Rennes * (bretonisch: Roazhon, gallo: Resnn) ist die Hauptstadt der französischen Region und des früheren Herzogtums Bretagne. Zugleich ist Rennes Präfektursitz des Départements Ille-et-Vilaine. Mit einer Bevölkerung von 212.494 Einwohnern (1999) ist Rennes die zehnte unter den bevölkerungsreichsten Städten Frankreichs.
Geografie
Rennes liegt im Westen Frankreichs im Osten der Bretagne an der Mündung der Illet in die
Vilaine und erstreckt sich auf einer Fläche von 50,39 Quadratkilometer.
Die Stadt erlebt seit ein paar Jahren einen großen Aufschwung. Im Großraum Rennes leben heute 550.000 Einwohner.
Geschichte
Frühzeit und Mittelalter
Rennes war im
römischen Reich unter dem Namen
Condate ("Zusammenfluss", nach der Lage) bekannt, die Kelten nannten den Ort
Resnn. Condate war der Hauptort der Civitas Riedonum, also der Gegend der Riedoner. In Rennes hat sich eine Inschrift erhalten, die einen Duumvirn Titus Flavius Postuminus nennt, also aus der Zeit der Flavier stammen dürfte. Die zunehmende Bedrohung durch Invasoren führte im Jahr
275 zum Bau einer Stadtbefestigung, zudem erlangte die Stadt als Bischofssitz an Bedeutung. Nachdem in England die dortigen
Briten seit Mitte des 5. Jhs. von den Angelsachsen bedrängt wurden, wanderten einige Briten in die bis dahin Aremorica genannte Gegend im Nordwesten Galliens,
Chlothar I., dem Begründer des
Frankenreiches gelang es im Jahr
497 allerdings, eine, wenn auch lockere, Oberhoheit der Merowinger über die "Bretonen" genannten Einwanderer zu etablieren.
Karl der Große errichtete dann im Osten des Herzogtums Bretagne die
Bretonische Mark, die die Grafschaften Rennes, Vannes und Nantes umfasste. Gegen die Bretagne selbst zog Karl in den Jahren
786 und
799, ohne sie seinem Reich einzuverleiben. Im Jahre
851 konnte sich Nominoë der Stadt und der Grafschaft Rennes bemächtigen und sie auch gegen den westfränkischen König
Karl den Kahlen halten, der vergeblich versuchte, sie zu erobern. Während Nominoës Nachfolger immer wieder im Streit mit den Grafen von Nantes lagen, griffen seit etwa
875 auch die
Wikinger in diese Auseinandersetzungen ein, zumal sie in Noirmoutier vor der bretonischen Küste einen Stützpunkt besaßen. Um 880 kam Herzog Judicaël dabei in der Schlacht von Qustembert gegen Alain I. ums Leben, der Graf von Nantes war und sich mit den Normannen verbündet hatte; durch diesen Sieg erlangte Alain die Herrschaft über die Bretagne. Nach dessen Tod
907 kam es erneut zu normannischen Eroberungsversuchen,
937 wurde dann Alain II. Herzog der Bretagne.
952 erlangten dann die Normannen die Herrschaft über die Bretagne, die allerdings
990 ihre Selbständigkeit unter Conan I. zurückerlangte, der außerdem einen Angriff des Grafen von Anjou abwehren konnte und der, als einziger der bretonischen Herzöge, in Rennes eine von Frankreich unabhängige Münzprägestätte durchsetzte. Auf dessen Dynastie folgte ab
1066 die ebenfalls in Rennes residierende Dynastie Cornouaille mit Hoël I.; dessen Sohn Alain IV. war der letzte bretonisch sprechende Herzog der Bretagne und ein Teilnehmer des 1. Kreuzzugs. Es folgte Conan III., nach dessen Tod
1148 es zu Erbfolgestreitigkeiten kam, die sein Enkel Conan IV.
1156 für sich entscheiden konnte. Allerdings war der Bretagne mittlerweile
1154 im Angevinischen Reich
Heinrichs II. ein mächtiger Rivale entstanden. Dessen Sohn Gottfried heiratet Conans Erbtochter Konstanze, sodass die Plantagenets Herzöge der Bretagne werden. Gottfrieds Nachfolger Arthur geriet in die Auseinandersetzungen zwischen dem französischen König Philipp II. August und dem englischen König Johann Ohneland (Arthurs Onkel), in dessen Verlauf der profranzösische Arthur
1203 getötet wird. Als eingezogenes Lehen gelangte die Bretagne nun unter die Oberhoheit Frankreichs, dessen König hier das Haus Thouars bzw. wenig später das Haus Dreux einsetzte. Mit Johann III. erlosch die Dynastie
1341. Zwischen den Erben Karl von Blois und Johann von Montfort kommt es daraufhin von 1341-
1364 zum
Bretonischen Erbfolgekrieg, unter dem auch die Stadt Rennes zu leiden hatte, eine Auseinandersetzung, die im Zusammenhang mit dem gleichzeitigen
Hundertjährigen Krieg zu sehen ist, da Johann als Kandidat der Engländer und Karl als der der Franzosen gilt. Die Montforts setzen sich schließlich durch und regieren in Rennes für die nächsten anderthalb Jahrhunderte. Diese verfolgen eine zunehmend pro-französische Politik, zumal nachdem die Engländer vom Kontinent vertrieben wurden. Der letzte bretonische Herzog, Franz II. (
1458-
1488), allerdings betonte noch einmal die bretonische Eigenständigkeit, richtete als dessen Symbol in Rennes ein eigenes Parlament als Gerichtshof für die Bretagne ein und näherte sich den Habsburgern an, doch konnte er nicht verhindern, dass der französische König und dessen Heerführer La Tremouille nach seinem Tod seine Residenz Rennes angriffen und schließlich die Hochzeit der Erbtochter Anne mit König
Karl VIII. erzwangen, wodurch dieser zum Erben des Herzogtums wurde und es
1491 der französischen Krone unterwarf. Das Gebiet wird
1532 durch König
Franz I. schließlich offiziell mit Frankreich vereinigt.
Neuzeit
Rennes prosperierte in der Folge durch den anwachsenden Überseehandel, die Tuchproduktion und die Landwirtschaft der Gegend. Unter Ludwig XIV. stiegen dann die Belastungen allerdings stark an und die bislang den Bretonen gewährte Steuerfreiheit auf Salz wurde aufgehoben; es kam in Rennes daraufhin
1675 zu einer Rebellion, die blutig niedergeschlagen wurde. Im Jahre
1720 verwüstete ein Feuer große Teile der Stadt. Die heutigen großen Plätze verdanken ihre Gestalt dem Wiederaufbau nach der Katastrophe unter der Leitung des Architekten
Joseph Abeille.
1789 zeigten sich zunächst deutliche Sympathien für die Revolution, als diese sich dann aber gegen die Kirche wendete, zeigte sich bei der traditionsverbundenen Bevölkerung (den
Chouans) Widerstand, der von der Zentralregierung in Paris niedergeschlagen wurde. Um künftigen Unabhängigkeitsbestrebungen vorzubeugen, wurde daraufhin die Bretagne in 5 Départements aufgeteilt, Rennes wurde Sitz des Départements Ille-et-Villaine.
1857 erhielt die Stadt einen Eisenbahnanschluss. Hier fand
1899 der Revisionsprozess in der
Affaire Dreyfus statt.
Im 20. Jahrhundert erlebte der bretonische Nationalismus eine Erneuerung. Er zeigte sich in kulturellen Initiativen, etwa der Wiederbelebung der bretonischen Sprache, aber auch in gewaltsamen Aktionen. So wurde in Rennes ein Denkmal gesprengt, dass an den Treueschwur der Bretonen gegenüber Frankreich erinnerte. Der Versuch der deutschen Invasoren allerdings, diese Bewegung im Zweiten Weltkrieg für ihre Zwecke auszunutzen, scheiterte; Bretonen beteiligten sich ebenso wie Franzosen am Kampf gegen die Besatzungsmacht, die 1944 aus Rennes wieder abzog. Nach dem Krieg bemühte man sich, die lange vernachlässigte Region zu fördern, so wurde in Rennes eine Automobilfabrik gebaut. Als Symbol für die kulturelle Eigenständigkeit der Bretonen kann gelten, dass seit 1985 die Straßenschilder zweisprachig sind, auch wenn französisch weiterhin offizielle Amtssprache ist und im Osten der Bretagne um Rennes das Bretonische weniger verbreitet ist als im Westen. Die traditionelle Sprache der Region von Rennes ist vielmehr das Gallo, ein galloromanischer Dialekt. Schlagzeilen machte schließlich der Brand des alten Parlamentsgebäudes von Rennes im Jahr 1994.
Kultur und Wissenschaft
Zwei Universitäten (Rennes 1: Wissenschaft und Philosophie und Rennes 2: Geisteswissenschaften, Sprachen, Literatur) und eine große Zahl an Studenten (rund 50.000) bestimmen den Alltag der Stadt. Gleichzeitig finden zahlreiche Festivals (wie das Musikfestival
Les Transmusicales,
Les tombées de la nuit sowie
Rock and Solex, das erste Studentenfestival des Landes) statt, die über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt sind.
Sehenswürdigkeiten
An der Place des Lices:
- Les Halles Martenot (19. Jh.)
- Portes Mordelaises, ein kleines Stadtschloss mit zwei Türmen und Zugbrücke
- Reste der alten Stadtmauer (3. Jh.)
- Tour Jehan Duchesne (15. Jh.)
- Befestigungen des 15. Jhs.
An der Place St. Anne:
- Kirche Saint-Aubin
- Altes Hospiz (14. Jh.)
- Jakobinerkonvent
An der Rue Saint-Mélaine:
- Kirche Notre-Dame en Saint-Mélaine
- Benediktinerkloster Saint-Méöaine (9. Jh.)
- Jardin du Thabor (frz. Garten mit Orangerie, Rosengarten und Volière)
- Promenade "La Motte à Madame" mit Monumentaltreppe
An der Rue Saint-Georges
- Palais Saint-Georges mit Park
An der Place de la Mairie (Plasenn Ti Ker):
- Mairie (Rathaus)
- Opernhaus
Südlich der Villaine:
- Museum der Schönen Künste
- Bretagne-Museum
Verkehr
Die Verkehrsanbindungen sind gut. Neben der Schnellstrassenanbindung besitzt Rennes einen Anschluss an das
TGV-Netz. Der
TGV-Atlantique verbindet beispielsweise Paris mit den Finistère-Städten Quimper und Brest. Der öffentliche Nahverkehr wird durch ein Bussystem und eine vollautomatische
U-Bahn, seit 2002 in Betrieb, abgefertigt. Südwestlich der Stadt befindet sich ein Flughafen.
Industrie
Neben der Produktion von Kraftfahrzeugen der Firma
Citroën (die damit eine bretonische Marke ist) - das Werk befindet sich im Vorort St. Jacques-de-la-Lande, unmittelbar neben dem Flughafen -, stellt der Bereich der Telekommunikation den bedeutendsten Wirtschaftszweig der Stadt. In Rennes befindet sich die Hauptredaktion von
Ouest-France, der auflagenstärksten Zeitung Frankreichs.
Bürgermeister
Bürgermeister
Edmond Hervé ist seit
1977 im Amt.
Sonstige Einrichtungen
In der Nähe des Ortsteils Thourie befindet sich eine Sendeeinrichtung für Mittelwelle, die als Sendeantenne einen 1982 errichteten 220 Meter hohen, gegen Erde isolierten, abgespannten Stahlfachwerkmast mit dreieckigem Querschnitt verwendet. Von dieser Anlage wird das Programm "France Info" mit einer Sendeleistung von 300 kW auf der Frequenz 711 kHz verbreitet.
Bis 1997 existierte noch ein zweiter Sendemast von 120 Metern Höhe, der für die Abstrahlung eines zweiten Radioprogramms im Mittelwellenbereich verwendet wurde.
Städtepartnerschaften
Das Parlament
Das Parlament liegt im Zentrum der Stadt. Es wurde im 16. Jahrhundert errichtet. Der Bau wurde mit Hilfe der Weinsteuer finanziert. Es war der höchste Ort der königlichen Justiz in der Provinz der Bretagne. Die ursprüngliche Treppen wurden abgerissen, weil die Richter nicht höher als der König stehen durften.
1675 wurde das Parlament (die Richter) nach dem "Papier-Timbré"-Aufstand nach Vannes geschickt, um die lokalen Ansprüche zu beruhigen. Die Stadt wurde ökonomisch schwach. Die Comtesse de Sévigné erklärte "Ohne Parlament ist Rennes nicht wertvoller als Vitré". Die Offiziere kamen
1690 auf königlichen Befehl zurück.
1720 hat die ganze Stadt gebrannt. Glücklicherweise wurde nur ein Teil des Parlamentsdachs beschädigt.
1726 wurde eine Eisenstatue von Ludwig 14. auf dem Platz errichtet, sie machte deutlich, dass das Parlament ein königlicher Machtort war.
1994 brannte das Parlament, die Beschädigungen waren gross, jedoch wurde das Schlimmste verhindert. Heute ist das Gebäude nach 10 Jahren Wiederaufbau saniert. Das Parlament ist heute noch der höchste Gerichtshof der Region.
Söhne und Töchter der Stadt
- Soazig Aaron, französische Schriftstellerin
- Eugène Bigot, Komponist und Dirigent
- Jacques Philippe Marie Binet, Mathematiker
- Georges Ernest Boulanger, französischer General
- Marcel Callo, katholischer Jugendarbeiter und Gegner des Nationalsozialismus
- Louis-René de Caradeuc de La Chalotais, französischer Jurist
- Julien Louis Geoffroy, dramatischer Kritiker
- René Pleven, französischer Politiker
- Laure Sainclair, französische Pornodarstellerin
- Charles Vanel, Schauspieler und Regisseur
- Auguste Hilarion de Keratry
Literatur
- Francois Bertin Rennes sous l'occupation Rennes: Ouest France, 1979
Weblinks
Ort in der Bretagne
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