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Der Reichsbund für Leibesübungen war die Dachorganisation des Sports in Deutschland während der Herrschaft des Nationalsozialismus. Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 wurden nicht nur Parteien und Gewerkschaften aufgelöst und verboten, sondern auch alle Sportverbände mit oppositioneller politischer (z. B. sozialdemokratischer, kommunistischer oder kirchlicher) Ausrichtung. Insbesondere betraf dies die Vereine und Verbände des Arbeitersports noch im ersten Halbjahr 1933, sofern sie nicht einem Verbot durch Selbstauflösung zuvorkamen. Die national-konservativen und bürgerlichen Verbände bestanden nominell noch bis ins Folgejahr weiter, bis sie in die Einheitsorganisation des Reichsbundes für Leibesübungen eingegliedert wurden.

Der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen (DRL) wurde am 27. 7. 1934 gegründet und durch Erlass Adolf Hitlers vom 21. 12. 1938 unter Änderung des Namens in Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) zu einem "von der NSDAP betreuten Verband erhoben". Diese Umschreibung bedeutete, dass der NSRL der NSDAP unterstellt wurde. Sein Sitz war Berlin (Reichssportfeld, Haus des Deutschen Sports). Mit Gesetz Nr. 5 der amerikanischen Militärregierung vom 31. 5. 1945 wurde die NSDAP mit allen ihren Einrichtungen und Organisationen aufgelöst, und damit auch der NS-Reichsbund für Leibesübungen.

Vorgeschichte


Eine Vorgängerorganisation war der Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen (DRA oder, seltener, DRAfL) unter Führung von Theodor Lewald (Vorsitzender) und Carl Diem (Generalsekretär). Der DRA war 1917 aus dem Deutschen Reichsausschuss für Olympische Spiele (DRAfOS) hervorgegangen und verstand sich als Dachverband des Sports für Deutschland, umfasste aber längst nicht alle Verbände und Sportarten. Insbesondere die Vereine und Verbände des Arbeitersports waren ihm nicht beigetreten. 12. April 1933: Der DRA-Vorsitzende, Theodor Lewald – von den neuen Machthabern als "Halbjude" gebrandmarkt – beugt sich den Forderungen nach seinem Rücktritt. Von der Wahl eines neuen 1. Vorsitzenden wird nach Aufforderung durch Reichsinnenminister Wilhelm Frick abgesehen. Zu weiterführenden Verhandlungen mit der Reichsregierung hinsichtlich der Neuorganisation des Sports wird stattdessen eine Dreierkomission gebildet. Am 28. April 1933 wird der SA-Gruppenführer Hans von Tschammer und Osten, bisher im Sport völlig unbekannt, als Reichskommissar für Turnen und Sport eingesetzt. Er löst am 5. Mai 1933 (offiziell am 10. Mai) den bürgerlichen DRA auf. Am 19. Juli wird von Tschammer zum Reichssportführer ernannt und ihm das gesamte deutsche Sportwesen unterstellt.

Führung


An der Spitze stand der Reichssportführer:

Ab 1934 waren alle zugleich Präsidenten des Deutschen Olympischen Ausschusses (entsprach dem Nationalen Olympischen Komitee nach dem Krieg).

Gliederung


Fachliche Gliederung

  • Fachamt 1: Geräteturnen, Gymnastik und Sommerspiele (1)
  • Fachamt 2: Fußball, Rugby, Kricket (2)
  • Fachamt 3: Leichtathletik
  • Fachamt 4: Handball
  • Fachamt 5: Schwimmen
  • Fachamt 6: Schwerathletik
  • Fachamt 7: Boxen
  • Fachamt 8: Fechten
  • Fachamt 9: Hockey
  • Fachamt 10: Tennis
  • Fachamt 11: Rudern
  • Fachamt 12: Kanusport
  • Fachamt 13: Eis- und Rollsport
  • Fachamt 14: Schilauf (2)
  • Fachamt 15: Radfahren

Außer diesen Fachgebieten wurden innerhalb des Reichsbundes einige andere durch weiterhin bestehende Fachverbände betreut:

  • 16. Deutscher Segler-Verband
  • 17. Deutscher Bergsteiger-Verband
  • 18. Deutscher Wanderverband
  • 19. Deutscher Kegler-Bund
  • 20. Deutscher Schützen-Verband
  • 21. Deutscher Golf-Verband
  • 22. Deutscher Bob- und Schlittensport-Verband
  • 23. Deutscher Tisch-Tennis-Bund
  • 24. Deutscher Amateur-Billard-Verband

(1) Zu den Sommerspielen zählten die Turnspiele Schlagball, Faustball, Korbball, Schleuderball, Ringtennis – (2) Original-Schreibweise!

Gebietliche Gliederung

Sie entsprach der der NSDAP. Wo die Erfordernisse des praktischen Sportbetriebs es sinnvoll erscheinen ließen, wurden mehrere Gaue der NSDAP zu Sportbereichen zusammengeschlossen.
  • Sportbereich 1: Ostpreußen
  • Sportbereich 2: Pommern
  • Sportbereich 3: Berlin-Brandenburg
  • Sportbereich 4: Schlesien
  • Sportbereich 5: Sachsen
  • Sportbereich 6: Mitte (1)
  • Sportbereich 7: Nordmark (2)
  • Sportbereich 8: Niedersachsen
  • Sportbereich 9: Westfalen
  • Sportbereich 10: Niederrhein
  • Sportbereich 11: Mittelrhein
  • Sportbereich 12: Hessen
  • Sportbereich 13: Südwest (3)
  • Sportbereich 14: Baden
  • Sportbereich 14a: Elsaß
  • Sportbereich 15: Württemberg-Hohenzollern
  • Sportbereich 16: Bayern
  • Sportbereich 17: Ostmark (4)
  • Sportbereich 18: Sudetenland
  • Sportbereich 19: Danzig-Westpreußen
  • Gau Wartheland

(1) Thüringen, Anhalt und die Provinz Sachsen. – (2) Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg. – (3) Pfalz und (ab 1935) das Saargebiet. – (4) Österreich ab 1938.

Verteilung der Mitglieder

Der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen zählte am 1. 4. 1939: 44.622 Vereine mit 3.668.206 aktiven Mitgliedern (davon 526.084 weibliche).

Sportart Vereine/Abteilungen Ausübende gesamt davon weiblich
1. Geräteturnen 12.773 662.567 234.190
2. Fußball 10.928 483.302 0
2. Rugby 52 1.925 0
2. Kricket 6 88 0
3. Leichtathletik 7.366 268.183 58.817
4. Handball 4.774 152.943 14.229
4. Basketball 156 3.396 522
5. Schwimmen 2.643 129.142 41.482
6. Gewichtheben 809 12.777 0
6. Ringen 748 15.263 0
6. Jiu-Jitsu 220 7.957 68
7. Boxen 872 17.904 0
8. Fechten 548 9.088 2.505
9. Hockey 411 20.446 5.748
10. Tennis 1.840 79.932 40.361
11. Rudern 757 49.942 11.433
12. Kanu 1.155 45.652 8.183
13. Eislauf 369 13.944 4.907
13. Rollschuh 142 4.409 2.364
14. Skilauf 2.099 88.395 26.793
15. Radfahren 2.951 61.131 5.093
16. Segeln 460 19.069 832
17. Bergsteigen 510 168.450 28.536
18. Wandern 2.961 198.346 30.683
19. Kegeln 1.049 50.325 2.848
20. Schießen 14.310 418.404 2.730
21. Golf 59 3.953 1.401
22. Bobsport 21 311 29
22. Schlittensport 67 2.197 682
23. Tischtennis 777 15.810 3.937
24. Billard 246 5.046 67

Die Nummern entsprechen den Fachämtern und Fachverbänden.

Veranstaltungen


Meisterschaften in den einzelnen Sportarten wurden von den Fachämtern und Fachverbänden durchgeführt. Der Reichsbund für Leibesübungen veranstaltete übergreifend:
  • 23. - 29. Juli 1934 die 4. Deutschen Kampfspiele in Nürnberg
  • 26. - 31. Juli 1938 das Deutsche Turn- und Sportfest in Breslau

Namen von Trophäen


Fußball: Der heutige DFB-Pokal, 1935 gestiftet, wurde 1935 bis 1943 als Tschammer-Pokal (benannt nach dem Reichssportführer) umkämpft. – Der Amateur-Länderpokal, 1909 als Kronprinzenpokal gestiftet, wurde 1935 bis 1942 als Reichsbundpokal ausgespielt,

Quellen


Schlag nach! Wissenswerte Tatsachen aus allen Gebieten. Bibliographisches Institut, Leipzig, 3. Aufl. 1941

Externe Links


Flagge des NSRLB

Sport (Deutschland) Organisation (Nationalsozialismus)

 

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