Die Reichskleinodien (auch: Reichsinsignien oder Reichsschatz) sind die Herrschaftsinsignien der Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Dazu gehören als wichtigstes Teil die Reichskrone, die Heilige Lanze und das Reichsschwert. Sie werden heute in der Schatzkammer der Wiener Hofburg aufbewahrt.
Die Reichskleinodien sind der einzige fast vollständig erhaltene Kronschatz aus dem Mittelalter.
Damit ist klar, dass zu dieser Zeit der Bezug auf die Person und das Amt des Herrschers maßgeblich für die Benennung ist. Hinzu kommt, dass der Bestand des Reichsschatzes bis zur Zeit Karls IV. nicht stabil war. Es wurden höchstwahrscheinlich Stücke hinzugefügt, entnommen bzw. gegen andere Stücke ausgetauscht.
Trotzdem wird in der Forschung auch für diesen Zeitraum meist die Bezeichnung Reichskleinodien oder Reichsinsignien aus pragmatischen Gründen verwendet.
Die bereits erwähnte Stephansbursa, das Reichsevangeliar und der sogenannte Säbel Karls des Großen wurden bis zum Jahre 1794 in Aachen aufbewahrt und werden deshalb als die „Aachener Kleinodien“ bezeichnet. Seit wann diese Stücke den Reichskleinodien zugerechnet und in Aachen aufbewahrt wurden, ist nicht bekannt.
| Heutiger Bestand in Wien: | - bgcolor="#8DB6CD" | Aachener Kleinodien | Wahrscheinlicher Entstehungort und -zeitraum | - bgcolor="#FFF2CA" | Reichsevangeliar (Krönungsevangeliar) | Aachen, Ende des 8. Jahrhunderts | - bgcolor="#FFF2CA" | Stephansbursa | karolingisch, 1. Drittel des 9. Jahrhunderts | - bgcolor="#FFF2CA" | Säbel Karls des Großen | osteuropäisch, 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts |
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- bgcolor="#8DB6CD" | Nürnberger Kleinodien | Wahrscheinlicher Entstehungort und -zeitraum | - bgcolor="#FFF2CA" | Reichskrone | westdeutsch, 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts | - bgcolor="#FFF2CA" | Reichskreuz | westdeutsch, um 1024/1025 | - bgcolor="#FFF2CA" | Heilige Lanze | langobardisch, 8./9. Jahrhundert | - bgcolor="#FFF2CA" | Kreuzpartikel | - bgcolor="#FFF2CA" | Reichsschwert | Scheide deutsch, 2. Drittel des 11. Jahrhundert | - bgcolor="#FFF2CA" | Reichsapfel | westdeutsch, etwa Ende 12. Jahrhunderts | - bgcolor="#FFF2CA" | Krönungsmantel (Pluviale) | Palermo, 1133/24 | - bgcolor="#FFF2CA" | Alba | Palermo, 1181 | - bgcolor="#FFF2CA" | Dalmatica (Tunicella) | Palermo, um 1140 | - bgcolor="#FFF2CA" | Strümpfe | Palermo, um 1170 | - bgcolor="#FFF2CA" | Schuhe | Palermo, um 1130 oder um 1220 | - bgcolor="#FFF2CA" | Handschuhe | Palermo, 1220 | - bgcolor="#FFF2CA" | Zeremonienschwert | Palermo, 1220 | - bgcolor="#FFF2CA" | Stola | mittelitalienisch, vor 1338 | - bgcolor="#FFF2CA" | Adlerdalmatica | oberdeutsch, vor 1350 | - bgcolor="#FFF2CA" | Zepter | deutsch, 1. Hälfte des 14. Jahrhundert | - bgcolor="#FFF2CA" | Aspergile | deutsch, 1. Hälfte des 14. Jahrhundert | - bgcolor="#FFF2CA" | Reliquiar mit den Kettengliedern | Rom oder Prag, um 1368 | - bgcolor="#FFF2CA" | Reliquiar mit einem Gewandstück des Evangelisten Johannes | Rom oder Prag, um 1368 | - bgcolor="#FFF2CA" | Reliquiar mit einem Span der Krippe Christi | Rom oder Prag, um 1368 | - bgcolor="#FFF2CA" | Reliquiar mit dem Armbein der heiligen Anna | wahrscheinlich Prag nach 1350 | - bgcolor="#FFF2CA" | Reliquiar mit einem Zahn Johannes des Täufers | böhmisch, nach 1350 | - bgcolor="#FFF2CA" | Futteral der Reichskrone | Prag, nach 1350 | - bgcolor="#FFF2CA" | Reliquiar mit einem Stück vom Tischtuch des Letzten Abendmahls |
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Inwiefern die Erwähnungen im Hoch- und Spätmittelalter tatsächlich auf die heute in Wien verwahrten Stücke zu beziehen sind, hängt jeweils von verschiedenen Faktoren ab. So wurde meist nur davon gesprochen, dass der Herrscher in kaiserliche Insignien gekleidet war, ohne zu beschreiben um welche Objekte es sich konkrekt handelt. Problemlos ist die Zuordnung zu den heutigen Objekten bei der Heiligen Lanze und dem Reichskreuz, da deren Entstehung vor dieser Zeit liegt und es ausreichend Belege für die tatsächliche Übereinstimmung gibt.
Die heutige Reichskrone lässt sich wahrscheinlich erst um 1200 nachweisen, als sie in der mittelalterlichen Dichtung anhand des Waisen, eines großen und hervorstechenden Edelsteins, erkennbar wird (sh. erste Erwähnungen der Reichskrone). Weitestgehend zweifelsfrei ist der Nachweis aber erst wesentlich später auf einem Wandgemälde auf der Burg Karlstein bei Prag möglich.
Auch beim Reichs- und beim Zeremonienschwert ist es schwer zu bestimmen, seit wann diese zu den Reichskleinodien gehören. Bei den anderen Stücken gestaltet sich die zeitliche Zuordnung in den Bestand der Reichskleinodien ähnlich schwierig.
Ähnliches schrieb einige Jahre später über die Krönung Leopolds II. im Jahre 1790 Karl Heinrich Ritter von Lang in einem Bericht, den man getrost als gehässige Karikatur bezeichnen kann:
sei. Hügel ließ daraufhin dem Magistrat mitteilen, dass Nürnberg keine Reichsstadt mehr sei und der ehemalige Kaiser das erteilte Privilieg zu Aufbewahrung der Kleinodien als erloschen ansehe. Die Stadt lässt die Angelegenheit zunächst auf sich beruhen.
Fünfzehn Jahre später im Jahre 1821 richtet die nunmehr bayerische Stadt eine Bitte an die königlich-bayerische Regierung, Schritte zur Überführung der Kleinodien einzuleiten. Diese lehnt das Ansinnen aus verschiedenen Gründen jedoch ab.
Im Jahre 1828 schlägt der Münchner Archivsekretär Klüber vor, ein Gutachten zu erstellen, das die Rückführung der Kleinodien begründen soll. Dieser Vorschlag wird dem bayerischen König unterbreitet und positiv beschieden. Die königliche Regierung betrachtet die Sache aber weiterhin als eine Angelegenheit der Stadt Nürnberg. Das Gutachten und ein weiteres des Sekretärs sind aber so schlecht und falsch und können durch die vorhandenen Unterlagen der Stadt widerlegt werden, dass ein anderes Vorgehen diskutiert wird. So soll Nürnberg unter anderem mit Hilfe von Beiträgen in vielgelesenen Zeitschriften versuchen öffentlichen Druck auf Wien auszuüben. Auf Grund verschiedener Schwierigkeiten wie nicht erstellter juristischer Gutachten, Nichtaktivitäten der Stadt Nürnberg und bürokratischer Kunstgriffe scheitert aber auch dieses. Vom Februar 1830 an ruhen die Aktivitäten zur Rückführung für mehr als 28 Jahre.
Im Jahre 1834 unternahm die Stadt einen direkten Vorstoß beim österreichischen Kaiser Franz I., die Kleinodien zurückzuführen. Franz I. beauftragte daraufhin seinen Staatskanzler Metternich mit einem Gutachten. Dieses Gutachten, ausgearbeitet von Josef von Werner, kam zur Entscheidung, dass:
Eine ähnliche Bitte aus dem März 1856 wurde auf Grundlage dieses Gutachtens ebenfalls ablehnend entschieden.
1945 wurden die Reichskleinodien von US-Soldaten in einem Bunker in Nürnberg gefunden und 1946 zurück nach Wien in die Hofburg gebracht.
Aber auch schon früher wurde zumindest eine Kopie des Krönungsornates hergestellt. Am 3. April 1764 wurde Joseph II. noch zu Lebzeiten und in Anwesenheit seines Vaters, Kaiser Franz I., in Frankfurt zum römisch-deutschen König gekrönt. Aus diesem Anlass wurde für Franz I. ein zweiter Krönungsmantels angefertigt, der dem ersten nachgebildet war. Die gelungene Ausführung dieser Arbeit belegt eine Schilderung des Augenzeugen Johann Wolfgang Goethes in seinem Werk Dichtung und Wahrheit I,5:
Goethe irrte jedoch mit der Aussage, auch die Krone sei eine Nachbildung gewesen. Vielmehr trug Franz I. bei diesem Anlass die Mitrakrone Kaiser Rudolfs II., die ein halbes Jahrhundert später zur Krone des Kaisertums Österreich wurde.
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