politische Organisation „aller vaterlandstreuen Österreicher und Österreicherinnen“ gegründet. Kurz darauf erklärte das austrofaschistische Regime (vgl. Ständestaat) oppositionelle Parteien und Organisationen, darunter auch die KPÖ und die Freidenker, nach und nach für aufgelöst. Am 30. Mai erfolgte das Verbot des Republikanischen Schutzbundes, der aber, als nunmehr illegale Organisation, weiterhin bestand.
Das Ende des Republikanischen Schutzbundes kam in Folge des Österreichischen Bürgerkrieges im Februar 1934. Auslöser des Bürgerkriegs war eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Angehörigen des Schutzbundes und der als Hilfspolizei eingesetzten Heimwehr unter Führung von Innenminister Emil Fey am 12. Februar 1934. Heimwehr und Polizei waren beauftragt worden, das Linzer Parteiheim der Sozialdemokraten im „Hotel Schiff“ in Linz zu durchsuchen um dort Waffen einzusammeln. Die Anwesenden widersetzten sich und eröffneten das Feuer. Die Kämpfe weiteten sich auf weitere Teile der Stadt aus und am Nachmittag kam es auch in Wien und der Steiermark zu ersten Gefechten. Nach dem Ende der Kämpfe wenige Tage später hatten Polizei, Heimwehren und das zur Unterstützung gerufene Bundesheer den Widerstand des Schutzbundes gebrochen. Das Regime erklärte die SDAPÖ und alle ihre Organisationen für aufgelöst, enthob deren Politiker aller Ämter und löste darüber hinaus die Gewerkschaften wie auch den Verfassungsgerichtshof auf.
Mehr als 200 Angehörige des Schutzbundes wurden während der Kämpfe getötet. Einige führende Mitglieder, darunter Karl Münichreiter, Georg Weissel und der steirische Nationalratsabgeordnete Koloman Wallisch, wurden standrechtlich hingerichtet. Mehrere hundert gefangen genommene Schutzbündler wurden in Anhaltelagern inhaftiert. Viele Sozialdemokraten flohen in die Tschechoslowakei, darunter Otto Bauer, in die Sowjetunion, wo sie später zum Teil den Säuberungsaktionen Josef Stalins zum Opfer fielen, oder schlossen sich, wie Julius Deutsch, den Internationale Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg an.
Siehe auch: Österreichische Geschichte
Sozialdemokratische Partei Österreich | Österreichische Geschichte | Österreichische Militärgeschichte | paramilitärische Organisation | Widerstand gegen den Austrofaschismus
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