| Wappen | Karte |
|---|---|
| Wappen Reinhardshagen.jpg | KarteReinhardshagen.png |
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Hessen |
| Regierungsbezirk: | Kassel |
| Landkreis: | Kassel |
| Geografische Lage: | |
| Höhe: | 159 - 472 m ü. NN |
| Fläche: | 12,99 km² |
| Einwohner: | 5.119 (31. Dezember 2004) |
| Bevölkerungsdichte: | 394 Einwohner je km² |
| Postleitzahl: | 34359 |
| Vorwahl: | 05544 |
| Kfz-Kennzeichen: | KS |
| Gemeindeschlüssel: | 06 6 33 022 |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: | Amtsstraße 10 34359 Reinhardshagen |
| Website: | www.reinhardshagen.de |
| E-Mail-Adresse: | gemeinde@reinhardshagen.de |
| Politik | |
| Bürgermeister: | Lothar Merkwirth |
Die Gemeinde Reinhardshagen liegt in Deutschland im südlichen Weserbergland direkt an der Weser, zehn Kilometer nördlich der Fachwerkstadt Hann. Münden. Reinhardshagen gehört zum Landkreis Kassel in Hessen.
Die Gemeinde entstand 1971 im Laufe der Gebietsreform aus den beiden Orten Vaake und Veckerhagen, deren Geschichte bis ins 9. bis 12. Jahrhundert zurückreicht. Der Name der Gemeinde leitet sich vom westlich des Ortes liegenden Reinhardswald ab. Am Ufer der Weser steht das barocke Jagdschloss des Landgrafen Carl von Hessen-Kassel. In der einstigen Eisenhütte des Ortes wirkten Denis Papin und Robert Wilhelm Bunsen.
Reinhardshagen besteht aus den ehemals selbständigen Gemeinden Veckerhagen und Vaake, wobei Vaake wiederum aus dem Kernort und Vaake-Süd besteht, einem etwas abseits gelegenen kleinen Wohn- und Gewerbegebiet. In den 1980er Jahren ist ein Neubaugebiet zwischen Veckerhagen und Vaake entstanden. Hier befinden sich auch die Wesertalhalle (Bürgerhaus), eine Mittelpunktschule und Sportanlagen.
Das Gemeindegebiet umfasst 1.298 Hektar und reicht von der Landesgrenze zu Niedersachsen in der Wesermitte (159 Meter ü.NN) bis zum Gahrenberg und Staufenberg (jeweils 472 Meter ü.NN) im Reinhardswald. Weserabwärts erstreckt sich das Gemeindegebiet noch drei Kilometer über die nördliche Ortsgrenze von Veckerhagen hinaus bis zur ehemaligen Jugendherberge und weseraufwärts bis zur südlichen Ortsgrenze von Vaake. Neben den historischen Ortskernen, die sich unmittelbar an der Weser befinden, ziehen sich Wohnbebauungen den Hang zum Reinhardswald hinauf bis an die Waldgrenze.
In Vaake mündet die Ahle in die Weser, in Veckerhagen der Hemelbach. Beide entspringen nur wenige Kilometer entfernt im Reinhardswald.
Nachbargemeinden von Reinhardshagen sind das 100 Meter entfernte Hemeln im Osten, die Stadt Hann. Münden (9 Kilometer) im Süden, Sababurg (12 Kilometer) im Westen und Weißehütte (11 Kilometer) im Norden. Die Großstadt Kassel ist 32 Kilometer, die Universitätsstadt Göttingen 30 Kilometer entfernt.
Die Luft in diesem Oberwesergebiet ist außergewöhnlich rein. So liegt die mittlere Partikelkonzentration im niedrigsten Messbereich zwischen null und zehn Mikrogramm je Kubikmeter Luft (Quelle: Umweltbundesamt). Der Ortsteil Vaake erhielt bereits am 12. Dezember 1965 die staatliche Anerkennung als Luftkurort. Veckerhagen wurde am 18. Dezember 1969 mit der Auszeichnung Hessischer Familienferienort versehen. Beide Prädikate galten bis mindestens 1978, wurden aber später aufgrund schwer erfüllbarer Infrastruktur-Bedingungen nicht wieder beantragt und dürfen deshalb heute nicht mehr geführt werden.
Der normale Wasserstand der Weser beträgt in Reinhardshagen je nach Jahreszeit 35 bis 110 Zentimeter. Durch die nahen Quellflüsse Fulda und Werra, die Schmelz- und Regenwasser aus der Rhön und dem Thüringer Wald mit sich führen, steigt der Wasserstand regelmäßig fast jedes Frühjahr stark an. Dies kann dann zu Überflutungen der ufernahen Straßen in Vaake und Veckerhagen führen. Die Autofähre stellt ihren Verkehr ab einem Pegelstand von 2,7 Metern ein.
Am 6. Februar 1909 stieg die Weser in Veckerhagen auf nahezu sieben Meter und überschwemmte weite Teile des alten Ortskerns. Rund um Brauhaus und Kirche konnte man sich nur mit Booten fortbewegen. Das Hochwasser hielt mehrere Tage an und verursachte erhebliche Schäden.
Das nächste Hochwasser erlebten Vaake und Veckerhagen am 1. Januar 1926 mit einem Wasserstand von 6,50 Metern.
In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 wurde die Staumauer des Edersees durch einen britischen Fliegerangriff zerstört. Es entstand ein 70 Meter breites und 22 Meter tiefes Loch in der Mauer, aus dem rund 160 Millionen Kubikmeter Wasser strömten. Eine sechs bis acht Meter hohe Flutwelle ergoss sich durch das untere Edertal und über die Fulda schließlich ins Wesertal. Sie erreichte am 19. Mai abgeschwächt Vaake und Veckerhagen. Da die Bewohner der Orte über das bevorstehende Ereignis unterrichtet worden waren, konnten Schäden an Hab und Gut vermieden werden. Der Flurschaden war allerdings beträchtlich.
Im Februar 1946, am 12. März 1981, am 23. Dezember 1993, am 24. und 31. Januar 1995 und im Januar 2003 stieg der Weserpegel jeweils deutlich über 5,50 Meter, erreichte aber nie die Rekordmarke von 1909.
1925 wurde ein Auerhahn-Brutgebiet im Revier 1840/42 des Reinhardswalds unweit Veckerhagens erwähnt. Braunspecht, Turteltaube, Waldkauz, Uhu und Neuntöter sind in der Ortslage zu beobachten, ebenso wie Fischreiher und ein Storchenpaar, das seit einigen Jahren wieder in Vaake mit Erfolg nistet. Große Krähenschwärme bedrängen in den letzten Jahren die Landwirtschaft.
Die im Kasseler Raum sich ausbreitende Waschbärpopulation hat auch auf Reinhardshagen übergegriffen und macht Hausbesitzern zu schaffen.
In der Talbucht um Vaake und Veckerhagen bestanden urkundlich erwähnt im 12. Jahrhundert weitere acht Kleinsiedlungen, die noch vor dem Dreißigjährigen Krieg entweder wüst fielen oder in den Gemarkungen angrenzender Orte aufgingen und heute noch in Flurnamen wieder zu finden sind. So befanden sich nördlich von Veckerhagen Haltmerden und Herboldessen, zwischen Veckerhagen und Vaake Kaltenhof und südlich von Vaake Horode, Hottenhausen, Renebeck, Niederhagen und Altmünden.
Mit der Gründung des Reichsklosters Hilwartshausen unweit Vaakes erhielten ab 960 die Nonnen durch Stiftungen und Rodungen ebenfalls umfangreichen Grundbesitz im oberen Wesertal. 1003 ist ein solcher in Vaake nachgewiesen und urkundlich festgehalten. Dieses in lateinischer Sprache verfasste Papier schildert jedoch mehrere zeitlich voneinander unabhängige Vorgänge und verdichtet sie zu einem scheinbar in kurzen Abständen erfolgten Ereignis. Hieraus abgeleitet datierten die Historiker Karl A. Kroeschell und Hans-Walter Krumwiede die ersterwähnte Schenkung auf 965.
Das Staatsarchiv Marburg gelangte 1978 schließlich zu der Feststellung, dass unter Zugrundelegung der Corveyer Traditionen Vaake bereits früher erwähnt sei. Die Ersterwähnung Vaakes sei zwar in den Corveyer Traditionen nicht genau datiert, das Datum aber von Eckhardt mit ausreichender Genauigkeit auf 866 errechnet worden.
Reinhardshagen_Veckerhagen_2.jpg
Feckernhagen, Heinrichs Wohnort, bestand sicherlich schon einige Jahre, so dass man davon ausgehen kann, dass die Gründung des Ortes in die Schöneberger Rodungsperiode der Jahre 1270-1280 fällt. Die Edelherren von Schöneberg verloren durch Streitigkeiten mit der mainzischen Besatzung der Stadt Hofgeismar ihren dortigen Besitz und Einfluss und versuchten ab 1272 durch Rodungen am Ostrand des Reinhardswaldes wieder zu Eigenbesitz und Vogteirechten zu kommen. In dieser Zeit entstanden acht Siedlungen, darunter die nicht mehr existenten Horode und Herboldissen nahe dem heutigen Veckerhagen. 1278 schenkte, durch Urkunde belegt, Konrad von Schönberg die Rodung Horode dem Kloster Hilwartshausen. Auch wenn Veckerhagen bei diesem Vorgang nicht ausdrücklich erwähnt wurde, kann man seine Entstehung ungefähr in diesem Jahr vermuten.
1455 brannte die paderbornische Besatzung der Krukenburg unter der Führung der Ritter Georg von Spiegel und Johann von Winzingerode das Dorf Vaake, das im gemeinsamen Besitz von Braunschweig und Hessen war, nieder.
1538 tauschten die beiden Fürsten, Herzog Erich von Braunschweig und Landgraf Philipp von Hessen ihre gleichen Hälften an den Dörfern Vaake und Hemeln aus. Vaake wurde dadurch ganz hessisch und Hemeln ganz braunschweigisch.
Veckerhagen war ursprünglich ein Hof oder Hagen oder Hain, den die in Vaake ansässige, dem niederen Dienstadel entstammende Freibauernfamilie der Vecker (auch Feker) unter der Oberlehnherrschaft der Edelherren von Schöneberg durch Eichenwaldrodungen angelegt hat. Der Hof wurde 1342 von den damaligen Besitzern, den Rittern von Stockhausen, an den hessischen Landgrafen Ludwig abgetreten. Seine Größe wird daran deutlich, dass er in der entsprechenden Urkunde bereits als Dorf bezeichnet wird. Er wurde bis nach 1400 weiterhin von der bäuerlichen Ritterfamilie Vecker zu Lehen genommen.
Wichtig für die geschichtliche Entwicklung Veckerhagens war 1430-1431 die Anlage einer von einem Graben umgebenen, unmittelbar am Weserufer gelegenen Burg durch Landgraf Ludwig von Hessen. Sie ermöglichte das ungestörte Anwachsen des Ortes in ihrem Schutz. Die Herren von Stockhausen, niedersächsisch-hessischer Uradel, wurden wiederholt als Verwalter der Landgrafen von Hessen auf der Burg Veckerhagen genannt. In der Zeit von 1431 bis 1500 übten Vater Hans von Stockhausen, seine Söhne Hans und Heinrich und schließlich Hans allein die Amtsverwaltung aus. Mit dem Ende der Stiftsfehde zwischen Mainz und Paderborn im Jahr 1462 war der eigentliche, militärische Zweck des Amtes Veckerhagen erfüllt, wenngleich dessen Auflösung erst um 1550 erfolgte. Dem Ausbau der Burg wurde keine Beachtung mehr geschenkt und sie verfiel in verhältnismäßig kurzer Zeit.
Das Geschlecht derer von Stockhausen besaß in Veckerhagen auch nach der Auflösung des Amtes Land. Dies ist für die Jahre 1551 im Gieselwerder Salbuch und für die Jahre 1570 und 1587 im Sababurger Salbuch erwähnt. Noch 1750 bestand in Veckerhagen ein adelig-stockhausisches Meiergut in der Größe von 14 Äckern.
1666 wurde westlich von Veckerhagen am Rand des Reinhardswaldes eine Eisenhütte errichtet.
In Anlehnung an die alte Burg entstand Ende des 17. Jahrhunderts unter Carl von Hessen-Kassel ein neues Barockschloss. Das Schloss und die dazu gehörende Domäne bewohnte und verwaltete die Reichsgräfin Barbara Christine von Bernhold bis zu ihrem Tod 1770. Danach ging der Besitz an den Landgrafen Friedrich II. von Hessen zurück.
1810 erwarb der Kasseler Farbenfabrikant Habich das Jagdschloss und errichtete auf den Resten der Alten Burg Fabrikationsanlagen. Habich begann 1842 am Gahrenberg Braunkohle für die Farbenherstellung abzubauen.
Zwischen 1830 und 1870 verließen viele Bewohner Vaake und Veckerhagen und wanderten nach Nordamerika, Chile und Jamaika aus. Waren es anfangs meist alleinstehende Personen, folgten nach den Ernährungskrisen 1845 ganze Familien
1848 wurde der regelmäßige Postkutschenverkehr von Kassel nach Veckerhagen über Ihringshausen aufgenommen, 1899 jedoch wieder eingestellt. Ab 1927 fuhren dann zunächst Omnibusse der Reichsbahn, später Postomnibusse auf dieser Verbindung.
Im Zweiten Weltkrieg wurden nach der Westoffensive des Sommers 1940 und der damit verbundenen Besetzung Belgiens, Hollands und Nordfrankreichs durch deutsche Truppen in einem Zivilarbeitslager in Vaake bis zu 629 ausländische Arbeiter, vorwiegend Flamen und Wallonen, untergebracht, die zum Teil als Umschüler für das Junkerszweigwerk in Schönbeck zunächst in den feinmechanischen Werkstätten Göttingens ausgebildet wurden. (Quellen: Stadtarchiv Göttingen, Firmenliste mit Zwangsarbeitern (Seite 32), Lagerliste (Seite 222)) Nach Zeitzeugen wurden auch in der Eisenhütte und in der Forst- und Landwirtschaft „Zivilarbeiter“ aus Vaake eingesetzt.
Im Gegensatz zu Vaake war Veckerhagen zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Kampfhandlungen verwickelt. Am Abend des 5. April 1945 war erstmals das Geschützfeuer der herannahenden Front aus Richtung Hofgeismar zu vernehmen. Im oberen Ende des Hemelbachtals hatten Pioniere die Eichenallee mit Panzersperren versehen. In dieser Nacht sickerten versprengte Wehrmachtsangehörige durch den Reinhardswald nach Veckerhagen ein, und 36 von ihnen wurden von Bewohnern versteckt. Andere durchschwammen die Weser und wurden nach Augenzeugenberichten in Hemeln erschossen. Durch die Hilfe einiger jugendlicher Einwohner konnten die versteckten Soldaten am frühen Morgen des 6. April mit einem alten Lastenschiff die Weser überqueren. Über das Schicksal der Flüchtenden ist nichts bekannt. Die jugendlichen Helfer wurden dank der situationsgerechten Argumentation des Bürgermeisters (und NS-Ortsgruppenleiters) Heinrich Becker lediglich inhaftiert, auch wenn Volkssturm-Truppführer und HJ-Führer deren Hinrichtung forderten.
Nur wenige Stunden später erschienen über Vaake und Veckerhagen am Waldrand erste amerikanische Spähtrupps. Geschützbatterien hatten sich bereits im Reinhardswald verschanzt und beschossen kurzzeitig Veckerhagen. Es gab zwei Tote und einen Schwerverletzten unter der Zivilbevölkerung. Eine Delegation mit weißen Fahnen unter der Führung von Bürgermeister Becker ging den Amerikanern entgegen und verbürgte sich für eine kampflose Übergabe des Ortes. Panzer, motorisierte Artillerie und Infanterie rückten daraufhin bis zur Weser vor. Ein in Hemeln stationiertes Geschütz der Wehrmacht beschoss Veckerhagen und traf ein Haus und das Schloss, wurde aber nach einem kurzen Schusswechsel zerstört. Amerikanische Infanteristen wechselten mit der Fähre am späten Abend auf die Hemelner Seite, um den Ort zu sichern.
Am 7. April 1945 überschritt die 104. Infanteriedivision der Amerikanischen Armee die Weser bei Veckerhagen/Hemeln auf einer schnell errichteten Pontonbrücke. Zwei Tage und zwei Nächte rollten ununterbrochen Panzer und andere Militärfahrzeuge durch Veckerhagen, sammelten sich in Hemeln und rückten nach Göttingen vor, das am Mittag des 8. April 1945 eingenommen wurde.
Einzige Relikte des Zweiten Weltkriegs sind Reste einer Verschanzung am Waldrand westlich des Ortes. Sowohl in Vaake wie auch in Veckerhagen weisen Denkmäler Gefallene und Vermisste des Zweiten Weltkriegs aus. In Vaake werden 98 Einwohner betrauert, in Veckerhagen 154.
Die noch stattlichen Reste der Alten Burg fielen 1967 einem weiteren Großbrand zum Opfer. Die verbliebenen Grundmauern benutzte die Farbenfabrik zum Aufbau von Werk- und Lagerhallen.
Sitzverteilung Reinhardshagen.png Der Gemeinderat setzte sich nach der ersten Gemeindewahl am 12. Januar 1971 aus neun Vertretern der SPD, drei der CDU und drei der UWG zusammen. Als Nachfolger von Erwin Schuck wurde 1986 Lothar Merkwirth vom Gemeinderat als Bürgermeister bestimmt und in der ersten direkten Bürgermeisterwahl in Hessen 1997 im zweiten Wahlgang sowie 2003 im ersten Wahlgang bestätigt.
Die Kommunalwahl 2006 ergab folgendes Ergebnis (im Vergleich zu 2001):
Bei der Bundestagswahl 2005 stimmten von 3.137 Wählerinnen und Wählern
Die Gemeindeverwaltung nutzt die Räume beider Ortsteil-Rathäuser, der Gemeinderat tagt im Rathaus Veckerhagen. Größere Sitzungen finden in der Wesertalhalle statt.
In beiden Ortsteilen finden sich zahlreiche Fachwerkhäuser verschiedener Epochen, vorwiegend aus dem 17. Jahrhundert. Viele davon sind reich verziert und tragen Sinnsprüche auf dem Rahmholz. Am Weserufer des ehemaligen Fischerdorfes Vaake bilden Fachwerkhäuser mit teils niederdeutschem Einfluss, zum Beispiel der charakteristischen großen Mitteldiele, den Abschluss der 30 Meter breiten Uferpromenade. In dieser Häuserzeile befindet sich auch die evangelische Kirche aus dem 13. Jahrhundert.
In Veckerhagen gruppieren sich die Fachwerkhäuser rund um die Kirche teilweise zu geschlossenen Ensembles. Besonders auffällig ist das heute freistehende Wohn- und Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Gehöftes der Familie Albrecht aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit vier Stockwerken, heute "Amtsstuben".
Das Langhausgewölbe wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Nur die Schildbögen und die zweiteiligen Wandvorlagen sind original erhalten. Die jetzige Decke, eine Balkendecke mit Längsunterzug und Mittelpfosten, wurde 1678 errichtet. Die 1937 freigelegten Wandmalereien in mittelrheinischem Stil wurden um das Jahr 1400 angefertigt. Sie stellen an den Wänden Passionsbilder dar. Unter den Gewölben sind das Jüngste Gericht, die Marienkrönung, Symbole der Evangelisten, Bilder der Heiligen Petrus und Stephanus abgebildet. Im Nordfenster und in einem Obergadenfenster sind Bilder stehender Heiliger. Das Nordfenster des Chors aus dem Jahr 1643 zeigt einen Schäfer mit Herde.
Das Schloss und die dazu gehörende Domäne besaß im 18. Jahrhundert die Reichsgräfin Barbara Christine von Bernhold, ihrerseits seit 1721 Geliebte des Landgrafen Carl von Hessen-Kassel. Nach ihrem Tod ging der Besitz 1770 an den Landgrafen Friedrich II. von Hessen, das heißt an die Landesherrschaft, zurück und wurde 1810 in der Zeit des westfälischen Königreichs von König Jérôme Bonaparte für 2000 Reichstaler an die Vorfahren der Fabrikantenfamilie Habich aus Kassel verkauft, die es noch heute einschließlich der daneben liegenden Farbenfabrik besitzt.
Nach der Stilllegung stand die Anlage bis 1955 leer und wurde danach bis 1991 von der Weserkeramik genutzt, die dort die weit verbreiteten Veckerhäger Töpfe, Blumenübertöpfe mit Löwentatzen, herstellten. Teile der ursprünglichen Hüttenbebauung und fast die gesamte schmiedeeiserne Umfriedung aus den Anfängen der Hütte wurden in dieser Zeit entfernt.
Die gesamte, jetzt noch bestehende Hüttenanlage ist gemäß § 2 Hess. Denkmalschutzgesetz geschützt und wird zukünftig im EcoMuseum Reinhardswald eine bedeutende Rolle spielen.
In Veckerhagen findet am zweiten Adventswochenende ein Weihnachtsstimmung genannter Weihnachtsmarkt statt. Der Modellbauclub Lilienthal veranstaltet alljährlich im Sommer auf dem Modellflugplatz am nördlichen Rand von Veckerhagen einen Modellflugtag.
Als Spezialität gilt auch die "Reinhardshäger Stracke", eine mehrere Monate lang an der Luft getrocknete Mettwurst im Naturdarm. Sie ist eine gestreckte und dickere Abart der in Nordhessen verbreiteten "Ahle Wurst".
Die Anschlussstelle Hedemünden/Werratal der Bundesautobahn 7 ist nach 19 Kilometern Fahrt von Reinhardshagen aus auf der Bundesstraße 80, die dem Weser- und Werralauf folgt, zu erreichen. In Richtung Süden bietet sich die Anschlussstelle Hann. Münden/Lutterberg in 20 Kilometern Entfernung an.
Die heutige B 80 wurde als durchgehende Wesertalstraße erst ab 1892 ausgebaut. Hierbei trug man stellenweise das an die Weser herantretende Gebirge ab und benutzte das gewonnene Gestein zur Aufschüttung der Trasse. Da die Berghänge nach dem Bau der Weserstraße deutlich steiler als zuvor anstiegen, kam es bis Ende der 1980er Jahre immer wieder zu Verkehr behindernden Erdrutschen. So wurde die B 80 im Winter 1981/1982 gleichzeitig südlich und nördlich von Reinhardshagen verschüttet. Da auch die Fähre wegen Weserhochwassers ihren Betrieb einstellen musste und zusätzlich die letzte verbliebene Straßenverbindung über den Reinhardswald durch starken Schneefall unpassierbar wurde, war Reinhardshagen einige Tage lang nicht zu erreichen. Bei einem Erdrutsch im Jahr 1987 zwischen Hann. Münden und Reinhardshagen wurde ein Langholztransporter aus Gottstreu in die Weser gedrückt. Der Fahrer des Lastwagens kam bei dem Unglück ums Leben. Daraufhin blieb die B 80 bis 1990 gesperrt. Man bannte die Erdrutschgefahr, indem man die gefährdeten Hänge mit Betonankern versah, mit Stahlnetzen überspannte und den Baumbewuchs entfernte.
Faehre Veckerhagen.jpg Reinhardshagen_Hochwasser_2.JPG Der Durchgangsverkehr auf der B 80 ist von Überflutungen nicht beeinträchtigt, da die Straßenführung in Ortslage deutlich über den bisher erreichten Hochwassermarken liegt. Stärker gefährdet sind die tiefer liegenden Teile des Neubaugebiets zwischen Veckerhagen und Vaake durch das mit Hochwassern verbundene Ansteigen des Grundwasserspiegels. Oberflächenwasser spielt hier keine Rolle. Auch die durch Reinhardshagen fließenden Bäche Ahle und Hemelbach führten dank geschickter Regulierung bisher kein Hochwasser.
In heutiger Zeit stellt die 2000 in Dienst gestellte, größere Fähre tagsüber eine zuverlässige Verbindung nach Hemeln und von dort über Dransfeld nach Göttingen dar. Sie fährt umweltfreundlich ohne motorischen Antrieb als Gierseilfähre und kann bis zu 8 Personenkraftwagen transportieren. Die Überfahrt dauert vier Minuten. Fahrzeuge über 16 Tonnen Gesamtgewicht darf die Fähre nicht aufnehmen. Am 31. März 1967, als es diese Beschränkung nicht gab und noch eine kleinere Fähre im Einsatz war, brachte ein mit Frischbeton beladener Laster durch die Rotation seiner Mischtrommel die Fähre in Schräglage. Der Betonlaster kippte seitwärts in die Weser und sein Fahrer ertrank. Dieses Unglück führte zu einem Verbot für Fahrzeuge mit Mischtrommeln auf allen deutschen Kleinfähren. Bereits 1937 stürzte bei einem Pegelstand von 3,52 Metern ein mit Langholz beladenes Pferdefuhrwerk von der Fähre, da durch unruhiges Verhalten der Pferde und den Riss einer Sicherheitskette die sechs Tonnen schweren Buchenstämme in Bewegung gerieten. Pferde und Ladung waren nicht zu retten.
An der B 80 entlang führt seit 2001 durchgehend ein Radwanderweg von Hann. Münden nach Bad Karlshafen. Er ist Teil des viel befahrenen Weserradweges von Hann. Münden nach Bremerhaven, der in diesem Abschnitt beidseitig der Weser geführt wird.
Der Reinhardshagen nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Hann. Münden (10 km). Von hier aus fahren Regionalzüge im Taktverkehr nach Kassel Hauptbahnhof, Göttingen und Erfurt. Die RegioTram Kassel soll zukünftig bis Hann. Münden durchgebunden werden.
Im Öffentlichen Personennahverkehr (Busse) sind Hann. Münden über die B 80 und Kassel über die Reinhardswaldstraße von Reinhardshagen aus direkt zu erreichen. Ein Bäderbus fährt täglich nach Bad Karlshafen.
Ein dichtes Netz gekennzeichneter Rundwanderwege durchzieht von Reinhardshagen aus den Reinhardswald. So sind zum Beispiel der Gahrenberg in gut einer Stunde, die Tillyschanze oberhalb von Hann. Münden in drei Stunden und die Sababurg in vier Stunden zu erreichen. Historisch bedeutsam ist der (markierte) Bergmannspfad, der von Veckerhagen aus steil bergauf den kürzesten Weg zur ehemaligen Braunkohlengrube auf dem Gahrenberg wählt. Ihn benutzten die Bergleute täglich als beschwerlichen Weg von und zur Arbeit. Der Fernwanderweg Wesertal führt ebenfalls durch Reinhardshagen.
Etwa 24 Kilometer von Reinhardshagen entfernt liegt der Flugplatz Kassel-Calden, der in den nächsten Jahren zu einem Regionalflughafen ausgebaut werden soll. Der nächstgelegene, in Betrieb befindliche Regionalflughafen befindet sich in Paderborn.
Die ehemals getrennten zwei Freiwilligen Feuerwehren, aus 1924 (Vaake) und 1926 (Veckerhagen) gegründeten Pflichtfeuerwehren entstanden, erhielten in den 1980er Jahren eine neue, zentral zwischen Vaake und Veckerhagen gelegene Feuerwache. Die Modellbaugruppe Lilienthal unterhält seit 1968 einen Modellflugplatz am nördlichen Ortsrand (), auf dem 1972 ein erster Flugtag veranstaltet wurde, der seither jährlich stattfindet.
Weitere holzverarbeitende Werke entstanden in dieser Zeit, unter anderem 1910 eine Fassfabrik in Vaake und 1925 eine Kistenfabrik in Veckerhagen. Beide Fabriken lieferten ihre Produkte auf Weserschiffen bis nach Bremen. Unmengen anfallender Sägespäne machten deren Verarbeitung in einer eigens errichteten Brikettierungsanlage notwendig, deren Produkt gerne zum Räuchern von Fisch, Fleisch und Wurst verwendet wurde. König Faruk kaufte solche Holzbriketts, die mit eigens eingeflogenen Nelken angereichert wurden, um einen angenehmen Duft in seinen ägyptischen Palästen zu verbreiten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte sich die Kistenfabrik auf die Produktion von Gartenlauben für Schrebergärten und fand in Berlin reichlich Abnehmer. Einige Jahre später war die Firma maßgeblich am Aufbau des europäischen Palettenpools (Europalette) beteiligt, zusammen mit dem Sohn Rudolfs von Bennigsen, der seine Palettenproduktion im südhessischen Nieder-Roden betrieb.
Dies alles ist Vergangenheit. Heute gibt es in Reinhardshagen noch ein großes Sägewerk, das Balken und Bohlen schneidet und eine Holzhandlung mit eigenem Hochdruck-Imprägnierkessel.
Trat bis Ende der 1980er Jahre die Landwirtschaft (Milchviehhaltung, Weideschafe) völlig in den Hintergrund, ist die Forstwirtschaft auch heute noch von großer Bedeutung. Seit 2003 verwaltet das Hessische Forstamt Gahrenberg in Reinhardshagen rund 13.000 Hektar Waldfläche und nimmt somit größenmäßig den Spitzenplatz in Hessen ein. 99,5 Prozent der Waldfläche sind Staatswald im Besitz des Landes Hessen, 0,5 Prozent entfallen auf Kommunal- und Privatbesitz. Die Waldflächen sind zehn Revierförsterdienstbezirken zugeordnet. Deshalb gibt es sowohl in Veckerhagen wie auch in Vaake zusätzlich eine Revierförsterei.
Im Forstamtsbereich Reinhardshagen befinden sich einige Versuchsflächen der Landesanstalt für Forsteinrichtung, Waldforschung und Waldökologie. Die Untersuchungen, die hier durchgeführt werden, betreffen hauptsächlich das Waldwachstum.
17 Prozent der Bäume im Reinhardshäger Forstbezirk sind Eichen, 39 Prozent Buchen, 37 Prozent Fichten und 7 Prozent Kiefern und Lärchen. Der Holzeinschlag beträgt jährlich rund 58.000 Erntefestmeter.
Wurde bereits im Jahr 1926 in Veckerhagen ein Verkehrsverein zur Förderung des Tourismus gegründet, folgte erst 30 Jahre später Vaake nach. Anfang der 1960er Jahre übernahmen die politischen Gemeinden die Fremdenverkehrsarbeit, da sich die Übernachtungszahlen seit 1956 nahezu vervierfacht hatten. Das Auf und Nieder der Tourismusbranche spiegelt sich in folgenden Übernachtungszahlen wider (Vaake und Veckerhagen zusammen, einschließlich Campingplatz, Landschulheim und bis 1980 Jugendherberge):
Heute bieten über 20 gastronomische Betriebe (Hotels, Pensionen, Gasthäuser, Restaurants) zahlreiche Fremdenzimmer und regionale wie internationale Küche an.
Reinhardshagen_Schullandheim.jpg Die drei Kilometer weserabwärts gelegene Jugendherberge Veckerhagen, erbaut 1956 auf Veranlassung des Landrats Dr. Steinbrenner (ehemals Kreis Hofgeismar), hat Ende der 1980er Jahre ihren Betrieb eingestellt, diente zunächst als Asylantenunterkunft und ist heute unbewohnt. Die nächstgelegenen Jugendherbergen befinden sich bei Hann. Münden (8 km), Helmarshausen (28 km), Göttingen (30 km) und Bad Karlshafen (31 km).
In Veckerhagen besteht seit den 1950er Jahren ein rege besuchtes Landschulheim am Rand des Reinhardwaldes, das bis 1972 dem ehemaligen hessischen Kreis Dieburg gehörte und danach in die Schulträgerschaft der Stadt Bad Pyrmont überging. Heute wird das Landschulheim von der Schulelternschaft der Max-Born-Realschule dieser Stadt unterhalten.
Reinhardshagen_Freizeitzentrum.jpg
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