Als Reichsprälaten bezeichnete man die Äbte, Pröpste und Äbtissinen der reichsunmittelbaren Klöster und Kollegiatkapitel im Heiligen Römischen Reich. Sie besaßen die Reichstandschaft und waren neben den Erzbischöfen und Bischöfen Mitglieder der Reichskirche. Sie waren im Reichstag vertreten und in zwei Kollegien eingeteilt. Göz_AnselmII.jpg, ließ sich 1749 von Gottfried Bernhard Göz vor einem Reichsadler porträtieren.]]
Zu Beginn der Frühen Neuzeit gehörten die 14 Äbtissinen von Quedlinburg, Essen, Herford, Niedermünster in Regensburg, Thorn/Mass, Obermünster in Regensburg, Kaufungen, Lindau, Gernrode, Buchau, Rottmünster, Heggbach, Gutenzell und Baindt sowie die Balleien des Deutschen Ordens von Koblenz, Elsaß und Burgund, Österreich und an der Etsch dem Reichsprälatenstand an. Weiterhin gehörten der Hochmeister des Deutschen Ordens und der Großmeister des Johanniterordens dazu.
Zum Ende der Frühen Neuzeit waren von den Balleien nur diejenige in Koblenz und von Elsaß und Burgund übriggeblieben, während von den Äbtissinen nur zwei, eine durch Säkularisierung, die andere durch Erhebung in den Reichsfürstenstand nicht mehr zu den Reichsprälaten zählten.
Gründe für den Rückgang der Anzahl der Reichsprälaten waren Mediatisierungen, Säkularisierungen, Abtretungen an andere Staaten und Erhebungen in den Reichsfürstenstand. Die Äbte und Pröbste von Fulda, Kempten, Weißenburg, Ellwangen, Murbach-Lüders, Corvey, Stablo, Berchtesgaden und Prüm wurden gefürstet und erhielten Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat des Reichstages. Die Reichsabteien in Hersfeld, Saalfeld, Walkenried, Maulbronn, Herrenalb und Königsbronn wurden säkularisiert und einige andere, wie z.B. Reichenau, St. Blasien, Riddagshausen, Selz und St. Peter auf dem Schwarzwald verloren ihre Reichsstandschaft. Aber auch der Austritt der Schweizer Eidgenossenschaft trug zur Verringerung der Zahl der Reichsprälaten bei, da unter anderem St. Gallen, Schaffhausen und Einsiedeln und damit die dortigen Klöster nicht mehr zum Reich gehörten.
Im rheinischen Kollegium waren 19 Prälaten aus der südlichen und westlichen Reichhälfte versammelt. So gehörten Werden, Corneli-Münster, die Abtei St. Emmeram in Regensburg und die zwei dortigen Damenstifte von Obermünster und Niedermünster. Weiterhin war Mitglied die Äbtissin der wichtigen Frauenabtei Essen, die Zisterzensierabtei Kaisheim und St. Ulrich und Afra in Augsburg.
Das schwäbische Kollegium umfasste ausschließlich die vielen kleinen Prälaturen aus dem oberschwäbischen Raum. Darunter waren die Abteien von Elchingen, Irsee, Roggenburg, Schussenried, Ursberg, Wettenhausen, Ottenhausen, Zwiefalten und Weingarten. Dem Kollegium gehörte auch die Benedektinerabtei von Ottobeuren an, die aber nicht im Reichstag vertreten war.
Das Schwäbische Reichsprälatenkollegium bildete sich 1575 aufgrund des durch die geografische Nähe der Prälaturen entwickelten Zusammenhalts und stärkte diesen. Durch den Zusammenhalt der Kollegiumsmitglieder erreichtes es ein wesentlich größeres politisches Gewicht als das rheinische Kollegium. So durften die schwäbischen Reichsprälaten stets einen Vertreter in interständische Ausschüsse entsenden und hatten im Abt des oberschwäbischen Klosters Weingarten einen bereits seit 1555 rechtlich festgeschriebenen Vertreter im Ordentlichen Reichsdeputationstag.
Die Gebiete, die zu den Reichsprälaten gehörten, waren meist sehr klein und umfassten manchmal nur ein paar Gebäude. Dennoch waren Sie häufig kulturelle Zentren.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Reichsprälat".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world