Die Reichstagswahl 1907 , die sogenannte "Hottentotten-Wahl", war die Wahl zum 12. Deutschen Reichstag. Sie fand am 25. Januar 1907 statt.
Die Wahlbeteiligung lag bei fast 85%. Sie war damit die höchste aller Reichstagswahlen bis zu diesem Zeitpunkt. Nur bei der folgenden Reichstagswahl 1912 gab es etwa dieselbe Beteiligung.
Die Wahl war notwendig geworden, nachdem der 11. Reichstag am 13. Dezember 1906 aufgelöst worden war. Grund hierfür war die Ablehnung des Nachtragshaushaltes durch das Zentrum und die SPD. Der Nachtragshaushalt hatte, zwei Jahre nach dem blutig niedergeschlagenen Aufstand der Herero und Nama, erhebliche Geldmittel für die deutsche „Schutztruppe“ in Deutsch-Südwestafrika vorgesehen. Die SPD kritisierte dies scharf, auch das Zentrum sah Verfehlungen in der deutschen Kolonialpolitik und stimmte gegen die Bereitstellung der Mittel.
Reichskanzler Bernhard von Bülow gelang es nach der Auflösung, die ehemaligen „Kartellparteien“ und die linksliberalen Parteien zu einem Wahlbündnis, dem sogenannten „Bülow-Block“ zu vereinen, um den Nachtragshaushalt bewilligen zu lassen. Gemeinsam agitierte der Block gegen Sozialdemokraten und Zentrum.
Der Bülow-Block war erfolgreich: Insbesondere den Sozialdemokraten konnten durch Wahlabsprachen Wahlkreise abgenommen werden. Damit war der seit der Reichstagswahl 1887 bestehende Aufwärtstrend der SPD vorläufig gestoppt. Alle Parteien des Blocks gewannen Mandate hinzu, allerdings auch das Zentrum. Die Gewinne gingen fast sämtlich auf Kosten der SPD. In Stimmenzahlen gerechnet, war sie allerdings immer noch mit fast 10% Abstand die stärkste Partei.
Der Nachtragshaushalt wurde bald nach der Wahl bewilligt. Reichskanzler von Bülow wurde allerdings bereits 1908 durch die Daily-Telegraph-Affäre schwer beschädigt und musste schließlich 1909 zurücktreten, als der Bülow-Block angesichts der großen Reichsfinanzreform auseinanderbrach: Die Deutschkonservativen verhinderten gemeinsam mit dem Zentrum das neue Erbschaftsteuergesetz. Nachfolger Bülows wurde Theobald von Bethmann Hollweg.
Die drei linksliberalen Parteien (Deutsche Volkspartei, Deutsche Freisinnige Partei und Freisinnige Vereinigung) bildeten ab 1908 eine gemeinsame Fraktion. Dies und deren Zugehörikeit zum Bülow-Block nahm ein Kreis um Theodor Barth zum Anlass, auszutreten und die erfolglose Demokratische Vereinigung zu bilden. Die drei genannten Parteien schlossen sich nach dem Ende des Bülow-Blocks schließlich 1910 zur Fortschrittlichen Volkspartei zusammen, die sich zur Sozialdemokratie öffnete.
| Partei Politische Ausrichtung | Sitze im Reichstag | Änderung |
|---|---|---|
| Zentrumspartei (Z) | 105 | +5 |
| Deutschkonservative Partei (DK) Ländlich-Konservative, „Bülow-Block“ | 60 | +6 |
| Nationalliberale Partei (NL) „Bülow-Block“ | 54 | +5 |
| SPD | 43 | -38 |
| Freisinnige Volkspartei (FVP) Liberale, „Bülow-Block“ | 28 | +7 |
| Deutsche Reichspartei (DRP) Konservative, „Bülow-Block“ | 24 | +3 |
| Polen (P) Polnische Regionalisten | 20 | +4 |
| Deutsche Reformpartei Antisemiten | 16 | +5 |
| Freisinnige Vereinigung (FVg) Linksliberale, „Bülow-Block“ | 14 | +5 |
| Bund der Landwirte (BL) | 8 | +4 |
| Alsatianen (A) Französische und elsässische Regionalisten | 7 | -2 |
| Deutsche Volkspartei (DtVP) Liberale, „Bülow-Block“ | 7 | +1 |
| Wirtschaftliche Vereinigung (WV) (außer Deutsche Reformpartei) Mittelständisch-antisemitisch | 5 | zuvor nicht angetreten |
| Andere | 3 | keine |
| Deutsch-Hannoversche Partei (DHP) Konservative Föderalisten (Welfen) | 1 | -5 |
| Bayerischer Bauernbund (BB) | 1 | -3 |
| Dänen (D) Dänische Regionalisten | 1 | keine |
| Total | 397 | keine |
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"Reichstagswahl 1907".
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