Reinach (AG) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Kulm im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im oberen Wynental und grenzt an den Kanton Luzern.
Die fünf Gemeinden Reinach, Beinwil am See, Burg, Menziken und Pfeffikon sind zu einer zusammenhängenden Agglomeration mit mehr als 17'000 Einwohnern verschmolzen, die Grenzen sind zwischen den einst getrennten Dörfern sind kaum mehr erkennbar.
Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 948 Hektaren, davon sind 258 Hektaren bewaldet und 248 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 788 Metern auf dem Gipfel des Hombergs, die tiefste Stelle liegt auf 511 Metern an der Wyna.
Nachbargemeinden sind Leimbach und Zetzwil im Norden, Birrwil im Nordosten, Beinwil am See im Osten, Menziken im Süden, Pfeffikon im Südwesten sowie Gontenschwil im Westen.
Während des Mittelalters lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren. Die niedere Gerichtsbarkeit war im Besitz der Herren von Rinach, die ihren Stammsitz in Burg hatten. Die Zehnten gingen an das Chorherrensift in Beromünster.
1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Reinach gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau und war der Hauptort eines Gerichtsbezirks im Amt Lenzburg. Bis zur Einführung der Reformation im Jahr 1528 war Reinach Teil der Pfarrei Pfeffikon und bildete danach eine eigene Pfarrei. Lange Zeit war Menziken Teil der Gemeinde Reinach gewesen, wurde aber um 1580 zu einer eigenständigen Gemeinde. Ende des 16. Jahrhunderts erhielt Reinach das Marktrecht; noch heute finden jährlich vier grosse Warenmärkte statt. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz, entmachteten die "Gnädigen Herren" von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Reinach gehört seither zum Kanton Aargau.
Die Industrie hielt schon früh Einzug; im frühen 18. Jahrhundert etablierte sich die Textilindustrie; die Exporte gingen ins Elsass, in die Lombardei und nach Savoyen. Wegen des Wasserkraftmangels wurde die Textilindustrie um 1850 durch die Tabakindustrie verdrängt. Reinach und das obere Wynental wurden zum Zentrum der schweizerischen Zigarrenherstellung und erlangten internationale Bedeutung. Etwa zur gleichen Zeit begann der Aufschwung der Metallverarbeitungsindustrie. War Reinach zunächst vor allem für Kleiderbügel bekannt, so ging man später zur Herstellung von Drähten über.
Dieser Aufschwung wäre nicht ohne den Bau von neuen Verkehrswegen möglich gewesen. Am 23. Januar 1887 wurde die normalspurige Eisenbahnlinie Beinwil am See - Reinach eröffnet, eine Zweigstrecke der Seetalbahn; am 1. Oktober 1906 folgte die Verlängerung nach Beromünster. Am 5. März 1904 ersetzte die schmalspurige Wynentalbahn den Postkutschenverkehr durch das Wynental zur Kantonshauptstadt Aarau; am 1. Mai desselben Jahres wurde der letzte Abschnitt nach Menziken in Betrieb genommen.
Im Verlaufe des 20. Jahrhunderts hat sich die Bevölkerungszahl mehr als verdoppelt und Reinach ist mit seinen Nachbardörfern zusammengewachsen. Seit wenigen Jahren arbeiten Reinach, Burg, Menziken und Pfeffikon auf zahlreichen Gebieten eng zusammen. Es gibt Überlegungen, die vier Gemeinden in naher Zukunft zu fusionieren; Voraussetzung wäre allerdings ein Kantonswechsel der luzernischen Gemeinde Pfeffikon.
Das "Haus zum Schneggen" wurde 1604/05 als Wohnsitz des Untervogts erbaut. An das dreistöckige Giebelhaus im spätgotischen Stil ist ein runder fünfstöckiger Treppenturm mit spitz zulaufendem Zeltdach angebaut.
Schräg gegenüber befindet sich der "kleine Schneggen", die 1688 errichtete Mühle. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung. Nach einem Brand im Jahr 1999 wurde es wieder aufgebaut und beherbergt seither das Museum Schneggli. Dieses befasst sich mit Geschichte, Kunst und Kultur der näheren Region.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1764 | 1261 |
| 1803 | 1672 |
| 1850 | 2846 |
| 1900 | 3668 |
| 1930 | 4394 |
| 1950 | 4891 |
| 1960 | 5174 |
| 1970 | 5862 |
| 1980 | 5696 |
| 1990 | 6786 |
| 2000 | 7258 |
Die fünf Gemeinderäte der Amtsperiode 2006-2009 sind:
Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht in Unterkulm zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für die Gemeinden Burg und Menziken verantwortlich ist.
Bis vor wenigen Jahren verkehrte die WSB mitten auf der stark befahrenen Hauptstrasse als Tram, teilweise im Gegenverkehr. Häufig kam es zu Unfällen mit erheblichem Sachschaden. Als 1991 auf der parallel verlaufenden, normalspurigen SBB-Linie Beinwil am See - Beromünster der Personenverkehr eingestellt wurde, plante man die Verlegung der WSB-Strecke auf das nun frei gewordene SBB-Trassee. Die Umspurungs- und Anpassungsarbeiten begannen 1999 nach der Einstellung des Güterverkehrs. Das neue Teilstück Reinach Nord - Menziken konnte schliesslich am 15. Dezember 2002 eröffnet werden.
Ort in der Schweiz | Ort im Kanton Aargau | Schweizer Gemeinde
Reinach (Argovie) | Reinach (Argovia) | Reinach (kommun, CH-AG)
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