Als Reichskrise des 3. Jahrhunderts wird von der modernen Geschichtswissenschaft der Zeitraum von 235 bis 285 n. Chr. im römischen Reich bezeichnet, als im Anschluss an das Ende der Severer, welche sich letztendlich noch einmal als ein stabilisierender Faktor im Reich erwiesen hatten, den so genannten Soldatenkaisern die Führung des Imperiums oblag und es offenbar zu einer ganzen Reihe von inneren und äußeren Krisen kam.
Die römische Geschichte des 3. Jahrhunderts ist seit einigen Jahren Gegenstand einer lebhaften Forschungsdiskussion. Manche Gelehrte gehen davon aus, dass es zu einem vollständigen Niedergang und einer Systemkrise des Reiches kam, die alle Lebensbereiche tangierte, und folgen damit der traditionellen Sichtweise. Andere sind wesentlich vorsichtiger und stellen zwar die diversen Krisenerscheinungen besonders für die Jahre um 260 nicht in Frage, sehen den Zeitraum aber eher als eine Transformationsphase der antiken Welt hin zur Spätantike, wobei es auch vielversprechende Ansätze zur Bewältigung der „Krise“ gegeben habe; zudem hätten viele Bereiche des Imperiums in dieser Zeit sogar eine regelrechte Blüte erlebt. Einige Forscher bezweifeln sogar grundsätzlich die Anwendbarkeit des Begriffes „Krise“ auf die Zustände des dritten Jahrhunderts. Ein gewisses Ende fand diese Schlussphase des Prinzipats jedenfalls mit dem Regierungsantritt Diokletians (284/285), mit dem in der Regel der Beginn der Spätantike verknüpft wird.
Im Anschluss an die Ermordung von Severus Alexander durch aufständische Truppen im Jahre 235 wurde der Thraker Maximinus Thrax zum neuen Imperator ausgerufen. Maximinus gehörte (wie Macrinus) dem Ritterstand an und stammte aus einer Familie, die (wie sein Name verrät) wohl seit mindestens zwei Generationen das römische Bürgerrecht besaß. Trotz einiger erfolgreicher Feldzüge kam es nach drei Jahren zum Aufruhr im Inneren; besonders sein Verhältnis zum Senat war sehr schlecht, da er darauf verzichtete, dem Organ oberflächlichen Respekt zu zeigen. Gegen Thrax und seine Militärherrschaft kam es 238 zu einer Revolte. Auch viele Städte des Ostens schlossen sich dem Aufstand an – sie hatten von der Herrschaft des Kaisers kaum etwas zu erwarten. Vor allem wird am Widerstand gegen Thrax deutlich, wie sehr sich der Unmut vieler gegen die Überanforderung durch Armee und Staat gesteigert hatte. Nach den Wirren des Sechskaiserjahres 238 stabilisierte sich die Lage zunächst wieder, auch wenn Kaiser Gordian III. 244 im Kampf gegen die Sassaniden den Tod fand. 249 kam es dann erstmals seit 193 zur Usurpation eines Heerführers: Decius ließ sich von seinen Truppen zum Kaiser ausrufen.
In oft schneller Folge kam es in der Folgezeit zum Wechsel der Herrscher, von denen kaum einer eines natürlichen Todes starb. Vor allem zeigte es sich, dass zunehmend das „Akzeptanzsystem“ (Egon Flaig) des Prinzipats versagte: Der Kaiser wurde nun meist fast alleine vom Heer bestimmt, und so drohte von den drei großen Heeresverbänden an Rhein, Donau und Euphrat nun jederzeit eine Usurpation. Nicht wenige der Soldatenkaiser stammten aus dem Illyricum, welches vor allem als Rekrutierungsgebiet von großer Bedeutung war. Auch wandelten sich die Strukturen in der kaiserlichen Administration, dem Heer und der Provinzialverwaltung, wie es auch teils zu einem wirtschaftlichen Verfall kam: Bereits gegen Kaiser Gordian III. kam es in den Randgebieten des Imperiums (wie in Africa) zu Aufständen, während sich in Senat und Armee eine gegenseitige Abneigung breit machte und die Ritter die Senatoren in der Verwaltung immer mehr verdrängten.
Verschlimmernd kam die Bedrohung an den Grenzen hinzu. Am Rhein übten vor allem die Alamannen Druck aus, während an der Donau die Goten auftauchten, die Kaiser Decius 251 eine vernichtende Niederlage bereiten sollten. Zwar waren diese Bereiche schon seit langer Zeit bedroht, im Grunde war die Situation also nicht neu, aber die Intensität der Angriffe nahm offenbar zu („Gotensturm“). Vor allem bildeten sich nun Stammeskonföderationen (gentes wie die Alamannen und Franken), deren Schlagkraft beträchtlich war.
Schapur I.jpg Im Osten erwuchs dem römischen Reich seit 224 ein neuer, tödlicher Gegner: Das Sassanidenreich. Die Sassaniden hatten die Partherherrschaft beseitigt und setzten an die Stelle eines eher locker organisierten Reichs einen stärker zentralisierten Staat, der Rom 400 Jahre in Atem halten sollte. Unter ihrem Großkönig Schapur I. attackierten sie die römischen Ostprovinzen. Kaiser Gordian III. erlitt 244 eine Niederlage gegen sie, und Kaiser Valerian geriet 260 sogar in persische Gefangenschaft – eine ungeheure und vorher nie dagewesene Schmach für Rom. Die römischen Abwehrbemühungen erwiesen sich als recht ineffektiv, bis der König von Palmyra, Septimius Odaenathus faktisch den Oberbefehl übernahm und den Eindringling zurückwarf. Damit wurde jedoch der Handelsort Palmyra zum einzigen stabilisierenden Faktor an Roms Ostgrenze – und letztendlich auch zu einem Rivalen Roms. Nach dem Tod des Odaenathus fielen unter seiner Witwe Zenobia in rascher Folge große Teile der römischen Orientprovinzen an Palmyra, darunter Syrien und Ägypten. Erst Kaiser Aurelian konnte diesen Verlust wieder rückgängig machen, der aber bezeichnend für Roms zeitweilige Schwäche war.
Der äußere Druck hinterließ Spuren: Mehrere Legionen wurden förmlich an den Fronten im Norden und Osten aufgerieben, auch wenn es zu einigen Lösungsansätzen kam, wie der Bildung eines beweglichen Heeresteils, der an Brennpunkten eingesetzt werden konnte.
Der rasche Wechsel der Herrscher verhinderte, dass es zu einer kontinuierlichen Reichspolitik kommen konnte, zudem hingen die Soldatenkaiser offenbar so weitgehend von der Gunst ihrer Truppen ab, dass sie diese nicht mehr disziplinieren konnten. Dennoch brach das Reich nicht dauerhaft auseinander, was man als Beweis dafür anführen kann, dass das Grundgerüst von Verwaltung und Herrschaftspraxis trotz allem im wesentlichen intakt blieb. Die Wirtschaft des Reiches stand dennoch wenigstens zeitweise am Rande des Zusammenbruchs: Es kam zu einer starken Geldentwertung, da die Ressourcen zur Finanzierung des Heeres und der Verwaltung kaum noch ausreichten. Zur Lösung dieser Schwierigkeiten nahm etwa Gallienus eine Verwaltungsreform in Angriff, die in gewisser Weise an die spätrömische Verwaltung unter Diokletian und Konstantin erinnert. Doch kam Gallienus bereits 268 um.
Sein Nachfolger Claudius Gothicus erwies sich zwar als sehr erfolgreich bei der Verteidigung der Grenzen, doch konnten die Kaiser bis Aurelian nicht die zentrifugalen Tendenzen im Reich unterbinden, die schließlich 260 zur Loslösung von großen Teilen des westlichen Reichsteils und zur Bildung des so genannten Imperium Galliarum geführt hatte. Dies war eine direkte Folge der ungenügenden Verwaltungseffizienz, was später zu einer deutlich stärkeren Zentralisierung der Verwaltung führte, sowie der Überbeanspruchung des Heeres, die so weit reichte, dass es teils an den regionalen Milizen lag, die Verteidigung zu übernehmen (wie beim Herulereinfall in Griechenland 267/68). Eines wurde immer deutlicher: Für einen Herrscher alleine war das Imperium offenbar faktisch unregierbar geworden.
Es gelang dem bereits oben angesprochenen Aurelian, einem erfahrenen Militär, die Krise zumindest in Teilen zu überwinden, wobei er allerdings auch auf die Vorarbeit durch Kaiser wie Gallienus, der eine zunehmende Professionalisierung der Armee eingeleitet hatte, zurückgreifen konnte. Nachdem er einige schwere Barbareneinfälle nach Italien abwehren und auf dem Balkan Dakien aufgrund dessen exponierter Lage aufgeben musste, beseitigte er nicht nur das palmyrische Reich im Osten, sondern gliederte auch das gallische Sonderreich im Westen wieder dem Reich an und konnte 274 einen glänzenden Triumph in Rom feiern. Im religiösen Bereich bemühte er sich um die Schaffung eines staatlichen Sol-Invictus-Kults, von dem er sich eine innere Stabilisierung versprach, war doch der Trend zum Monotheismus (bzw. Henotheismus) in dieser von Krisen geprägten Zeit immer deutlicher, wobei das Christentum, trotz zeitweisen reichsweiten Verfolgungen, wenigstens im Osten langsam an Boden gewann. Auch die Wirtschaft erholte sich spürbar, zumal das Imperium nun wieder über die West- und Ostprovinzen verfügte.
Auch nach der Ermordung Aurelians 275 wurde dessen eingeschlagener Konsolidierungskurs, der langsam Wirkung zeigte, beibehalten. Dennoch erwies sich der rasche Herrscherwechsel immer noch als problematisch. Auch erfolgreiche Kaiser wie Probus wurden fortwährend in Frage gestellt. Das Heer machte auch weiterhin den Kaiser, doch sollte nach dem Tod des Carus 284 mit der Wahl des Gardeoffiziers Diocles eine deutliche Entspannung einsetzen. Der neue Kaiser nannte sich Diokletian und machte sich nach der Niederwerfung von Carus’ Sohn Carinus daran, das Reich grundlegend zu reformieren. Ein neues Steuersystem (Capitatio-Iugatio) wurde ebenso eingeführt wie eine Neuordnung des Heeres durchgeführt wurde (Trennung in Comitatenses und Limitanei).
Das von Diokletian erdachte Herrschaftssystem sollte zwar keine Zukunft haben, dennoch wurde in seiner Zeit endgültig die Krise des 3. Jahrhunderts, in der es zu einem Wandel in Verwaltung, im religiösen und kulturellen Leben sowie in der Wirtschaft kam, überwunden, wobei er teilweise an die Reformansätze mancher Soldatenkaiser wie Aurelian anknüpfte, was somit auch das spätantike römische Reich prägen sollte.
Die schwierige Quellenlage wird unter anderem von Brecht, Die römische Reichskrise sowie knapp von Sommer, Soldatenkaiser, S. 13ff. dargelegt.
Römische Geschichte | Römisches Reich
Crisis of the Third Century | Romeinse crisis van de 3e eeuw
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