Bacardifeeling-Koh Chang.jpg | Alta_via_meranese_2005-05.JPG | Angkor_Wat_W-Seite.jpg
Der Begriff Reise (v. althochdeutsch: risan aufstehen, sich erheben) bedeutet im Sinne der Verkehrswirtschaft die Ortsveränderung einer oder mehrerer Personen mit öffentlichen oder nicht öffentlichen Verkehrsmitteln außerhalb des Wirtschaftsverkehrs; im fremdenverkehrswirtschaftlichen Sinne die Bezeichnung für den Fremdenverkehrsvorgang als Summe der beiden Phasen "Ortsveränderung" (Fahrt) und Aufenthalt.
Arten
Nach dem Zweck des Aufenthalts am Zielort können insbesondere folgende Grundtypen unterschieden werden:
Urlaubsreise
Urlaubsreisen dienen primär der Erholung und Freizeitgestaltung. Werden sie von dem/den Reisenden selbst geplant, spricht man von
Individualreisen, bei Rückgriff auf die standardisierten Angebote von Reiseveranstaltern handelt es sich um
Pauschalreisen. Letztgenannter Typ wird häufig, aber nicht zwingend als
Gruppenreise durchgeführt.
Je nach Neigung, Interessen und Bedürfnisse des Reisenden wird eine Vielfalt von Reisearten angeboten. Primär Erholungszwecken dienen etwa Bade-, Wander- und Ski-, aber auch die Gesundheits-, Wellness- und kulinarische Reisen. Aktiver ausgerichtet sind indes Sport- und Abenteuer-. An Menschen mit vorwiegend kulturellen Bedürfnissen richten sich schließlich die Studien- oder Bildungsreisen, spezielle Ausprägungen sind etwa Sprach-, Städte-, Konzert- oder Opernreisen.
Als "Reiseweltmeister" gelten die Deutschen, die oft Fernreisen durchführen. Diese werden gemeinhin auch als Flugreise bezeichnet. Eine Sonderform der Urlaubsreise stellt die Weltreise dar, bei der - grob gesehen - einmal die Erdkugel umrundet wird.
Urlaubsreisen sind beliebte Preise etwa bei Gewinnspielen, werden aber auch von Arbeitgebern als Belohnungen für besonders erfolgreiche Mitarbeiter eingesetzt (sog. Incentive-Reisen).
Geschäftsreise
Wirtschaftlichen Zwecken dient die Geschäftsreise. Neben dem Aufsuchen von Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern etc. etwa zum Zwecke von Besprechungen, Beratungen und Verhandlungen sind insbesondere die
Messe- und
Fortbildungsreisen zu nennen. Sie werden überwiegend individual von Einzelpersonen oder kleineren Gruppen durchgeführt.
Pilgerreise
Aus religiöser Motivation werden
Pilgerreisen unternommen. Häufig dienen sie dem Aufsuchen geheiligter Stätten wie etwa
Rom,
Jerusalem,
Lourdes oder
Mekka, aber auch von Veranstaltungen wie etwa den
Kirchentagen. Mitunter werden Pilgerreisen als religiöse Pflicht vorgeschrieben (die
Hadsch im Islam), zumindest verheißen sie den Gläubigen aber Seelenheil, spirituelles Wachstum, Vergebung von Sünden, Heilungen von Gebrechen und ähnliches.
Missionsreise
Im Gegensatz dazu steht bei der
Missionsreise nicht das Heil des Reisenden selbst, sondern der „Besuchten“ im Vordergrund. Sie dient der Ausbreitung des Glaubens. Besonders aktiv waren und sind in diesem Bereich die
christlichen Kirchen sowie der
Islam.
Forschungsreise
Wissenschaftliche Ziele verfolgen schließlich die
Forschungsreisen (auch:
Expedition). Teils dienen sie der bloßen Konsultation in fremden Städten befindlicher Bibliotheken und Archive, häufig werden aber auch Ausgrabungen, Baudenkmäler, Gesteinsformationen, fremde Tier- und Pflanzenarten und dergleichen untersucht. Das Urbild des Forschungsreisenden stellt
Alexander von Humboldt dar, der Anfang des 19. Jahrhunderts
Mittel- und
Südamerika erkundet hat. Weitere Beispiele sind der Polarreisende
Giuseppe Acerbi sowie später der Tibetforscher
Heinrich Harrer.
Entdeckungsreise
Mit sogenannten
Entdeckungsreise sind etwa
Marco Polo,
Christoph Kolumbus,
Vasco da Gama,
Ferdinand Magellan und
James Cook in bis dahin (den Europäern) unbekannte Teile der Welt vorgestoßen. Heute ist dieser Reisetyp weitgehend nur noch von historischer Bedeutung, was damit zusammenhängt, dass die Erde heutzutage weitgehend als erkundet und vermessen gilt. Ausnahmen mag es noch in unzugänglichen Gebieten etwa am Amazonas oder im Himalaya geben.
Motivation
Während bei den meisten der genannten Reisearten die Motivation klar zutage tritt, ist sie speziell bei den Urlaubsreisen in erheblichem Maße diversifiziert. Insbesondere stellt sich die Frage, was Menschen dazu treibt, zum Zwecke der Erholung und Freizeitgestaltung gerade auf Reisen zu gehen.
A380 dsc04393.jpg (
Airbus A380)]]
Genannt werden als Motive insbesondere:
- Physische Motivation: Viele Menschen reisen, um sich zu erholen und zu entspannen.
- Psychische Motivation: Zum anderen gibt es solche, die zur Entlastung, Selbstfindung oder aus Abenteuerlust reisen.
- Interpersonelle Motivation: Gesellige Menschen gehen auf Reisen, um Gruppenerfahrungen zu sammeln.
- Kulturelle Motivation: Außerdem gibt es auch eine Menge von Menschen, die sich während ihres Reisens bilden und an dem Kennenlernen fremder Kulturen interessiert sind (speziell: Studienreise).
- Status- oder Prestigemotivation: Ferner gibt es Reisende, die durch ein bestimmtes Reiseverhalten ihr Ansehen oder ihre Anerkennung steigern wollen. Schon 1873 übertrieb Theodor Fontane: "Zu den Eigentümlichkeiten unserer Zeit gehört das Massenreisen. Sonst reisten bevorzugte Individuen, jetzt reist jeder und jede."
Gerhard Schulze stellt einen Zusammenhang der Reisemotivationen mit den einzelnen soziologischen Milieus her:
- Dem vom sog. Hochkulturschema geprägten Niveaumilieus gehören vorwiegend ältere Menschen der gehobenen Bildungsschichten an. Sie streben auf Reisen primär nach Bildung und persönlicher Entwicklung, weniger nach Amusement. Dementsprechend entscheiden sie sich vorwiegend für Bildungs- und Studienreisen und besuchen etwa Kirchen und Museen, aber auch „pittoreske“ Landschaften und Städte. Abgelehnt werden etwa Touristenmassen, Lärm und Unterhaltungsbetrieb.
- Die jüngere Generation derselben Bildungsschicht neigt verstärkt dem – ebenfalls am Hochkulturschema teilhabenden - Selbstverwirklichungsmilieu zu. Man schätzt vor allem „untouristische“ und „unverdorbene“ Orte „abseits ausgetretener Pfade“. Als klassische Reiseziele dieser Gruppe gelten etwa abgelegene Dörfer in Burgund oder der Toskana, aber auch exotische Gegenden wie der Himalaya.
- Durch eine Kombination von Hochkultur- und Trivialschema ist das vorwiegend von Angehörigen der mittleren Bildungsschicht formierte und in besonderem Maße zu Konformität neigende sog. Integrationsmilieu gekennzeichnet. Geschätzt werden erprobte und bekannte, durch eine gut ausgebaute Infrastruktur erschlossene Orte wie etwa die Sonnenküsten rund um das Mittelmeer, aber auch die österreichischen Berge und Seen. Gleichwohl werden in geringerem Maße auch Elemente der klassischen Bildungskanons wie etwa die Studienreise nach Paris integriert.
- Jüngere Menschen aller gesellschaftlichen Schichten versammeln sich schließlich im Aktionsmilieu, das vom Spannungsschema geprägt ist. In ihrem Reiseverhalten streben sie vor allen Dingen nach Dynamik, Abwechslung und körperlicher Bewegung. Geschätzt werden Orte, wo „etwas los“ ist, etwa die Diskotheken der Badeorte, „actionträchtige“ Metropolen wie Berlin oder London, aber auch Abenteuer- und Sportreisen. Auf der Jagd nach immer neuen Reizen werden gerne große Strecken zurückgelegt, insbesondere etwa auch durch Trampen oder Interrail.
- Im auf dem Trivialschema fußenden Harmoniemilieu schließlich finden sich vorwiegend ältere Menschen der einfacheren Bildungsschichten. Soweit überhaupt verreist wird, sucht man vorwiegend Ruhe, Erholung und Geborgenheit, insbesondere an bereits bekannten und vertrauten Orten im eigenen Land bzw. Sprachgebiet wie etwa dem Schwarzwald oder Südtirol. Das Freizeitprogramm besteht etwa aus Spaziergängen und Wanderungen, aus Badeaufenthalten und Heimatabenden.
Dauer
Nach der
Reisedauer unterscheidet man heute wissenschaftlich folgende Reisearten:
- Tagesausflüge (maximal 24h ohne Übernachtung)
- Kurzreisen (Reise von 2 bis 4 Tagen Dauer)
- Urlaubsreisen (alle Reisen mit mehr als 4 Tagen Dauer)
- Langzeitreisen (alle Reisen mit mehr als 3 Monaten Dauer)
Ablauf
Buchungsphase
Ursprünglich wurden die einzelnen Bestandteile wie Fahrt, Unterkunft etc. vom Reisenden unmittelbar bei den jeweiligen Leistungserbringern (Verkehrsunternehmen, Beherbergungsbetriebe) gebucht. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte die Buchung indes zunehmend, insbesondere bei
Pauschalreisen, über Vermittlung eines
Reisebüros. Seit dem Aufkommen des Internets ist insofern eine gewisse Umkehrung des Trends zu beobachten, als nun wieder verstärkt der Kunde selbst die Leistungen auf den Website der Anbieter auswählt und online bucht.
Verkehrsmittel
Klassische Reiseverkehrsmittel sind das Kraftfahrzeug (auch in Form des Trampens), der Omnibus und die Eisenbahn, in geringerem Umfang auch Fähren. Für längere Strecken, insbesondere die An- und Abreise zum Zielgebiet, kommt noch das Flugzeug hinzu. Eine Kombination stellt die Mitnahme des eigenen Autos etwa in Autoreisezügen oder Fähren dar.
Davon unterscheiden sind jene Verkehrsmittel, die nicht allein oder primär der Fortbewegung zum oder am Zielort dienen, sondern deren Benutzung infolge eines eigenen Erlebniswertes Selbstzweck ist. Zu nennen sind etwa Fahrrad- und Motorradreisen, aber auch die meisten Arten von Schiffsreisen (Kreuzfahrt, Flusskreuzfahrt, Frachtschiffreise, Segeltörn, Floßfahrt etc.) sowie Pferde-, Esel-, Kamel- oder Elefantenritte. Die Grenze zwischen Verkehrsmittel und Unterkunft schließlich verwischen Wohnwagen, Hausboot, Rotels und Dachzeltbusse.
Unterkunft
Der Aufenthalt am Zielort erfolgt klassischerweise in
Hotels oder
Pensionen, bei jüngeren Reisenden auch in
Jugendherbergen. Daneben haben sich Sonderformen wie das
Camping oder das Reisen mit dem
Wohnmobil etabliert.
Die Reise in Literatur und Kunst
Stets hat die
Reise auch ein zentrales Motiv in Literatur und Kunst dargestellt, häufig tragen sie dort ganz oder teilweise immaginäre und phantastische Züge. Frühe Beispiele sind
Homers
Odyssee bzw.
Vergils
Aeneis, die die Irrfahrten der namensgebenden Titelfiguren nach dem Fall
Trojas beschreiben. Als zentrale Figur aus dem arabischen Kulturkreis sei
Sindbad, der Seefahrer aus der Sammlung
Tausendundeine Nacht genannt, als Vertreter des europäischen Mittelalters die Pilger aus
Chaucers Canterbury Tales. Zu erwähnen sind weiter
Jonathan Swifts
Gulliver, zahlreiche Romane
Jules Vernes (
Reise um die Erde in 80 Tagen,
5 Wochen im Ballon etc.) sowie
Max Frischs bewegter Roman
Homo faber.
Von der erwähnten fiktionalen Literatur zu unterscheiden sind die Reiseberichte, in denen die Autoren ihre eigenen Erlebnisse auf Reisen schildern. Bedeutendstes Werk der Gattung dürfte Goethes Italienische Reise sein. Weitere wichtige Beiträge zum Genre kamen etwa von Heinrich Heine (Harzreise), Hermann von Pückler-Muskau, Gustave Flaubert (beide Orient), Hermann Hesse (Indien, Italien) und anderen.
Sonstiges
Der Ruf "Reise, Reise!" war auf Segelschiffen das Signal zum Aufstehen für die Matrosen (heute nur noch in der Marine gebräuchlich).
Siehe auch
- Tourismus und Sehenswürdigkeiten
- Tourismus, Tourismuswissenschaft, Geschichte der Tourismusforschung
- Länder, Kontinente, Suche Ort
- Reisebüro, Reiseveranstalter, Mitfahrzentrale, Reisebericht, Reisefotografie, Reiserecht, Reiseführer, Reiseliteratur, Reiseleiter, Fahrt, Personenverkehr, Wikitravel
Literatur
- Alain de Button: Kunst des Reisens. Frankfurt 2003, ISBN 3596158044
- Christoph Hennig: Reiselust. Frankfurt 1999, ISBN 3518395017
- Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart. Hamburg 2005, ISBN 3593378884
Weblinks
Reise
ভ্রমণ | Rejse | Travel | Voyage | Utazás | 旅行 | Podróż | Рейс | Travel