Das klassische deutsche Reisebüro (ca. 13.000 in Deutschland - Tendenz abnehmend) ist tätig als Vermittler zwischen Kunden und verschiedenen Leistungsträgern wie:
Die nach wie vor wichtigste Quelle für qualifiertes Personal in Reisebüros ist die Ausbildung in diesen selbst zur Reiseverkehrskauffrau/zum Reiseverkehrskaufmann und zur Reiseverkehrsassistentin.
Aber auch mit zunehmenden Maß bringen Fachhochschulen und Studiengänge Abgänger mit guten Qualifikationen für die Reisebranche hervor. Denn nicht nur Counterpersonal ist notwendig, auch das Managementsegment braucht Nachwuchs.
Die Gründung oder Eröffnung eines Reisebüros erfordert keine spezielle Qualifikation, mit einer Anmeldung beim Gewerbeamt öffnet es bereits seine Pforten. Allerdings sind für Reiseveranstalter andere Voraussetzungen notwendig. Will also ein Reisebüro auch Reisen veranstalten, muss es sich um diese zusätzlichen Voraussetzungen kümmern (Insolvenzversicherung).
Für die Vermittlung von Aufträgen erhalten Reisebüros im Rahmen von Partnerprogrammen von den jeweiligen Leistungsträgern gegenwärtig eine Provision, die je nach Reiseveranstalter zwischen 6% und 10% des Reisepreises liegt. Wobei große Umsatzvolumen am Jahresende durch so genannte Overridings in Form von einem erhöhten Provisionssatz abgegolten werden. In den letzten Jahren hat sich hier auch eine Entwicklung angebahnt, die Umsatzrückgänge in einem Jahr mit Provisionsrückzahlungen oder -kürzungen im nächsten Jahr nach sich ziehen. All diese Mechanismen bringen den Konsumenten im Grunde auch Nachteile. Denn vermittelnde Reisebüros werden immer häufiger dazu gezwungen, nur die Produkte eines oder weniger Leitreiseveranstalter verstärkt anzubieten, um diese Umsatz- und Provisionsvorgaben erfüllen zu können. Dadurch kann die Objektivität in der Beratung in den Hintergrund treten.
Seit den 1960er Jahren wuchs der Umsatz jährlich enorm. Damit lebten die Reisebüros wie die Tourismusbranche insgesamt bis zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht schlecht. Seither erlebt die Branche einen tiefgehenden Wandel mit teils erheblichen Umsatzrückgängen, aber auch Einbußen bei den Provisionen. Diese Tendenz wird durch weitere Faktoren verschärft:
Reiseangst spielt gegenwärtig keine große Rolle mehr.
Das klassische Reisebüro mit seinem Handelsvertreterstatus wird zunehmend in Frage gestellt. Veranstalter und Fluggesellschaften suchen nach neuen und kostengünstigeren Vertriebswegen:
Damit geht das Tourismusgeschäft teilweise am Reisebüro vorbei.
Die immer größere Reiseerfahrung der Kunden und der schwindende Informationsvorsprung des Reisebüros stellen die Existenz vieler Reisebüros mittelfristig in Frage. Heute können sich Kunden per Internet detailliert über Hotels, Sehenswürdigkeiten, Transportmöglichkeiten in alle Welt informieren, einst eine klassische Kernfunktion des Reisebüros.
Im Jahre 2003 kündigte die Lufthansa als erstes bedeutendes Unternehmen den Reisebüros den traditionellen Vermittlerstatus auf. Die Reisebüros sind damit gezwungen worden, die Flugtickets bei der Lufthansa netto einzukaufen (d. h. das Reisebüro erhält keine Provision mehr von der Lufthansa) und mit einem Aufschlag (Serviceentgelt, Bearbeitungsgebühr, Buchungsgebühr, Handling-Fee) an den Kunden weiter zu verkaufen. Das heißt, im Internet zum Beispiel, kann der Kunde schon heute Tickets teilweise preiswerter als im Reisebüro beziehen. Allerdings auch mit der Einschränkung, nicht alle Verbindungen und Preise auf einen Blick sehen zu können, wie in den Reisebürocomputersystemen.
Bei dieser Entwicklung spielte die Lufthansa lediglich eine Vorreiterrolle. 99% der Fluggesellschaften haben sich dieser Praxis angeschlossen. Auch die Deutsche Bahn AG hat den DB Agenturen die Grundprovision seit Anfang 2005 auf 6% reduziert. Auch hier sind die Agenturen gezwungen, sich einen Teil der entgangenen Provision vom Kunden in Form von Serviceentgelten kompensieren zu lassen, um diese Leistungen überhaupt noch im stationiären Reisebürovertrieb anbieten zu können.
Reisebüros müssen sich also mittelfristig auf einen Wegfall der Provision bei der Vermittlung von Reiseveranstaltern einstellen mit der letzten Konsequenz, dass Kunden nur dann noch im Reisebüro buchen werden, wenn sie für die vom Reisebüro erhobene Serviceentgelt eine erfahrbare, nachvollziehbare Zusatzleistung erhalten, wie zum Beispiel eine überaus detaillierte und fundierte Beratung mit Spezialkenntnissen zum gewünschten Reiseziel. Denkbar wäre auch, dass Reisebüros für Beratung, unabhängig von einem Abschluss, Gebühren verlangen.
Wichtige Buchungssysteme auf dem deutschen Markt sind gegenwärtig noch AMADEUS (ehmals START - Marktführer in Deutschland) mit der Flugbuchungsmaske "AMADEUS" und der Touristikbuchungsmaske "TOMA". Daneben gibt es weitere Buchungssysteme, wie beispielsweise Sabre, Merlin, Worldspan oder Galileo, die vom klassischen Voll-Reisebüro eher selten benutzt werden. Darüber hinaus gibt es Hilfssysteme, die Preisvergleiche anstellen, noch buchbare Angebote heraus filtern und nach den Urlaubswünsche der Kunden Pauschalreisen bei den Veranstaltern finden.
Merkmale: Meist Kettenreisebüro, Jahresumsatz über 5 Mio €, kann auch hohen Umsatzanteil im Firmengeschäftsbereich haben
Merkmale: Touristik-Reisebüros sind meist von mittelständischer Struktur mit teilweise nur 1-2 Mitarbeitern. Der Jahresumsatz liegt unter 5 Mio €, meist Filialen von Reisebüroketten.
Wie in anderen Bereichen der Wirtschaft, hat vor Jahren die Konzentration auch in der Reisebranche begonnen. Der ursprüngliche Zweck dieser Zusammenschlüsse war es, bessere Einkaufsbedingungen bei den Anbietern zu erhalten (Gemeinsam sind wir stark!). Doch reichte bei vielen der finanzielle Hintergrund nicht für das Überleben aus und so wurde ein Teil der bestehenden Reisebüroketten von den großen Reiseveranstaltern aufgekauft und in deren Vertriebsnetz integriert. Und dieses dann weiter ausgebaut.
So teilen sich drei große Reisebüroketten im Privatkundengeschäft mehr als 2/3 des Umsatzes. Zu den Marktführeren zählen:
Durch die rasante Veränderung am Flugticketmarkt (Streichung oder Kürzung der üblichen neun Prozent Kommission, Einführung von Nettotarifen, Low Cost Carrier auch no-frills-carrier genannt usw.) haben aber Graumarkttarife ihren Stellenwert verloren.
Trotzdem haben Consolidator-Büros durchaus noch ihre Daseinsberechtigung. Denn es gibt eine Reihe von Reisebüros, die keine Lizenz zum Ausstellen von Flugtickets besitzen (so genannte IATA-Agenturen). Diese Reisebüros können bei Consolidators ihre Tickets beziehen.
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