Als Regietheater wird eine Strömung im Schauspiel oder Musiktheater bezeichnet, die der - meist dramaturgisch-szenische zugespitzten - Deutung eines vorhandenen Werkes durch den Regisseur größere Aufmerksamkeit zugesteht als dem Werk selbst.
Regietheater spielt in Deutschland, der Schweiz und Österreich in Sprechtheatern und auch an vielen Opernhäusern eine wichtige Rolle. Jede Aufführung ist ein mehr oder weniger einzigartiges Erlebnis; daran sind nicht nur die aufführenden Interpreten, sondern auch die im Regieteam zusammenarbeitenden Künstler beteiligt. Tatsächlich kommt keine Inszenierung heutzutage ohne einen verantwortlichen Regisseur aus, um eine für die jeweilige Zeit gültige Deutung des Werkes auf die Bühne zu bringen. Deshalb ist der Begriff eigentlich eine Tautologie. Im engeren Sinne ist mit der in den 70er Jahren entstandenen Bezeichnung meist eine Tendenz zur Überbewertung der Leistung des Regisseurs gemeint.
Außerhalb des deutschen Sprachraumes ist das Phänomen Regietheater weniger stark verbreitet. Im Schauspiel hat die Tendenz, Aufführungen zunehmend mit ursprünglich nicht zum Werk gehörenden Fremdtexten und improvisatorischen Techniken oder auch mit Videozuspielungen zu bereichern, inzwischen dazu geführt, dass Regietheater als polemischer Begriff mehr oder weniger obsolet geworden ist.
Bis etwa 1800 war Operntheater vor allem Uraufführungstheater. Komponist und Publikum lebten in derselben Zeit und somit in derselben Gesellschaft. Die Konventionen und "Spielregeln" für Theater waren für Aufführende wie Zuschauer allgemein klar. Mit der Aufführung auch älterer Werke bildete sich im 19. Jahrhundert das Repertoire-Theater, das neben neuen Werken auch diejenigen historischen Opern aufführte, die in ihrer Zeit ein Publikum fanden. Hierbei änderte sich der Theaterstil der Aufführung gegenüber der Zeit ihrer Entstehung oft erheblich, da sich die Sicht der Zeit auf Stoffe, Themen und Motive und auch die angewandten technischen Hilfsmittel bis hin zur Bauweise der Musikinstrumente verändert hatten. Die Werke Mozarts z. B. erfuhren im 19. Jahrhundert eine deutliche Romantisierung und Verfälschung (etwa bei Così fan tutte). Je weiter Entstehung und Aufführung eines Werkes zeitlich auseinander klafften, desto mehr bedurfte es der Interpretation eines Werkes. Dies führte schließlich zum Beruf des Regisseurs, also eines künstlerischen Gesamtleiters einer Opernaufführung, der Spielweise und ästhetische Gestaltung des Werkes in Zusammenarbeit mit dem Dirigenten festlegt.
Unter den Schlagworten "Werktreue" und "Regietheater" lassen sich zwei gegensätzliche Positionen zur Aufführung von Opern heute fassen, die unter Zuschauern und Künstlern oft heftig und kontrovers gegeneinander gestellt werden.
Zwischen diesen beiden Polen steht heute jede Opernaufführung. Der Anspruch der meisten Künstler in der Oper ist jedoch, gleichermaßen dem Werk und der heutigen Realität gerecht zu werden. Der Regisseur Adolf Dresen hat hierzu (sinngemäß) formuliert: Die Werktreue ist für eine Oper ebenso schädlich wie die Werkverwurstung. Ein weiterer, gern zitierter Ausspruch mit Bezug auf die Diskussion zum Thema Werktreue besagt: Tradition ist die Weitergabe des Feuers, und nicht die Anbetung der Asche.
Eine immer wieder neue Herausforderung für Regisseure bietet Bayreuth mit den Werken Richard Wagners. Da der Kanon der bei den Festspielen gespielten Werken seit über 100 Jahren auf dieselben zehn Wagner-Opern begrenzt ist, tritt die jeweilige Neudeutung der Werke in der "Werkstatt Bayreuth" naturgemäß in den Vordergrund.
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