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Die Italienische Sozialrepublik (Repubblica Sociale Italiana – RSI), auch Republik von Salò (Repubblica di Salò) bzw. Sozialrepublik Italien war ein faschistischer Staat in Norditalien unter der militärischen Protektion Deutschlands. Der Staat bestand zwischen September 1943 und Ende April 1945 und führte den Krieg bis zum Ende auf Seiten der Achsenmächte weiter. Die Hauptstadt war Salò am Gardasee, Staatschef der am 25. Juli 1943 abgesetzte diktatorische Ministerpräsident von Italien Benito Mussolini.
Die Italienische Sozialrepublik wurde an jenem 23. September 1943 mit sechs Tagesbefehlen ausgerufen. Der neue faschistische Staat auf italienischem Boden wurde zu Beginn nur vom Deutschen Reich und Japan anerkannt, später auch von den mit den Achsenmächten verbündeten Staaten wie Bulgarien, Finnland, Mandschuko, Rumänien, Slowakei und Ungarn. Auch der Vatikan erkannte nach kurzem Zögern die RSI diplomatisch an. Eine der ersten außenpolitischen Handlungen, wenn nicht gar die erste überhaupt, bestand darin, dem weiter bestehenden Königreich Italien im Süden des Landes den Krieg zu erklären.
Das Königreich Italien im Süden unter König Viktor Emanuel III. und der Protektion der Alliierten erkannten die RSI offiziell nicht an, reagierte jedoch auf die Kriegserklärung der RSI, was einer de facto Anerkennung gleichkam.
Die Gebiete am Alpenhauptkamm waren schon am 12. September 1943 von den Deutschen in den Operationszonen Alpenvorland (Südtirol) und Adriatisches Küstenland (Istrien und Triest) zusammengefasst worden. Sie standen unter deutscher Verwaltung, gehörten aber formell weiterhin zur Republik von Salò. Venedig sollte dagegen nach seiner eventuellen Eroberung zur Republik kommen. Auch Süditalien (südlich von Rom) und die Inseln gehörten nicht zur Republik von Salò, weil dort bereits die Alliierten standen. Ab Ende 1944 bestand das Staatsgebiet der RSI nur noch aus dem nördlichen Teil Italiens.
Während Italien vorher ein zumindest formell gleichberechtigter Verbündeter Deutschlands war, der immer noch – in gewissen Grenzen – eine eigenständige Politik betreiben konnte, war die Republik von Salò eher ein Marionettenstaat. So begann jetzt die Deportation der italienischen Juden, der das Regime der Sozialrepublik nichts entgegensetzte und diesbezüglich sogar einige Gesetze des Großdeutschen Reichs adaptierte, sofern sie nicht bereits vor 1943 vom faschistischen Regime übernommen worden waren.
Dennoch muss die Sozialrepublik Italien als ein tatsächlich handlungsfähiger Staat angesehen werden, denn im Inneren hatte die RSI weitgehend freie Hand. Sie besaß auch die typischen Merkmale eines Staates wie z.B. eigene Währung, Postwesen, Kfz-Kennzeichen, Rundfunk, Briefmarken, Gesetzgebung und öffentliche Verwaltung. Allerdings waren die meisten Institutionen teilweise oder vollständig militärisch strukturiert, so etwa auch die Feuerwehr (Vigili del Fuoco), die stets bewaffnet sein musste. Es gab eine eigene Polizeitruppe (Guardia Nazionale Repubblicana, GNR) neben der nach wie vor bestehenden Finanzwache (Guardia di Finanza) und einen eigenen Geheimdienst. Die Sozialrepublik kannte die Organisation der Carabinieri allerdings nicht, denn diese wurde von Anbeginn auf Befehl von Mussolini aufgelöst und durch die GNR ersetzt.
Der forcierte staatliche Militarismus zeigte sich nicht nur durch die häufigen Aufmärsche und Militärparaden, er wirkte sich in praktisch allen Bereichen des öffentlichen Lebens aus. Sämtliche öffentlichen Bediensteten waren uniformiert, und auch an den Schulen waren Uniformen Pflicht. Ende 1944 wurden bei einem Streik der Straßenbahn- und Obus-Arbeiter der Mailänder Verkehrsbetriebe die Fahrer und Schaffner von Soldaten und Schwarzhemden ersetzt, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.
Das Regime der Italienischen Sozialrepublik war in jeder Hinsicht radikaler und kompromissloser als jenes vom faschistischen Italien vor 1943 und fiel durch besonders harte repressive Verfolgung von tatsächlichen und bzw. oder potenziellen politischen Gegnern sowie Partisanen auf. So wurden die Presse scharf zensiert und Konzentrationslager für Regimegegner errichtet. Außerdem wurden, soweit man ihrer habhaft wurde, jene Faschisten, welche im Juli 1943 im Faschistischen Großrat gegen Mussolini stimmten, verhaftet, in Scheinprozessen verurteilt und durch Erschießen hingerichtet (u.a. der ehemalige Außenminister Galeazzo Ciano und Marschall Emilio De Bono). Manche Historiker bezeichnen das Regime der RSI angesichts der veränderten Tatsachen manchmal auch als „radikalfaschistisch“. Bei den italienischen Partisanen hatte die RSI in Anspielung darauf den Spitznamen „La fascistissima Repubblica“ (Die allerfaschistischste Republik).
| Staatschef | Benito Mussolini | (1943-1945) | ||
| Außenminister | Benito Mussolini | (1943-1945) | ||
| Verteidigungsminister | Marschall Rodolfo Graziani | (1943-1945) | ||
| Innenminister | Guido Buffarini-Guidi | (1943-1945) | Valerio Zerbine | (1945-1945) |
| Justizminister | Antonino Tringali-Casanova | (1943-1943) | Pietro Pisenti | (1943-1945) |
| Finanzminister | Giampietro Pellegrini | (1943-1945) | ||
| Industrieminister | Silvio Gai | (1943-1943) | Angelo Tarchi | (1943-1945) |
| Minister für öffentliche Werke | Ruggero Romano | (1943-1945) | ||
| Kommunikationsminister | Augusto Liverani | (1943-1945) | ||
| Arbeitsminister* | Giuseppe Spinelli | (1945-1945) | ||
| Minister für nationale Erziehung | Carlo Alberto Biggini | (1943-1945) | ||
| Minister für Volkskultur | Fernando Mezzasoma | (1943-1945) | ||
| Führer des PFR | Alessandro Pavolini | (1943-1945) | ||
| Sekretär des PFR | Achille Starace | (1943-1945) |
Diverse Einheiten der RSI-Landstreitkräfte, teilweise in Deutschland ausgebildet, waren für ihre außerordentlich brutale Kampfführung berüchtigt. Dieser fielen zahlreiche Partisanen zum Opfer und konnte selbst den Alliierten Schwierigkeiten bereiten. Meistens waren die Landstreitkräfte der RSI jedoch in eher kleinere Operationen involviert und traten selten in größeren Verbänden gegen die Alliierten an, da die Deutschen ihnen trotz offensichtlicher fanatischer Entschlossenheit anfangs noch nicht voll vertrauten. Ihre Feuertaufe erlebte die RSI-Armee 1944 bei den Kämpfen in Anzio-Nettuno, wobei sie sich gut bewährten. Die einzige wirklich groß angelegte offensive Operation war ein Gegenangriff eines Regiments in den Apenninen gegen US-amerikanische Einheiten im Winter 1944. Der Einsatz war ein voller Erfolg, die Truppen der RSI erwiesen sich dabei als taktisch geschickt und sehr aggressiv. Es wurden auf Anregung Mussolinis sogar zwei italienische Waffen-SS-Divisionen zur Aufstellung vorgesehen, wobei tatsächlich nur eine, die 29. Waffen-Grenadier-Division der SS (italienische Nr. 1), auch aufgestellt wurde. Italienische SS-Soldaten waren auch in einigen anderen Divisionen zu finden, so z.B. in der 24. Waffen-Gebirgs(Karstjäger)-Division der SS und in kleiner Zahl auch in einigen anderen. Letztere Einheit wurde vor allem gegen kommunistische Partisanen im Hinterland von Triest und Istrien eingesetzt. Die Aktionen gegen italienische Partisanen kamen schon mal den Zuständen eines Bürgerkrieges nahe, auch wenn dieser sich in Italien nicht im absoluten Sinne zugetragen hat. Bei Einsätzen gegen jugoslawische Partisanen (Slavocomunisti genannt) kam es zu äußerst gewalttätigen Exzessen mit Massenerschießungen sowie gewaltigen sinnlosen Zerstörungen.
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